Dynastie, Verwandtschaft und Erbrecht vom 11. bis 14. Jahrhundert

Staufer-Stammbaum und Genealogie – Herkunft, Linien, Ehen und Nachkommen

Von den unsicheren Anfängen vor 1079 über Herzog Friedrich I. und Agnes von Waiblingen, Konrad III., Barbarossa, Heinrich VI. und Philipp von Schwaben bis zu Friedrich II., Heinrich (VII.), Konrad IV., Manfred, Konradin und den weiterlebenden Frauen- und Nebenlinien: eine supersuperausführliche, sachliche und quellenkritische Genealogie der Staufer.

Historische VertiefungRedaktion: Familie Mayer
1079Herzog Friedrich I. heiratet Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV.
1138Konrad III. wird erster staufischer König.
1194In Friedrich II. verbinden sich staufisches und sizilisches Erbe.
1268Konradins Tod beendet die anerkannte königliche Hauptlinie, nicht jede biologische Nachkommenschaft.

Ein Stammbaum ist ein Modell – keine vollständig erhaltene Familienakte

Stammbäume wirken auf den ersten Blick eindeutig: Zwei Personen werden durch eine Linie verbunden, darunter stehen ihre Kinder, und jede Generation scheint lückenlos aus der vorherigen hervorzugehen. Für eine hochmittelalterliche Dynastie ist diese Klarheit jedoch das Ergebnis moderner Rekonstruktion. Geburtsurkunden, Standesamtsregister und fortlaufende Familienbücher gab es nicht. Was wir über die Staufer wissen, stammt aus Urkunden, Nekrologien, Klostertraditionen, päpstlichen und königlichen Registern, Chroniken, Grabinschriften, Siegeln, Eheverträgen und späteren genealogischen Darstellungen. Diese Quellen wurden für politische, rechtliche, liturgische oder erinnerungskulturelle Zwecke geschaffen, nicht um heutigen Forschern einen vollständigen Stammbaum zu liefern.

Besonders unsicher sind frühe Generationen, früh verstorbene Kinder, außereheliche Nachkommen und Personen, die nur in einer einzigen oder späten Quelle erscheinen. Auch die Schreibweise der Namen wechselt. Ein und dieselbe Person kann lateinisch, deutsch, italienisch, französisch oder griechisch anders bezeichnet werden. Titel ändern sich im Lebenslauf. Ein Kind kann nach einer Heirat einen neuen Namen annehmen. Bei Friedrich II. kommen zudem legitime Ehen, eine wahrscheinlich nachträglich legalisierte Verbindung und zahlreiche außereheliche Kinder zusammen.

Die Seite zeigt deshalb nicht nur, wer mit wem verwandt war. Sie erklärt, wie sicher eine Verbindung ist, welche politische Funktion eine Ehe hatte, wie Erbrechte über Frauen weitergegeben wurden und warum die geläufige Behauptung, die Staufer seien 1268 „im Mannesstamm ausgestorben“, nur mit genauer Definition zutrifft.

Arbeitsregel dieser Seite: Jede genealogische Aussage wird nach ihrem Sicherheitsgrad behandelt. Sicher belegte Beziehungen, wahrscheinliche Rekonstruktionen, traditionelle Frühgenealogie, rechtlich umstrittene Legitimation, spätere Legenden und moderne Familienbehauptungen werden ausdrücklich getrennt.

Was „Dynastie“, „Haus“, „Linie“ und „Mannesstamm“ bedeuten

Eine Dynastie ist keine naturgegebene Einheit, sondern eine historisch gebildete Vorstellung von Abstammung, Herrschaft und Zusammengehörigkeit. Im Hochmittelalter definierten sich Adelsfamilien nicht durch einen festen bürgerlichen Nachnamen. Entscheidend waren Vorfahren, Besitz, Ämter, Eheverbindungen, Grablegen, Heilige, Stiftungen und die Erinnerung an berühmte Verwandte. Der Ausdruck „Haus“ kann eine moderne Zusammenfassung sein, aber auch zeitgenössische Vorstellungen von einer domus, einer Herrscherfamilie oder einem Hofverband aufnehmen.

Hauptlinie und Nebenlinie

Die Hauptlinie ist meist jene Folge, die das wichtigste Amt, Erbe oder den Herrschaftsanspruch trägt. Nebenlinien entstehen durch jüngere Söhne, außereheliche Kinder, neue Territorien oder Heiraten. Welche Linie als „Hauptlinie“ gilt, hängt daher vom betrachteten Anspruch ab: Herzogtum Schwaben, Königtum, Sizilien oder Burgund.

Mannesstamm und Frauenlinie

Mannesstamm bezeichnet eine Folge Vater–Sohn–Enkel über männliche Nachkommen. Eine Frauenlinie führt über Töchter weiter. Politische Erbrechte konnten gerade durch Frauenlinien übertragen werden, wie Konstanze von Sizilien und Manfreds Tochter Konstanze besonders deutlich zeigen.

Auch legitim und illegitim sind keine einfachen moralischen Kategorien. Sie bezeichnen den kirchen- und erbrechtlichen Status einer Geburt. Ein außerehelich geborenes Kind konnte anerkannt, ausgestattet und später legitimiert werden. Dennoch blieb seine Stellung häufig angreifbar. Manfred ist das wichtigste staufische Beispiel: Friedrich II. behandelte ihn als hochrangigen Sohn und setzte ihn testamentarisch ein, doch Gegner konnten seine Geburt politisch gegen ihn verwenden.

Wenn moderne Darstellungen Konradin als „letzten Staufer“ bezeichnen, meinen sie gewöhnlich den letzten allgemein anerkannten legitimen männlichen Erben der königlichen Hauptlinie. Das ist etwas anderes als der letzte lebende männliche biologische Nachkomme Friedrichs II. oder der letzte Mensch mit staufischer Abstammung.

Wie mittelalterliche Verwandtschaft bewiesen wird

Die stärksten Belege entstehen, wenn mehrere voneinander unabhängige Quellen dieselbe Beziehung bestätigen. Eine Urkunde kann eine Person ausdrücklich als Sohn, Tochter, Bruder oder Ehefrau nennen. Ein Ehevertrag regelt Mitgift und Erbfolge. Ein Nekrolog verzeichnet Todestag und Familienzugehörigkeit. Eine Grabinschrift verbindet Namen, Titel und Verwandtschaft. Chroniken liefern zusätzliche Informationen, sind aber je nach Entstehungszeit, politischer Nähe und literarischer Absicht unterschiedlich zuverlässig.

Gesichert: mehrfach oder direkt belegtWahrscheinlich: starke IndizienTraditionell rekonstruiertUmstritten oder widersprüchlichAußerehelich beziehungsweise später legitimiert

Urkunden

Sie sind besonders wertvoll, wenn Verwandtschaft für Rechtsgeschäfte wichtig war. Aber auch Urkunden können gefälscht, interpoliert oder nur in später Abschrift erhalten sein.

Nekrologien

Klöster gedachten Wohltätern und Angehörigen. Sie bewahren Namen und Todestage, ordnen Personen aber nicht immer eindeutig einer Generation zu.

Chroniken

Sie erzählen Herkunft und Nachfolge, können jedoch politische Propaganda, moralische Deutung oder jahrzehntelangen Abstand enthalten.

Siegel und Titel

Sie helfen bei Identität, Rang und Amtsfolge. Gleichnamige Personen bleiben dennoch eine häufige Fehlerquelle.

Gräber

Grablegen zeigen Memoria und Familienbewusstsein. Umbettungen, Zerstörungen und spätere Zuschreibungen erschweren sichere Identifizierung.

Moderne Forschung

Sie vergleicht alle Belege, korrigiert ältere Stammbäume und lässt Lücken offen, wo keine tragfähige Aussage möglich ist.

Wichtig: Ein gedruckter oder digitaler Stammbaum ist selbst keine Primärquelle. Entscheidend ist, ob er seine Verbindungen aus überprüfbaren mittelalterlichen Belegen und aktueller Forschung ableitet.

Warum „Staufer“ kein durchgehend benutzter Familienname war

Die Familie wird heute nach der Burg Stauf auf dem Hohenstaufen bei Göppingen benannt. Das darf jedoch nicht so verstanden werden, als hätten alle Angehörigen seit dem 11. Jahrhundert den festen Nachnamen „von Hohenstaufen“ getragen. Hochmittelalterliche Herrscher erscheinen in den Quellen als Friedrich, Konrad, Heinrich oder Philipp, ergänzt durch Titel wie Herzog von Schwaben, König, Kaiser, Pfalzgraf oder König von Sizilien.

Der Familienartikel der Neuen Deutschen Biographie betont, dass die Burg Stauf vor 1079 wahrscheinlich von Graf Friedrich erbaut wurde, bis um 1200 aber weder dauerhaft namengebender Hauptsitz noch ein durchgehend identitätsstiftendes Zentrum des ganzen Hauses war. Erst Friedrich II. gebrauchte vereinzelt Formulierungen, die ein Geschlecht „de Stophin“ oder eine „domus Stoffensis“ bezeichnen. Für frühere Generationen war die salische Verwandtschaft oft politisch wichtiger als die Burg.

Zeitgenossen verwendeten außerdem „Waiblinger“. Waiblingen war mit dem salischen Erbe verbunden. Im italienischen Sprachraum entwickelte sich daraus Ghibellini, die Bezeichnung der kaiserlichen Partei. Auch dieser Name bezeichnete bald mehr als bloße biologische Abstammung: Er wurde zu einem politischen Lagerbegriff.

Die Form „Hohenstaufen“ ist in der heutigen Alltagssprache verständlich, kann aber den falschen Eindruck eines seit Jahrhunderten feststehenden Familiennamens erzeugen. Quellenkritisch genauer ist es, zwischen moderner Dynastiebezeichnung, zeitgenössischen Titeln und späterer Erinnerungskultur zu unterscheiden.

Die frühen Staufer vor 1079: der unsicherste Teil des Stammbaums

Die Frühgenealogie ist das Feld mit den größten Lücken. In älteren Stammbäumen steht häufig ein „Friedrich von Büren“ als Vater Herzog Friedrichs I., verheiratet mit Hildegard aus einem elsässischen Grafenhaus. Diese Rekonstruktion ist traditionsreich und nicht beliebig, doch Namen, Besitzbeziehungen und Memorialzeugnisse erlauben keine durchgehend lückenlose Sicherheit. Die Forschung hat verschiedene Modelle zur Herkunft und zum sozialen Rang der Familie vorgeschlagen.

Gesichert ist vor allem, dass die Familie im schwäbisch-elsässischen Raum über Besitz, Grafenrechte und Verbindungen verfügte und bis 1079 so bedeutend geworden war, dass Heinrich IV. Friedrich zum Herzog von Schwaben erhob. Der Aufstieg begann also nicht aus dem Nichts. Die genaue Abfolge früherer Friedrich-Namen, die Zuordnung zu Orten wie Büren und Stauf sowie mögliche Beziehungen zu elsässischen und schwäbischen Adelsgruppen bleiben jedoch schwieriger als spätere Generationen.

Traditionell rekonstruiert

Friedrich von Büren

In vielen Stammbäumen als Vater Herzog Friedrichs I. geführt. Die Bezeichnung nach Büren und die genaue Lebenszeit sind nicht in derselben Sicherheit belegt wie die Herzogszeit des Sohnes.

Wahrscheinlich

Hildegard

Als Mutter Herzog Friedrichs I. und Verbindung in den elsässischen Hochadel rekonstruiert. Ihre genaue Herkunft wird unterschiedlich angegeben und sollte nicht mit moderner Gewissheit formuliert werden.

Für Besucher des Hohenstaufen ist besonders wichtig: Die Stammburg ist ein zentraler Erinnerungsort, aber nicht automatisch der Geburtsort aller frühen Angehörigen und nicht der einzige Mittelpunkt ihrer Herrschaft. Die Familie besaß und nutzte mehrere Räume zwischen Schwaben, Elsass, Rheinfranken und Ostfranken.

Herzog Friedrich I. und Agnes von Waiblingen: der sichere Ausgangspunkt

Mit Herzog Friedrich I. von Schwaben und Agnes von Waiblingen beginnt der politisch klar erkennbare Aufstieg. König Heinrich IV. erhob Friedrich 1079 im Kampf gegen die Fürstenopposition zum Herzog von Schwaben und verband ihn durch die Ehe mit seiner Tochter Agnes unmittelbar mit der salischen Königsdynastie. Die Verbindung war Bündnis, Belohnung und Zukunftsinvestition zugleich.

Friedrichs Herzogtum war umkämpft. Die Zähringer beanspruchten ebenfalls herzogliche Stellung. Der staufische Erfolg beruhte daher nicht auf einer einzigen feierlichen Belehnung, sondern auf jahrzehntelanger militärischer, politischer und territorialer Konsolidierung. Die Ehe mit Agnes erhöhte den Rang der Familie enorm. Ihre Kinder waren Enkel Kaiser Heinrichs IV. und Neffen Kaiser Heinrichs V.

Friedrich I. von Schwaben

Gestorben 1105/06. Er gilt als erster staufischer Herzog von Schwaben und als Erbauer beziehungsweise früher Ausbauherr der Burg Stauf. Seine politische Stellung entstand im salischen Bürgerkrieg.

Agnes von Waiblingen

Tochter Heinrichs IV. Nach Friedrichs Tod heiratete sie Markgraf Leopold III. von Österreich. Damit verband sie Staufer, Salier und Babenberger in einem weitreichenden Verwandtschaftsnetz.

Die Söhne

Besonders wichtig sind Friedrich II. der Einäugige und Konrad III. Der eine führte das Herzogtum, der andere wurde 1138 König. Weitere Kinder verbanden die Familie mit geistlichen und weltlichen Adelskreisen.

Agnes darf nicht nur als „Ehefrau eines Herzogs“ betrachtet werden. Sie war die genealogische Brücke, über die salisches Prestige, Erbansprüche und Verwandtschaft in das staufische Haus gelangten. Ihre zweite Ehe machte die späteren Babenberger zu Halbgeschwistern der staufischen Brüder und erweiterte das politische Verwandtschaftsnetz nach Österreich und Polen.

Salisches Blut, salisches Gut und die Grenzen des Erbrechts

Nach dem Tod Heinrichs V. 1125 erlosch die salische Kaiserdynastie in direkter männlicher Linie. Friedrich II. und Konrad waren als Söhne Agnes' die nächsten prominenten Neffen. Daraus folgte aber kein automatischer Anspruch auf die Königskrone. Das römisch-deutsche Königtum war Wahlkönigtum. Die Fürsten konnten Verwandtschaft berücksichtigen, waren aber nicht an eine einfache Erbfolge gebunden.

Friedrich II. trat 1125 als Kandidat an, unterlag jedoch Lothar von Sachsen. Anschließend eskalierte der Streit um das salische Erbe. Dabei musste zwischen Familiengut der Salier, Reichsgut, Amtsrechten und Lehen unterschieden werden. Genau diese Kategorien waren nicht immer eindeutig. Was die Staufer als mütterliches Erbe betrachteten, konnte der neue König als dem Reich heimgefallen beanspruchen.

Genealogie war daher unmittelbar politisch: Abstammung begründete Erwartungen, aber noch keinen unbestrittenen Rechtsanspruch. Die Staufer nutzten die Erinnerung an Heinrich IV., Heinrich V. und die salische Kaiserfamilie, um ihren Rang zu erhöhen. Der spätere Name „Waiblinger“ verweist auf diese Identität. Erst im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts entwickelte sich daneben ein stärkeres Bewusstsein einer eigenen staufischen Dynastie.

Quellenkritische Trennung: „Sohn einer Kaisertochter“ ist eine genealogische Tatsache. „Rechtmäßiger Erbe der Königskrone“ ist eine politische und rechtliche Behauptung, die im Wahlreich umstritten blieb.

Der Staufer-Stammbaum im Überblick

Der folgende Stammbaum ist bewusst als Folge von Generationen und nicht als breite, seitlich scrollende Grafik gestaltet. Er zeigt den politisch wichtigsten Kern. Früh verstorbene Kinder, unsichere Töchter und zahlreiche Nebenpersonen werden in den späteren Abschnitten ergänzt.

GesichertWahrscheinlichTraditionellUmstrittenAußerehelich/legitimiert
Frühstamm11. Jahrhundert
Traditionell rekonstruiert

Friedrich von Büren

11. Jahrhundert

Als Vater Herzog Friedrichs I. geführt; genaue Herkunft und Benennung bleiben unsicher.

Wahrscheinlich

Hildegard

11. Jahrhundert

Traditionell mit elsässischer Hochadelsverwandtschaft verbunden.

1. sichere HerrschergenerationAufstieg 1079
Gesichert

Friedrich I. von Schwaben

† 1105/06

Herzog von Schwaben, verheiratet mit Agnes.

Gesichert

Agnes von Waiblingen

1074/75–1143

Tochter Kaiser Heinrichs IV.; Vermittlerin des salischen Erbes.

2. GenerationHerzog und König
Gesichert

Friedrich II. der Einäugige

um 1090–1147

Herzog von Schwaben; Vater Barbarossas und Konrads von Staufen.

Gesichert

Konrad III.

um 1093/94–1152

Erster staufischer König; Vater Heinrich Berengars und Friedrichs IV.

3. GenerationZwei Hauptzweige
Gesichert

Friedrich I. Barbarossa

1122–1190

Sohn Friedrichs II. und Judiths; König und Kaiser.

Gesichert

Konrad von Staufen

um 1134/36–1195

Halbbruder Barbarossas; Pfalzgraf bei Rhein.

Gesichert

Friedrich IV. von Rothenburg

um 1144–1167

Sohn Konrads III.; letzter männlicher Vertreter dieser Königsnebenlinie.

4. GenerationKinder Barbarossas
Gesichert

Heinrich VI.

1165–1197

Kaiser; verheiratet mit Konstanze von Sizilien.

Gesichert

Friedrich V.

1164–1191

Herzog von Schwaben; starb auf dem Kreuzzug.

Gesichert

Otto I. von Burgund

um 1170–1200

Pfalzgraf von Burgund.

Gesichert

Konrad II. von Rothenburg

nach 1170–1196

Herzog von Schwaben; unverheiratet.

Gesichert

Philipp von Schwaben

1177–1208

König; Vater vier überlebender Töchter.

5. GenerationReich und Sizilien
Gesichert

Friedrich II.

1194–1250

Sohn Heinrichs VI. und Konstanzes; Kaiser und König von Sizilien.

Gesichert

Beatrix, Kunigunde, Maria, Beatrix-Isabella

um 1198–1248

Philipps Töchter verbanden die Staufer mit Welfen, Přemysliden, Brabant und Kastilien.

6. GenerationSöhne Friedrichs II.
Legitim

Heinrich (VII.)

1211–1242

Römisch-deutscher König; später abgesetzt.

Legitim

Konrad IV.

1228–1254

König; Vater Konradins.

Später legitimiert

Manfred

um 1232–1266

König von Sizilien; Vater Konstanzes von Aragón und mehrerer gefangener Söhne.

Außerehelich

Enzio

um 1215/20–1272

Königstitel von Sardinien; keine sichere legitime Nachkommenschaft.

7. GenerationEnde und Weiterleben
Hauptlinie

Konradin

1252–1268

Letzter allgemein anerkannter legitimer männlicher Erbe der königlichen Hauptlinie.

Frauenlinie

Konstanze von Aragón

um 1249–1301

Tochter Manfreds; vermittelte den sizilischen Anspruch an Aragón.

Nebenlinie

Heinrich, Friedrich und Enzio

† bis 1318

Söhne Manfreds; in angevinischer Gefangenschaft, ohne herrschaftsfähige Fortsetzung.

Leseregel: Die Reihenfolge zeigt politische und genealogische Hauptverbindungen. Sie behauptet nicht, dass nur die genannten Personen existierten oder jede Generation vollständig überliefert ist.

Die beiden Hauptlinien nach Herzog Friedrich I.

Nach dem Tod Herzog Friedrichs I. trugen vor allem zwei Söhne die Familie weiter: Friedrich II. der Einäugige und Konrad III. Diese Brüder handelten lange gemeinsam, entwickelten aber genealogisch unterschiedliche Zweige. Friedrich II. führte das Herzogtum Schwaben und wurde Vater Barbarossas. Konrad stieg über Gegenkönigtum und Wahl von 1138 zum König auf.

  1. Herzogliche Linie: Friedrich I. → Friedrich II. der Einäugige → Friedrich Barbarossa → Heinrich VI. → Friedrich II. → Konrad IV. → Konradin.
  2. Königliche Nebenlinie Konrads III.: Friedrich I. → Konrad III. → Heinrich Berengar und Friedrich IV. von Rothenburg. Beide Söhne starben vor einer dauerhaften Fortsetzung.
  3. Pfälzische Nebenlinie: Friedrich II. der Einäugige → Konrad von Staufen, Pfalzgraf bei Rhein. Seine Tochter Agnes übertrug Ansprüche in welfisch-wittelsbachische Zusammenhänge.
  4. Burgundische Linie: Barbarossa und Beatrix → Otto I., Pfalzgraf von Burgund. Seine Töchter und Erbverbindungen führten den burgundischen Besitz aus dem engeren staufischen Mannesstamm heraus.
  5. Sizilische Nebenlinien: Friedrich II. → Manfred, Enzio, Friedrich von Antiochien und weitere Kinder. Diese Linien hatten unterschiedliche rechtliche Stellung und politische Reichweite.

Die Dynastie war also nie nur eine gerade Linie von Kaiser zu Kaiser. Sie bestand aus Brüdern, Vettern, Halbgeschwistern, Töchtern und Schwägern, die Ämter, Burgen, Pfalzgrafschaften und Heiratsverbindungen übernahmen. Gerade die Nebenlinien stabilisierten die Herrschaft, konnten aber auch eigene Interessen entwickeln.

Konrad III., Heinrich Berengar und Friedrich von Rothenburg

Konrad III. war der erste staufische König. Seine Ehe mit Gertrud von Sulzbach verband ihn mit einem bedeutenden nordbayerischen Grafenhaus. Der ältere Sohn Heinrich, häufig Heinrich Berengar genannt, wurde 1147 zum Mitkönig gewählt. Seine frühe Erhebung sollte die Nachfolge sichern und zeigt, dass Konrad eine dynastische Königsherrschaft anstrebte. Heinrich starb jedoch 1150, noch vor seinem Vater.

Der jüngere Sohn Friedrich, später Herzog Friedrich IV. von Schwaben beziehungsweise von Rothenburg genannt, war 1152 noch ein Kind. Konrad empfahl deshalb nicht ihn, sondern seinen erwachsenen Neffen Friedrich von Schwaben als Nachfolger. Diese Empfehlung war keine formale Erbeinsetzung, beeinflusste aber die Wahl Barbarossas.

Barbarossa behandelte den jungen Vetter zunächst als wichtigen Angehörigen. Friedrich IV. erhielt das Herzogtum Schwaben und umfangreiche Besitzungen. Er nahm an Italienzügen teil und starb 1167 vermutlich während der großen Epidemie im kaiserlichen Heer. Er hinterließ keine gesicherte Nachkommenschaft. Damit erlosch Konrads männliche Königsnebenlinie.

Heinrich Berengar

Mitkönig, † 1150. Seine Verlobungs- und Bündnispläne reichten bis Byzanz. Der frühe Tod verhinderte eine eigene Herrschaft.

Friedrich IV. von Rothenburg

Um 1144–1167. Herzog von Schwaben, Vetter Barbarossas, ohne bekannte Kinder. Sein Besitz fiel weitgehend an die barbarossische Linie.

Die Wahl Barbarossas wird manchmal als Verdrängung des „rechtmäßigen Erben“ erzählt. Das greift zu kurz. Das Königtum war nicht automatisch erblich, Friedrich IV. minderjährig und die Fürstenwahl entscheidend. Genealogische Nähe half Barbarossa, ersetzte aber nicht die politische Zustimmung.

Barbarossa zwischen staufischer, welfischer und burgundischer Abstammung

Friedrich Barbarossa war Sohn Herzog Friedrichs II. des Einäugigen und Judiths aus dem welfischen Haus. Schon seine Eltern verbanden zwei mächtige Adelsgruppen, die spätere Geschichtsschreibung gern als grundsätzlich verfeindete „Staufer“ und „Welfen“ gegenüberstellte. Genealogisch war Barbarossa jedoch beides: staufischer Herzogsohn und welfischer Neffe. Diese doppelte Verwandtschaft erleichterte 1152 seine Rolle als Ausgleichskandidat.

Seine erste Ehe mit Adelheid von Vohburg wurde 1153 kirchenrechtlich getrennt; Kinder sind aus dieser Verbindung nicht belegt. 1156 heiratete er Beatrix von Burgund, Erbtochter der Freigrafschaft Burgund. Diese Ehe war dynastisch außerordentlich bedeutend. Sie brachte nicht einfach ein geschlossenes Territorium als Mitgift, sondern eröffnete Rechte, Ansprüche, Beziehungen und eine eigene westliche Herrschaftsdimension.

Barbarossa und Beatrix hatten zahlreiche Kinder. Die genaue Geburtsreihenfolge, die Zahl früh verstorbener Söhne und einzelne Namenszuordnungen waren lange Gegenstand der Forschung. Sicher ist, dass mehrere Söhne gezielt mit Ämtern und Herrschaftsräumen ausgestattet wurden. Das war eine Stärke, erhöhte aber die Gefahr, dass bei frühen Todesfällen und kinderlosen Linien Besitz neu verteilt werden musste.

Die barbarossische Familie verband Schwaben, das Königtum, die Freigrafschaft Burgund und später Sizilien. Innerhalb von zwei Generationen wurde aus einer schwäbisch-elsässischen Herzogsfamilie ein europäisches Herrschernetz.

Die Kinder Barbarossas und Beatrix’ von Burgund

Die Kinderliste Barbarossas ist ein gutes Beispiel für genealogische Vorsicht. Die Quellen nennen Söhne und Töchter nicht immer in derselben Reihenfolge; früh verstorbene Kinder tauchen nur punktuell auf. Moderne Forschung hat Geburtsfolgen anhand von Urkunden, Verlobungen, Altersangaben und Ämterübertragungen rekonstruiert.

Friedrich

Status
Früh verstorbener Sohn
Bedeutung
In Quellen und Forschung als ältester beziehungsweise früher Sohn geführt; starb 1169/70.

Heinrich VI.

Geboren
1165
Rolle
König, Kaiser, Ehemann Konstanzes von Sizilien und Vater Friedrichs II.

Friedrich V.

Geboren
1164, Taufname wahrscheinlich Konrad
Rolle
Herzog von Schwaben; starb 1191 vor Akkon.

Otto I.

Rolle
Pfalzgraf von Burgund
Nachkommen
Töchter führten burgundische Erbrechte weiter; keine dauerhafte männliche Linie.

Konrad II.

Beiname
von Rothenburg
Rolle
Herzog von Schwaben; blieb unverheiratet und starb 1196.

Philipp von Schwaben

Geboren
1177
Rolle
Herzog und König; vier überlebende Töchter, keine fortsetzende männliche Linie.

Beatrix

Status
Tochter
Überlieferung
Starb jung; einzelne Datierungen variieren.

Agnes

Status
Tochter
Überlieferung
Für eine ungarische Heiratsverbindung vorgesehen, starb jedoch jung.

Rainald und Wilhelm erscheinen in einigen genealogischen Aufstellungen als möglicherweise früh verstorbene Söhne. Ihre Einordnung ist unsicherer als die der später politisch aktiven Brüder. Eine seriöse Darstellung sollte sie nicht völlig unterschlagen, aber auch nicht mit derselben Sicherheit wie Heinrich VI. oder Philipp behandeln.

Die hohe Kinderzahl bedeutete nicht automatisch eine stabile Nachfolge. Friedrich V., Konrad II. und Otto starben ohne dauerhafte männliche Erben. Heinrich VI. hatte nur einen überlebenden Sohn. Philipp hinterließ Töchter. So verengte sich der dynastische Mannesstamm trotz vieler Geburten innerhalb weniger Jahrzehnte stark.

Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien: die entscheidende Erbehe

Die Ehe Heinrichs VI. mit Konstanze von Sizilien von 1186 veränderte die Genealogie der Staufer grundlegend. Konstanze war Tochter König Rogers II. aus dem normannischen Haus Hauteville. Als ihr Neffe Wilhelm II. 1189 ohne direkte Nachkommen starb, konnte sie einen Erbanspruch auf das Königreich Sizilien geltend machen.

Genealogisch verband sich nun die staufische Linie mit der normannisch-sizilischen Königsdynastie. Politisch war der Anspruch umstritten, weil einheimische Kräfte Tankred von Lecce unterstützten und das Papsttum die Verbindung von Kaiserreich und Sizilien als Bedrohung betrachtete. Heinrich setzte den Anspruch 1194 militärisch durch.

Am 26. Dezember 1194 wurde Friedrich II. geboren. Die berühmte Erzählung, Konstanze habe öffentlich in einem Zelt auf dem Marktplatz von Jesi entbunden, um Zweifel an ihrer Mutterschaft zu widerlegen, ist in ihrer dramatischen Form spätere Ausschmückung. Sicher ist die Geburt in Jesi und die außergewöhnliche dynastische Bedeutung des Kindes.

Friedrich II. war nicht nur „Staufer“. In ihm vereinigten sich staufische Herzogstradition, salische Kaiserverwandtschaft, welfische Abstammung über Judith, burgundische Verbindungen über Beatrix und das normannische Königserbe Siziliens. Seine politische Biografie ist ohne diese zusammengesetzte Genealogie nicht verständlich.

Erbprinzipien trafen aufeinander: Im Reich entschied die Fürstenwahl; in Sizilien spielte erbliche Thronfolge eine wesentlich stärkere Rolle. Friedrich II. lebte in beiden Ordnungen zugleich.

Philipp von Schwaben und Irene-Maria: vier Töchter als europäische Verbindungslinien

Philipp von Schwaben heiratete Irene-Maria, eine Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak II. Angelos. Die Ehe verband die staufische Familie mit der byzantinischen Kaiserdynastie. Nach Philipps Ermordung 1208 und Irenes Tod wenige Wochen später blieb keine fortsetzende männliche Linie. Vier Töchter überlebten und wurden dynastisch hochrangig verheiratet.

Beatrix die Ältere

Heiratete 1212 Kaiser Otto IV., den früheren welfischen Gegner ihres Vaters. Sie starb kurz nach der Hochzeit; die Ehe blieb ohne Nachkommen.

Kunigunde

Heiratete Wenzel I. von Böhmen. Über ihre Kinder führte staufische Abstammung in die Přemysliden und zu König Ottokar II.

Maria

Heiratete Heinrich II. von Brabant. Ihre Nachkommen verbanden staufische Abstammung mit dem niederländisch-lothringischen Hochadel.

Beatrix-Isabella

Heiratete Ferdinand III. von Kastilien und León. Ihr Sohn Alfons X. wurde 1257 zum römisch-deutschen König gewählt und konnte sich auch auf staufische Abstammung berufen.

Diese vier Linien zeigen, warum das Ende eines Mannesstamms nicht das Ende dynastischer Wirkung bedeutet. Über Töchter gelangten Namen, Erinnerungen, Erbansprüche und politische Netzwerke in andere Häuser. Moderne Stammbäume, die nur männliche Träger des Namens zeigen, unterschätzen diese Wirkung.

Die Ehen waren nicht bloß private Familienereignisse. Sie dienten der Aussöhnung, Bündnispolitik und internationalen Positionierung. Beatrix' Ehe mit Otto IV. sollte einen langjährigen Thronstreit symbolisch beenden. Die Verbindungen nach Böhmen, Brabant und Kastilien erweiterten den Einflussraum weit über Schwaben hinaus.

Friedrich II.: drei Ehen, eine wahrscheinlich legalisierte Verbindung und zahlreiche Kinder

Die Familienverhältnisse Friedrichs II. sind umfangreich und in den Details anspruchsvoll. Er war dreimal sicher verheiratet. Hinzu kam die Verbindung mit Bianca Lancia, die wahrscheinlich in den 1240er Jahren legalisiert wurde. Außerdem hatte er zahlreiche außereheliche Kinder mit verschiedenen Frauen. Nicht alle Mütter sind sicher bekannt, und nicht jede in späterer Literatur genannte Person lässt sich gleich gut belegen.

Konstanze von Aragón

Heirat 1209. Sie war bereits Witwe des ungarischen Königs Emerich. Ihr Sohn Heinrich (VII.) wurde 1211 geboren.

Isabella-Jolanthe von Jerusalem

Heirat 1225. Als Erbin Jerusalems vermittelte sie Friedrich den Königstitel von Jerusalem. Ihr Sohn war Konrad IV.; eine Tochter starb jung.

Isabella von England

Heirat 1235. Tochter König Johanns von England. Überlebende Kinder waren Margarethe und Heinrich, auch Karl oder Carlotto genannt.

Bianca Lancia

Langjährige Verbindung. Die genaue Form einer späten Eheschließung ist nicht in allen Einzelheiten greifbar. Zu ihren Kindern gehören Konstanze und Manfred; Violante wird teilweise ebenfalls zugeordnet.

Die Kinder wurden nicht gleich behandelt. Heinrich (VII.) und Konrad IV. waren als legitime Söhne für Königtum und Nachfolge vorgesehen. Manfred erhielt nach späterer Legitimation wichtige Territorien und eine stellvertretende Rolle. Enzio und Friedrich von Antiochien wurden mit Ämtern und Kommandos ausgestattet, ohne denselben universalen Erbanspruch zu besitzen.

Friedrichs Testament von 1250 ordnete die Nachfolge differenziert. Konrad IV. stand an erster Stelle. Manfred sollte in Italien und Sizilien Aufgaben übernehmen. Andere Söhne erhielten Besitz oder Ämter. Die Familie war damit zugleich ein dynastisches Netzwerk und ein Instrument imperialer Herrschaft.

Die legitimen Kinder Friedrichs II. im Einzelnen

Heinrich (VII.)

Mutter
Konstanze von Aragón
Geburt
1211
Rolle
König von Sizilien als Kind, Herzog von Schwaben und römisch-deutscher Mitkönig.
Ende
Nach Aufstand 1235 abgesetzt; 1242 in Gefangenschaft gestorben.

Unbenannte Tochter

Mutter
Isabella-Jolanthe von Jerusalem
Status
Zwischen 1226 und 1227 geboren, jung verstorben.
Quellenlage
In genealogischen Übersichten erwähnt, politisch kaum fassbar.

Konrad IV.

Mutter
Isabella-Jolanthe von Jerusalem
Geburt
1228
Rolle
König von Jerusalem, Sizilien und römisch-deutscher König; Vater Konradins.

Margarethe

Mutter
Isabella von England
Geburt
1236/37
Ehe
Albrecht von Meißen
Bedeutung
Vermittelte staufische Abstammung an die Wettiner.

Heinrich/Karl/Carlotto

Mutter
Isabella von England
Geburt
1238
Rolle
Für Herrschaftsaufgaben vorgesehen; starb 1253/54 ohne dauerhafte Linie.

Die gelegentliche Bezeichnung „drei legitime Söhne“ bezieht sich auf Heinrich (VII.), Konrad IV. und Heinrich/Carlotto. Nur die ersten beiden erreichten Königsrang beziehungsweise konkrete Thronfolge. Früh verstorbene Töchter und Söhne werden in populären Stammbäumen oft weggelassen, wodurch das Bild einer geraden, geplanten Nachfolge entsteht.

Auch bei den Ehefrauen muss die Zählung sauber bleiben: Isabella-Jolanthe von Jerusalem wird gelegentlich als Isabella II. von Jerusalem bezeichnet, Isabella von England ebenfalls als Elisabeth. Namensvarianten führen leicht zu Verwechslungen.

Heinrich (VII.), Margarete von Österreich und ihre Söhne

Heinrich (VII.) heiratete Margarete aus dem Haus Babenberg, Tochter Herzog Leopolds VI. von Österreich. Die Ehe stärkte die Verbindung zur österreichischen Verwandtschaft, die bereits über Agnes von Waiblingens zweite Ehe bestand. Heinrich und Margarete hatten zwei Söhne, Heinrich und Friedrich. Beide lebten nach der Absetzung ihres Vaters unter eingeschränkten Bedingungen und starben jung.

Die Datierung und einzelne Lebensumstände der Söhne sind weniger bekannt als die politische Geschichte des Vaters. Sie begründeten keine dauerhafte Linie. Margarete heiratete später König Ottokar II. von Böhmen. Diese zweite Ehe blieb ohne anerkannte Nachkommen und wurde 1261 getrennt. Dennoch machte ihre babenbergische Herkunft sie zu einer Schlüsselfigur im Streit um Österreich.

Heinrichs Linie zeigt, dass dynastische Planung jederzeit durch Konflikt, Krankheit und frühe Todesfälle scheitern konnte. 1220 war Heinrich als Nachfolger im Reich vorgesehen. 1235 wurde er entthront. Wenige Jahre später war seine männliche Linie politisch bedeutungslos. Die Hauptnachfolge verlagerte sich auf den Halbbruder Konrad IV.

Zur Zählung: Die Klammer in Heinrich (VII.) signalisiert, dass er als König Heinrich gezählt wurde, aber nicht als selbständig herrschender, allgemein in die Reihe der späteren Kaiser und Könige eingegangener Heinrich VII. Der spätere Luxemburger Kaiser Heinrich VII. trägt die ungekürzte Zählung.

Konrad IV., Elisabeth von Bayern und Konradin

Konrad IV. war Sohn Friedrichs II. und Isabella-Jolanthes von Jerusalem. Er wurde 1237 zum römisch-deutschen König gewählt, aber nicht gekrönt. 1246 heiratete er Elisabeth von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. Die Ehe verband die staufische Hauptlinie mit einer der aufsteigenden Territorialdynastien des Reiches.

Als Konrad 1251 nach Italien zog, blieb Elisabeth in Bayern. Am 25. März 1252 wurde auf Burg Wolfstein bei Landshut ihr Sohn Konrad geboren, später nach der italienischen Verkleinerungsform Conradinus als Konradin bekannt. Konrad IV. starb bereits 1254. Der zweijährige Sohn wurde zum Träger weitreichender, aber praktisch schwer durchsetzbarer Ansprüche.

Konradin war Herzog von Schwaben, beanspruchte Sizilien und Jerusalem und wurde von seinen bayerischen Verwandten betreut. 1266 schloss man für ihn eine Ehe durch Stellvertretung mit Sophia von Landsberg; ein eheliches Zusammenleben und Nachkommen entstanden nicht. Sein Italienzug endete 1268 mit Niederlage, Prozess und Hinrichtung in Neapel.

Genealogisch markiert Konradin das Ende der allgemein anerkannten legitimen männlichen Hauptlinie von Heinrich VI. und Friedrich II. Politisch war sein Tod ein Einschnitt, weil kein vergleichbar legitimierter staufischer Königserbe übrig blieb. Biologisch lebten jedoch männliche Seitenverwandte weiter.

Außereheliche Kinder Friedrichs II.: Anerkennung, Ämter und Unsicherheit

Friedrich II. hatte zahlreiche Kinder außerhalb seiner drei sicher belegten Ehen. Einige wurden offen anerkannt, am Hof erzogen und mit bedeutenden Ämtern betraut. Andere erscheinen nur in einzelnen Quellen. Die ältere Forschung versuchte oft, jede Person einer bestimmten Mutter zuzuweisen; moderne Darstellungen sind vorsichtiger.

Enzio

Königstitel von Sardinien, Generallegat in Italien, 1249 gefangen. Seine Mutter wird traditionell als Deutsche niedriger Herkunft bezeichnet, bleibt aber unsicher.

Friedrich von Antiochien

Wichtiger kaiserlicher Amtsträger in der Toskana. Seine mütterliche Herkunft ist nicht sicher. Er hatte Nachkommen, die noch nach 1268 greifbar sind.

Richard von Chieti

Generalvikar in Mittelitalien, starb 1249. Politisch bedeutend, genealogisch weniger gut dokumentiert.

Selvaggia

Mit Ezzelino da Romano verheiratet. Die Zuordnung als Tochter Friedrichs II. wird überliefert, Einzelheiten bleiben begrenzt.

Katharina von Marano

Mit Jakob del Carretto verheiratet. Wahrscheinlich Schwester Enzios; die genaue Mutterschaft ist unsicher.

Margarethe

Mit Thomas von Aquino, Graf von Acerra, verheiratet. Nicht mit der legitimen Tochter Margarethe aus der Ehe mit Isabella von England zu verwechseln.

Blanchefleur

Lebte im Kloster Montargis und starb 1279. Ihre Biografie ist nur punktuell fassbar.

Weitere Namen

Gerhard, eine mit Guido Novello verheiratete Tochter und weitere Zuschreibungen erscheinen in genealogischen Listen mit unterschiedlicher Sicherheit.

Außereheliche Geburt bedeutete nicht politische Bedeutungslosigkeit. Friedrich setzte seine Söhne als Heerführer, Vikare und Verwalter ein. Sie waren dynastisch nützlich, aber ihre Nachfolgeansprüche blieben schwächer als die legitimer Söhne. Gerade in Krisenzeiten konnten Gegner diesen Status betonen.

Manfred, Bianca Lancia und die langlebigste politische Nachwirkung

Manfred wurde wahrscheinlich 1232 als Sohn Friedrichs II. und Bianca Lancias geboren. Die Verbindung der Eltern wurde in den 1240er Jahren wahrscheinlich legalisiert, wodurch Manfred legitimiert wurde. Wie genau und wann dies geschah, ist nicht so lückenlos dokumentiert wie eine reguläre frühere Eheschließung. Dennoch behandelte Friedrich ihn testamentarisch als hochrangigen Sohn.

Manfred heiratete zunächst Beatrix von Savoyen-Saluzzo. Aus dieser Ehe stammte Konstanze. Seine zweite Frau war Helena aus dem epirotisch-byzantinischen Herrscherhaus. Aus der zweiten Ehe gingen Beatrix, Heinrich, Friedrich, Enzio und möglicherweise Flordelis hervor.

Konstanze

Heiratete Peter III. von Aragón. Über sie wurde die staufische Abstammung nach 1282 zur Grundlage der aragonesischen Herrschaft auf Sizilien.

Die gefangenen Kinder

Nach Manfreds Niederlage gerieten Helena und die Kinder in die Gewalt Karls von Anjou. Die Söhne verbrachten Jahrzehnte in Gefangenschaft; Heinrich starb erst 1318.

Damit ist die Formel vom Aussterben im Mannesstamm 1268 biologisch problematisch. Manfreds legitime Söhne lebten weiter. Sie konnten jedoch keine Herrschaft ausüben, keine anerkannte Dynastie bilden und hinterließen keine gesicherte fortsetzende Linie. Das politische Haus war ausgeschaltet, obwohl männliche Familienangehörige noch existierten.

Manfreds Tochter Konstanze war dagegen frei, verheiratet und dynastisch handlungsfähig. Durch sie lebte das sizilische Erbe wirkungsvoll weiter. Frauenlinie und politische Kontinuität fielen hier zusammen.

Enzio von Sardinien: berühmter Sohn ohne sichere Dynastie

Enzio war einer der bekanntesten außerehelichen Söhne Friedrichs II. Sein Geburtsjahr und seine Mutter sind nicht sicher. Durch die Ehe mit Adelasia von Torres-Gallura erhielt er einen sardischen Königstitel. Die Ehe wurde später getrennt beziehungsweise als ungültig behandelt; eine gesicherte legitime Nachkommenschaft ging daraus nicht hervor.

Enzio wirkte vor allem als Generallegat und Heerführer des Kaisers in Norditalien. Nach seiner Gefangennahme bei Fossalta 1249 blieb er bis zu seinem Tod 1272 in Bologna. Spätere Legenden machten ihn zum Dichter, romantischen Gefangenen und Stammvater verschiedener Familien. Solche Abstammungsbehauptungen sind häufig erst spät belegt.

In Bologna und anderen Regionen wurden Familien nachträglich mit Enzio verbunden, weil die Abstammung von einem Kaisersohn Prestige verlieh. Genealogisch genügt eine Namensähnlichkeit oder lokale Tradition jedoch nicht. Es braucht eine durchgehende Kette zeitnaher Belege. Für eine anerkannte legitime Linie Enzios fehlt sie.

Legende und Genealogie: Eine mögliche außereheliche Vaterschaft während langer Gefangenschaft lässt sich weder grundsätzlich ausschließen noch ohne Belege als sichere Abstammung verwenden.

Friedrich von Antiochien und die über 1268 hinausreichenden Seitenlinien

Friedrich von Antiochien, ein außerehelicher Sohn Friedrichs II., wurde als kaiserlicher Vikar in der Toskana eingesetzt und war ein wichtiger Vertreter der staufischen Partei. Seine genaue mütterliche Herkunft ist unsicher. Anders als Enzio hatte er nachweisbare Nachkommen.

Besonders genannt wird sein Sohn Konrad von Antiochien, der in Italien politisch aktiv blieb. Weitere Nachkommen dieser Linie sind in der Forschung bis ins spätere 13. und frühe 14. Jahrhundert greifbar, doch Rang, Namensführung und genaue Zuordnung werden in populären Stammbäumen oft unkritisch erweitert.

Diese Linie zeigt erneut, warum „1268 erlosch das Geschlecht biologisch“ falsch ist. Korrekt ist: Mit Konradin endete die legitime königliche Hauptlinie, und die Staufer verloren ihre Herrschaft. Seitenlinien aus außerehelicher Abstammung besaßen nicht dieselbe dynastische Anerkennung und konnten den Königsanspruch nicht wirksam fortsetzen.

Für die genealogische Forschung sind solche Seitenlinien dennoch wichtig. Sie zeigen, wie Herrscherkinder in regionale Adelsgesellschaften integriert wurden und wie sich das staufische Netzwerk nach dem politischen Zusammenbruch in kleinere Familienzusammenhänge auflöste.

Warum die Staufer über Frauenlinien nicht „verschwanden“

Ein ausschließlich männlicher Stammbaum vermittelt ein verzerrtes Bild. Frauen brachten Erbrechte ein, übertrugen sie an Kinder, stifteten Memoria und verbanden Herrschaftsräume. Die Staufer verdankten ihren eigenen Aufstieg wesentlich Agnes von Waiblingen. Das Königreich Sizilien kam über Konstanze. Burgund kam über Beatrix. Die Fortwirkung nach 1268 lief wiederum vor allem über Töchter.

Agnes von Waiblingen

Salisches Prestige und Erbe gelangten über eine Frau in die staufische Familie.

Beatrix von Burgund

Öffnete den Zugang zur Freigrafschaft Burgund und prägte die westliche Dimension der Dynastie.

Konstanze von Sizilien

Vermittelte den normannischen Thronanspruch und machte Friedrich II. zum Erben Siziliens.

Philipps Töchter

Verbanden die Staufer mit Welfen, Böhmen, Brabant und Kastilien.

Margarethe

Tochter Friedrichs II.; führte die Abstammung zu den Wettinern.

Konstanze von Aragón

Tochter Manfreds; vermittelte den sizilischen Anspruch an das aragonesische Königshaus.

Viele spätere europäische Herrscher konnten über eine oder mehrere Frauenlinien staufische Vorfahren nachweisen. Das bedeutet nicht, dass sie deshalb „Staufer“ im politischen Sinn waren. Dynastische Identität folgte meist dem herrschenden Haus des Vaters, dem eigenen Besitz und der zeitgenössischen Anerkennung. Abstammung konnte aber als Legitimationsargument wieder aktiviert werden.

Von Manfreds Tochter Konstanze zur aragonesischen Herrschaft auf Sizilien

Konstanze, Tochter Manfreds und Beatrix' von Savoyen, heiratete 1262 den aragonesischen Thronfolger Peter. Nach Manfreds Tod und Konradins Hinrichtung blieb sie eine der wichtigsten Trägerinnen staufisch-sizilischer Abstammung. Karl von Anjou herrschte zwar im Königreich, doch die Erinnerung an das frühere Herrscherhaus blieb politisch wirksam.

1282 erhob sich Sizilien in der sogenannten Sizilianischen Vesper gegen die angevinische Herrschaft. Peter III. landete auf der Insel und wurde als König anerkannt. Seine Legitimation beruhte nicht nur auf militärischer Gelegenheit, sondern wesentlich auf der Ehe mit Konstanze, der Tochter Manfreds. Die aragonesische Seite stellte sich als Fortsetzung und Wiederherstellung legitimer sizilischer Herrschaft dar.

Damit führte eine Frauenlinie zu einer realen Herrschaftsübertragung. Die Insel Sizilien und das süditalienische Festland gingen fortan unterschiedliche Wege. Konstanze wurde zur Stammmutter der aragonesisch-sizilischen Könige. Das staufische Erbe lebte hier nicht als Name, sondern als Anspruch, Erinnerung und dynastische Abstammung weiter.

Genealogisch ist dies vielleicht das deutlichste Gegenargument gegen die Vorstellung, 1268 sei jede staufische Wirkung beendet gewesen. Politisch hatte Karl von Anjou gesiegt; zwei Jahrzehnte später kehrte ein über Manfreds Tochter vermittelter Anspruch auf die Insel zurück.

Staufische Enkel in Kastilien, Böhmen und Brabant

Die Töchter Philipps von Schwaben verbanden die Familie mit mehreren europäischen Königshäusern. Beatrix-Isabella heiratete Ferdinand III. von Kastilien und León. Ihr Sohn Alfons X., der Weise, war somit Enkel Philipps und Urenkel Barbarossas. 1257 wurde er von einem Teil der Kurfürsten zum römisch-deutschen König gewählt. Seine staufische Abstammung war nicht der einzige Grund, erhöhte aber seine dynastische Anschlussfähigkeit.

Kunigunde heiratete Wenzel I. von Böhmen. Ihr Sohn Ottokar II. war ebenfalls Stauferenkel und wurde zeitweise als Kandidat für die Reichskrone betrachtet. Über die böhmische Linie verbreitete sich staufische Abstammung weiter in Mitteleuropa.

Maria von Schwaben heiratete Heinrich II. von Brabant. Ihre Nachkommen verbanden staufische Genealogie mit den Häusern Brabant, Hessen und weiteren nordwesteuropäischen Dynastien. Diese Linien sind weniger spektakulär als Sizilien, zeigen aber die Reichweite der Heiratspolitik.

Kastilien

Alfons X. verband kastilische Macht mit staufischer Abstammung und wurde Doppelwahlkönig von 1257.

Böhmen

Ottokar II. war über seine Mutter Kunigunde Enkel Philipps und Teil des europäischen Nachfolgenetzes.

Brabant

Die Nachkommen Marias verbreiteten staufische Abstammung in westliche Adels- und Fürstenhäuser.

Keine dieser Linien wurde im Reich einfach als „Fortsetzung der Staufer“ anerkannt. Sie zeigt jedoch, wie dynastische Abstammung nach dem Ende eines Herrscherhauses in neuen politischen Zusammenhängen weiterwirken konnte.

Margarethe von Staufen und die wettinische Nachkommenschaft

Margarethe, Tochter Friedrichs II. und Isabellas von England, heiratete um 1255 Albrecht von Meißen, später wegen seiner konfliktreichen Biografie „der Entartete“ genannt. Aus der Ehe gingen unter anderem Friedrich der Freidige und Diezmann hervor. Friedrich der Freidige wurde als Enkel Kaiser Friedrichs II. in ghibellinischen und reichspolitischen Hoffnungen genannt.

Spätere Traditionen verbanden mit ihm sogar Motive der Wiederkehr Friedrichs und des verborgenen Kaisers. Genealogische Nähe und politische Mythologie verschmolzen. Die Wettiner waren jedoch ein eigenes Herrscherhaus mit eigener Besitzbasis und Identität. Staufische Abstammung war ein zusätzliches Prestigeelement, keine einfache dynastische Fortsetzung.

Über die Wettiner führte die Abstammung in zahlreiche spätere Linien, darunter sächsische Fürstenhäuser. Wer weit genug zurückrechnet, findet deshalb bei vielen europäischen Dynastien staufische Vorfahren. Solche Ahnenschaft ist historisch interessant, aber nicht gleichbedeutend mit einem staufischen Thronrecht.

Genealogischer Unterschied: Nachkomme Friedrichs II. zu sein bedeutet nicht, dem mittelalterlichen „Haus der Staufer“ anzugehören. Hauszugehörigkeit, Namensführung, Besitz und politische Anerkennung folgten anderen Regeln als bloße biologische Abstammung.

Byzantinische Eheverbindungen: Irene-Maria, Nikaia und Epirus

Die Staufer waren mehrfach mit byzantinischen Herrscherhäusern verbunden. Philipp von Schwaben heiratete Irene-Maria, Tochter Kaiser Isaaks II. Angelos. Ihre Töchter trugen damit sowohl staufische als auch byzantinische Abstammung. Die Ehe war Teil der komplexen Beziehungen zwischen westlichem Kaisertum, Byzanz und den Mächten des östlichen Mittelmeerraums.

Eine Tochter Friedrichs II. und Bianca Lancias, Konstanze, heiratete Kaiser Johannes III. Dukas Vatatzes von Nikaia und nahm den Namen Anna an. Diese Verbindung schuf eine direkte familiäre Brücke zwischen dem staufischen Hof und dem byzantinischen Exilreich von Nikaia.

Manfreds zweite Frau Helena stammte aus dem epirotischen Herrscherhaus. Ihre Ehe verband den sizilischen König mit den Machtkämpfen im griechischen Raum. Nach Manfreds Niederlage geriet Helena mit ihren Kindern in Gefangenschaft.

Solche Ehen zeigen, dass der Stammbaum nicht an den Grenzen des Reiches oder Italiens endet. Die Staufer waren Teil einer mediterranen und europäischen Heiratswelt. Zugleich darf aus einer Ehe nicht automatisch auf dauerhafte politische Einheit geschlossen werden. Bündnisse konnten sich rasch ändern, und dynastische Nähe verhinderte Konflikte nicht.

Ehepolitik: Erbe, Frieden, Rang und Geiseln der Zukunft

Hochadelige Ehen erfüllten mehrere Funktionen zugleich. Sie sollten Frieden stiften, Bündnisse sichern, Erbrechte eröffnen, Rang bestätigen und zukünftige Nachkommen legitimieren. Persönliche Beziehungen spielten ebenfalls eine Rolle, sind aber aus den Quellen meist schwerer zu erfassen als Verträge und politische Folgen.

EheGenealogische WirkungPolitische Bedeutung
Friedrich I. – Agnes von WaiblingenVerbindung mit den SaliernAufstieg in die Königsverwandtschaft
Friedrich II. der Einäugige – JudithVerbindung mit den WelfenBarbarossa als Brückenfigur zwischen Adelsgruppen
Barbarossa – Beatrix von BurgundErbrechte in BurgundWestliche Hausmacht und Rangsteigerung
Heinrich VI. – Konstanze von SizilienAnspruch auf SizilienVerbindung von Kaiserreich und süditalienischem Königtum
Philipp – Irene-MariaByzantinische KaiserabstammungInternationale Legitimation
Friedrich II. – Isabella-JolantheJerusalemer ErbanspruchKönigstitel von Jerusalem
Manfreds Konstanze – Peter III.Aragonesische NachkommenschaftGrundlage der Herrschaft auf Sizilien ab 1282

Verlobungen waren ebenfalls politisch wichtig, auch wenn keine Ehe zustande kam. Kinder konnten bereits im Kleinkindalter versprochen werden. Starb ein Partner, änderte sich das Bündnissystem. Kirchliches Verwandtschaftsrecht konnte Ehen verhindern oder nachträglich angreifbar machen. Die Annullierung Barbarossas erster Ehe und die nicht vollzogene Verlobung Konrads von Rothenburg mit Berengaria von Kastilien zeigen diese Grenzen.

Erbrecht, Wahlrecht und Legitimität: warum Abstammung allein nicht genügte

Im römisch-deutschen Reich war die Königswürde grundsätzlich an die Wahl der Fürsten gebunden. Dynastische Abstammung konnte eine Kandidatur stärken, schuf aber kein automatisch einklagbares Erbrecht. Deshalb wurden 1125 Lothar III. statt Friedrichs II. und 1152 Barbarossa statt des minderjährigen Friedrichs von Rothenburg gewählt.

Im Königreich Sizilien war erbliche Nachfolge stärker ausgeprägt. Dennoch konnten Nebenlinien, päpstliche Lehnshoheit, Aufstände und militärische Macht die Erbfolge verändern. Konstanze hatte einen dynastischen Anspruch, musste ihn aber gegen Tankred durchsetzen. Manfred ließ sich trotz Konradins Rechten krönen. Karl von Anjou erhielt päpstliche Belehnung und eroberte das Königreich.

Legitimität hatte mehrere Ebenen:

Genealogische Tabellen reduzieren diese Ebenen häufig auf eine Linie. Historisch war Nachfolge jedoch ein Aushandlungsprozess. Ein naher Verwandter konnte politisch scheitern; ein entfernter oder weiblich vermittelter Nachkomme konnte mit ausreichenden Bündnissen erfolgreich sein.

Friedrich, Heinrich und Konrad: Namenswiederholung und verwirrende Zählungen

Die Staufer bevorzugten bestimmte Leitnamen, besonders Friedrich, Konrad und Heinrich. Solche Namen erinnerten an Vorfahren und signalisierten Zugehörigkeit. Für moderne Leser entsteht daraus Verwechslungsgefahr.

Die wichtigsten Zählungsfallen

  • Friedrich I. von Schwaben ist der erste staufische Herzog dieses Namens, nicht Kaiser Barbarossa.
  • Friedrich II. der Einäugige ist der zweite Herzog von Schwaben namens Friedrich.
  • Friedrich III. von Schwaben wurde als Kaiser Friedrich I. Barbarossa.
  • Friedrich IV. von Rothenburg war Sohn Konrads III.
  • Friedrich V. war ein Sohn Barbarossas und Herzog von Schwaben.
  • Kaiser Friedrich II. ist als römischer Herrscher gezählt und nicht identisch mit Herzog Friedrich II. dem Einäugigen.
  • Heinrich (VII.) wird mit Klammer geschrieben, um ihn vom späteren Kaiser Heinrich VII. zu unterscheiden.
  • Konradin hieß eigentlich Konrad; die Verkleinerungsform wurde zum üblichen Namen.

Auch Taufnamen und spätere Amtsnamen können wechseln. Friedrich V. trug wahrscheinlich zunächst den Namen Konrad. Friedrich II. wurde als Friedrich Roger getauft, verwendete den zweiten Namen aber amtlich kaum. Prinzessinnen konnten bei einer byzantinischen Heirat einen neuen Namen annehmen, wie Konstanze/Anna in Nikaia.

Ein guter Stammbaum nennt daher immer Titel, Lebensdaten und Eltern. Ein bloßer Name wie „Friedrich II.“ reicht nicht aus.

Die drei Löwen: Herzogswappen, Dynastiesymbol und moderne Erinnerung

Die drei schreitenden Löwen auf goldenem Grund gelten heute als Stauferwappen und stehen im Landeswappen Baden-Württembergs. Sie erinnern an das mittelalterliche Herzogtum Schwaben und die Stauferzeit. Auch im Wappen des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben leben sie weiter.

Heraldik entwickelte sich jedoch erst im 12. Jahrhundert. Frühe Staufer vor Barbarossa führten nicht nachweisbar über Generationen dasselbe moderne Familienwappen. Siegel zeigen Herrscherbilder, Adler, Löwen und Amtszeichen in verschiedenen Zusammenhängen. Die drei Löwen wurden besonders mit dem schwäbischen Herzogtum und staufischen Herzögen verbunden.

Ein Wappen ist daher kein genetisches Etikett. Töchter konnten Wappenbilder weitergeben oder mit anderen Zeichen kombinieren. Nach dem Ende der Dynastie wurden die Löwen zu territorialen und erinnerungskulturellen Symbolen. Moderne Darstellungen verwenden sie oft für alle Staufer vom frühesten Grafen bis Konradin, was anschaulich, aber historisch vereinfachend ist.

Mittelalterliche Funktion

Erkennung auf Siegel, Schild und Banner; Darstellung von Rang, Amt und Herrschaft.

Moderne Funktion

Symbol für Schwaben, Baden-Württemberg, Stauferland und historische Identität.

Grablegen, verlorene Gräber und dynastische Memoria

Gräber waren Orte des Gebets, der Erinnerung und der Herrschaftsrepräsentation. Die frühen Staufer verbanden sich besonders mit Kloster Lorch. Agnes von Waiblingen wurde in Klosterneuburg bestattet, das sie mit ihrem zweiten Ehemann Leopold III. prägte. Barbarossa starb auf dem Kreuzzug; sein Leichnam konnte nicht als geschlossene Herrscherbestattung in eine staufische Grablege zurückgeführt werden.

Heinrich VI., Konstanze von Sizilien und Friedrich II. ruhen im Dom von Palermo in monumentalen Sarkophagen. Philipp von Schwaben wurde nach seiner Ermordung zunächst in Bamberg und später im Speyerer Dom beigesetzt. Konrad IV.s Leichnam ging nach einem Brand in Messina verloren beziehungsweise ist nicht sicher erhalten. Konradin wurde in Neapel bestattet; sein Grab wurde später zum Erinnerungsort.

Grablegen helfen bei Genealogie, sind aber keine fehlerfreie Datenbank. Klöster wurden zerstört, Gräber geöffnet, Gebeine umgebettet und Inschriften erneuert. Bei Kloster Lorch ist die mittelalterliche Situation nur teilweise rekonstruierbar. Spätere Grabdenkmäler können historische Erinnerung ausdrücken, ohne den ursprünglichen Bestattungszustand zu bewahren.

Die Verteilung der Gräber zeigt die räumliche Entwicklung der Familie: von Schwaben und dem österreichischen Verwandtschaftsraum über Speyer bis Palermo und Neapel.

Wann endeten die Staufer wirklich?

Es gibt mehrere mögliche Enddaten, je nachdem, was unter „Staufer“ verstanden wird:

DatumWas endet?Was bleibt?
1250Kaiserherrschaft Friedrichs II.Konrad IV., Manfred, Konradin und weitere Kinder leben.
1254Herrschaft Konrads IV.Konradin ist legitimer Erbe; Manfred führt die sizilische Politik.
1266Manfreds Königtum in SizilienKonradin lebt; Manfreds Kinder und andere Seitenlinien bestehen.
1268Legitime königliche Hauptlinie mit KonradinMännliche Seitenverwandte und zahlreiche Frauenlinien leben weiter.
1272Enzios LebenManfreds Söhne und Antiochien-Linie bestehen.
1318Tod Heinrichs, eines Sohnes ManfredsFrauenlinien und möglicherweise weitere Seitenabstammungen bestehen.

Die traditionelle Geschichtsschreibung wählt 1268, weil Konradin der letzte allgemein anerkannte legitime männliche Thronerbe war und seine Hinrichtung ein dramatisches politisches Ende markierte. Für eine biologische Genealogie ist dieses Datum jedoch nicht das vollständige Ende aller männlichen Nachkommen.

Am präzisesten lautet die Aussage: Mit Konradins Tod 1268 endete die legitime königliche Hauptlinie und die Aussicht auf eine Wiederherstellung staufischer Herrschaft unter einem allgemein anerkannten männlichen Erben. Die Abstammung der Familie lebte in Seiten- und Frauenlinien weiter.

Behauptete Staufernachfahren: Prestige, Familienlegenden und Beweislast

Seit dem Mittelalter haben Familien, Städte und Regionen Abstammungen von berühmten Herrschern behauptet. Eine Verbindung zu den Staufern versprach Rang und historische Tiefe. Besonders Enzio, Friedrich von Antiochien und andere außereheliche Söhne wurden zu Ausgangspunkten lokaler Genealogien.

Eine seriöse Prüfung verlangt eine Generation für Generation belegte Kette. Zwischen einem mittelalterlichen Kaisersohn und einer frühneuzeitlichen Familie dürfen keine Jahrhunderte mit bloßen Namensähnlichkeiten überbrückt werden. Auch ein Wappen mit Löwen, der Vorname Friedrich oder Herkunft aus Schwaben beweist keine Abstammung.

Warnzeichen zweifelhafter Stammbäume

  • keine Quellenangaben für einzelne Eltern-Kind-Verbindungen;
  • Sprünge von mehreren Generationen;
  • identische Lebensdaten aus voneinander abschreibenden Webseiten;
  • Verwechslung gleichnamiger Adliger;
  • eine spät auftauchende Familienlegende wird als mittelalterlicher Beweis behandelt;
  • Wappenähnlichkeit ersetzt Urkunden;
  • uneheliche Vaterschaft wird ohne zeitgenössischen Beleg behauptet;
  • aus „möglich“ wird in der nächsten Abschrift „sicher“.

Das bedeutet nicht, dass jede solche Abstammung unmöglich ist. Es bedeutet, dass historische Genealogie Belege braucht und Unsicherheit offenlassen muss. Bei sehr weit zurückreichenden Frauenlinien kann eine Abstammung statistisch plausibel sein, ohne dass jede Verbindung dokumentiert ist.

Kann DNA den Staufer-Stammbaum beweisen?

Genetische Genealogie kann bei gut dokumentierten modernen Verwandtschaftsfragen hilfreich sein. Für die Staufer bestehen jedoch grundlegende Probleme. Es gibt keine allgemein anerkannte Referenzprobe eines zweifelsfrei identifizierten Staufers, die für systematische Vergleiche verfügbar wäre. Viele Gräber sind verloren, umgebettet oder durch spätere Eingriffe verändert.

Eine Untersuchung des Y-Chromosoms könnte nur eine ununterbrochene Vater-Sohn-Linie prüfen. Die politisch wichtigsten Weiterwirkungen nach 1268 liefen jedoch häufig über Frauen. Mitochondriale DNA folgt wiederum nur der reinen Mutter-Tochter-Linie. Der größte Teil genealogischer Abstammung lässt sich mit solchen Einzelmarkern nicht abbilden.

Autosomal-DNA wird über jede Generation neu gemischt. Nach rund acht Jahrhunderten kann ein genealogischer Vorfahr im Stammbaum stehen, ohne dass ein klar zuordenbares DNA-Segment erhalten ist. Zudem steigt die Zahl theoretischer Vorfahren exponentiell, während reale Stammbäume durch Mehrfachverwandtschaften zusammenfallen.

DNA könnte daher allenfalls eine eng definierte Hypothese prüfen, wenn sichere Proben, dokumentierte Vergleichslinien und saubere archäogenetische Bedingungen vorhanden wären. Sie ersetzt weder Urkundenkritik noch historische Genealogie.

Die häufigsten genealogischen Mythen über die Staufer

„Alle wurden auf dem Hohenstaufen geboren“

Falsch. Die Familie war mobil und besaß viele Aufenthaltsorte. Geburtsorte sind oft unbekannt; Friedrich II. wurde in Jesi geboren, Konradin in Bayern.

„Staufer war ihr fester Nachname“

Anachronistisch. Titel, Ämter und Herkunftsbezeichnungen waren wichtiger; die dynastische Bezeichnung entwickelte sich schrittweise.

„Konradin war der letzte männliche Nachkomme“

Zu pauschal. Er war der letzte legitime Hauptlinienerbe, während männliche Seitenverwandte weiterlebten.

„Uneheliche Kinder zählten nicht“

Falsch. Enzio, Manfred und Friedrich von Antiochien hatten zentrale militärische und politische Funktionen.

„Frauen spielten nur als Ehefrauen eine Rolle“

Falsch. Agnes, Beatrix und die beiden Konstanzen vermittelten entscheidende Erbrechte und Herrschaftsräume.

„Jeder Nachkomme war politisch ein Staufer“

Falsch. Biologische Abstammung und Zugehörigkeit zu einem Herrscherhaus sind verschiedene Kategorien.

„Der Stammbaum ist vollständig“

Unmöglich. Früh verstorbene oder schwach dokumentierte Kinder können fehlen, besonders in frühen Generationen.

„Wappen beweisen Abstammung“

Nein. Wappen konnten übernommen, verändert, territorial verwendet oder später historisierend zugeordnet werden.

Moderne touristische Darstellungen dürfen vereinfachen, sollten aber nicht aus Unsicherheiten scheinbar exakte Tatsachen machen. Ein guter Stammbaum ist gerade dort glaubwürdig, wo er Grenzen sichtbar lässt.

Ausführliches Personenregister der wichtigsten genealogischen Knoten

Das Register fasst die zentralen Personen zusammen. Es ersetzt nicht die ausführlichen Abschnitte und erhebt für frühe oder unsichere Nebenpersonen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Friedrich von Büren

Stellung
traditioneller Frühstammvater
Genealogische Einordnung
Traditionell rekonstruiert; genaue Herkunft unsicher.

Hildegard

Stellung
frühe Stammmutter
Genealogische Einordnung
Wahrscheinliche Verbindung in den elsässischen Adel; Details umstritten.

Friedrich I. von Schwaben

Stellung
Herzog
Genealogische Einordnung
† 1105/06; Ehemann Agnes' und politischer Aufsteiger von 1079.

Agnes von Waiblingen

Stellung
Herzogin und Kaisertochter
Genealogische Einordnung
1074/75–1143; Vermittlerin des salischen Erbes.

Friedrich II. der Einäugige

Stellung
Herzog
Genealogische Einordnung
um 1090–1147; Vater Barbarossas.

Judith

Stellung
Welfische Herzogstochter
Genealogische Einordnung
Erste Frau Friedrichs II.; Mutter Barbarossas.

Agnes von Saarbrücken

Stellung
Herzogin
Genealogische Einordnung
Zweite Frau Friedrichs II.; Mutter Konrads von Staufen.

Konrad III.

Stellung
König
Genealogische Einordnung
um 1093/94–1152; erster staufischer König.

Gertrud von Sulzbach

Stellung
Königin
Genealogische Einordnung
Frau Konrads III.; Mutter Heinrich Berengars und Friedrichs IV.

Heinrich Berengar

Stellung
Mitkönig
Genealogische Einordnung
† 1150; älterer Sohn Konrads III.

Friedrich IV. von Rothenburg

Stellung
Herzog
Genealogische Einordnung
um 1144–1167; kinderlos verstorbener Sohn Konrads III.

Friedrich I. Barbarossa

Stellung
Kaiser
Genealogische Einordnung
1122–1190; Sohn Friedrichs II. und Judiths.

Beatrix von Burgund

Stellung
Kaiserin
Genealogische Einordnung
um 1143/48–1184; Erbin der Freigrafschaft Burgund.

Konrad von Staufen

Stellung
Pfalzgraf bei Rhein
Genealogische Einordnung
um 1134/36–1195; Halbbruder Barbarossas.

Heinrich VI.

Stellung
Kaiser
Genealogische Einordnung
1165–1197; Ehemann Konstanzes von Sizilien.

Konstanze von Sizilien

Stellung
Kaiserin und Königin
Genealogische Einordnung
1154–1198; Hauteville-Erbin und Mutter Friedrichs II.

Friedrich V.

Stellung
Herzog von Schwaben
Genealogische Einordnung
1164–1191; Sohn Barbarossas, starb vor Akkon.

Otto I.

Stellung
Pfalzgraf von Burgund
Genealogische Einordnung
um 1170–1200; Sohn Barbarossas.

Konrad II. von Rothenburg

Stellung
Herzog von Schwaben
Genealogische Einordnung
† 1196; Sohn Barbarossas, unverheiratet.

Philipp von Schwaben

Stellung
König
Genealogische Einordnung
1177–1208; Sohn Barbarossas, Vater vier überlebender Töchter.

Irene-Maria

Stellung
Königin
Genealogische Einordnung
Byzantinische Kaisertochter und Frau Philipps.

Kunigunde von Schwaben

Stellung
Königin von Böhmen
Genealogische Einordnung
Tochter Philipps; Mutter Ottokars II.

Beatrix-Isabella

Stellung
Königin von Kastilien
Genealogische Einordnung
Tochter Philipps; Mutter Alfons' X.

Friedrich II.

Stellung
Kaiser und König von Sizilien
Genealogische Einordnung
1194–1250; Sohn Heinrichs VI. und Konstanzes.

Konstanze von Aragón

Stellung
Kaiserin
Genealogische Einordnung
Erste Frau Friedrichs II.; Mutter Heinrichs (VII.).

Isabella-Jolanthe

Stellung
Königin von Jerusalem
Genealogische Einordnung
Zweite Frau Friedrichs II.; Mutter Konrads IV.

Isabella von England

Stellung
Kaiserin
Genealogische Einordnung
Dritte Frau Friedrichs II.; Mutter Margarethes und Heinrichs/Carlotto.

Bianca Lancia

Stellung
Gefährtin beziehungsweise wohl spätere Ehefrau
Genealogische Einordnung
Mutter Manfreds und Konstanzes; Rechtsstatus der Verbindung wichtig.

Heinrich (VII.)

Stellung
König
Genealogische Einordnung
1211–1242; ältester legitimer Sohn Friedrichs II.

Konrad IV.

Stellung
König
Genealogische Einordnung
1228–1254; Vater Konradins.

Elisabeth von Bayern

Stellung
Königin
Genealogische Einordnung
Frau Konrads IV.; Mutter Konradins.

Konradin

Stellung
Herzog und Thronerbe
Genealogische Einordnung
1252–1268; letzter legitimer Hauptlinienerbe.

Manfred

Stellung
König von Sizilien
Genealogische Einordnung
um 1232–1266; legitimierter Sohn Friedrichs II.

Konstanze von Aragón und Sizilien

Stellung
Königin
Genealogische Einordnung
Tochter Manfreds; vermittelte das Erbe an Aragón.

Enzio

Stellung
Königstitel von Sardinien
Genealogische Einordnung
Außerehelicher Sohn Friedrichs II.; † 1272 in Bologna.

Friedrich von Antiochien

Stellung
Vikar und Seitenlinienvater
Genealogische Einordnung
Außerehelicher Sohn Friedrichs II. mit nachweisbaren Nachkommen.

Margarethe von Staufen

Stellung
Markgräfin von Meißen
Genealogische Einordnung
Tochter Friedrichs II. und Isabellas von England; wettinische Linie.

Genealogische Zeittafel von den frühen Staufern bis zu den Nachlinien

  1. Die traditionelle Frühgenealogie setzt Friedrich von Büren und Hildegard als Eltern des späteren Herzogs Friedrich I. an; Einzelheiten bleiben unsicher.
  2. Heinrich IV. erhebt Friedrich I. zum Herzog von Schwaben und verlobt beziehungsweise verheiratet ihn mit seiner Tochter Agnes.
  3. Tod Herzog Friedrichs I.; sein Sohn Friedrich II. der Einäugige übernimmt das schwäbische Herzogtum.
  4. Nach dem Tod Heinrichs V. bleibt Friedrich II. bei der Königswahl erfolglos; der Streit um salisches Erbe verschärft sich.
  5. Konrad wird Gegenkönig und später in Italien zum König gekrönt; die staufischen Brüder bilden eine gemeinsame politische Linie.
  6. Konrad III. wird als erster Staufer zum römisch-deutschen König gewählt.
  7. Konrads älterer Sohn und Mitkönig Heinrich Berengar stirbt.
  8. Konrad III. stirbt; sein Neffe Friedrich III. von Schwaben wird als Friedrich I. Barbarossa zum König gewählt.
  9. Barbarossa heiratet Beatrix von Burgund; die Ehe eröffnet der Dynastie Rechte und Besitz in der Freigrafschaft Burgund.
  10. Geburt Heinrichs VI., des späteren Kaisers und Ehemanns Konstanzes von Sizilien.
  11. Friedrich IV. von Rothenburg, der letzte Sohn Konrads III., stirbt auf dem Italienzug ohne Nachkommen.
  12. Tod Beatrix' von Burgund; die Söhne Barbarossas tragen die dynastischen Linien in Reich, Schwaben und Burgund weiter.
  13. Heinrich VI. heiratet Konstanze von Sizilien, die Erbin des normannischen Königshauses Hauteville.
  14. Barbarossa stirbt auf dem Kreuzzug; Heinrich VI. wird Haupt der Dynastie.
  15. Geburt Friedrichs II. in Jesi; in ihm vereinigen sich staufisches, salisches und normannisch-sizilisches Erbe.
  16. Tod Heinrichs VI.; der dreijährige Friedrich II. kann seine bereits erfolgte Königswahl im Reich nicht unmittelbar durchsetzen.
  17. Philipp von Schwaben wird Königskandidat der staufischen Partei; gleichzeitig bleibt Friedrich II. König von Sizilien.
  18. Philipp wird ermordet. Seine vier überlebenden Töchter führen staufische Abstammung in mehrere europäische Königshäuser.
  19. Geburt Heinrichs (VII.), des Sohnes Friedrichs II. und Konstanzes von Aragón.
  20. Geburt Konrads IV., Sohn Friedrichs II. und Isabella-Jolanthes von Jerusalem.
  21. Ungefähre Geburt Manfreds, Sohn Friedrichs II. und Bianca Lancias.
  22. Geburt Margarethes, Tochter Friedrichs II. und Isabellas von England; über sie führt eine wichtige Linie zu den Wettinern.
  23. Heinrich (VII.) stirbt in Gefangenschaft; seine beiden Söhne begründen keine dauerhafte Herrscherlinie.
  24. Friedrich II. stirbt; sein Testament ordnet die Nachfolge unter Konrad IV., Manfred und weiteren Söhnen.
  25. Geburt Konradins als Sohn Konrads IV. und Elisabeths von Bayern.
  26. Konrad IV. stirbt; Konradin bleibt minderjähriger Erbe, während Manfred im Königreich Sizilien handelt.
  27. Manfred lässt sich zum König von Sizilien krönen, obwohl Konradin lebt.
  28. Manfreds Tochter Konstanze heiratet Peter von Aragón; die Verbindung wird später für Sizilien entscheidend.
  29. Manfred fällt bei Benevent. Seine zweite Frau Helena und die Kinder geraten in angevinische Gefangenschaft.
  30. Konradin wird in Neapel hingerichtet. Die anerkannte königliche Hauptlinie der Staufer endet.
  31. Enzio, ein außerehelicher Sohn Friedrichs II., stirbt nach langer Gefangenschaft in Bologna.
  32. Die Sizilianische Vesper führt zur Herrschaft Peters III. und Konstanzes auf Sizilien; staufisches Erbe wirkt über die weibliche Linie fort.
  33. Tod Konstanzes, Tochter Manfreds und Königin von Aragón und Sizilien.
  34. Manfreds Söhne Friedrich und Heinrich sterben nach jahrzehntelanger Gefangenschaft; biologische männliche Seitenlinien bestanden damit länger als 1268.
  35. Chroniken und Genealogen ordnen die Staufer zunehmend als geschlossenes Haus und entwickeln Abstammungsbilder, die moderne Stammbäume prägen.
  36. Nationalgeschichte, Regionalstolz, Tourismus und digitale Genealogie popularisieren Stammbäume, oft mit unterschiedlichen Sicherheitsgraden.

Verwandte Themenwelten

Häufige Fragen zum Staufer-Stammbaum

Was bedeutet Genealogie?

Genealogie untersucht Abstammung, Verwandtschaft, Heirat, Nachkommen und die Überlieferung dieser Beziehungen. Für das Mittelalter müssen Urkunden, Nekrologien, Chroniken, Siegel, Grabinschriften und spätere Stammbäume kritisch miteinander verglichen werden.

Hießen die Staufer selbst schon immer Staufer?

Nein. Ein moderner Familienname bestand nicht. Zeitgenossen bezeichneten einzelne Personen nach Ämtern, Herkunftsorten oder Verwandtschaft. Die Burg Stauf wurde erst allmählich dynastisch bedeutsam; Friedrich II. verwendete vereinzelt Formulierungen wie de Stophin oder domus Stoffensis.

Ist Friedrich von Büren sicher der Stammvater?

Er gehört zur traditionellen Rekonstruktion der Frühgenealogie. Die Quellenlage vor Herzog Friedrich I. ist lückenhaft, und Herkunft, Eltern sowie einzelne Verwandtschaftsbeziehungen werden in der Forschung unterschiedlich beurteilt. Der sichere politische Aufstieg beginnt 1079 mit Herzog Friedrich I.

Warum ist Agnes von Waiblingen so wichtig?

Agnes war eine Tochter Kaiser Heinrichs IV. Durch ihre Ehe mit Herzog Friedrich I. verband sich die staufische Familie mit den Saliern. Ihre Söhne Friedrich II. und Konrad III. konnten deshalb salisches Erbe und salische Abstammung politisch besonders stark betonen.

War Konrad III. der erste staufische König?

Ja. Konrad III. wurde 1138 zum römisch-deutschen König gewählt. Sein Bruder Friedrich II. der Einäugige war 1125 zwar Kandidat gewesen, wurde aber nicht gewählt.

Warum folgte Barbarossa und nicht Konrads Sohn?

Konrads älterer Sohn Heinrich Berengar war 1150 gestorben; Friedrich von Rothenburg war 1152 noch minderjährig. Konrad empfahl seinen Neffen Friedrich von Schwaben, den späteren Barbarossa, der von den Fürsten gewählt wurde.

Wie viele Kinder hatte Barbarossa?

Die genaue Reihenfolge und die Zahl der früh verstorbenen Kinder sind nicht in allen Einzelheiten sicher. Aus der Ehe mit Beatrix von Burgund gingen mehrere Söhne und Töchter hervor, darunter Heinrich VI., Friedrich V., Otto von Burgund, Konrad von Rothenburg und Philipp von Schwaben.

Hatte Heinrich VI. nur ein Kind?

Als politisch und genealogisch sicher zentraler Sohn Heinrichs VI. und Konstanzes von Sizilien ist Friedrich II. überliefert. Er war das einzige überlebende Kind dieser Ehe und verband das staufische mit dem normannisch-hautevillischen Erbe.

Hatte Philipp von Schwaben Söhne?

Philipp und Irene-Maria hatten mehrere Kinder. Dauerhaft überlebten vier Töchter: Beatrix, Kunigunde, Maria und Beatrix-Isabella. Über diese Töchter führte staufische Abstammung in die Häuser Braunschweig, Böhmen, Brabant und Kastilien.

Wie viele Ehefrauen hatte Friedrich II.?

Friedrich II. war sicher dreimal verheiratet: mit Konstanze von Aragón, Isabella-Jolanthe von Jerusalem und Isabella von England. Eine spätere Verbindung mit Bianca Lancia wurde wahrscheinlich legalisiert; ihr genauer rechtlicher Charakter bleibt in der Forschung besonders wichtig für Manfreds Stellung.

Wer waren die legitimen Söhne Friedrichs II.?

Heinrich (VII.) stammte aus der Ehe mit Konstanze von Aragón, Konrad IV. aus der Ehe mit Isabella-Jolanthe von Jerusalem und Heinrich, auch Karl oder Carlotto genannt, aus der Ehe mit Isabella von England. Der zuletzt genannte Sohn starb 1253/54.

War Manfred ein legitimer Sohn Friedrichs II.?

Manfred wurde zunächst außerhalb einer zweifelsfrei belegten Ehe mit Bianca Lancia geboren. Die Verbindung der Eltern wurde wahrscheinlich später legalisiert und Manfred legitimiert. Seine dynastische Stellung blieb dennoch politisch angreifbar.

War Enzio wirklich König von Sardinien?

Enzio führte den Königstitel aufgrund seiner Ehe mit Adelasia und der Politik Friedrichs II. Seine tatsächliche Herrschaft über Sardinien war begrenzt. Er war vor allem als kaiserlicher Heerführer und Generallegat in Italien tätig.

War Konradin der letzte Staufer?

Konradin war der letzte allgemein anerkannte legitime männliche Erbe der königlichen Hauptlinie. Biologische männliche Nachkommen Friedrichs II. lebten nach 1268 noch weiter, darunter Söhne Manfreds und Angehörige anderer Nebenlinien. Die übliche Formel vom letzten Staufer meint daher vor allem das Ende der herrschaftsfähigen Hauptdynastie.

Starben die Staufer 1268 vollständig aus?

Nein. Weibliche Nachkommen und mehrere Seitenlinien bestanden fort. Manfreds Tochter Konstanze vermittelte den sizilischen Anspruch an Aragón; Philipps Töchter und Friedrichs Tochter Margarethe führten staufische Abstammung in zahlreiche europäische Dynastien.

Warum ist Manfreds Tochter Konstanze wichtig?

Sie heiratete Peter III. von Aragón. Nach der Sizilianischen Vesper 1282 wurde diese Abstammung zur dynastischen Grundlage der aragonesischen Herrschaft auf Sizilien. Das staufische Erbe wirkte damit politisch über die weibliche Linie weiter.

War Alfons X. von Kastilien ein Staufer?

Er gehörte zum kastilischen Königshaus, war aber über seine Mutter Beatrix-Isabella, eine Tochter Philipps von Schwaben, ein Enkel des staufischen Königs. Diese Abstammung spielte bei seiner Wahl zum römisch-deutschen König 1257 als Legitimationsressource eine Rolle.

Was bedeuten die römischen Zahlen bei Friedrich und Heinrich?

Die Zählung hängt vom jeweiligen Amt ab. Friedrich II. der Einäugige ist der zweite schwäbische Herzog dieses Namens, während Kaiser Friedrich II. als zweiter römischer Kaiser beziehungsweise König Friedrich gezählt wird. Heinrich (VII.) steht in Klammern, weil er zwar König war, aber nicht als selbständiger Herrscher in die übliche Kaiser- und Königszählung eingeordnet wird.

Sind die drei Löwen das Familienwappen aller Staufer?

Die drei schreitenden Löwen sind eng mit dem staufischen Herzogtum Schwaben und später mit der Erinnerung an die Dynastie verbunden. Heraldik entwickelte sich jedoch erst während der Stauferzeit. Ein über Generationen unverändert geführtes modernes Familienwappen darf nicht rückwirkend für alle frühen Angehörigen angenommen werden.

Kann man staufische Abstammung heute genetisch beweisen?

Ohne eindeutig identifizierte, ununterbrochen dokumentierte Vergleichsproben ist ein sicherer DNA-Nachweis nicht möglich. Gräber sind teilweise verloren, umgebettet oder nicht zweifelsfrei zugeordnet. Genealogische Abstammung über viele weibliche Linien ist zudem etwas anderes als ein nachweisbarer gemeinsamer Y-Chromosomenstamm.

Warum widersprechen sich Stammbäume im Internet?

Sie übernehmen oft ältere Literatur, vermischen gleichnamige Personen, behandeln Vermutungen als Tatsachen oder zählen uneheliche und früh verstorbene Kinder unterschiedlich. Gute Stammbäume nennen Quellen, Unsicherheiten und den rechtlichen Status einer Verbindung.

Welche Personen gehören sicher zum Kernstammbaum?

Zum sicheren Kern gehören Herzog Friedrich I. und Agnes von Waiblingen, ihre Söhne Friedrich II. und Konrad III., Barbarossa, Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Friedrich II., Heinrich (VII.), Konrad IV., Manfred und Konradin. Bei früheren Vorfahren und mehreren Nebenlinien ist größere Vorsicht nötig.

Welche Rolle spielten Frauen in der Genealogie?

Frauen vermittelten Erbrechte, Territorien, Bündnisse und dynastische Ansprüche. Ohne Agnes von Waiblingen gäbe es den salischen Erbanspruch nicht, ohne Beatrix von Burgund nicht die burgundische Besitzperspektive, ohne Konstanze von Sizilien nicht das sizilische Königtum und ohne Konstanze von Aragón nicht das aragonesische Weiterleben des sizilischen Erbes.

Welche Seiten ergänzen diesen Stammbaum?

Besonders passend sind Die Staufer, Staufische Frauen, Kaiser Barbarossa, Friedrich II., Konrad III., Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Konrad IV., Manfred, Konradin, Agnes von Waiblingen, Beatrix von Burgund und Konstanze von Sizilien.

Quellen, Forschung und redaktionelle Arbeitsweise

Die Seite stützt sich auf biographische Grundlagen, Regesten, Quelleneditionen und moderne Forschung. Wo die Forschung keine Sicherheit erreicht, wird keine künstliche Eindeutigkeit erzeugt. Besonders die Frühgenealogie, die Reihenfolge früh verstorbener Kinder Barbarossas, die Mütter einzelner Kinder Friedrichs II. und behauptete Nachlinien bleiben kritisch zu behandeln.

Online zugängliche Grundlagen

Grundlegende Forschungsliteratur

Letzte redaktionelle Prüfung: 6. August 2026. Die Seite trennt direkte Belege, tragfähige Rekonstruktionen, traditionelle Stammbäume, strittige Legitimation, spätere Familienlegenden und moderne Erinnerung. Externe Internetangebote können ihre Inhalte oder Adressen ändern.

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Das Hotel Goldener Ochsen liegt in Göppingen-Hohenstaufen. Von hier lassen sich Stammburg, Berg, Spielburg und weitere Ziele im Stauferland erkunden. Reservierungen und Anreiseabsprachen erfolgen ausschließlich telefonisch und auf Deutsch.

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Zugänglichkeit
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