Staufisches Erbe zwischen Deutschland, Jerusalem und Sizilien

König Konrad IV. – Erbe Friedrichs II., Thronkampf und König von Sizilien

Konrad IV. wurde als Kind zum König gewählt, aber niemals gekrönt. Er erbte Ansprüche in Jerusalem, verteidigte die staufische Stellung im deutschen Bürgerkrieg, zog nach dem Tod Friedrichs II. nach Süditalien und gewann dort in kurzer Zeit einen beträchtlichen Teil des Königreichs zurück. Diese Seite untersucht seine nur 26 Jahre umfassende Lebensgeschichte zwischen dynastischer Planung, päpstlicher Gegnerschaft, Gegenkönigen, Urkundenpraxis, sizilischer Gesetzgebung, Konkurrenz zu Manfred, frühem Tod und späterer Erinnerung.

Lebenszeit · 1228 bis 1254 Redaktion: Familie Mayer
25. April 1228Geburt in Andria; seine Mutter starb wenige Tage später
1237–1254gewählter römisch-deutscher König, jedoch ohne Krönung
1250–1254König von Sizilien und Jerusalem im staufischen Erbzusammenhang
21. Mai 1254Tod im Heerlager bei Lavello im Alter von nur 26 Jahren

Warum Konrad IV. eine eigene Vertiefung verdient

Konrad IV. steht in der öffentlichen Erinnerung im Schatten dreier Angehöriger seiner Familie: seines Vaters Friedrich II., seines Halbbruders Manfred und seines Sohnes Konradin. Friedrich II. gilt als außergewöhnlicher Kaiser, Manfred als glänzender süditalienischer Hofherr und Konradin als tragische Endgestalt. Zwischen diesen stark ausgeprägten Bildern erscheint Konrad häufig nur als Übergangsfigur.

Gerade diese Verkürzung verdeckt seine historische Bedeutung. Konrad musste als Kind eine Königswürde tragen, deren politische Grundlagen zunehmend zerfielen. Er regierte nördlich der Alpen in einer Zeit, in der der Konflikt zwischen Kaiser und Papst nicht mehr nur diplomatisch, sondern als Bürgerkrieg ausgetragen wurde. Er stand gleichzeitig im Erbe des Königreichs Jerusalem, ohne jemals dort zu herrschen, und nach 1250 vor der Aufgabe, das süditalienische Königreich seines Vaters gegen Aufstände und päpstliche Ansprüche zu sichern.

Seine Herrschaft zeigt daher besonders deutlich, dass mittelalterliche Königstitel nicht automatisch tatsächliche Kontrolle bedeuteten. Wahl, Krönung, dynastisches Erbrecht, päpstliche Anerkennung, militärische Präsenz, städtische Unterstützung, Fürstenbündnisse und Kanzleiarbeit konnten auseinanderfallen. Konrad war gewählt, aber ungekrönt; Erbe Jerusalems, aber abwesend; König von Sizilien, aber zunächst ohne das Land zu besitzen.

Quellenkritischer Leitgedanke: Konrads Leben darf weder als zwangsläufiger Untergang der Staufer noch als bloße Fortsetzung der Politik Friedrichs II. erzählt werden. Jede Herrschaftsebene muss getrennt betrachtet werden.

Name, Zählung und Titel: ein Herrscher in mehreren Reichen

Die Bezeichnung „Konrad IV.“ wirkt eindeutig, ist aber nur innerhalb einer bestimmten Zähltradition eindeutig. Als römisch-deutscher König wird er nach Konrad I., Konrad II. und Konrad III. als vierter König dieses Namens gezählt. Im Zusammenhang mit Jerusalem findet sich dagegen eine andere Nummerierung, weil dort andere Herrscherreihen zugrunde liegen.

Konrads eigene Urkunden sind besonders aufschlussreich. Weil keine Krönung stattgefunden hatte, verwendete er häufig eine Formulierung, die ihn als zum König der Römer Erwählten bezeichnete. Das ist keine nebensächliche Höflichkeitsformel, sondern verweist auf den unvollständigen Herrschaftsakt. Wahl und Krönung waren zwei verschiedene Schritte.

Römisch-deutscher König

Seit 1237 gewählt, aber nie gekrönt. Die übliche moderne Kurzbezeichnung „König“ ist sachgerecht, muss jedoch durch den Hinweis auf die fehlende Krönung ergänzt werden.

Herzog von Schwaben

Konrad führte die staufische Herzogswürde und war dadurch unmittelbar mit dem südwestdeutschen Kernraum der Familie verbunden.

König beziehungsweise Erbe Jerusalems

Der Anspruch stammte von seiner Mutter Isabella II. Eine persönliche Regierung im Heiligen Land fand nicht statt.

König von Sizilien

Nach dem Tod Friedrichs II. erbte Konrad das süditalienische Königreich, musste die tatsächliche Herrschaft dort aber militärisch und politisch neu durchsetzen.

Nicht korrekt wäre: „Kaiser Konrad IV.“ Eine Kaiserkrönung fand nicht statt.

Quellenlage: Urkunden, päpstliche Schreiben und parteiische Chroniken

Konrads Geschichte lässt sich nicht aus einer einzigen zusammenhängenden Lebensbeschreibung rekonstruieren. Für die deutsche Regierungszeit sind Nachrichten oft lückenhaft. Urkunden nennen Aufenthaltsorte, Empfänger, Zeugen und Rechtsakte, erklären aber selten persönliche Motive. Chroniken berichten dramatischer, sind jedoch häufig stauferfreundlich oder papstnah.

Für die süditalienischen Jahre fließen die Quellen dichter. Dort begegnen Gesetze, Verhandlungen, militärische Maßnahmen und päpstliche Gegenpolitik. Trotzdem bleibt auch hier Vorsicht notwendig: Ein päpstliches Schreiben beschreibt Konrad naturgemäß anders als ein staufischer Hoftext.

QuellengruppeWas sie leisten kannTypische Grenze
HerrscherurkundenRechtsakte, Titel, Aufenthalte, Zeugen, Empfänger und Kanzleiformelnkaum unmittelbare Aussagen über Gefühle und persönliche Motive
Päpstliche BriefeKonfliktziele, Bann, Verhandlungen und kirchenrechtliche Argumentationpolitisch zugespitzte Sprache gegen die Staufer
ChronikenEreignisfolgen, Schlachten, Gerüchte und zeitgenössische WahrnehmungenParteilichkeit, moralische Deutung und spätere Ausschmückung
Dichtung und HofliteraturHerrscherideal, Repräsentation und kulturelle Erwartungenkeine nüchterne Biographie
Moderne ForschungVergleich der Überlieferung, Itinerare, Netzwerke und institutionelle Einordnungabhängig von lückenhafter Quellenbasis und wechselnden Fragestellungen

Geburt in Andria und ein Königreich als mütterliches Erbe

Konrad wurde am 25. April 1228 in Andria in Apulien geboren. Sein Vater war Kaiser Friedrich II., seine Mutter Isabella II. von Jerusalem, auch Jolanthe genannt. Sie war die Erbin des Königreichs Jerusalem und eine Tochter Johanns von Brienne. Die Ehe verband die staufische Dynastie mit dem lateinischen Königreich im östlichen Mittelmeerraum.

Isabella starb wenige Tage nach der Geburt. Damit fiel ihr Erbanspruch auf Konrad. Doch „König von Jerusalem“ bedeutete in diesem Fall nicht, dass ein Säugling in Jerusalem regierte. Das Königreich war politisch zersplittert, seine tatsächliche Herrschaft wurde durch Adelige, Städte, geistliche Institutionen und Regenten ausgeübt. Friedrich II. nutzte den Anspruch im Zusammenhang mit seinem Kreuzzug und seiner Krönung in Jerusalem.

Konrad selbst betrat das Heilige Land nie. Sein Titel war dennoch rechtlich und dynastisch bedeutsam. Er zeigt, wie ein mittelalterlicher Herrscher mehrere Herrschaftsansprüche zugleich tragen konnte, ohne in allen Gebieten persönlich anwesend zu sein.

Fakt und Darstellung trennen: Konrad erbte den Jerusalemer Königstitel, aber es gab keinen Hof des Kindes in Jerusalem und keine von ihm persönlich gelenkte Regierung vor Ort.

Kindheit in Süditalien und der Weg nach Deutschland

Die ersten Lebensjahre verbrachte Konrad im süditalienischen Herrschaftsraum seines Vaters. Über seine Erziehung sind nur einzelne Hinweise überliefert. Wie bei einem hochrangigen Fürstensohn gehörten religiöse Unterweisung, höfische Verhaltensformen, Sprachen, Rechts- und Verwaltungspraxis, Reiten, Jagd und militärische Ausbildung zum erwartbaren Umfeld. Welche Fähigkeiten Konrad persönlich in welchem Umfang beherrschte, lässt sich jedoch nicht vollständig belegen.

1235 nahm Friedrich II. den etwa siebenjährigen Sohn nach Deutschland mit. Die Reise fiel in eine entscheidende Phase. Konrads älterer Halbbruder Heinrich (VII.) hatte sich gegen den Vater gestellt und verlor seine Stellung. Damit wurde Konrad zum zentralen dynastischen Hoffnungsträger.

Auf dem Mainzer Hoftag 1235 gelang es Friedrich noch nicht, die Königswahl des Kindes durchzusetzen. Dies zeigt, dass selbst ein mächtiger Kaiser die Fürstenwahl nicht einfach ersetzen konnte. Dynastische Planung benötigte Zustimmung.

Der Sturz Heinrichs (VII.) und die Neuordnung der Nachfolge

Heinrich (VII.), Friedrichs Sohn aus erster Ehe, war bereits zum König gewählt und gekrönt worden. Sein Konflikt mit dem Vater führte 1235 zur Unterwerfung und Absetzung. Konrad rückte dadurch an die Spitze der Nachfolge, doch Friedrich wollte offenbar vermeiden, dass ein weiterer Sohn eine zu unabhängige Machtstellung entwickelte.

Diese Erfahrung erklärt wahrscheinlich die besondere Konstruktion von Konrads Königtum: frühe Wahl, keine Krönung, enge Bindung an kaiserliche Räte und fortgesetzte Kontrolle durch den Vater. Die Forschung diskutiert, wie bewusst dieses Modell geplant war. Sicher ist nur, dass Konrad weniger eigenständigen Handlungsspielraum besaß als sein Halbbruder zuvor.

Dynastische Kontinuität

Friedrich II. brauchte einen anerkannten Sohn als Vertreter und Nachfolger nördlich der Alpen.

Begrenzte Selbständigkeit

Die fehlende Krönung und ein kontrollierender Beraterkreis hielten Konrads Stellung enger an den Kaiser gebunden.

Die Wahl von 1237: König, aber ungekrönt

Im Februar 1237 wurde Konrad in Wien von den anwesenden Fürsten zum römisch-deutschen König gewählt. Im Sommer bestätigte eine Fürstenversammlung in Speyer die Wahl. Diese zweite Zustimmung war wichtig, weil die Wiener Versammlung nicht alle maßgeblichen Kräfte vertreten hatte.

Eine Krönung in Aachen unterblieb. Die Quellen nennen keinen einzigen eindeutigen Grund. Mehrere Erklärungen sind möglich: die Minderjährigkeit, die politische Lage, die Steuerung durch Friedrich II. und die Erinnerung an Heinrich (VII.). Die häufige Behauptung, eine Krönung sei lediglich „vergessen“ oder durch ein einzelnes Hindernis verhindert worden, greift zu kurz.

Von nun an führte Konrad eine sorgfältig formulierte Titulatur. Er war nicht bloß Thronfolger, sondern gewählter König. Gleichzeitig machte die Formulierung sichtbar, dass die sakrale und öffentliche Vollendung durch die Krönung fehlte.

SchrittKonrads SituationBedeutung
WahlFebruar 1237 in WienFürsten anerkannten ihn als künftigen beziehungsweise regierenden König
BestätigungSommer 1237 in SpeyerVerbreiterung der politischen Zustimmung
Krönungfand nicht stattKonrad blieb formal der „erwählte König“
Regierungunter Räten und in enger Verbindung mit Friedrich II.praktische Herrschaft trotz unvollständigem Ritual

Ein neunjähriger König: Räte, Hof und Reisekönigtum

Konrad konnte als Kind nicht allein regieren. Friedrich II. stellte ihm erfahrene Räte und Amtsträger zur Seite. Zu ihnen gehörten Gottfried von Hohenlohe und weitere Personen aus dem ministerialischen und fürstlichen Umfeld. Der Mainzer Erzbischof Siegfried III. übernahm zeitweise eine führende Rolle als Reichsprokurator.

Der junge König führte dennoch früh das sichtbare Leben eines Herrschers. Er reiste zwischen Pfalzen, Städten, Bischofssitzen und Fürstentagen. Diese Bewegung war keine private Reise, sondern Kern des mittelalterlichen Reisekönigtums. Anwesenheit ermöglichte Urkundenausstellung, Gericht, Belehnung, Bündnispflege und öffentliche Repräsentation.

Ein bevorzugter Aufenthaltsort war zeitweise Hagenau. Die dortige Pfalz verband Herrschaft, Jagd, Bibliothek und Hofkultur. Konrads eigene Seite zur Stauferpfalz Hagenau erklärt diesen Ort ausführlicher.

Wichtig: Ein Kindkönig war nicht automatisch ein machtloses Symbol. Seine Herrschaft wurde von einem Netzwerk ausgeübt, das in seinem Namen handelte. Wie stark Konrads persönlicher Einfluss in einzelnen Jahren war, bleibt jedoch schwer messbar.

Kanzlei, Urkunden und die älteste deutschsprachige Königsurkunde

Urkunden gehörten zu den wichtigsten Instrumenten mittelalterlicher Herrschaft. Sie bestätigten Rechte, nahmen Klöster oder Spitäler in Schutz, regelten Streitigkeiten und hielten Privilegien fest. Konrads Kanzlei war zunächst klein und eng von der kaiserlichen Politik abhängig, entwickelte aber eine eigene Tätigkeit.

Besondere Bekanntheit besitzt die Urkunde vom 25. Juli 1240. Darin wurde ein Vergleich zwischen der Stadt Kaufbeuren und Volkmar von Kemnat über einen Grenzstreit festgehalten. Sie gilt als älteste deutschsprachige Königsurkunde. Das bedeutet nicht, dass Deutsch nun sofort das Latein verdrängte. Latein blieb die dominierende Urkundensprache. Der Einzelfall zeigt jedoch, dass volkssprachige Schriftlichkeit auch auf höchster Herrschaftsebene eingesetzt werden konnte.

Die Urkunde ist deshalb für mehrere Fachgebiete wichtig: Sprachgeschichte, Rechtsgeschichte, Stadtgeschichte und Diplomatik. Ihr Wert liegt nicht in einem modernen „Sprachpatriotismus“, sondern in der konkreten Überlieferung eines administrativen Vorgangs.

Der Konflikt Friedrichs II. mit dem Papsttum erreicht Deutschland

Konrads deutsche Regierung war untrennbar mit dem eskalierenden Konflikt zwischen Friedrich II. und dem Papsttum verbunden. Als Papst Gregor IX. den Kaiser erneut bannte, versuchten Konrad und seine Räte zunächst, Unterstützung für Vermittlung und Zusammenhalt zu gewinnen.

Viele Fürsten wollten jedoch weder bedingungslos dem Kaiser folgen noch offen gegen die Kirche stehen. Unterstützung musste durch Privilegien, Bündnisse und Rücksicht auf regionale Interessen gesichert werden. Der Gegensatz „Staufer gegen Kirche“ ist daher zu einfach. Geistliche Fürsten konnten staufisch, wechselnd oder päpstlich orientiert sein; weltliche Fürsten handelten ebenso nach eigenen Interessen.

Die Mongolengefahr von 1241 verschob Prioritäten zeitweise. Der drohende Angriff auf Mitteleuropa verlangte Zusammenarbeit. Doch die gemeinsame Gefahr beseitigte die inneren Gegensätze nicht dauerhaft.

Bürgerkrieg im Rhein-Main-Raum und in Schwaben

Als der Mainzer Erzbischof Siegfried III. die staufische Seite verließ und sich mit dem Kölner Erzbischof verband, begann ein langwieriger Krieg. Besonders das Rhein-Main-Gebiet, die Wetterau und Teile Schwabens wurden durch Belagerungen, Verwüstungen, Seitenwechsel und lokale Fehden belastet.

Die Auseinandersetzung war kein sauber abgegrenzter Krieg zweier moderner Staaten. Städte, Grafen, Bischöfe, Ministerialen und regionale Adelsgruppen besaßen eigene Ziele. Manche wechselten die Seite, wenn sich Besitzchancen, Lehnsfragen oder Sicherheitslagen änderten.

Konrad hielt sich vor allem auf staufische Kernräume, Reichsstädte und loyale Adelsnetzwerke. Worms, Ulm und andere Städte konnten militärisch und logistisch entscheidend sein. Die Seite über staufische Reichsstädte und Stadtgründungen erklärt die Bedeutung solcher städtischen Bündnisse.

Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland: Gegenkönige oder rechtmäßige Alternativen?

Das Konzil von Lyon erklärte Friedrich II. 1245 für abgesetzt. Auf päpstliche Initiative wählte eine Gruppe von Fürsten im Mai 1246 Heinrich Raspe zum König. Aus staufischer Sicht war er ein Gegenkönig; seine Anhänger betrachteten dagegen Friedrich und Konrad als abgesetzt beziehungsweise nicht mehr legitim.

Nach Heinrich Raspes Tod im Februar 1247 wählten Gegner der Staufer Wilhelm von Holland. Wilhelm gewann schrittweise Unterstützung, besonders im niederrheinischen Raum. Seine Stellung war anfangs ebenfalls begrenzt, wurde aber mit dem Schwinden der staufischen Macht stärker.

Konrad IV.

Berief sich auf Fürstenwahl, dynastisches Erbe und die fortbestehende Herrschaft Friedrichs II.

Heinrich Raspe

Wurde von einem vor allem geistlich geprägten Kreis und mit päpstlicher Unterstützung gewählt.

Wilhelm von Holland

Übernahm nach 1247 die Gegenposition und gewann nach Friedrichs und Konrads Tod zunehmend Anerkennung.

Begriffsproblem: „Gegenkönig“ beschreibt die Konkurrenzlage, entscheidet aber nicht neutral über Rechtmäßigkeit. Die mittelalterlichen Parteien stritten gerade darum, wessen Wahl gültig war.

Die Schlacht an der Nidda 1246 und das Motiv des Verrats

Konrad versuchte Heinrich Raspe den Weg nach Frankfurt zu versperren. Am 5. August 1246 kam es an der Nidda zu einer Schlacht. Konrads Heer unterlag, nachdem Grafen von Württemberg und weitere schwäbische Adelige seine Seite verlassen hatten.

Stauferfreundliche Darstellungen sprechen von Verrat. Diese moralische Deutung ist verständlich, aber nicht die einzige Erklärung. Adelige entschieden nach Lehnsinteressen, regionalen Konflikten, Versprechen und der Einschätzung künftiger Machtverhältnisse. Ein Seitenwechsel konnte aus Sicht der Betroffenen politisches Kalkül sein.

Die Niederlage war schwer, führte aber nicht unmittelbar zum Zusammenbruch. Konrad konnte Schwaben weiter verteidigen, und Heinrich Raspe scheiterte vor Ulm. Erst die Summe aus militärischem Druck, päpstlicher Politik, Fürstenwechseln und später dem Tod Friedrichs II. verschlechterte die Lage entscheidend.

Elisabeth von Bayern: Ehe, Wittelsbacher Bündnis und Geburt Konradins

Am 1. September 1246 heiratete Konrad in Vohburg Elisabeth, eine Tochter Herzog Ottos II. von Bayern. Die Ehe verband die Staufer enger mit den Wittelsbachern. In einer Zeit wechselnder Bündnisse war diese Verbindung politisch besonders wertvoll.

Elisabeth war nicht nur Trägerin einer dynastischen Ehe. Nach Konrads Tod musste sie die Interessen des kleinen Konradin in Bayern sichern. Ihre spätere Lebensgeschichte gehört daher sowohl zur Seite über staufische Frauen als auch zur Vorgeschichte von Konradins Italienzug.

Der Sohn Konrad wurde 1252 geboren und ist unter der Verkleinerungsform Konradin bekannt. Als Konrad IV. starb, war das Kind etwa zwei Jahre alt. Damit wiederholte sich das Problem einer minderjährigen dynastischen Nachfolge unter noch schwierigeren Bedingungen.

Der Tod Friedrichs II. und die strategische Krise von 1250/51

Friedrich II. starb am 13. Dezember 1250. Sein Testament bestimmte Konrad zum Erben im Reich und im Königreich Sizilien. Rechtliche Erbeinsetzung bedeutete jedoch noch keinen tatsächlichen Besitz. In Deutschland stand Wilhelm von Holland als Gegenkönig bereit, während in Süditalien Aufstände, päpstliche Ansprüche und die Stellung Manfreds die Lage prägten.

Ende Dezember entging Konrad im Regensburger Kloster Sankt Emmeram einem Mordanschlag. Die Einzelheiten sind parteiisch überliefert. Sicher ist, dass die politische Gewalt bis in kirchliche Räume reichte und Konrads persönliche Sicherheit bedroht war.

Im April 1251 exkommunizierte Papst Innozenz IV. Konrad. Im Juni hielt der König einen Hoftag in Augsburg und bestellte Herzog Otto II. von Bayern zu seinem Stellvertreter. Der Verlust wichtiger Stützpunkte und die Aussicht auf das reichere sizilische Erbe führten zur Entscheidung, nach Süden zu ziehen.

Der Italienzug 1251/52: Flucht, Aufgabe oder strategische Schwerpunktverlagerung?

Ältere Darstellungen schilderten Konrads Aufbruch manchmal als Aufgabe Deutschlands. Das ist zu pauschal. Konrad musste entscheiden, wo er mit begrenzten Mitteln eine tragfähige Machtbasis gewinnen konnte. Das Königreich Sizilien besaß eine ausgebaute Verwaltung, Einnahmen, Burgen und eine zentralisierte königliche Tradition.

Zur Finanzierung des Zuges verkaufte oder verpfändete Konrad Besitzungen. Im Herbst 1251 zog er über den Alpenraum nach Oberitalien, verhandelte mit ghibellinischen Verbündeten und erreichte den Adriahafen Latisana. Sizilische Galeeren brachten ihn über das Meer. Am 8. Januar 1252 landete er in Siponto in Apulien.

Der Zug war somit ein planmäßiges Unternehmen. Gleichzeitig hatte er einen hohen Preis: Je länger Konrad südlich der Alpen blieb, desto schwerer war es, Anhänger im deutschen Reich persönlich zu binden. Reisekönigtum beruhte auf Anwesenheit.

König von Sizilien: Aufstände, Gesetzgebung und militärische Rückgewinnung

Das Königreich Sizilien umfasste nicht nur die Insel, sondern auch das süditalienische Festland. Nach Friedrichs Tod hatten sich in Apulien und Campanien Städte und Adelsgruppen erhoben. Steuerdruck, zentrale Kontrolle, lokale Interessen und päpstliche Politik wirkten zusammen.

Konrad versuchte zunächst, politische Mäßigung mit militärischer Stärke zu verbinden. Auf einem Hoftag in Foggia im Februar 1252 erließ er Maßnahmen, die Abgaben mindern und die Rechtsstellung von Untertanen verbessern sollten. Diese Gesetzgebung war keine moderne Verfassungsreform, zeigt aber, dass er Unzufriedenheit nicht ausschließlich mit Gewalt beantworten wollte.

Gleichzeitig führte er Krieg gegen rebellierende Städte. Capua unterwarf sich 1253, Neapel erst im Oktober desselben Jahres. Mit dem Fall Neapels hatte Konrad seine Kontrolle deutlich ausgeweitet. Sein süditalienisches Königtum war damit nicht nur ein Titel, sondern zunehmend reale Herrschaft.

ProblemKonrads ReaktionHistorische Einordnung
hohe Steuer- und VerwaltungslastEntlastungen und Rechtsmaßnahmen in FoggiaVersuch, Zustimmung zurückzugewinnen
städtische AufständeBelagerungen und militärische Unterwerfungtypische Verbindung von Verhandlung und Gewalt
päpstlicher Anspruch auf das LehnsreichGesandtschaften und FriedensangeboteKonrad suchte Ausgleich, wollte aber seine Krone nicht aufgeben
starke Stellung ManfredsEntzug umstrittener Lehen und Neuordnungdynastische Kooperation und Konkurrenz zugleich

Konrad IV. und Manfred: Halbbrüder zwischen Zusammenarbeit und Konkurrenz

Friedrich II. hatte Manfred für die Zeit von Konrads Abwesenheit als Statthalter im Königreich eingesetzt. Manfred verfügte über eigene Besitzungen, die Unterstützung der Familie Lancia und persönliche Gefolgschaft. Als Konrad eintraf, war Manfred daher unverzichtbar, aber zugleich ein möglicher Konkurrent.

Konrad entzog Manfred und dessen Verwandten Lehen, die nach Friedrichs Tod als unrechtmäßig erworben galten. Dies schwächte Manfreds Macht. Die anfängliche Zusammenarbeit ging in Distanz über. Dennoch ist Vorsicht geboten: Nicht jede spätere Gegnerschaft darf rückwirkend als von Anfang an bestehender Hass erzählt werden.

Besonders problematisch sind Giftmordgeschichten. Spätere Quellen beschuldigten Manfred, Konrads Tod verursacht zu haben. Die überlieferte Fieberkrankheit und das Auftreten weiterer Erkrankungen sprechen stärker für eine natürliche Todesursache. Ein Mord ist nicht beweisbar.

Historischer Unterschied: Ein politisches Konkurrenzverhältnis ist sicher. Ein von Manfred veranlasster Giftmord ist eine unbewiesene Überlieferung.

Innozenz IV., Friedensangebote und der Kampf um das päpstliche Lehnsreich

Das Königreich Sizilien galt als päpstliches Lehen. Innozenz IV. wollte nach dem Tod Friedrichs II. keine erneute starke staufische Herrschaft dulden. Die Kurie prüfte andere Kandidaten und verhandelte schließlich über eine Übertragung an Edmund, einen Sohn des englischen Königs.

Konrad sandte mehrfach Gesandtschaften und bot Verhandlungen an. Daraus folgt nicht, dass er zur vollständigen Unterwerfung bereit war. Er suchte Anerkennung, ohne auf die ererbten Rechte zu verzichten. Der Papst wiederum konnte Gespräche nutzen, um Zeit für eine alternative Thronlösung zu gewinnen.

Im April 1254 wurde Konrad erneut exkommuniziert. Kirchlicher Bann und politische Feindschaft verstärkten sich gegenseitig. Trotzdem setzte Konrad in seinem letzten Willen offenbar auf eine kirchliche Schutzfunktion für den kleinen Konradin. Das zeigt, dass „Papst gegen Staufer“ selbst in der Endphase nicht jede kirchliche Institution und jede rechtliche Vorstellung ausschloss.

L’Aquila: königliche Förderung statt einfacher Gründungslegende

Anfang 1254 förderte Konrad die Entstehung einer neuen Stadt in den Abruzzen. Sie sollte die nördliche Grenze des Königreichs sichern und zahlreiche kleinere Siedlungen in einem befestigten Zentrum zusammenführen. Daraus entwickelte sich L’Aquila.

Die Formulierung „Konrad gründete L’Aquila“ ist als Kurzfassung gebräuchlich, darf aber nicht den Eindruck eines einzigen feierlichen Gründungsaktes erwecken. Stadtwerdung bestand aus königlicher Erlaubnis, Zusammenschluss von Siedlungen, Anlage von Befestigungen, Märkten, Kirchen und Verwaltungsstrukturen. Zudem wurde die Stadt später zerstört und erneut aufgebaut.

Historisch wichtig ist, dass Konrad auch kurz vor seinem Tod nicht nur militärisch reagierte. Stadtbildung war ein Herrschaftsinstrument zur Grenzsicherung, Verdichtung und Kontrolle.

Tod bei Lavello, Messina und der Brand während der Begräbnisfeier

Im Frühjahr 1254 bereitete Konrad offenbar weitere militärische und politische Schritte vor. Im Heerlager bei Lavello erkrankte er an Fieber und starb am 21. Mai 1254. Er war erst 26 Jahre alt.

Die genaue medizinische Diagnose ist nicht möglich. Malaria oder eine andere fieberhafte Infektion im Heer gilt als plausibel. Giftmordberichte entstanden in einem Umfeld, in dem der Tod eines jungen Herrschers politisch gedeutet wurde. Sie sind kein Beweis.

Konrads Leichnam wurde nach Messina gebracht. Während der Begräbnisfeier gerieten Dekorationen beziehungsweise die hölzerne Dachkonstruktion der Kathedrale in Brand. Dieses Ereignis wurde von Gegnern als Gottesurteil über den gebannten Staufer interpretiert. Für die Geschichtswissenschaft ist es dagegen zunächst ein Brandereignis, dessen religiöse Deutung zur parteiischen Erinnerung gehört.

Die genaue Geschichte der sterblichen Überreste und des Grabmals ist durch Brand, spätere Umbauten und Katastrophen nicht vollständig rekonstruierbar.

Ein zweijähriger Erbe: Konradin, Regentschaft und der Weg zu Manfred

Konrad hinterließ den etwa zweijährigen Konradin. Zum Regenten im Königreich bestimmte er Markgraf Berthold von Hohenburg, nicht Manfred. Der Sohn wuchs am bayerischen Hof auf und konnte seine süditalienischen Rechte nicht persönlich durchsetzen.

Manfred übernahm bald die tatsächliche Führung, zunächst als Regent. 1258 ließ er sich zum König von Sizilien krönen, nachdem er das Gerücht vom Tod Konradins verbreiten ließ. Damit entfernte sich die sizilische Herrschaft von Konrads testamentarischer Ordnung.

Nördlich der Alpen gewann Wilhelm von Holland nach Konrads Tod zunächst an Anerkennung. Die Zeit des sogenannten Interregnums lässt sich jedoch nicht einfach als herrscherlose Zeit beschreiben. Mehrere Könige, Fürsten und regionale Gewalten beanspruchten Herrschaft.

Konradin

Rechtlicher Erbe, aber minderjährig und ohne eigene Machtbasis in Süditalien.

Manfred

Politisch und militärisch vor Ort, zunächst Regent und später selbst König.

Forschungsurteil: gescheiterter Erbe oder handlungsfähiger junger König?

Konrad wurde lange vor allem vom Ende her beurteilt: Verlust der staufischen Stellung in Deutschland, Bann, Italienzug und früher Tod. Daraus entstand das Bild eines schwachen Herrschers, der dem übermächtigen Vater nicht gewachsen gewesen sei.

Neuere Zugänge fragen differenzierter. Konrad musste bereits als Jugendlicher in einem Bürgerkrieg handeln, hielt wichtige staufische Räume über Jahre, pflegte einen eigenen Hof, stellte Urkunden aus, führte Verhandlungen und setzte sich in Süditalien militärisch durch. Die Einnahme Neapels und die Neuordnung des Königreichs zeigen erhebliche Handlungsfähigkeit.

Gleichzeitig bleibt seine Abhängigkeit von Friedrich II. sichtbar. Seine Kanzlei, seine politischen Spielräume und seine dynastische Rolle waren lange durch den Vater geprägt. Der frühe Tod verhindert die Antwort auf die Frage, ob er eine eigenständige dauerhafte Herrschaft hätte stabilisieren können.

Ältere VereinfachungDifferenziertere Einordnung
„ungekrönt, also bedeutungslos“Wahl und praktische Herrschaft waren auch ohne Krönung wirksam, wenngleich symbolisch und rechtlich unvollständig.
„floh aus Deutschland“Er verlagerte den Schwerpunkt strategisch nach Sizilien, verlor dadurch aber zugleich Präsenz nördlich der Alpen.
„wurde von Manfred vergiftet“Politische Konkurrenz ist belegt; Giftmord bleibt unbewiesene Überlieferung.
„letzter Staufer“Letzter staufischer römisch-deutscher König, aber nicht letzter Angehöriger der Familie.
„nur Sohn Friedrichs II.“Eigenes Königtum, eigene Urkundenpraxis und eigenständige Maßnahmen in Sizilien sind nachweisbar.

Was Konrad IV. mit dem Hohenstaufen verbindet – und was nicht

Konrad gehörte zur Dynastie, die nach dem Hohenstaufen benannt wird, und trug die schwäbische Herzogswürde. Der Berg, die Stammburg und das staufische Kernland waren wichtige Elemente der familiären Herkunft und politischen Erinnerung.

Seine tatsächliche Herrschaft war jedoch weit ausgreifender. Sie führte von Wien, Speyer, Hagenau, Frankfurt, Ulm und Regensburg über Oberitalien bis nach Apulien, Neapel und Messina. Der Hohenstaufen war keine mittelalterliche Hauptstadt, von der Konrad sein Mehrfachkönigtum dauerhaft regierte.

Für Besucher in Göppingen-Hohenstaufen liegt gerade darin eine wichtige Erkenntnis: Die lokale Stammburg ist Ausgangspunkt einer europäischen Geschichte, aber nicht deren ständiger Regierungssitz. Weitere Zusammenhänge bieten die Seiten Die Staufer, Pfalzen und Reisekönigtum sowie Kaiser Friedrich II..

Große Zeittafel zu König Konrad IV.

  1. 25. April: Geburt in Andria. Seine Mutter Isabella II. stirbt wenige Tage später; Konrad erbt den Jerusalemer Anspruch.
  2. Reise nach Deutschland: Friedrich II. nimmt Konrad mit; Heinrich (VII.) verliert seine Stellung. Eine Königswahl Konrads kommt in Mainz noch nicht zustande.
  3. Reichsverweser: Vor seinem erneuten Italienzug überträgt Friedrich dem Sohn eine repräsentative und politische Stellvertretung.
  4. Februar: Wahl zum römisch-deutschen König in Wien; im Sommer Bestätigung in Speyer. Eine Krönung bleibt aus.
  5. Beginn der Hofregierung: Konrad reist unter Leitung und Beratung erfahrener Amtsträger durch das Reich.
  6. 25. Juli: Ausstellung des Kaufbeurer Vergleichs, der ältesten deutschsprachigen Königsurkunde.
  7. Offener Konflikt: Der Abfall des Mainzer Erzbischofs verschärft den Bürgerkrieg im Rhein-Main-Raum.
  8. 17. Juli: Das Konzil von Lyon erklärt Friedrich II. für abgesetzt; Konrads Stellung wird unmittelbar angegriffen.
  9. 22. Mai: Heinrich Raspe wird von der päpstlichen Partei zum König gewählt.
  10. 5. August: Niederlage Konrads an der Nidda nach dem Seitenwechsel schwäbischer Adeliger.
  11. 1. September: Heirat mit Elisabeth von Bayern in Vohburg.
  12. 3. Oktober: Wilhelm von Holland wird nach Heinrich Raspes Tod zum Gegenkönig gewählt.
  13. 13. Dezember: Tod Friedrichs II.; Konrad erbt die Ansprüche auf Imperium und Sizilien.
  14. Ende Dezember: Konrad entgeht in Sankt Emmeram einem Mordanschlag.
  15. 13. April: Exkommunikation durch Innozenz IV.
  16. Herbst: Aufbruch nach Süden; Verpfändungen und Bündnisse finanzieren den Italienzug.
  17. 8. Januar: Landung in Siponto.
  18. Februar: Hoftag in Foggia mit steuerlichen und rechtlichen Maßnahmen.
  19. Geburt Konradins: Elisabeth bringt den später als Konradin bekannten Erben zur Welt.
  20. Juni: Capua wird unterworfen.
  21. Oktober: Neapel fällt; Konrads tatsächliche Kontrolle im Königreich wächst erheblich.
  22. Frühes Jahr: königliche Förderung der neuen Stadt L’Aquila zur Sicherung der Nordgrenze.
  23. 9. April: erneute Exkommunikation.
  24. 21. Mai: Tod an einer Fieberkrankheit im Heerlager bei Lavello.

Häufige Fragen zu König Konrad IV.

Wer war König Konrad IV.?

Konrad IV. war ein Sohn Kaiser Friedrichs II. und von 1237 bis 1254 gewählter römisch-deutscher König. Er war außerdem Herzog von Schwaben, Erbe beziehungsweise König von Jerusalem und nach dem Tod seines Vaters König von Sizilien.

War Konrad IV. Kaiser?

Nein. Konrad IV. wurde niemals zum Kaiser gekrönt. Auch als römisch-deutscher König blieb er ungekrönt und bezeichnete sich daher in seinen Urkunden häufig als zum König der Römer Erwählter.

Warum heißt er Konrad IV.?

Die Zählung IV. bezieht sich auf die römisch-deutschen Könige dieses Namens. Im Königreich Jerusalem wird er in der Forschung teilweise als Konrad II. gezählt. Unterschiedliche Herrschaftsräume besitzen daher unterschiedliche Zähltraditionen.

Wann und wo wurde Konrad IV. geboren?

Konrad wurde am 25. April 1228 in Andria in Apulien geboren. Einzelne ältere Angaben nennen den 26. oder 27. April, doch der 25. April ist die heute überwiegend verwendete Datierung.

Warum war Konrad IV. König von Jerusalem?

Seine Mutter Isabella II. von Jerusalem starb wenige Tage nach seiner Geburt. Aus ihrem Erbrecht leitete Konrad den Anspruch auf das Königreich Jerusalem ab. Er reiste jedoch nie persönlich in das Heilige Land und übte dort keine unmittelbare Alltagsherrschaft aus.

Wann wurde Konrad IV. zum römisch-deutschen König gewählt?

Im Februar 1237 wurde der neunjährige Konrad in Wien von anwesenden Fürsten gewählt. Eine weitere Fürstenversammlung bestätigte die Wahl im Sommer 1237 in Speyer. Eine Krönung in Aachen fand nicht statt.

Warum wurde Konrad IV. nicht gekrönt?

Ein einzelner sicher belegter Grund ist nicht überliefert. Wahrscheinlich spielten die politische Lage, die Minderjährigkeit Konrads, die Steuerung der Nachfolge durch Friedrich II. und die Absicht, eine zu selbständige Stellung wie bei Heinrich (VII.) zu vermeiden, zusammen.

Was ist an Konrads Urkunde von 1240 besonders?

Der am 25. Juli 1240 ausgestellte Vergleich zwischen Kaufbeuren und Volkmar von Kemnat gilt als älteste deutschsprachige Königsurkunde. Er ist deshalb für Sprach-, Rechts- und Verwaltungsgeschichte besonders bedeutend.

Wer waren Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland?

Heinrich Raspe wurde 1246 und Wilhelm von Holland 1247 von Gegnern der Staufer als Gegenkönige gewählt. Ihre Erhebungen gehörten zum eskalierenden Konflikt zwischen Friedrich II., dem Papsttum und verschiedenen Fürstengruppen.

Was geschah 1246 an der Nidda?

Konrad versuchte Heinrich Raspe den Zugang nach Frankfurt zu versperren. In der Schlacht am 5. August 1246 wurde sein Heer geschlagen, nachdem unter anderem württembergische und andere schwäbische Adelige seine Seite verließen. Die Quellen deuten diesen Wechsel parteiisch; die politischen Eigeninteressen der Beteiligten müssen mitbedacht werden.

Warum verließ Konrad IV. 1251 Deutschland?

Nach dem Tod Friedrichs II., der Exkommunikation und dem Verlust wichtiger Stützpunkte wollte Konrad zunächst das ererbte Königreich Sizilien sichern. Der Italienzug war daher keine einfache Flucht, sondern eine strategische Schwerpunktverlagerung, die allerdings seine Stellung nördlich der Alpen weiter schwächte.

Wie war das Verhältnis zwischen Konrad IV. und Manfred?

Manfred war Konrads Halbbruder und zunächst Statthalter im Königreich Sizilien. Beide arbeiteten anfangs zusammen, standen aber zugleich in einem strukturellen Konkurrenzverhältnis um Besitz, Gefolgschaft und politische Zukunft. Eine lückenlos belegte persönliche Feindschaft darf daraus nicht für jede Phase abgeleitet werden.

Hat Konrad IV. die Stadt L’Aquila gegründet?

Konrad förderte beziehungsweise bestätigte Anfang 1254 die Bildung einer neuen Stadt zur Sicherung der nördlichen Grenze des Königreichs. Die Entstehung L’Aquilas war jedoch ein längerer Zusammenschluss zahlreicher Siedlungen und keine Stadtgründung durch einen einzigen symbolischen Akt.

Woran starb Konrad IV.?

Konrad starb am 21. Mai 1254 im Heerlager bei Lavello an einer Fieberkrankheit, wahrscheinlich im Umfeld einer Seuche oder Malaria. Spätere Giftmordgerüchte, besonders gegen Manfred, sind nicht ausreichend belegt.

Wo wurde Konrad IV. bestattet?

Sein Leichnam wurde nach Messina gebracht. Während der Begräbnisfeier kam es in der Kathedrale zu einem Brand. Deshalb ist die genaue Geschichte seiner sterblichen Überreste und des Grabes nicht in allen Einzelheiten sicher rekonstruierbar.

War Konrad IV. der letzte Staufer?

Nein. Sein Sohn Konradin, sein Halbbruder Manfred und weitere Angehörige lebten nach ihm. Konrad IV. kann als letzter staufischer römisch-deutscher König bezeichnet werden, aber nicht als letzter Angehöriger der Dynastie.

Welche Verbindung hatte Konrad IV. zum Hohenstaufen?

Konrad gehörte zur staufischen Herrscherfamilie und war Herzog von Schwaben. Seine Herrschaft spielte sich jedoch vor allem an wechselnden Höfen, in Städten, Pfalzen, Heereslagern und schließlich in Süditalien ab. Ein dauerhafter Regierungssitz auf der Burg Hohenstaufen ist nicht belegt.

Wie bewertet die Forschung Konrad IV. heute?

Er gilt nicht mehr nur als schwacher Sohn Friedrichs II. Neuere Forschung untersucht seine eigene Kanzlei, Hofkultur, Bündnisse, Rechtsmaßnahmen, Friedensangebote und die schwierige Mehrfachherrschaft zwischen Deutschland, Italien, Sizilien und Jerusalem. Wegen seines frühen Todes bleibt jede Gesamtbewertung vorsichtig.

Übernachten im historischen Ausgangsort Hohenstaufen

Das Hotel Goldener Ochsen liegt in Göppingen-Hohenstaufen am Fuß des Berges mit der ehemaligen Stammburg der Staufer. Von hier aus lassen sich Berg, Burgruine, Spielburg und die örtliche Staufer-Ausstellung zu Fuß verbinden.

Der traditionsreiche Ochsen in Göppingen-Hohenstaufen wurde erstmals 1785 urkundlich erwähnt. Unser kleines Hotel wird seit Generationen familiengeführt. Wir vermieten acht Nichtraucherzimmer mit Dusche und WC. Haustiere sind in den Hotelzimmern nicht gestattet; ein Aufzug ist nicht vorhanden, die Zimmer sind nur über Treppen erreichbar.

Zimmeranfragen, Reservierungen und Absprachen zur Anreise sind ausschließlich telefonisch und auf Deutsch möglich. Die Anreise erfolgt nach vorheriger telefonischer Vereinbarung.

Lage
Göppingen-Hohenstaufen, am Fuß des Berges
Historischer Ausgangspunkt
Stammburg, Staufer-Ausstellung und Wanderwege
Zimmer
8 Nichtraucherzimmer mit Dusche und WC
Anfrage
ausschließlich telefonisch unter 07165 8062
Bezahlung
Barzahlung
Wichtig
kein Aufzug; Zimmer nur über Treppen erreichbar