Konradin – der letzte Staufer: Jugend, Italienzug und das Ende von 1268
Superausführliche Gesamtdarstellung von Geburt und wittelsbachischer Vormundschaft über Herzogtum Schwaben, Sizilienanspruch und Italienzug bis zu Tagliacozzo, Gefangenschaft, umstrittener Verurteilung, Hinrichtung und Nachleben.
Historische Vertiefung1252–1268Redaktion: Familie Mayer
16 Jahreein kurzes Leben mit weitreichender Wirkung
1267/68Italienzug zur Rückgewinnung Siziliens
23. AugustNiederlage bei Tagliacozzo
29. OktoberHinrichtung in Neapel
Mehr als das tragische Ende einer Dynastie
Konradins Geschichte ist kurz, aber nicht einfach. Sie verbindet staufisches Erbrecht, wittelsbachische Vormundschaft, päpstliche Lehenspolitik, italienische Parteienkämpfe, einen riskanten Feldzug und eine bis heute umstrittene Hinrichtung. Diese Seite erklärt den politischen Zusammenhang und trennt Quellen von späterer Legende.
Konradin verstehen: Jugendlicher Herrscher, politischer Anspruch und spätere Tragödie
Konradin, im Italienischen Corradino, wurde nur sechzehn Jahre alt. Dennoch berührte sein kurzes Leben nahezu alle großen Konfliktfelder der späten Stauferzeit: die Nachfolge Kaiser Friedrichs II., den Zerfall staufischer Herrschaft in Italien, das sogenannte Interregnum im Reich, die päpstliche Suche nach einer nichtstaufischen Ordnung in Sizilien, die Machtpolitik Karls von Anjou und die Erwartungen staufertreuer Städte und Adelsgruppen. Wer ihn nur als unschuldiges Kind oder nur als gescheiterten Eroberer beschreibt, verkürzt diese Zusammenhänge.
Diese Darstellung trennt deshalb Biografie, Rechtsansprüche, militärische Unternehmung, zeitgenössische Propaganda und spätere Erinnerung. Konradin handelte nicht allein: Vormünder, Verwandte, Berater, Kreditgeber, Ritter, Kommunen und Gegner bestimmten seine Möglichkeiten. Gleichzeitig war er kein bloßes Werkzeug. Spätestens beim Italienzug 1267/68 trat er selbst als König, Herzog und dynastischer Hoffnungsträger auf und nahm ein erhebliches persönliches Risiko bewusst in Kauf.
Der Beiname „der letzte Staufer“ ist wirkungsmächtig, muss aber präzisiert werden. Konradin war der letzte legitime männliche Nachkomme der kaiserlichen Hauptlinie, der mit eigenen Herrschaftsansprüchen öffentlich auftrat. Mit seinem Tod endeten jedoch weder alle biologischen Nachkommen staufischer Frauen noch sofort jede männliche Nebenlinie. Das politische Projekt einer erneuerten staufischen Königsherrschaft verlor 1268 allerdings seinen letzten allgemein anerkannten dynastischen Mittelpunkt.
Name, Zählung und Titel: Konradin, Konrad II. oder Corradino?
Der heute übliche Name „Konradin“ geht auf die lateinisch-italienische Verkleinerungsform Conradinus zurück. Sie unterschied den jungen Konrad von seinem Vater Konrad IV. und wurde in Italien besonders geläufig. In Urkunden erscheint er als Konrad beziehungsweise Konrad II. Seine moderne Bezeichnung ist daher kein Spottname, sondern eine historisch gewachsene Unterscheidung.
Konradin führte Titel, die unterschiedliche Rechtsansprüche bündelten: Herzog von Schwaben sowie König von Jerusalem und Sizilien. Das Königreich Jerusalem war ein dynastisch ererbter Anspruch, dessen tatsächliche Herrschaftsmöglichkeiten äußerst begrenzt waren. Beim Königreich Sizilien stand seinem Anspruch zunächst die Regentschaft und später das Königtum seines Onkels Manfred, danach die päpstlich gestützte Herrschaft Karls von Anjou gegenüber. Titel und reale Herrschaft müssen deshalb auseinandergehalten werden.
Einen römisch-deutschen Königstitel erlangte Konradin nicht. Versuche, ihn während des Interregnums als Königskandidaten zu etablieren, scheiterten. Auch als „Kaiser Konradin“ darf er nicht bezeichnet werden. Seine Bedeutung beruht gerade darauf, dass er als erbberechtigter staufischer Fürst und sizilischer Thronprätendent handelte, ohne jemals die Kaiserwürde zu besitzen.
Die staufisch-wittelsbachische Herkunft
Konradin war der Sohn König Konrads IV. und Elisabeths von Bayern. Sein Großvater väterlicherseits war Kaiser Friedrich II.; über diesen gehörte er zur staufischen Herrscherfamilie, deren politische Räume sich von Schwaben und dem Reich bis nach Italien, Sizilien und Jerusalem erstreckten. Mütterlicherseits war er Enkel Herzog Ottos II. von Bayern und damit eng mit den Wittelsbachern verbunden.
Diese doppelte Herkunft prägte sein Leben. Der staufische Name gab ihm Ansprüche und Anhänger, aber auch mächtige Gegner. Die wittelsbachische Verwandtschaft bot Schutz, Erziehung, politische Vertretung und materielle Ressourcen. Sie handelte jedoch zugleich in eigenem Interesse: Verpfändungen und Erbvereinbarungen Konradins stärkten später den wittelsbachischen Besitz in Schwaben und Bayern.
Dynastische Verwandtschaft war im 13. Jahrhundert keine private Familienangelegenheit. Sie strukturierte Vormundschaft, Bündnisse, Erbfolgen, Heiratsprojekte und militärische Unterstützung. Konradins Biografie ist deshalb ebenso ein Kapitel staufischer Geschichte wie ein Kapitel der frühen wittelsbachischen Territorialpolitik.
Geburt 1252 auf Burg Wolfstein bei Landshut
Konradin wurde am 25. März 1252 auf Burg Wolfstein bei Landshut geboren. Von der mittelalterlichen Burg sind nur geringe Reste beziehungsweise spätere Überbauungen erhalten; eine Gedenktafel erinnert an den Geburtsort. Die romantische Vorstellung eines auf einer mächtigen Burg geborenen „letzten Königssohns“ darf den unsicheren heutigen Baubefund nicht überlagern.
Zum Zeitpunkt seiner Geburt befand sich sein Vater Konrad IV. bereits in einem schwierigen Kampf um die staufischen Herrschaftsräume. Konrad IV. verließ Deutschland 1251 in Richtung Italien, um das sizilische Erbe zu sichern. Vater und Sohn sahen einander nach heutigem Kenntnisstand nie. Damit fehlte Konradin von Anfang an die persönliche Einführung durch den Vater in Herrschaftspraxis und Gefolgschaft.
Die Geburt im bayerischen Raum und die Kindheit unter Wittelsbachern erklären, weshalb Konradin in der deutschen Erinnerung häufig stärker als „schwäbisch-bayerischer“ Prinz erscheint, obwohl seine entscheidenden politischen Ansprüche nach Italien und in das Königreich Sizilien wiesen.
Konrad IV.: der früh verstorbene Vater
Konrad IV. war ein Sohn Friedrichs II. und seit 1237 römisch-deutscher König. Nach dem Tod des Kaisers 1250 versuchte er, die staufische Herrschaft in Italien zu behaupten. Er starb am 21. Mai 1254 im süditalienischen Lavello, wahrscheinlich an einer Krankheit. Sein zweijähriger Sohn erbte damit Titel, Rechte, Schulden, Feindschaften und Hoffnungen, ohne selbst regierungsfähig zu sein.
Der Tod des Vaters veränderte die Lage grundlegend. Im Reich fehlte ein erwachsener staufischer König. In Sizilien mussten Statthalter und Verwandte entscheiden, in wessen Namen regiert wurde. Die päpstliche Kurie betrachtete das Königreich als Lehen des Papstes und suchte nach Möglichkeiten, eine erneute Verbindung von Reich und Sizilien unter staufischer Führung zu verhindern.
Konradins späterer Italienzug kann daher nicht einfach als Versuch verstanden werden, „das Land seines Vaters zurückzuholen“. Es ging um ein kompliziertes Geflecht aus Erbrecht, Lehnsrecht, päpstlicher Oberhoheit, tatsächlicher Machtausübung, lokalen Bündnissen und militärischer Durchsetzung.
Elisabeth von Bayern: Mutter, Fürstin und spätere Gräfin von Tirol
Elisabeth von Bayern war Konradins Mutter und als Wittelsbacherin ein wichtiges Bindeglied zu seinen Vormündern. Über ihre persönliche Beziehung zu ihrem Sohn wissen die Quellen weniger, als spätere Gemälde und Denkmäler suggerieren. Nach ihrer zweiten Ehe mit Meinhard von Görz-Tirol lebte sie überwiegend im Tiroler Raum. Ein dauerhaft enger Kontakt zu Konradin lässt sich nicht sicher nachweisen.
Besonders bekannt ist die Darstellung eines tränenreichen Abschieds vor dem Italienzug. Sie gehört vor allem zur späteren Erinnerungskultur. Auch die Überlieferung, Elisabeth habe das Zisterzienserkloster Stams unmittelbar aus Trauer über Konradins Tod gestiftet, ist in dieser direkten Form zeitgenössisch nicht belegt. Die Klostergründung und dynastische Memoria sind real, doch die dramatische Ursache-Wirkung-Erzählung entstand später.
Elisabeths Bedeutung liegt weniger in einer romantisierten Mutterrolle als in ihrer Stellung innerhalb eines politischen Familiennetzes. Ihre zweite Ehe verband Wittelsbacher, Görzer und Tiroler Interessen und erleichterte den Zugang über die Alpen – eine Voraussetzung für Konradins späteren Italienzug.
Vormundschaft der Wittelsbacher
Nach dem frühen Tod von Vater und Großvater stand Konradin unter der Obhut seiner wittelsbachischen Verwandten. Besonders Herzog Ludwig II. von Oberbayern vertrat seine Rechte. Urkunden und politische Entscheidungen der Kindheitsjahre wurden daher wesentlich durch Vormünder, Räte und Schreiber vorbereitet.
Ludwig verteidigte Konradins Stellung als Herzog von Schwaben und suchte, dessen Besitzrechte zu sichern. Zugleich ließ er sich für Unterstützung und Kredite durch Verpfändungen absichern. Das war im mittelalterlichen Fürstenhandeln üblich, hatte aber langfristige Folgen: Teile des sogenannten konradinischen Erbes gingen nach 1268 an die Wittelsbacher über und stärkten deren Territorium.
Vormundschaft bedeutete somit Schutz und politische Instrumentalisierung zugleich. Eine einfache Gegenüberstellung von „treuen Verwandten“ und „eigennützigen Erben“ wäre anachronistisch. Interessen von Mündel und Vormund konnten übereinstimmen, auseinanderlaufen und sich im Verlauf verändern.
Kindheit und Aufenthaltsräume in Bayern und Schwaben
Konradin wuchs in Altbayern und Schwaben auf. Aufenthalte sind unter anderem im Umfeld wittelsbachischer Höfe, in Wasserburg am Inn und an weiteren Orten seiner Besitz- und Herrschaftsräume greifbar. Die Meersburg wird ebenfalls mit ihm verbunden. Ein durchgehender fester Regierungssitz ist für den jungen Fürsten nicht anzunehmen.
Seine Ausbildung dürfte höfische, religiöse, rechtliche und militärische Elemente umfasst haben. Direkte Quellen zu einem genau festgelegten Lehrplan fehlen. Aus späteren Urkunden, seinem Auftreten und den ihm zugeschriebenen Liedern lässt sich immerhin erkennen, dass er in der adligen Schrift-, Siegel- und Repräsentationskultur seiner Zeit handlungsfähig war.
Die Vorstellung einer einsamen, vom Schicksal unwissenden Kindheit ist daher irreführend. Konradin bewegte sich in einem anspruchsvollen politischen Umfeld. Schon früh wurde sein Name für Urkunden, Bündnisse und Ansprüche eingesetzt, auch wenn die konkrete Entscheidungsmacht zunächst bei Erwachsenen lag.
Herzog von Schwaben: Titel, Besitz und begrenzte Herrschaft
Konradin galt als Herzog von Schwaben. Das Herzogtum war jedoch kein geschlossen verwalteter Flächenstaat. Staufische Hausgüter, Reichsrechte, Vogteien, Städte, Burgen und Gefolgschaften lagen zwischen den Besitzungen anderer Fürsten, Grafen, Bischöfe und Klöster. Nach Jahrzehnten staufischer Abwesenheit war die herzogliche Durchsetzungskraft zusätzlich geschwächt.
Urkunden zeigen dennoch, dass Konradin Rechte bestätigte und als Herrschaftsträger anerkannt wurde. Er bestätigte etwa Klöstern Privilegien und trat in Schwaben als königlicher und herzoglicher Aussteller auf. Solche Dokumente sind wichtiger als spätere Legenden, weil sie konkrete Rechtsbeziehungen und Zeugenlisten sichtbar machen.
Mit Konradins Tod erlosch das staufische Herzogtum Schwaben nicht in einem einzigen Verwaltungsakt, doch es fand keinen neuen allgemein anerkannten Herzog gleicher Stellung. Besitz und Rechte wurden von Habsburgern, Wittelsbachern, Württembergern, Reichsstädten und weiteren Mächten neu geordnet.
Das Interregnum und die gescheiterte Königskandidatur
Nach dem Ende der unmittelbaren staufischen Königsherrschaft war das Reich von konkurrierenden Königen, regionalen Machtzentren und wechselnden Bündnissen geprägt. Der Begriff „Interregnum“ bezeichnet keine vollständige Herrschaftslosigkeit, sondern eine Phase schwacher und umstrittener Zentralgewalt.
Für Konradin wurde zeitweise eine Wahl zum römisch-deutschen König erwogen. Sein Alter, der Widerstand des Papstes, konkurrierende Fürsteninteressen und die Stärke anderer Kandidaten verhinderten eine erfolgreiche Kandidatur. Papst Alexander IV. drohte den Wählern eines Staufers mit kirchlichen Sanktionen.
Die gescheiterte Königswahl lenkte die staufische Partei stärker auf Italien. Dort schien nach Manfreds Tod 1266 eine unmittelbare dynastische Chance zu bestehen. Gerade weil Konradin im Reich keine Krone gewann, erhielt das sizilische Projekt eine beinahe existenzielle Bedeutung.
Das Königreich Sizilien als Erbe und Konfliktzentrum
Das mittelalterliche Königreich Sizilien umfasste nicht nur die Insel, sondern auch weite Teile des süditalienischen Festlands. Es verfügte über eine vergleichsweise dichte königliche Verwaltung, bedeutende Städte, Häfen, Burgen und Steuereinnahmen. Für die Staufer war es seit Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien ein zentraler Herrschaftsraum.
Die Päpste betrachteten das Königreich als päpstliches Lehen. Sie fürchteten eine politische Umklammerung des Kirchenstaats durch einen Herrscher, der zugleich nördlich und südlich von Rom Macht besaß. Nach Friedrich II. und Konrad IV. sollte deshalb möglichst kein weiterer Staufer das Königreich dauerhaft kontrollieren.
Konradins Anspruch beruhte auf Abstammung und Erbfolge. Seine Gegner stützten sich auf päpstliche Lehensvergabe, militärischen Erfolg und tatsächliche Herrschaft. Mittelalterliche Legitimität entstand nicht aus einem einzigen klaren Verfassungsartikel, sondern aus konkurrierenden Rechtsvorstellungen und Machtmitteln.
Manfred: Regent, Onkel und konkurrierender König
Manfred war ein unehelich geborener, aber anerkannter Sohn Friedrichs II. und damit Konradins Onkel. Nach dem Tod Konrads IV. übernahm er in Süditalien zunächst die Regentschaft. Er konnte sich gegen päpstliche Angriffe behaupten und gewann erheblichen Rückhalt bei Teilen des Adels und der Städte.
1258 ließ Manfred sich zum König von Sizilien krönen, nachdem sich ein falsches oder zumindest unbestätigtes Todesgerücht über Konradin verbreitet hatte. Auch nachdem Konradins Leben bekannt war, behielt Manfred die Krone. Das Verhältnis ist daher weder als reine Treuhandschaft noch als einfache Usurpation ausreichend beschrieben: Manfred verband dynastische Zugehörigkeit, militärische Führung und faktische Herrschaft.
Konradin konnte Manfred aus der Ferne nicht verdrängen. Erst Manfreds Niederlage und Tod bei Benevent 1266 öffneten eine neue Situation. Nun war der unmittelbare staufische Herrscher in Sizilien gefallen, während Karl von Anjou eine neue, päpstlich legitimierte Dynastie begründete.
Papsttum und Karl von Anjou: Aufbau einer neuen Ordnung
Die päpstliche Kurie suchte seit Jahren einen Fürsten, der das Königreich Sizilien übernehmen und die staufische Macht brechen konnte. Schließlich erhielt Karl von Anjou, Bruder des französischen Königs Ludwig IX., die päpstliche Unterstützung. Er wurde 1266 in Rom zum König von Sizilien gekrönt.
Karl war kein bloßer päpstlicher Söldner. Er verfolgte eigene dynastische und mediterrane Ziele, baute eine neue Verwaltungselite auf und belastete Teile des Königreichs mit Abgaben und französisch-provenzalischen Amtsträgern. Diese Politik erzeugte Widerstände, die staufische Exilanten und ghibellinische Städte für Konradin mobilisierten.
Die Gegnerschaft zwischen Konradin und Karl war deshalb mehr als ein persönlicher Thronstreit. Sie verband päpstliche Lehnspolitik, französische Expansion, italienische Parteienkämpfe, lokale Steuerkonflikte und die Hoffnung auf eine Rückkehr staufischer Herrschaft.
Benevent 1266: Manfreds Tod und der Wendepunkt
Am 26. Februar 1266 besiegte Karl von Anjou Manfred bei Benevent. Manfred fiel in der Schlacht. Mit diesem Sieg übernahm Karl das Königreich, doch die staufische Partei war nicht vollständig zerschlagen. Flüchtlinge, enteignete Adlige und Gegner der neuen Regierung suchten einen neuen dynastischen Mittelpunkt.
Konradin wurde nun zum Hoffnungsträger. Gesandte aus Italien warben für seinen Zug nach Süden und stellten Unterstützung in Aussicht. Solche Einladungen waren politisch bedeutsam, aber keine Garantie für verlässliche Truppen oder Geld. Viele Städte entschieden situationsabhängig und konnten ihre Haltung rasch ändern.
Die Nachricht von Benevent machte aus einem jugendlichen Erben einen möglichen Gegenkönig. Sie erhöhte zugleich den Druck, schnell zu handeln, bevor Karls Herrschaft sich festigte.
Vorbereitung des Italienzugs 1266/67
Auf einem Hoftag in Augsburg wurde 1266 der Italienzug vorbereitet. Beteiligt waren wittelsbachische Verwandte, Friedrich von Baden-Österreich, kirchliche Fürsten, Grafen und weitere staufertreue Adlige. Die Unternehmung erforderte Geld für Sold, Pferde, Waffen, Versorgung und diplomatische Geschenke.
Konradin verpfändete erhebliche Besitzungen und setzte Verwandte als Erben ein, falls er kinderlos sterben sollte. Diese Vereinbarungen zeigen, dass alle Beteiligten mit einem hohen Risiko rechneten. Sie waren keine beiläufigen Formalitäten, sondern veränderten die Besitzlandschaft Süddeutschlands dauerhaft.
Der Italienzug war damit zugleich militärische Expedition und finanzielle Liquidation eines Teils des staufischen Erbes. Selbst ein Sieg hätte Konradin mit Verpflichtungen gegenüber Kreditgebern, Städten und Gefolgsleuten belastet.
Friedrich von Baden-Österreich: Freund, Gefährte und Mitverurteilter
Friedrich von Baden, häufig als Friedrich von Baden-Österreich bezeichnet, war einer der engsten Gefährten Konradins. Über seine Mutter leitete er Ansprüche auf Österreich und Steiermark ab, die politisch nicht durchgesetzt waren. Auch er verband jugendlichen Rang mit umstrittenen dynastischen Erwartungen.
Die spätere Erinnerung machte aus Konradin und Friedrich ein ideales Freundespaar, das gemeinsam in den Tod ging. Zeitgenössische Dokumente bestätigen ihre enge politische Verbindung und gemeinsame Verfügungen, doch viele emotionale Einzelheiten stammen aus späteren Erzählungen.
Friedrich wurde am 29. Oktober 1268 ebenfalls hingerichtet. In der Erinnerung an Konradin darf er nicht zum namenlosen Begleiter herabgesetzt werden; sein Schicksal zeigt, dass Karl von Anjou nicht nur den staufischen Hauptprätendenten, sondern auch einen weiteren hochrangigen dynastischen Anspruchsträger ausschaltete.
Aufbruch über die Alpen 1267
Im Spätsommer 1267 setzte sich Konradins Heer in Bewegung. Der Weg führte über den Tiroler Raum nach Oberitalien. Die Alpenroute war politisch ebenso wichtig wie geografisch: Nur mit Unterstützung oder Duldung lokaler Herren konnten Menschen, Pferde und Nachschub passieren.
Konradin war beim Aufbruch fünfzehn Jahre alt. Nach mittelalterlichen Maßstäben war er kein kleines Kind mehr, doch auch noch kein langjährig erprobter Heerführer. Er verfügte über Berater und erfahrene Ritter, musste aber als sichtbarer Träger des Unternehmens selbst auftreten, Urkunden ausstellen und Anhänger binden.
Spätere Darstellungen konzentrieren sich gern auf einen dramatischen Abschied von der Mutter. Historisch wichtiger sind die Bündnisse, Verpfändungen, Marschwege und Erwartungen, die den Zug überhaupt ermöglichten.
Verona: erster Erfolg und beginnende Finanzkrise
Im Oktober 1267 erreichte Konradin Verona, wo die staufische Partei und Mastino della Scala Unterstützung boten. Der Aufenthalt zeigte zunächst, dass der Zug politischen Rückhalt besaß. Konradin trat mit königlichem Anspruch auf und empfing Gesandte.
Gleichzeitig geriet das Heer in finanzielle Schwierigkeiten. Ein längerer Stillstand verteuerte die Unternehmung. Teile des Gefolges verkauften Pferde oder Ausrüstung und kehrten um. Auch wichtige Verwandte und Unterstützer verließen den Zug. Dies war keine vollständige Preisgabe Konradins, reduzierte aber seine militärischen Reserven und machte ihn stärker von italienischen Verbündeten abhängig.
Verona ist deshalb ein Wendepunkt: Der Italienzug war nicht gescheitert, doch aus einer breit getragenen süddeutschen Fürstenunternehmung wurde zunehmend ein Bündnis des jungen Staufers mit ghibellinischen Städten und exilierten süditalienischen Gruppen.
Exkommunikation durch Papst Clemens IV.
Papst Clemens IV. unterstützte Karl von Anjou und betrachtete Konradins Vormarsch als Angriff auf die päpstliche Lehensordnung. Am 18. November 1267 wurden Konradin und führende Anhänger exkommuniziert. Der Kirchenbann war ein religiöses und politisches Kampfmittel.
Exkommunikation bedeutete nicht automatisch, dass jeder Anhänger sofort abfiel oder Konradin rechtlos wurde. Sie erschwerte jedoch Bündnisse, legitimierte Widerstand und verstärkte die päpstliche Darstellung des Zuges als rebellische Invasion. Für einen Herrscher, dessen Titel auch auf christlicher Königsidee beruhten, war die Sanktion schwerwiegend.
Später entstand die Frage, ob Konradin vor seiner Hinrichtung absolviert wurde. Die Quellenlage ist unsicher. Eine eindeutige, allgemein akzeptierte Antwort lässt sich nicht geben.
Pisa, Pavia und Siena: ghibellinische Unterstützung
Trotz des Verlustes vieler nordalpiner Begleiter setzte Konradin den Zug fort. Pavia, Pisa und Siena gehörten zu den wichtigsten Unterstützern. Die Einteilung italienischer Städte in „Guelfen“ und „Ghibellinen“ darf dabei nicht als starres Parteisystem verstanden werden. Lokale Rivalitäten, Handelsinteressen und innere Fraktionen beeinflussten jede Entscheidung.
Pisa stellte Schiffe, Geld und politische Verbindungen bereit. Über ligurische und toskanische Räume gewann Konradin neue Truppen. Seine Sache erschien zeitweise erstaunlich erfolgreich, weil Karls Herrschaft in Teilen des Königreichs auf Widerstand stieß.
Die Unterstützung war jedoch ungleichmäßig. Ein feierlicher Empfang oder eine Urkunde bedeutete nicht zwingend, dass eine Stadt bis zum Ende große Kontingente stellte. Konradins Bündnis blieb ein Netzwerk mit unterschiedlichen Zielen.
Rom im Juli 1268: triumphaler Einzug und gefährliche Zuversicht
Am 24. Juli 1268 zog Konradin feierlich in Rom ein. Heinrich von Kastilien, der als Senator von Rom herrschte und gegen Karl von Anjou stand, unterstützte ihn. Der Einzug war ein Höhepunkt staufischer Selbstdarstellung: Der junge König erschien in der alten Kaiserstadt als legitimer Erbe und Befreier.
Rom war jedoch nicht dauerhaft gesichert, und der Papst hielt sich außerhalb der Stadt auf. Die Begeisterung der Anhänger durfte nicht mit einem allgemein anerkannten Machtwechsel verwechselt werden. Karls Kerntruppen blieben intakt, und die Entscheidung musste südlich von Rom fallen.
Der Erfolg konnte zu überhöhter Zuversicht beitragen. Konradins Heer war zahlenmäßig beachtlich, aber heterogen zusammengesetzt. Verschiedene Kontingente hatten unterschiedliche Kommandostrukturen und Erfahrungen.
Das Heer Konradins: Ritter, Kommunen und politische Flüchtlinge
Konradins Streitmacht bestand aus deutschen und italienischen Rittern, staufischen Exilanten, Kontingenten verbündeter Städte und weiteren Kämpfern. Zahlenangaben mittelalterlicher Chronisten sind häufig übertrieben und nur vorsichtig zu verwenden. Eine scheinbar größere Truppenstärke sagt zudem wenig über Disziplin, Führung und Reserven aus.
Karl von Anjou verfügte über kampferprobte französische und provenzalische Ritter sowie über eine klarere zentrale Führung. Seine Lage war dennoch gefährlich: Eine Niederlage hätte die junge angevinische Herrschaft erschüttern können.
Die Entscheidung von 1268 war deshalb keineswegs von Anfang an unvermeidlich. Konradins Unternehmen war riskant, aber nicht völlig aussichtslos. Gerade die reale Möglichkeit eines staufischen Erfolgs erklärt die Härte, mit der Karl nach dem Sieg vorging.
Die Schlacht bei Tagliacozzo am 23. August 1268
Die Schlacht fand nicht unmittelbar in der heutigen Stadt Tagliacozzo statt, sondern in der palentinischen Ebene bei Scurcola Marsicana. Der traditionelle Name hat sich dennoch eingebürgert. Konradins Heer traf dort auf Karl von Anjou.
Im ersten Verlauf schienen staufische und verbündete Truppen die Oberhand zu gewinnen. Teile von Karls Heer wurden geschlagen, und die Gegner hielten den Sieg möglicherweise bereits für erreicht. Karls zurückgehaltene Reserve griff jedoch in einem entscheidenden Moment ein. Unordnung, Verfolgung und Plünderung schwächten Konradins Seite.
Die oft erzählte Formel, Karl habe durch eine einfache „List“ gewonnen, ist zu schematisch. Reservebildung, Gelände, Führung, Fehleinschätzungen und der Zerfall der Kampfordnung wirkten zusammen. Konradin entkam zunächst, während viele Anhänger fielen oder gefangen wurden.
Flucht nach der Niederlage
Nach Tagliacozzo versuchte Konradin, Rom zu erreichen. Die politische Lage hatte sich jedoch gedreht. Anhänger mussten nun mit Karls Vergeltung rechnen, Städte schlossen ihre Tore oder verhielten sich abwartend.
Konradin zog schließlich zur Küste bei Astura, um möglicherweise per Schiff nach Pisa oder in einen anderen sicheren Raum zu entkommen. Die Flucht zeigt, wie schnell ein mittelalterliches Bündnis nach einer Niederlage zerfallen konnte. Ohne Heer, Geld und sichere Burg war selbst ein Königstitel kaum Schutz.
Spätere Erzählungen schmückten die Flucht mit dramatischen Einzelszenen aus. Sicher ist der grundlegende Ablauf: Niederlage, Rückzug, Suche nach einem Schiff, Gefangennahme und Auslieferung.
Gefangennahme bei Astura und Auslieferung
Bei Astura geriet Konradin in die Gewalt von Angehörigen der Familie Frangipani. Die Motive der Gefangennahme und Auslieferung werden in den Quellen unterschiedlich dargestellt. Geld, politische Vorsicht und Beziehungen zu Karl von Anjou dürften eine Rolle gespielt haben.
Die romantische Geschichte, ein unbekannter Fischer oder ein verräterischer Burgherr habe den verkleideten Prinzen allein an einem Ring erkannt, ist literarisch reizvoll, aber historisch nicht zuverlässig gesichert. Konradin reiste mit hochrangigen Begleitern und war politisch gesucht.
Mit der Übergabe an Karl verlor Konradin die Möglichkeit, als freier dynastischer Mittelpunkt einen neuen Aufstand zu organisieren. Die Frage war nun, ob Karl ihn gefangen halten, ausliefern, in ein Kloster bringen oder töten lassen würde.
Gefangenschaft in Neapel
Konradin und seine Begleiter wurden nach Neapel gebracht. Häufig wird Castel dell’Ovo als Haftort genannt. Die genaue Abfolge und Dauer einzelner Haftstationen ist in populären Darstellungen oft sicherer formuliert, als die Quellen erlauben.
Karl von Anjou stand vor einem politischen Problem. Ein lebender Konradin konnte jederzeit zum Sammelpunkt neuer Erhebungen werden. Eine Hinrichtung eines sechzehnjährigen, hochgeborenen und königlichen Gegners war jedoch außergewöhnlich und geeignet, europaweit Empörung auszulösen.
Die Gefangenschaft war daher kein bloßer Übergang zwischen Schlacht und Tod, sondern eine Phase politischer Entscheidung. Karls Regierung bereitete die Ausschaltung des staufischen Anspruchs vor und suchte dafür eine rechtliche und propagandistische Begründung.
Gab es einen Prozess? Recht, Macht und offene Quellenfragen
Ob Konradin ein formal geregelter Prozess im modernen oder auch nur eindeutig rekonstruierbaren mittelalterlichen Sinn gemacht wurde, ist umstritten. Ein vollständiges Prozessprotokoll ist nicht erhalten. Es gibt Hinweise auf eine Verurteilung, aber keine lückenlose Akte, aus der Gericht, Anklage, Verteidigung und Urteil eindeutig hervorgingen.
Karl konnte Konradin als Aufrührer gegen den rechtmäßig belehnten König und als durch den Papst gebannten Angreifer darstellen. Konradins Anhänger sahen dagegen einen erbenden König, der sein angestammtes Reich zurückforderte. Die Bewertung hing somit bereits zeitgenössisch von der anerkannten Legitimitätsordnung ab.
Die Hinrichtung darf weder mit dem pauschalen Satz „damals war das eben üblich“ normalisiert noch mit einem modernen Strafprozess verwechselt werden. Die Tötung eines gefangenen königlichen Rivalen war ein demonstrativer politischer Akt, dessen Rechtmäßigkeit schon früh bestritten wurde.
29. Oktober 1268: Hinrichtung auf dem Markt von Neapel
Am 29. Oktober 1268 wurde Konradin auf dem Marktplatz von Neapel öffentlich enthauptet. Er war sechzehn Jahre und sieben Monate alt. Mit ihm starben Friedrich von Baden-Österreich und weitere Gefährten. Die genaue Zahl und Namensliste der Hingerichteten variiert in der Überlieferung.
Die öffentliche Form sollte Karls Sieg sichtbar und endgültig machen. Eine heimliche Tötung hätte Gerüchte und Gegenansprüche begünstigt. Die Enthauptung vor einer städtischen Öffentlichkeit demonstrierte, dass der neue König den staufischen Prätendenten als verurteilten Feind behandelte, nicht als gleichberechtigten Herrscher.
Berühmte letzte Worte, der Wurf eines Handschuhs in die Menge oder eine Übertragung der Rechte an Peter von Aragón gehören überwiegend zur Legenden- und Literaturgeschichte. Einzelne Verfügungen Konradins sind dokumentarisch überliefert, doch die dramatische Bühnenszene ist nicht als gesicherter Tatsachenbericht zu lesen.
Die letzten Verfügungen und das rätselhafte Testament
Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart werden Dokumente überliefert, die mit den letzten Verfügungen Konradins und Friedrichs von Baden verbunden sind. Sie nennen Schenkungen und Begünstigte. Die Überlieferungsform ist jedoch kompliziert: Forschung diskutiert, ob es sich um Abschriften, Konzepte oder die einzige erhaltene Fassung nie ausgefertigter Siegelurkunden handelt.
Gerade diese Unsicherheit macht die Dokumente wertvoll. Sie zeigen, wie schwer sich historisches Ereignis und spätere Erinnerung trennen lassen. Ein Text kann sehr nahe am Todestag entstanden sein, ohne dass jeder bekannte Erzählungsbestandteil dadurch bestätigt wird.
Die Testamente verbinden Konradin außerdem mit südwestdeutschen Klöstern, Städten und Personen. Sie widersprechen dem Bild eines ausschließlich italienischen Dramas und führen zurück in die sozialen Netzwerke seiner schwäbisch-bayerischen Herkunft.
Bestattung und Santa Maria del Carmine
Nach der Hinrichtung wurden die Toten zunächst ohne die feierliche königliche Bestattung beigesetzt, die ihrem Rang entsprochen hätte. Später gelangten Konradins Gebeine in die Karmeliterkirche Santa Maria del Carmine Maggiore in Neapel. Die genaue frühe Bestattungsgeschichte ist von späteren Überformungen zu unterscheiden.
Im 19. Jahrhundert erhielt Konradin dort ein monumentales Grabdenkmal. Der bayerische Kronprinz Maximilian beauftragte Bertel Thorvaldsen mit dem Entwurf; die Ausführung vollendete Peter Schöpf. 1847 wurden die Gebeine in den Sockel übertragen. Die jugendlich idealisierte Statue ist daher keine mittelalterliche Porträtdarstellung, sondern ein Werk romantisch-nationaler Erinnerung.
Die Kirche verbindet heute Ereignisort, Grab, Kunstwerk und Mythos. Öffnungszeiten, Zugänglichkeit und liturgische Nutzung müssen vor einem Besuch aktuell geprüft werden.
In welchem Sinn war Konradin „der letzte Staufer“?
Konradin war der letzte legitime männliche Nachkomme der kaiserlichen Hauptlinie Friedrichs II., der als eigenständiger Herrschaftsprätendent auftrat. Sein Tod beseitigte die naheliegendste Möglichkeit einer staufischen Restauration in Sizilien und eines erneuten staufischen Königtums im Reich.
Biologisch und genealogisch war die Geschichte komplizierter. Töchter staufischer Herrscher und ihre Nachkommen lebten weiter. Auch uneheliche männliche Nachkommen und die Söhne Manfreds überlebten Konradin zunächst, wurden jedoch gefangen gehalten und konnten keine vergleichbare politische Rolle entfalten. Über Konstanze, Manfreds Tochter und Gemahlin Peters von Aragón, wirkten staufische Erbansprüche später in der aragonesischen Politik Siziliens fort.
„Letzter Staufer“ ist deshalb eine sinnvolle Kurzform für das Ende der herrschaftsfähigen legitimen Hauptlinie, aber keine wörtliche Aussage, dass am 29. Oktober 1268 jeder Mensch staufischer Abstammung starb.
Politische Folgen: Angevinische Herrschaft und staufisches Erbe
Nach Konradins Tod war Karl von Anjou zunächst ohne gleichrangigen staufischen Rivalen. Er festigte die angevinische Herrschaft, verteilte Besitz neu und verfolgte Gegner. Das Königreich blieb jedoch politisch und sozial angespannt.
1282 vertrieb die Sizilianische Vesper die Anjou von der Insel. Peter III. von Aragón griff über seine Ehe mit Konstanze, der Tochter Manfreds, staufisch-sizilische Erbansprüche auf. Dieses Ereignis war kein verspäteter Sieg Konradins, zeigt aber, dass die dynastische Frage mit seiner Hinrichtung nicht vollständig verschwand.
Im Reich profitierten insbesondere Wittelsbacher und andere Territorialmächte von der Neuverteilung staufischer Rechte. Die Königswahl Rudolfs von Habsburg 1273 leitete eine neue Phase ein. Ein geschlossenes „staufisches Deutschland“ zerfiel jedoch nicht plötzlich, weil es ein solches Staatsgebilde zuvor nicht gegeben hatte.
Konradin als möglicher Dichter
Unter Konradins Namen sind mittelhochdeutsche Lieder überliefert. Die Zuschreibung wird in der Literaturgeschichte diskutiert und nicht in jedem Detail gleich bewertet. Sie passt grundsätzlich zu einer höfischen Erziehung, beweist aber keine romantische Autobiografie des jungen Fürsten.
Mittelalterliche Lyrik arbeitet mit Gattungskonventionen, Rollen und überlieferten Motiven. Ein Ich im Lied ist nicht automatisch die private Stimme des historischen Autors. Daher darf aus poetischen Texten nicht direkt auf Konradins Liebesleben, Stimmung vor dem Italienzug oder Todesahnung geschlossen werden.
Die Zuschreibung ist dennoch bedeutsam: Sie zeigt, wie Konradin nicht nur als politischer Erbe, sondern als Teil spätmittelalterlicher Hofkultur erinnert wurde.
Vom politischen Gegner zum tragischen Jüngling
Schon die gewaltsame Hinrichtung eines sechzehnjährigen Königssohns erzeugte Mitleid und moralische Deutung. Spätere Chronisten, Dichter und Historiker machten Konradin zum Opfer fremder Gewalt, zum Märtyrer des Stauferhauses oder zum warnenden Beispiel gescheiterter Hybris.
Dante erinnerte in der Göttlichen Komödie an Konradins Tod. In Deutschland und Italien entwickelten sich unterschiedliche, teils miteinander verflochtene Bilder. Italienische Erinnerung konnte ihn als Gegner französischer Fremdherrschaft deuten; deutsche Romantik sah in ihm den letzten Spross einer idealisierten Kaiserzeit.
Diese Mythen sagen viel über spätere Epochen aus. Sie dürfen nicht einfach verworfen werden, gehören aber in einen eigenen erinnerungsgeschichtlichen Abschnitt und nicht an die Stelle der Quellenkritik.
Das Konradin-Denkmal von 1847
Das Grabdenkmal in Santa Maria del Carmine entstand im 19. Jahrhundert aus bayerischer Initiative. Maximilian, der spätere König Maximilian II., ließ bei Bertel Thorvaldsen eine Statue entwerfen. Nach dessen Tod wurde sie von Peter Schöpf vollendet und 1847 aufgestellt.
Die Figur zeigt keinen historisch gesicherten Gesichtstyp. Krone, Gewand, Schwert und jugendliche Haltung formen ein idealisiertes Bild des unschuldigen Königs. Reliefs und Inschriften verbinden bayerische Dynastie, deutsche Nationalidee und europäische Mittelalterbegeisterung.
Das Denkmal ist daher doppelt zu lesen: als Erinnerungsort für Konradin und als Quelle des 19. Jahrhunderts. Es erzählt ebenso viel über romantische Geschichtspolitik wie über den Menschen des Jahres 1268.
Häufige Irrtümer und vorsichtige Korrekturen
Irrtum: Konradin sei als kleines, politisch ahnungsloses Kind nach Italien gelockt worden. Korrektur: Er war sehr jung und abhängig von Beratern, trat aber bewusst als Herrschaftsträger auf, stellte Urkunden aus und führte einen geplanten, finanzierten Italienzug.
Irrtum: Seine Mutter habe ihn nachweislich unmittelbar vor der Abreise unter Tränen gewarnt und danach aus Trauer Stams gegründet. Korrektur: Diese emotionalen Szenen sind vor allem spätere Erinnerung; zeitgenössische Belege für die direkte Kausalität fehlen.
Irrtum: Karl von Anjou habe einen eindeutig rechtmäßigen modernen Gerichtsprozess durchgeführt. Korrektur: Eine vollständige Prozessakte fehlt; Form, Gerichtszuständigkeit und Rechtmäßigkeit sind bis heute Gegenstand historisch-rechtsgeschichtlicher Debatten.
Irrtum: Mit Konradin sei jede staufische Blutlinie ausgestorben. Korrektur: Die legitime männliche kaiserliche Hauptlinie endete, weibliche und uneheliche Nachkommen bestanden fort.
Irrtum: Die Statue in Neapel zeige Konradin naturgetreu. Korrektur: Sie ist eine idealisierende Schöpfung des 19. Jahrhunderts ohne authentische Porträtgrundlage.
Große Zeittafel Konradins
Die Zeittafel verbindet gesicherte Eckdaten mit der späteren Erinnerung. Jahreszahlen ersetzen nicht die Einordnung, machen aber die außerordentliche Verdichtung der Ereignisse 1267/68 sichtbar.
25. März: Geburt auf Burg Wolfstein bei Landshut.
Tod des Großvaters Otto II. von Bayern; Vormundschaft geht an die wittelsbachischen Onkel über.
21. Mai: Tod des Vaters Konrad IV. in Süditalien.
Manfred wird im Namen Konradins als Regent beziehungsweise maßgeblicher Vertreter in Sizilien anerkannt.
Manfred lässt sich zum König von Sizilien krönen.
Erb- und Unterstützungsvereinbarungen mit Ludwig II. von Bayern; ein Italienzug wird greifbarer.
26. Februar: Manfred fällt bei Benevent gegen Karl von Anjou. Im Herbst Vorbereitung des Italienzugs in Augsburg.
Aufbruch über Tirol nach Verona; 18. November Exkommunikation durch Papst Clemens IV.
Frühjahr: Vormarsch über Pisa und die Toskana.
24. Juli: feierlicher Einzug in Rom.
23. August: Niederlage in der Schlacht bei Tagliacozzo.
Gefangennahme bei Astura und Auslieferung an Karl von Anjou.
29. Oktober: öffentliche Hinrichtung Konradins und mehrerer Gefährten in Neapel.
Aufstellung des romantischen Grabdenkmals in Santa Maria del Carmine; Übertragung der Gebeine in den Sockel.
750. Jahrestag der Hinrichtung; neue Forschung und öffentliche Erinnerung in Deutschland und Italien.
Erscheinen des deutsch-italienischen Forschungsbandes „Konradin (1252–1268): Eine Reise durch Geschichte, Recht und Mythos“.
Friedrich II., Konrad IV., Manfred und Konradin im Vergleich
Die vier Biografien zeigen den Übergang von einer weitgespannten Kaiserherrschaft zu einem immer engeren Kampf um Sizilien. Konradin erbte große Titel, aber keine gefestigte Machtbasis.
Person
Lebenszeit
Stellung
Politischer Schwerpunkt
Ende
Friedrich II.
1194–1250
Kaiser, König von Sizilien, römisch-deutscher König, König von Jerusalem
Aufbau und Verteidigung einer Mehrfachherrschaft; Konflikt mit dem Papsttum
Tod als regierender Herrscher
Konrad IV.
1228–1254
römisch-deutscher König, König von Sizilien und Jerusalem
Sicherung der Nachfolge nach Friedrich II.; Kampf in Italien
Früher Tod in Süditalien
Manfred
1232–1266
Regent, seit 1258 König von Sizilien
Faktische staufische Herrschaft in Süditalien gegen päpstlichen Widerstand
Gefallen bei Benevent
Konradin
1252–1268
Herzog von Schwaben; Anspruch als König von Sizilien und Jerusalem
Rückgewinnung des sizilischen Erbes durch Bündnisse und Italienzug
Nach Niederlage gefangen und hingerichtet
Konradin und Hohenstaufen: Stammesname, Erinnerung und fehlender Regierungssitz
Konradin stammte aus dem Haus, das seinen modernen Namen von der Burg Hohenstaufen erhielt. Der Berg bei Göppingen war für die dynastische Herkunft symbolisch, aber nicht Konradins Geburts-, Erziehungs- oder Regierungsmittelpunkt. Ein sicher belegter persönlicher Aufenthalt auf der Stammburg ist nicht bekannt.
Gerade diese Distanz ist historisch aufschlussreich. Die Staufer waren im 13. Jahrhundert keine lokal regierende Burgherrenfamilie mehr, sondern eine weit verzweigte Herrscherdynastie. Konradins Lebensräume lagen in Bayern, Schwaben, Tirol und Italien.
Heute ermöglicht Hohenstaufen dennoch den Einstieg in seine Geschichte. Burgruine, Dokumentationsraum, Stauferstele und die Themenwelt des Hotel Goldener Ochsen erklären die dynastischen Zusammenhänge, ohne den Berg fälschlich zum Schauplatz seiner gesamten Biografie zu machen.
Erinnerungsorte von Landshut bis Neapel
Burg Wolfstein bei Landshut erinnert an die Geburt. Wasserburg am Inn und weitere süddeutsche Orte verweisen auf Aufenthalte und wittelsbachische Vormundschaft. Augsburg steht für die Vorbereitung des Italienzugs. Verona, Pisa und Rom markieren politische Etappen des Vormarschs.
Die palentinische Ebene bei Scurcola Marsicana erinnert an die Schlacht von Tagliacozzo. Astura steht für Gefangennahme und gescheiterte Flucht. Neapel verbindet Haft, Hinrichtung, Grab und Denkmal. Jeder Ort besitzt einen anderen Quellenwert: Manche sind unmittelbar belegt, andere durch spätere Gedenktafeln oder Traditionen geprägt.
Eine historische Route sollte deshalb nicht so tun, als sei jede Station unverändert erhalten. Landschaft, Städte und Kirchen haben sich seit dem 13. Jahrhundert grundlegend verändert.
Archivalien zu Konradins letzten Verfügungen werden im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt. Originale können nicht wie Museumsexponate jederzeit frei betrachtet werden; Benutzung, Ausstellungen und Reproduktionen richten sich nach den Regeln des Landesarchivs.
Für Reisen nach Bayern oder Italien müssen aktuelle Öffnungszeiten, Zugänge, Gottesdienste, Bauarbeiten und lokale Verkehrsbedingungen geprüft werden. Schlachtfelder und Burgenreste sind nicht automatisch barrierefrei. Im Sommer sind Hitze und fehlender Schatten in Mittel- und Süditalien realistische Planungsfaktoren.
Passende Vertiefungsseiten der Vision2032-Themenwelt
Wer mehrere Orte verbinden möchte, findet in der Straße der Staufer eine ausführliche Einordnung der modernen Kulturroute. Die Gesamtübersicht führt zu allen vorhandenen Vertiefungen.
Hotel Goldener Ochsen als Ausgangspunkt in Hohenstaufen
Der traditionsreiche Ochsen in Göppingen-Hohenstaufen wurde erstmals 1785 urkundlich erwähnt. Unser kleines Hotel wird seit Generationen familiengeführt.
Vom Ort Hohenstaufen lassen sich die regionale Herkunft der Dynastie, die Burgruine, Kloster Lorch und weitere Stationen der Straße der Staufer erkunden. Konradins entscheidende Lebensorte lagen zwar in Bayern und Italien, doch Hohenstaufen bietet den historischen Ausgangspunkt für die Geschichte seiner Familie.
Zimmeranfragen, Reservierungen und Anreiseabsprachen sind ausschließlich telefonisch und nur auf Deutsch möglich. E-Mail dient nur allgemeinen Anliegen; WhatsApp und andere Messenger sind keine offiziellen Kontaktwege.
Nichtraucherzimmer, Haustiere in Zimmern nicht gestattet
Zugang
kein Aufzug, Zimmer nur über Treppen erreichbar
Zahlung
Barzahlung
Adresse
Ailstraße 1, 73037 Göppingen-Hohenstaufen
Häufige Fragen zu Konradin
Wer war Konradin?
Konradin war ein Enkel Kaiser Friedrichs II. und der Sohn König Konrads IV. Er wurde 1252 geboren, führte den Titel eines Herzogs von Schwaben und beanspruchte die Königreiche Sizilien und Jerusalem. Nach einem gescheiterten Italienzug wurde er 1268 in Neapel hingerichtet.
Warum heißt er Konradin?
Der Name geht auf die lateinisch-italienische Verkleinerungsform Conradinus zurück und diente zur Unterscheidung vom Vater Konrad IV. In Urkunden erscheint er als Konrad beziehungsweise Konrad II. Die moderne Form Konradin wurde besonders durch die italienische und spätere deutsche Überlieferung geläufig.
War Konradin wirklich der letzte Staufer?
Er war der letzte legitime männliche Nachkomme der kaiserlichen Hauptlinie, der als eigenständiger Herrschaftsprätendent auftrat. Weibliche Nachkommen, uneheliche Linien und Söhne Manfreds lebten weiter. Politisch endete mit ihm jedoch die realistische Aussicht auf eine staufische Restauration unter einem allgemein anerkannten legitimen Erben.
Wann und wo wurde Konradin geboren?
Konradin wurde am 25. März 1252 auf Burg Wolfstein bei Landshut geboren. Von der mittelalterlichen Burg sind nur geringe Reste beziehungsweise spätere Überbauungen erhalten; eine Gedenktafel erinnert an den Geburtsort.
Hat Konradin seinen Vater gekannt?
Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Konrad IV. war bereits nach Italien gezogen, bevor Konradin geboren wurde, und starb dort 1254. Vater und Sohn begegneten einander offenbar nie.
Wer war Konradins Mutter?
Seine Mutter war Elisabeth von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. Sie heiratete später Meinhard von Görz-Tirol. Viele dramatische Abschiedsszenen zwischen Mutter und Sohn gehören zur späteren Kunst und Erinnerung und sind nicht als wörtlich belegte Ereignisse zu behandeln.
Unter wessen Vormundschaft wuchs Konradin auf?
Konradin stand vor allem unter wittelsbachischer Vormundschaft. Besonders Herzog Ludwig II. von Bayern vertrat seine Rechte, organisierte politische Unterstützung und erhielt im Gegenzug Pfänder und Erbzusagen.
War Konradin Herzog von Schwaben?
Ja, er wurde als Herzog von Schwaben anerkannt und stellte in dieser Stellung Urkunden aus. Das Herzogtum war jedoch kein geschlossener Flächenstaat; seine tatsächliche Herrschaft beruhte auf einzelnen Besitzungen, Rechten, Vogteien und Gefolgschaften.
War Konradin römisch-deutscher König oder Kaiser?
Nein. Eine Königskandidatur wurde erwogen, kam aber nicht erfolgreich zustande. Konradin war weder römisch-deutscher König noch Kaiser. Die Bezeichnung Kaiser Konradin ist historisch falsch.
Warum beanspruchte Konradin Sizilien?
Sein Anspruch beruhte auf der Erbfolge nach seinem Vater Konrad IV. und Großvater Friedrich II. Das Papsttum betrachtete Sizilien jedoch als päpstliches Lehen und unterstützte schließlich Karl von Anjou. Anspruch, päpstliche Belehnung und tatsächliche Herrschaft standen gegeneinander.
Welche Rolle spielte Manfred?
Manfred war ein Sohn Friedrichs II. und Konradins Onkel. Er regierte zunächst in Konradins Namen, ließ sich 1258 aber selbst zum König von Sizilien krönen. Nach seinem Tod bei Benevent 1266 wurde Konradin zum wichtigsten dynastischen Hoffnungsträger der staufischen Partei.
Warum zog Konradin nach Italien?
Staufertreue Adlige, Exilanten und italienische Städte riefen ihn gegen Karl von Anjou. Konradin wollte sein sizilisches Erbe durchsetzen. Der Zug war politisch vorbereitet und durch Verpfändungen finanziert, nicht nur ein spontanes jugendliches Abenteuer.
Wie alt war Konradin beim Italienzug?
Beim Aufbruch 1267 war er fünfzehn Jahre alt. Bei seiner Hinrichtung am 29. Oktober 1268 war er sechzehn Jahre und sieben Monate alt.
Wer war Friedrich von Baden-Österreich?
Friedrich war ein hochrangiger junger Fürst mit Ansprüchen auf Österreich und Steiermark und einer der engsten Gefährten Konradins. Er nahm am Italienzug teil und wurde am selben Tag wie Konradin in Neapel hingerichtet.
Warum wurde Konradin exkommuniziert?
Papst Clemens IV. unterstützte Karl von Anjou und betrachtete Konradins Zug als Angriff auf die päpstliche Lehensordnung in Sizilien. Am 18. November 1267 wurden Konradin und führende Anhänger mit dem Kirchenbann belegt.
Was geschah bei Tagliacozzo?
Am 23. August 1268 traf Konradins Heer in der palentinischen Ebene auf Karl von Anjou. Nach anfänglichen Erfolgen verlor Konradins Seite ihre Ordnung. Karls zurückgehaltene Reserve entschied die Schlacht. Die Niederlage beendete den Versuch, das Königreich militärisch zurückzugewinnen.
Wurde die Schlacht direkt in Tagliacozzo ausgetragen?
Nicht unmittelbar in der heutigen Stadt. Der Kampf fand in der palentinischen Ebene im Raum Scurcola Marsicana statt. Der Name Schlacht bei Tagliacozzo ist eine traditionelle historische Bezeichnung.
Wie wurde Konradin gefangen?
Nach der Niederlage floh er zur Küste bei Astura und versuchte vermutlich, ein Schiff zu erreichen. Dort wurde er von Angehörigen der Familie Frangipani festgenommen und an Karl von Anjou ausgeliefert. Ausschmückungen mit Ring, Verkleidung und Fischer sind nicht zuverlässig gesichert.
Gab es einen ordentlichen Prozess gegen Konradin?
Eine vollständige Prozessakte ist nicht erhalten. Hinweise auf eine Verurteilung existieren, doch Form, Zuständigkeit, Anklage und Rechtmäßigkeit lassen sich nicht lückenlos rekonstruieren. Die Forschung beurteilt die Hinrichtung als außergewöhnlichen politischen und rechtlichen Vorgang.
Wann und wo wurde Konradin hingerichtet?
Konradin wurde am 29. Oktober 1268 auf dem Markt von Neapel öffentlich enthauptet. Mit ihm starben Friedrich von Baden-Österreich und weitere Gefährten.
Hat Konradin vor der Hinrichtung seinen Handschuh geworfen?
Die Erzählung vom Handschuhwurf und einer symbolischen Übertragung seiner Rechte gehört zur späteren Legendenbildung. Sie ist nicht als sicherer zeitgenössischer Tatsachenbericht belegt.
Wo liegt Konradin begraben?
Seine Gebeine befinden sich in Santa Maria del Carmine Maggiore in Neapel. Das heutige Grabdenkmal mit der idealisierten Statue entstand im 19. Jahrhundert und wurde 1847 vollendet.
Stiftete seine Mutter Kloster Stams aus Trauer um Konradin?
Die Gründung von Stams und die dynastische Erinnerung sind historisch, doch eine unmittelbar durch Konradins Hinrichtung ausgelöste Trauerstiftung ist zeitgenössisch nicht belegt. Diese Verbindung wurde vor allem in späterer Überlieferung betont.
War Konradin ein Dichter?
Unter seinem Namen sind mittelhochdeutsche Lieder überliefert. Die Zuschreibung wird wissenschaftlich diskutiert. Selbst bei Autorschaft dürfen die lyrischen Ich-Aussagen nicht ohne Weiteres als private autobiografische Bekenntnisse gelesen werden.
Was geschah nach Konradins Tod?
Karl von Anjou festigte zunächst seine Herrschaft. Im Reich wurden staufische Besitz- und Rechtskomplexe neu verteilt. 1282 führte die Sizilianische Vesper zur Vertreibung der Anjou von der Insel; über Konstanze, Manfreds Tochter, wirkten staufische Erbansprüche in der aragonesischen Herrschaft weiter.
Welche Verbindung hatte Konradin zum Hohenstaufen?
Er gehörte zur staufischen Dynastie, deren Name von der Stammburg Hohenstaufen abgeleitet ist. Ein sicher belegter Aufenthalt Konradins auf der Burg ist jedoch nicht bekannt. Hohenstaufen ist ein Erinnerungs- und Herkunftsort, nicht sein hauptsächlicher Lebens- oder Regierungssitz.
Welche Seite sollte man danach lesen?
Für die dynastische Einordnung eignen sich Die Staufer und Kaiser Friedrich II. Anschließend erklären Burgruine Hohenstaufen, Stauferland, Stauferstelen und Straße der Staufer die regionalen Orte und die moderne Erinnerungskultur.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Darstellung stützt sich auf wissenschaftliche Nachschlagewerke, landesgeschichtliche Fachportale, Archivquellen und den aktuellen deutsch-italienischen Forschungsband zu Geschichte, Recht und Mythos:
Mittelalterliche Chroniken und päpstliche beziehungsweise angevinische Texte sind parteigebunden. Angaben zu Prozess, letzten Worten, früher Bestattung und einzelnen Reiseetappen bleiben teilweise umstritten. Öffnungszeiten und Zugänge an Erinnerungsorten sind veränderlich und müssen aktuell geprüft werden.