Burgruine Hohenstaufen – Stammburg, Archäologie und Geschichte
Auf dem Gipfel des Hohenstaufens begann die Geschichte eines Herrschergeschlechts, das Herzöge, Könige und Kaiser hervorbrachte. Heute sind keine hohen Türme oder Säle mehr erhalten. Die sichtbaren Grundmauern, die Landschaft und die Ergebnisse der Archäologie erzählen dennoch eine außergewöhnlich vielschichtige Geschichte – von frühen Siedlungsspuren über die staufische Herzogsburg bis zur Zerstörung im Bauernkrieg und zur Wiederentdeckung als Erinnerungsort.
Göppingen-Hohenstaufen · Gipfelhöhe 684 MeterRedaktion: Familie Mayer
684 MeterDer Gipfel erhebt sich markant über dem Filstal und dem Göppinger Albvorland.
etwa 135 × 45 mSo groß war das langgestreckte Burgareal nach der heutigen Rekonstruktion des Grundrisses.
1181Für dieses Jahr ist Barbarossas Aufenthalt „in castro Stauff“ schriftlich überliefert.
1525Im Bauernkrieg wurde die Burg erobert, geplündert und niedergebrannt.
Eine Ruine, die man lesen lernen muss
Wer zum ersten Mal auf den Hohenstaufen steigt, erwartet vielleicht eine mächtige Burgruine mit erhaltenem Bergfried, Toren und hohen Mauern. Auf dem Gipfel stehen jedoch vor allem niedrige Mauerzüge. Das kann zunächst unscheinbar wirken. Gerade deshalb braucht dieser Ort Erklärung. Die Burg wurde 1525 zerstört, über Jahrhunderte als Steinbruch genutzt, 1736 durch Planierungs- und Sprengarbeiten zusätzlich verändert und erst im 20. Jahrhundert systematischer freigelegt und gesichert.
Die heutigen Grundmauern sind daher kein unverändertes Bild des Jahres 1150 oder 1500. Sie bestehen aus erhaltenen Fundamenten, archäologisch erkannten Mauerzügen, konservierten Partien und modernen Ergänzungen. Sie zeigen den Grundriss, ersetzen aber nicht die verlorenen aufgehenden Gebäude. Wer diesen Unterschied kennt, kann die Anlage wesentlich besser verstehen.
Zugleich ist der Hohenstaufen weit mehr als eine einzelne Burgstelle. Der Berg gab einer Dynastie ihren später gebräuchlichen Namen. Von hier aus stiegen die frühen Staufer im 11. und 12. Jahrhundert zu Herzögen von Schwaben auf. Angehörige der Familie wurden Könige und Kaiser; ihre Herrschaftsräume reichten zeitweise von Nord- und Mittelitalien bis nach Sizilien. Die Burg auf dem Hohenstaufen war dabei nicht dauerhaft die „Hauptstadt eines Weltreiches“, blieb aber Stammsitz, herzoglicher Mittelpunkt, militärischer Stützpunkt und ein Ort von besonderer dynastischer Bedeutung.
Wichtig für die Besichtigung: Sichtbar ist heute hauptsächlich der erschlossene Burggrundriss. Die eindrucksvollste Erfahrung entsteht aus dem Zusammenspiel von Mauerresten, historischem Wissen, Gipfellage und weitem Blick über das Stauferland.
Der Berg Hohenstaufen und die Herkunft des Namens
Der Hohenstaufen erhebt sich als markanter, kegelförmiger Berg im Albvorland zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd. Gemeinsam mit Rechberg und Stuifen bildet er die weithin sichtbare Gruppe der Drei Kaiserberge. Mit 684 Metern ist er nicht der höchste dieser Berge, doch seine klare Form und seine historische Bedeutung machen ihn zum bekanntesten.
Der Name „Staufen“ wird gewöhnlich mit dem mittelalterlichen Wort Stauf erklärt. Gemeint war ein becher- oder kelchartiges Gefäß ohne Fuß. Die Form des Berges erinnerte an einen umgedrehten Becher. Erst später wurde aus „Staufen“ die Bezeichnung „Hohenstaufen“, um Berg, Burg und Ort eindeutiger zu unterscheiden.
Die heute gebräuchliche Bezeichnung „Staufer“ für die Dynastie ist eng mit diesem Ort verbunden. Mittelalterliche Herrscherfamilien benutzten jedoch nicht immer einen festen Familiennamen im modernen Sinn. Angehörige konnten nach Besitzungen, Ämtern oder Verwandtschaft bezeichnet werden. Der Hohenstaufen wurde im Rückblick zum namensgebenden Stammsitz eines ganzen Herrschergeschlechts.
Warum die Lage strategisch günstig war
Vom Gipfel aus lassen sich weite Teile des Filstals, des Remstals, des Albvorlandes und der Wege zwischen Neckarraum, Ostwürttemberg und Schwäbischer Alb überblicken. Eine Höhenburg konnte Bewegungen in der Landschaft beobachten, Herrschaft sichtbar machen und als Zufluchtsort dienen. Zugleich war die Lage beschwerlich: Baumaterial, Nahrung, Brennstoff und Wasser mussten auf den Berg gebracht oder dort gespeichert werden.
Vorteile der Gipfellage
weite Sicht und frühe Erkennung von Bewegungen
natürlicher Schutz durch steile Hänge
weithin sichtbares Zeichen von Herrschaft
Verbindung zu Straßen, Tälern und Besitzräumen
Nachteile der Gipfellage
aufwendiger Transport von Material und Vorräten
Abhängigkeit von gespeicherten Wasservorräten
Wind, Kälte und Feuchtigkeit
begrenzte Fläche für Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Der Hohenstaufen vor der mittelalterlichen Burg
Die Geschichte des Gipfelplateaus begann nicht erst mit den Staufern. Archäologische Beobachtungen weisen auf eine Nutzung in vorgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Zeiten hin. Funde wurden unter anderem der Bronzezeit sowie der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit zugeordnet. Solche Funde zeigen, dass der markante Berg bereits lange vor dem Hochmittelalter Menschen anzog.
Besonders bemerkenswert sind Bestattungen und menschliche Knochenfunde aus dem nordöstlichen Gipfelbereich. Radiokarbondatierungen reichen von der ausgehenden Merowingerzeit bis in das Hochmittelalter. Hinzu kommen Keramikfunde, die auf eine Nutzung des Plateaus spätestens im frühen Mittelalter hindeuten.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass schon im 8., 9. oder 10. Jahrhundert eine Steinburg im späteren Sinn bestand. Ein Berg kann Siedlungsplatz, religiöser Ort, Bestattungsplatz, befestigter Stützpunkt oder zeitweise genutzter Zufluchtsort gewesen sein. Die genaue Art der frühen Nutzung ist weiterhin Gegenstand der Forschung.
Archäologische Vorsicht: Eine frühe Besiedlung des Berges ist nicht dasselbe wie der Nachweis der späteren staufischen Burg. Funde können die Nutzung eines Ortes belegen, ohne Form, Größe oder Funktion einer damaligen Anlage vollständig zu erklären.
Der mögliche Friedhof
Die Verteilung der menschlichen Überreste und Hinweise auf eine Kapelle haben die Vermutung entstehen lassen, dass im östlichen Burgbereich zeitweise ein Friedhof lag. Ob dieser Friedhof zu einer frühen Siedlung, zu einer älteren kirchlichen Einrichtung oder zu Bewohnern der Burg gehörte, lässt sich nicht für alle Bestattungen sicher entscheiden. Die Funde erweitern das Bild des Hohenstaufens jedenfalls erheblich: Der Gipfel war nicht nur Wehr- und Herrschaftsort, sondern möglicherweise auch Begräbnis- und Sakralraum.
Wann wurde die Burg gegründet?
In der traditionellen Darstellung ließ Friedrich I. von Schwaben die Burg um 1070 errichten. Friedrich wurde 1079 von König Heinrich IV. mit dem Herzogtum Schwaben belehnt und heiratete Agnes, eine Tochter des salischen Herrschers. Der Bau oder Ausbau einer repräsentativen Höhenburg passt zu diesem politischen Aufstieg.
Die bekannte Erzählung stützt sich wesentlich auf Otto von Freising, den Geschichtsschreiber und Onkel Kaiser Barbarossas. Otto berichtet, ein vornehmer Friedrich habe auf dem Berg eine colonia angelegt, dort gewohnt und sich nach dem Ort genannt. Diese Nachricht ist wichtig, entstand aber Jahrzehnte nach den beschriebenen Ereignissen und verfolgte auch das Ziel, die Herkunft der staufischen Familie zu erklären und aufzuwerten.
Neuere Burgenforschung betrachtet die genaue Datierung deshalb vorsichtiger. Die sichtbaren und archäologisch gefassten Steinbauten lassen sich nicht einfach vollständig in die Zeit um 1070 zurückprojizieren. Teile der Anlage wurden im 12. Jahrhundert grundlegend umgebaut; ältere Siedlungsspuren beweisen wiederum nicht zwangsläufig eine staufische Steinburg.
Was darf man trotzdem sagen?
Der Hohenstaufen war im späten 11. Jahrhundert eng mit dem Aufstieg Friedrichs von Schwaben verbunden.
Die offizielle und traditionelle Datierung setzt die Gründung der staufischen Burg um 1070 an.
Die genaue Baugestalt der frühesten Anlage ist nicht vollständig bekannt.
Die Burg wurde im 12. Jahrhundert erweitert und an veränderte Wohn- und Wehransprüche angepasst.
Archäologische Funde zeigen eine ältere Nutzung des Gipfels, erlauben aber keine einfache Gleichsetzung mit der späteren Burg.
Unsere Formulierung: Die Burg wird traditionell um 1070 datiert und mit Friedrich I. von Schwaben verbunden. Die genaue Entstehungsgeschichte ist aufgrund der schwierigen Quellen- und Befundlage differenzierter, als ältere Darstellungen vermuten lassen.
Die Burg als staufische Herzogsburg und Herrschaftsmittelpunkt
Mit der Erhebung Friedrichs zum Herzog von Schwaben im Jahr 1079 erhielt die Familie eine herausragende Stellung. Die Burg auf dem Staufen war nicht nur Wohnort. Sie war sichtbares Zeichen des herzoglichen Anspruchs, Verwaltungsmittelpunkt, militärischer Stützpunkt und ein Ort, an dem Gefolgsleute, Dienstleute und Amtsträger zusammenkamen.
Das Herzogtum Schwaben war kein geschlossenes Land mit festen Grenzen und zentraler Verwaltung. Herrschaft beruhte auf Rechten, Besitzungen, Lehen, Vogteien, Gerichten, Burgen, Klöstern und persönlichen Bindungen. Die Hohenstaufenburg war ein Knoten in diesem Netz. Von ihr aus konnten Besitz und Rechte im Fils- und Remstal gesichert und Verbindungen zu weiteren staufischen Orten gepflegt werden.
Vom Herzogshaus zur Königsdynastie
1138 wurde Konrad III. als erster Staufer zum römisch-deutschen König gewählt. Mit dem Aufstieg zum Königtum veränderte sich die Bedeutung der Stammburg. Ein König konnte nicht dauerhaft auf einer abgelegenen Familienburg regieren. Mittelalterliche Herrscher reisten durch das Reich, hielten Hoftage ab, besuchten Pfalzen, Bischofsstädte und Klöster und mussten ihre Gegenwart immer wieder an wechselnden Orten zeigen.
Der Hohenstaufen verlor dadurch einen Teil seiner früheren zentralen Funktion. Er blieb aber als schwäbische Herzogsburg, Verwaltungsort, militärischer Stützpunkt und dynastischer Erinnerungsort wichtig. Gerade die Verbindung zur Herkunft der Familie konnte ihren symbolischen Wert steigern, auch wenn politische Entscheidungen längst an vielen anderen Orten fielen.
Burgmannen und Ministeriale
Seit dem 12. Jahrhundert sind Burgmannen aus mehreren Familien nachweisbar. Sie gehörten vielfach zur Reichsministerialität. Ministeriale waren rechtlich zunächst unfreie Dienstleute, konnten aber hohe militärische und administrative Aufgaben übernehmen und gesellschaftlich in den ritterlichen Adel aufsteigen. Auf und um den Hohenstaufen versahen sie Wachdienst, verwalteten Rechte, übten Ämter aus und sicherten die Burg und ihren Herrschaftsraum.
Zu diesem System gehörten weitere Burgen und Sitze im Umfeld. Burg Wäscherschloss, Hohenrechberg, Staufeneck und andere Anlagen verdeutlichen, dass mittelalterliche Herrschaft nicht von einer einzigen Burg ausging, sondern durch ein Netz von Stützpunkten getragen wurde.
Grundriss und Bauentwicklung der Burg
Das Gipfelplateau ist langgestreckt und vergleichsweise schmal. Die Burganlage erreichte nach der heutigen Rekonstruktion ungefähr 135 Meter Länge und rund 45 Meter Breite. Innerhalb der Ringmauer standen Wohn-, Wehr-, Wirtschafts- und Sakralbauten dicht beieinander. Freie Hofflächen waren kostbar.
Die Burg war kein Bauwerk, das einmal vollständig geplant und danach unverändert genutzt wurde. Sie entwickelte sich über Jahrhunderte. Mauern wurden verstärkt, Gebäude erweitert, Tore verlegt, Räume umgenutzt und neue Wehrteile ergänzt. Was Besucher heute als gemeinsamen Grundriss sehen, kann daher Bauteile verschiedener Zeiten enthalten.
Vorburg und Hauptburg
Im 12. Jahrhundert wurde die Anlage durch eine quer über das Plateau verlaufende Mauer in eine größere Vorburg und eine stärker geschützte Hauptburg geteilt. Die westlich gelegene Hauptburg enthielt besonders wichtige Wohn- und Wehrbauten. Die Trennung erhöhte die Sicherheit: Selbst wenn ein Angreifer in den äußeren Teil gelangte, war der innere Bereich noch einmal gesondert geschützt.
Die Ringmauer
Die Ringmauer folgte der Form des Gipfelplateaus. Sie schützte nicht nur vor Angriffen, sondern grenzte den herrschaftlichen Raum sichtbar ab. Im Laufe der Zeit erhielt sie Verstärkungen, Türme und vermutlich einen Zinnenkranz. Ihre heutige geringe Höhe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ursprünglich wesentlich höher war.
Der Zugang
Der archäologisch erkannte Torbereich lag an der Südseite des Plateaus ungefähr dort, wo Besucher die Anlage heute betreten. In einer späteren Bauphase wurde der Zugang verändert und durch einen Torturm innerhalb der Ringmauer besser geschützt. Ein Burgtor war immer eine empfindliche Stelle. Wegeführung, Mauern und Türme sollten verhindern, dass Angreifer geradlinig und ungehindert in den Hof gelangen konnten.
Wichtige Funktionsbereiche der Burg
Bereich
Wahrscheinliche Funktion
Heutige Wahrnehmung
Ringmauer
Schutz und Abgrenzung des Burgareals
niedrige, gesicherte Mauerzüge entlang des Plateaus
Torbereich
kontrollierter Zugang und Verteidigung
Grundmauern am südlichen Zugang
Vorburg
Wirtschaft, Unterkünfte, Versorgung und Dienstbetrieb
größerer östlicher Teil der Anlage
Hauptburg
besonders geschützter herrschaftlicher Kern
westlicher Bereich hinter der Trennmauer
Bergfried
Wehr-, Beobachtungs- und Repräsentationsfunktion
Fundamente des sogenannten Mannsturms
Wohnbauten
Aufenthalt der Herrschaft und weiterer Burgbewohner
Keller- und Fundamentbereiche
Zisterne
Speicherung von Wasser
als Vertiefung beziehungsweise erschlossener Befund erkennbar
Bergfried, Palas, Wohnbauten, Kapelle und Zisterne
Der Bergfried oder „Mannsturm“
Der Bergfried war ein massiver Turm und gehörte zu den markantesten Teilen der Anlage. Seine Fundamente zeigen einen annähernd quadratischen Grundriss mit ungefähr zehn Metern Seitenlänge. Ein Bergfried war nicht einfach der gewöhnliche Wohnraum einer Burgfamilie. Er diente als Wehr- und Beobachtungsturm, als weithin sichtbares Rangzeichen und im äußersten Notfall als Rückzugsort.
Im 15. Jahrhundert erhielt der Turm nach offizieller Darstellung ein Fachwerkgeschoss. Dieser Aufbau machte den „Mannsturm“ schon aus großer Entfernung erkennbar. Auf historischen Darstellungen prägt er die Silhouette der Burg. Von diesem Turm ist heute nur der Fundamentbereich erhalten.
Der „Bubenturm“
Neben dem Mannsturm erscheint in der Forschung und älteren Überlieferung der sogenannte Bubenturm. Seine genaue bauliche Gestalt und Funktion lassen sich aus den heutigen Resten weniger anschaulich erschließen. Der Name darf nicht zu romantischen Vorstellungen verleiten; mittelalterliche und frühneuzeitliche Turmnamen konnten sich im Laufe der Zeit verändern oder erst spät schriftlich greifbar werden.
Der Palas und weitere Wohngebäude
Als Palas bezeichnet man den repräsentativen Wohnbau einer Burg. Dort lagen beheizbare Räume, Säle und Bereiche für die Herrschaft. Auf dem Hohenstaufen wurde der Wohnbereich im 12. Jahrhundert erweitert. Neben dem eigentlichen herrschaftlichen Wohnbau gab es Unterkünfte für Burgmannen, Wächter, Knechte, Mägde, Handwerker und Gäste.
Die Grenze zwischen „Palas“, Wohnhaus und späteren Anbauten ist bei einer stark zerstörten und mehrfach umgebauten Anlage nicht überall eindeutig. Rekonstruktionsmodelle zeigen daher eine wissenschaftlich begründete Möglichkeit, nicht eine fotografisch gesicherte Ansicht.
Die Kapelle
Eine Burg von diesem Rang benötigte einen Ort für Gottesdienste, Gebet und liturgische Handlungen. Im späten Zustand der Anlage wird eine Kapelle an der Ostseite des Mannsturms angenommen. Hinweise auf Bestattungen im östlichen Bereich werfen zusätzliche Fragen nach älteren sakralen Nutzungen auf. Die genaue Entwicklung von Kapelle und Friedhof ist jedoch nicht lückenlos geklärt.
Die Zisterne
Wasser war auf einer Gipfelburg lebenswichtig. Ein ständig ergiebiger Brunnen bis zum Grundwasser wäre auf dem Hohenstaufen kaum einfach anzulegen gewesen. Deshalb wurde Niederschlagswasser gesammelt und in einer Zisterne gespeichert. Ein als Kellerraum beziehungsweise Wasserspeicher erkannter Befund zeigt, wie eng Architektur und Versorgung miteinander verbunden waren.
Zisternenwasser musste sorgfältig behandelt werden. Dächer und Rinnen leiteten Regenwasser in den Speicher; Schmutz und Sedimente sollten möglichst zurückgehalten werden. Für Trinken, Kochen, Tiere, Reinigung und Brandbekämpfung waren dennoch große Mengen nötig. In Trockenzeiten blieb der Transport zusätzlicher Vorräte auf den Berg unvermeidbar.
Leben, Arbeit und Versorgung auf der Hohenstaufenburg
Eine Burg war weder nur Ritterromantik noch ständig belagerte Festung. Sie war Wohnort, Verwaltungssitz, Arbeitsplatz, Lager, Werkstatt, Stall, Gerichtsort und militärischer Stützpunkt. Auf dem Hohenstaufen lebten zeitweise nicht nur Mitglieder der herrschaftlichen Familie, sondern auch Burgmannen, Geistliche, Wächter, Knechte, Mägde, Handwerker und weitere Dienstleute.
Kälte, Rauch und wenig Licht
Nur ein Teil der Räume konnte beheizt werden. Offene Feuerstellen und Öfen erzeugten Wärme, aber auch Rauch, Ruß und Brandgefahr. Fensteröffnungen blieben klein. Fensterglas war im Hochmittelalter selten und kostbar; Öffnungen konnten mit Holzläden, Häuten oder anderen Materialien verschlossen werden. Selbst repräsentative Räume waren nach heutigen Maßstäben häufig kalt, dunkel und zugig.
Lebensmittel und Vorräte
Getreide, Hülsenfrüchte, Salz, Käse, getrocknete oder geräucherte Lebensmittel und Getränke mussten gelagert werden. Frische Waren kamen von Höfen und Dörfern im Herrschaftsbereich. Tiere benötigten Futter, Menschen Brennholz und die Küche ständig Wasser. Eine Burg funktionierte deshalb nur, wenn sie in ein wirtschaftliches Umland eingebunden war.
Pferde und Transport
Pferde waren für Reise, Nachrichtendienst, Jagd und Krieg unentbehrlich. Auf dem kleinen Gipfelplateau konnten jedoch nicht beliebig viele Tiere dauerhaft gehalten werden. Ställe, Wege, Versorgungshöfe und Unterkünfte am Bergfuß oder im Ort waren Teil des Gesamtsystems. Die Burg darf deshalb nicht isoliert vom Siedlungsraum Hohenstaufen betrachtet werden.
Handwerk und Instandhaltung
Mauern, Dächer, Türen, Waffen, Sättel, Wagen, Kleidung und Gefäße mussten ständig repariert werden. Schmiede, Zimmerleute, Steinmetze und weitere Handwerker arbeiteten zeitweise auf der Burg oder lieferten benötigte Produkte. Eine Burg war nie „fertig“: Witterung, Nutzung und veränderte militärische Anforderungen führten immer wieder zu Baumaßnahmen.
Keine dauernde Kaiserresidenz: Selbst wenn ein Herrscher zu Gast war, lebte nicht ständig ein großer kaiserlicher Hof auf dem Hohenstaufen. Die begrenzte Fläche und die reisende Herrschaftspraxis des Mittelalters sprechen gegen die Vorstellung einer festen Reichshauptstadt auf dem Gipfel.
Kaiser Barbarossa und die Burg Hohenstaufen
Friedrich I. Barbarossa war ein Enkel Herzog Friedrichs I. von Schwaben und gehörte damit zur Familie, deren Aufstieg mit dem Hohenstaufen verbunden war. Als König und Kaiser regierte er jedoch nicht von einer festen Hauptstadt aus. Sein Hof reiste durch große Teile des Reiches und Italiens. Urkunden, Hoftage und politische Begegnungen fanden an wechselnden Orten statt.
Für das Jahr 1181 ist ein Aufenthalt Barbarossas auf der Burg schriftlich belegt. In einer Urkunde erscheint die Ortsangabe in castro Stauff. Dieser Beleg ist für Göppingen-Hohenstaufen besonders wertvoll, weil er den Kaiser tatsächlich mit der Stammburg seiner Familie verbindet.
Aus diesem einzigen sicher dokumentierten Aufenthalt darf weder geschlossen werden, Barbarossa habe nur einmal im Leben die Burg gesehen, noch dass er dort regelmäßig oder dauerhaft wohnte. Mittelalterliche Überlieferung ist lückenhaft. Sicher ist: Die Burg besaß für seine Familie und das schwäbische Herzogtum Bedeutung; sicher ist auch, dass die großen politischen Zentren seiner Herrschaft andernorts lagen.
Warum der Aufenthalt von 1181 wichtig ist
Er verbindet den berühmtesten Stauferkaiser unmittelbar mit dem Stammsitz.
Er zeigt, dass die Burg trotz des europaweiten Aktionsraums der Dynastie weiterhin genutzt wurde.
Er belegt die historische Ortsbezeichnung in einer zeitnahen Quelle.
Er erklärt, warum Barbarossa im örtlichen Erinnern, in der Barbarossakirche und in Ausstellungen eine zentrale Rolle spielt.
König Philipp von Schwaben, ein Sohn Barbarossas, war der letzte Staufer, für den besonders enge persönliche Beziehungen zur Burg nachgewiesen werden können. Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VI. geriet das Reich in einen Thronstreit. Philipp wurde 1198 zum König gewählt, während die gegnerische Partei Otto IV. unterstützte.
Am 21. Juni 1208 wurde Philipp in Bamberg ermordet. Seine hochschwangere Witwe Irene, eine Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak II. Angelos, zog sich auf die Burg Hohenstaufen zurück. Dort starb sie am 27. August 1208 im Zusammenhang mit einer Geburt. Sie wurde im staufischen Hauskloster Lorch bestattet.
Der Minnesänger Walther von der Vogelweide pries Irene als „Rose ohne Dorn“. Ihre letzten Lebenswochen verbinden Hohenstaufen und Kloster Lorch auf besonders persönliche und tragische Weise. Heute erinnert eine Wanderroute an ihren letzten Weg vom Hohenstaufen nach Lorch.
Historische Bedeutung: Mit Philipp und Irene endet die Zeit, in der Angehörige der königlichen Stauferfamilie unmittelbar mit der Burg verbunden waren. Die Anlage blieb danach wichtig, wurde aber zunehmend von Burgvögten, Pfandherren und Amtsträgern verwaltet.
Die Burg nach dem Ende der staufischen Herrschaft
Der Niedergang der Staufer verlief nicht in einem einzigen Augenblick. Kaiser Friedrich II. starb 1250, sein Sohn Konrad IV. 1254, und Konradin wurde 1268 in Neapel hingerichtet. Damit endete die männliche Linie der königlichen Staufer. Bereits zuvor hatten sich Besitz- und Machtverhältnisse in Schwaben verändert.
Vermutlich ging der Hohenstaufen bald nach 1246 der Familie verloren. Später zog König Rudolf von Habsburg die Burg wieder an das Reich. Burgvögte verwalteten sie im Rahmen der Landvogtei. Die Anlage blieb also ein politisch und militärisch nutzbarer Ort, auch wenn ihre dynastische Glanzzeit vorbei war.
Eroberung durch Württemberg 1319
Graf Eberhard der Erlauchte von Württemberg eroberte die Reichsburg 1319. Danach erhielt Württemberg Burg und Amt als Reichspfandschaft. Im 14. Jahrhundert wechselten die rechtlichen Zuordnungen mehrfach zwischen Reich, Württemberg, Habsburg und verschiedenen Pfandinhabern.
Pfandschaften und wechselnde Burgherren
Mittelalterliche Pfandschaften waren keine bloßen Mietverhältnisse. Herrscher übertrugen Einkünfte, Ämter und Nutzungsrechte als Sicherheit für Geld oder politische Leistungen. Dadurch konnten Burgen über lange Zeit von Familien verwaltet werden, die nicht endgültig Eigentümer waren. Beim Hohenstaufen führte diese Entwicklung zu einer komplizierten Rechtslage.
Von 1427 bis 1470 hatten verschiedene Adelsfamilien die Burg als nachgeordnete Pfandherren inne. 1520 brachte der niederadelige Jörg Staufer von Bloßenstaufen Burg und Amt an sich. Seine Namensähnlichkeit mit der alten Kaiserdynastie darf nicht mit einer direkten Fortsetzung der königlichen Staufer verwechselt werden.
Umbauten im späten Mittelalter
Auch nach dem Ende der Staufer wurde die Burg angepasst. Der Mannsturm erhielt ein weithin sichtbares Fachwerkgeschoss. Wohnbauten, Kapelle, Toranlagen und Mauern wurden verändert. Historische Darstellungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert zeigen daher nicht die ursprüngliche Burg des 11. Jahrhunderts, sondern eine über Jahrhunderte gewachsene spätmittelalterliche Anlage.
Der Bauernkrieg und die Zerstörung am 29. April 1525
Der Deutsche Bauernkrieg von 1524 und 1525 war eine weitreichende soziale, politische und religiöse Erhebung. Bauern, Bürger und weitere Gruppen verbanden sehr unterschiedliche Beschwerden und Forderungen. In Südwestdeutschland entstanden größere bewaffnete Haufen, die Klöster, Burgen und Herrschaftssitze angriffen.
Ende April 1525 erreichte der Gaildorfer Haufen den Hohenstaufen. Burgherr Jörg Staufer befand sich im Heer des Schwäbischen Bundes; die Burg war nur schwach besetzt. Am 29. April wurde sie erobert, geplündert und in Brand gesetzt.
Der Brand zerstörte Dächer, Fachwerk, Innenausstattung und große Teile der Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Massive Steinmauern verschwanden nicht sofort vollständig, doch eine ausgebrannte Burg verlor ihre Bewohnbarkeit und militärische Funktion. Für einen Wiederaufbau wären erhebliche Mittel notwendig gewesen.
Warum die Zerstörung endgültig wurde
Viele im Bauernkrieg beschädigte Herrschaftssitze wurden wieder aufgebaut. Beim Hohenstaufen geschah dies nicht. Die komplizierte Rechtslage, veränderte militärische Anforderungen und andere politische Prioritäten machten eine Wiederherstellung unattraktiv. Die Ruine blieb bestehen und wurde zum Lieferanten von Baumaterial.
Kein plötzlicher vollständiger Verlust: 1525 brannte die Burg aus. Dass heute nur Grundmauern vorhanden sind, ist zusätzlich das Ergebnis von Jahrhunderten des Steinraubs, der Verwitterung, von Planierungen und späteren Eingriffen.
Ruine, Steinbruch und der gescheiterte Festungsbau von 1736
Nach der Zerstörung wurde die Burg nicht geschützt wie ein modernes Kulturdenkmal. Nutzbare Quader, Werksteine und anderes Baumaterial waren wertvoll. Mauern wurden abgetragen, Steine fortgeschafft und in anderen Bauten wiederverwendet. Bei einzelnen Steinen lässt sich heute meist nicht mehr sicher bestimmen, woher sie kamen und wo sie verbaut wurden.
Der Abtrag veränderte den Burggrundriss stärker als der Brand allein. Oberirdische Mauern verschwanden, Keller wurden verfüllt und Geländeformen eingeebnet. Als Gelehrte und Reisende im 16. und 17. Jahrhundert den Hohenstaufen besuchten, fanden sie bereits eine stark reduzierte Ruine vor.
Der Plan Herzog Karl Alexanders
1736 plante Herzog Karl Alexander von Württemberg, den Hohenstaufen zu einer modernen Landesfestung auszubauen. Dafür wurden Erdarbeiten, Planierungen und Sprengungen begonnen. Die mittelalterlichen Reste galten nicht als schützenswertes Denkmal, sondern als Hindernis und Materialreserve.
Ein schwerer Unfall des Sprengmeisters und der Tod des Herzogs im folgenden Jahr verhinderten die vollständige Ausführung. Die Festung entstand nicht, doch die vorbereitenden Arbeiten hatten das Plateau und die verbliebenen Burgreste erneut beschädigt.
Schatzsuche und frühes Interesse
Ruinen regten über Jahrhunderte die Fantasie an. Berichte über verborgene Schätze führten zu Grabungen, die nicht wissenschaftlich dokumentiert wurden. Solche Eingriffe zerstörten Schichten und Zusammenhänge, die für moderne Archäologie besonders wertvoll wären. Ein Fundstück ohne genaue Lage ist wesentlich schwerer zu deuten als ein Fund in ungestörter Schicht.
Ausgrabungen, Rekonstruktionen und Denkmalpflege
Das Interesse an der Burg wuchs im 19. Jahrhundert. Romantik, Regionalgeschichte und die Suche nach nationalen Erinnerungsorten führten dazu, dass der Hohenstaufen neu wahrgenommen wurde. Wissenschaftliche Methoden standen jedoch erst am Anfang.
Frühe Grabungen im 19. Jahrhundert
Für 1871 sind Grabungen mit dem Ziel belegt, Grundmauern freizulegen. Eine brauchbare Dokumentation ist nicht erhalten. Damit ging Wissen verloren: Ohne genaue Pläne, Schichtbeschreibungen und Fundzuordnungen lässt sich heute kaum beurteilen, was damals tatsächlich entdeckt oder verändert wurde.
Die Grabungen von 1935 bis 1938
1935 wurden durch zahlreiche Suchschnitte der Verlauf des Mauerrings, eine Trennmauer und die Lage der beiden überlieferten Türme untersucht. Unter Walter Veeck folgten 1936 und 1938 größere Flächengrabungen. Dabei kamen Kellerbereiche, Ringmauerabschnitte, der südliche Torbereich, Fundamente des Mannsturms und weitere Gebäudespuren zum Vorschein.
Die Grabungen waren für ihre Zeit bedeutsam, entsprachen aber nicht heutigen Standards. Ein Teil der Dokumentation und des Fundmaterials wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt oder ging verloren. Später konnten einzelne Unterlagen und Funde wieder aufgefunden und neu ausgewertet werden.
Sicherung und zweite Grabungsphase ab den 1960er-Jahren
Bereits wenige Jahrzehnte nach der Freilegung zerfielen unzureichend geschützte Mauerreste erneut. Stadt und Landkreis bemühten sich um Sicherung und touristische Erschließung. Zwischen den Vorstellungen einer anschaulichen Rekonstruktion und den Anforderungen der Denkmalpflege kam es zu Spannungen.
Geplante starke Aufmauerungen des Bergfrieds und weitere Neubauten wurden nicht vollständig verwirklicht. Trotzdem wurden Fundamente ergänzt, Mauerzüge sichtbar gemacht und das Gelände für Besucher erschlossen. Die heutige Anlage trägt daher deutlich die Handschrift der Denkmalpflege und Vermittlung des 20. Jahrhunderts.
Neuere Untersuchungen
Bodenradar, gezielte archäologische Beobachtungen und Untersuchungen bei Sanierungsarbeiten lieferten im 21. Jahrhundert zusätzliche Hinweise. Nichtinvasive Methoden können Mauerzüge im Boden erkennen, ohne große Flächen auszugraben. Neuere Funde rückten außerdem die vorgeschichtliche und frühmittelalterliche Nutzung des Gipfels stärker in den Mittelpunkt.
Denkmalpflege bedeutet nicht Neubau: Ziel ist heute grundsätzlich nicht, eine vermeintlich vollständige Burg neu zu errichten. Erhalten, untersuchen und verständlich machen hat Vorrang vor einer spekulativen Rekonstruktion.
Was Besucher heute tatsächlich sehen können
Die niedrigen Mauern lassen sich am besten mit einem Grundrissplan oder nach einem Besuch des Dokumentationsraums lesen. Ohne Erklärung wirken einzelne Rechtecke und Mauerlinien ähnlich. Mit etwas Vorbereitung werden unterschiedliche Funktionsbereiche erkennbar.
Wehrbauten
Ringmauer, Torbereich, Trennmauer und die Fundamente des Mannsturms zeigen die Verteidigungsstruktur.
Wohn- und Wirtschaftsbauten
Keller und Fundamentzüge markieren Räume, in denen gewohnt, gearbeitet, gelagert und verwaltet wurde.
Wasserversorgung
Der Zisternenbereich erinnert daran, dass jede Nutzung des Gipfels von gesichertem Wasser abhängig war.
Original, Ergänzung und Interpretation
Nicht jeder sichtbare Stein lag seit dem Mittelalter genau in dieser Höhe offen. Bei der Sicherung wurden Mauerzüge ergänzt und aufgemauert, damit Verlauf und Räume erkennbar bleiben. Die untersten Partien können mittelalterlichen Befund enthalten; darüberliegende Lagen können konservatorische Ergänzungen sein.
Das mindert den Wert des Ortes nicht. Es verlangt lediglich eine ehrliche Lesart: Die Ruine ist zugleich archäologisches Denkmal und im 20. Jahrhundert gestalteter Geschichtsraum.
Was nicht mehr zu sehen ist
die ursprüngliche Höhe der Ringmauer
der aufragende Mannsturm mit seinem späteren Fachwerkgeschoss
Dächer, Wehrgänge und hölzerne Einbauten
Innenausstattung, Öfen, Türen und Fenster
die vollständige Kapelle
Ställe, Werkstätten und weitere Gebäude in ihrer aufgehenden Form
Farben, Putzflächen und textile Ausstattung der Wohnräume
Warum Rekonstruktionsmodelle hilfreich sind
Ein Modell kann Mauerhöhen, Dächer und Gebäudemassen anschaulich machen. Es bleibt jedoch eine wissenschaftliche Rekonstruktion. Je weniger Originalsubstanz erhalten ist, desto größer wird der Interpretationsanteil. Modelle sollten deshalb als begründete Vorstellung und nicht als zweifelsfreies Foto der Vergangenheit verstanden werden.
Vom verlassenen Burgplatz zum Erinnerungsort
Seit dem späten 18. Jahrhundert gewann das Mittelalter in Literatur, Kunst und Geschichtsbewusstsein neue Bedeutung. Dichter, Maler und Wanderer suchten den Hohenstaufen auf. Die wenigen Ruinenreste wurden gerade wegen ihres Verlustes zum Projektionsraum für Vorstellungen von Rittertum, Kaisertum und schwäbischer Geschichte.
Im 19. Jahrhundert verband sich die Erinnerung an die Staufer teilweise mit nationalen Vorstellungen. Dabei wurden mittelalterliche Herrscher in eine moderne deutsche Nationalgeschichte eingeordnet, die ihrer eigenen Zeit fremd war. Die historische Burg war jedoch keine Hauptstadt eines modernen Nationalstaats, und die Staufer handelten in einem europäischen Geflecht aus Reich, Papsttum, Italien, Burgund und Sizilien.
Die Stauferstele
Seit 2002 steht auf dem Gipfel eine Stauferstele. Die achteckige Säule aus apulischem Marmor erinnert an die Geschichte und die europäischen Verbindungen der Dynastie. Ihre Materialwahl verweist bewusst auf Süditalien, wo die staufische Herrschaft besonders unter Friedrich II. einen bedeutenden Mittelpunkt hatte.
Die Stele ist kein mittelalterlicher Bestandteil der Burg. Sie gehört zur modernen Erinnerungskultur und macht sichtbar, dass der Ort bis heute gedeutet und gestaltet wird.
Berg, Burg, Dynastie und Mythos
Auf dem Hohenstaufen überlagern sich mehrere Ebenen: die natürliche Landschaft, frühe Siedlungsspuren, die mittelalterliche Burg, ihre Zerstörung, archäologische Rekonstruktion und spätere Erinnerung. Wer diese Ebenen trennt, versteht den Ort besser und muss weder seine Bedeutung übertreiben noch die niedrigen Mauerreste unterschätzen.
Aufstieg, Rundgang und praktische Besuchsplanung
Die Burgruine liegt auf dem Gipfel des Hohenstaufens. Vom Ortskern führen mehrere Wege hinauf. Der direkte Aufstieg ist relativ kurz, aber teilweise steil und naturbelassen. Je nach Ausgangspunkt, Kondition, Wetter und Pausen dauert er ungefähr eine Viertelstunde bis deutlich länger.
Empfohlene Reihenfolge
Im Ortskern zunächst den Dokumentationsraum für staufische Geschichte besuchen, sofern er geöffnet ist.
Die Barbarossakirche und den historischen Bereich am Bergfuß betrachten.
Über einen ausgeschilderten Weg zum Gipfel aufsteigen.
Am Torbereich beginnen und den Grundriss langsam von Ost nach West lesen.
Trennmauer, Hauptburg, Mannsturm, Wohnbauten und Zisterne einordnen.
Stauferstele und Aussicht bewusst als moderne beziehungsweise landschaftliche Bestandteile ergänzen.
Je nach Wetter und Kondition über einen anderen Weg oder Richtung Spielburg absteigen.
Wie viel Zeit ist sinnvoll?
Kurzbesuch
Für Aufstieg, kurzen Rundgang und Abstieg mindestens etwa eine Stunde einplanen.
Ausführlicher Besuch
Mit Ausstellung, Kirchen, Ruine, Aussicht und Spielburg sind zwei bis vier Stunden angemessen.
Schuhe, Wetter und Sicherheit
festes Schuhwerk ist bei Nässe, Schnee, Eis und Laub besonders wichtig
der Gipfel kann windiger und kühler sein als der Ortskern
im Sommer sind Sonnenschutz und Getränke sinnvoll
Kinder sollten an steilen Stellen und Mauerkanten begleitet werden
auf den Mauerresten sollte nicht geklettert werden
vorübergehende Sperrungen und Hinweise der Denkmalpflege sind zu beachten
Barrierefreiheit
Der Aufstieg und das Ruinengelände sind nicht durchgehend barrierefrei. Naturwege, Steigungen, Stufen, unebener Untergrund und Witterung können den Zugang erschweren. Auch Kinderwagen sind nicht auf jedem Weg sinnvoll. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten den aktuellen Zustand und geeignete Annäherungsmöglichkeiten vorab prüfen.
Eintritt und Zugänglichkeit
Nach dem gegenwärtigen offiziellen Stand ist die Burgruine tagsüber kostenlos zugänglich. Veranstaltungen, Bauarbeiten, Unwetter oder Sicherungsmaßnahmen können zeitweise zu Einschränkungen führen. Aktuelle Informationen sollten deshalb vor der Anreise bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg geprüft werden.
Versorgung in Hohenstaufen
Im Stadtbezirk bestehen derzeit keine regulären Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs und kein Geldautomat. Getränke, Verpflegung und Bargeld sollten daher rechtzeitig besorgt werden. Gastronomische Öffnungszeiten auf und am Berg können sich ändern und sollten nicht ohne aktuelle Prüfung vorausgesetzt werden.
Spielburg, Dokumentationsraum und weitere Stauferorte
Dokumentationsraum für staufische Geschichte
Am Fuß des Berges befindet sich der Dokumentationsraum für staufische Geschichte. Modelle, Abbildungen, Karten und Reproduktionen helfen dabei, die niedrigen Mauerzüge auf dem Gipfel zu verstehen. Ein Besuch vor dem Aufstieg ist besonders sinnvoll, weil man anschließend Gebäude und Bauphasen bewusster erkennt.
Barbarossakirche
Die katholische Pfarrkirche St. Jakobus wird häufig Barbarossakirche genannt. Sie stammt in ihrer heutigen historischen Substanz aus dem späten Mittelalter und gehört zusammen mit Ausstellung und Bergzugang zum staufischen Erinnerungsbereich im Ort.
Naturschutzgebiet Spielburg
Unterhalb des Hohenstaufens liegt die Spielburg. Die Felsformation und das heideähnliche Trockenbiotop bilden einen landschaftlich außergewöhnlichen Bereich. Felsen, Blockhalden, Halbtrockenrasen, Hecken, Streuobstwiesen und weitere Strukturen schaffen wertvolle Lebensräume. Besucher sollten auf den Wegen bleiben und empfindliche Bereiche schützen.
Burg Wäscherschloss
Das nahe Wäscherschloss ist wesentlich besser in aufgehender Bausubstanz erhalten als der Hohenstaufen. Es gehörte nicht als gleichrangige Kaiserresidenz zur Stammburg, sondern veranschaulicht die Welt staufischer Dienstleute und das Netz von Burgen im Umfeld.
Kloster Lorch
Kloster Lorch gilt als frühe Grablege der Staufer. Die Verbindung zu Irene von Byzanz, die 1208 auf dem Hohenstaufen starb und in Lorch bestattet wurde, macht beide Orte zu einer gemeinsamen historischen Route.
Drei Kaiserberge
Rechberg und Stuifen ergänzen die Landschaft. Auf dem Rechberg stand ebenfalls eine Burg; der Stuifen trug nach heutigem Kenntnisstand keine mittelalterliche Burg. Wanderungen zwischen den Bergen verbinden Geschichte, Natur und weite Ausblicke.
Häufige Irrtümer über die Burg Hohenstaufen
„Auf dem Gipfel steht noch die Burg Barbarossas“
Sichtbar sind Grundmauern und konservierte Befunde. Die aufgehenden Gebäude, die Barbarossa 1181 gesehen haben könnte, sind nicht erhalten. Zudem war die Anlage bereits damals das Ergebnis mehrerer Bauphasen.
„Barbarossa wurde auf der Burg geboren“
Sein genauer Geburtsort ist nicht belegt. Der Hohenstaufen war die Stammburg seiner Familie, doch daraus folgt kein Nachweis seiner Geburt auf dem Berg.
„Die Staufer regierten ihr Reich von hier aus“
Die frühen Herzöge nutzten die Burg als wichtigen Mittelpunkt. Könige und Kaiser herrschten jedoch reisend. Der Hohenstaufen war Stammsitz und Symbol, keine feste Hauptstadt Europas.
„Alle sichtbaren Mauern stammen unverändert aus dem 11. Jahrhundert“
Die Burg wurde mehrfach umgebaut. Die sichtbaren Mauerzüge wurden im 20. Jahrhundert freigelegt, gesichert und teilweise ergänzt. Sie vereinigen Befunde unterschiedlicher Zeiten mit moderner Denkmalpflege.
„Die Bauern zerstörten 1525 jeden Stein“
Der Brand machte die Burg unbewohnbar. Der fast vollständige Verlust der hohen Mauern entstand erst durch jahrhundertelangen Abtrag, Wiederverwendung, Planierungen und Verwitterung.
„Man könnte die Burg einfach originalgetreu wieder aufbauen“
Dafür fehlen zu viele gesicherte Einzelheiten. Grundriss, historische Ansichten und Vergleichsbauten ermöglichen Modelle, aber keine zweifelsfreie Rekonstruktion jedes Stockwerks, Daches und Innenraums. Ein Neubau würde zwangsläufig große spekulative Anteile enthalten und archäologische Substanz gefährden.
Ausführlicher Zeitstrahl der Burg Hohenstaufen
Frühe Nutzung des Gipfels Funde weisen auf menschliche Aktivitäten bereits in vorgeschichtlichen Epochen hin.
Frühmittelalterliche Spuren Bestattungen und Keramik belegen eine Nutzung des Plateaus; die genaue Funktion ist nicht abschließend geklärt.
Traditionelle Gründungszeit Die Errichtung der staufischen Burg wird mit Friedrich I. von Schwaben verbunden.
Friedrich wird Herzog von Schwaben Der politische Aufstieg der Familie und die Burg auf dem Staufen werden eng miteinander verknüpft.
Ausbau der Anlage Vor- und Hauptburg werden getrennt; Wohn-, Tor- und Wehrbauten werden erweitert.
Erster staufischer König Konrad III. wird König; die Familie erweitert ihren Aktionsraum weit über Schwaben hinaus.
Burgmannen schriftlich fassbar Mehrere Familien der Reichsministerialität sind mit der Burg und ihren Ämtern verbunden.
Barbarossa auf der Stammburg Ein Aufenthalt Kaiser Friedrichs I. „in castro Stauff“ ist urkundlich belegt.
Philipp wird Herzog von Schwaben Barbarossas Sohn bleibt persönlich mit der Burg verbunden.
Tod Irenes von Byzanz Nach der Ermordung Philipps zieht sie sich auf den Hohenstaufen zurück und stirbt dort am 27. August.
Verlust für die Staufer Die Burg geht vermutlich aus der unmittelbaren staufischen Verfügung verloren.
Ende der männlichen Stauferlinie Konradin wird in Neapel hingerichtet.
Reichsburg und Landvogtei Rudolf von Habsburg zieht den Hohenstaufen wieder an das Reich.
Württembergische Eroberung Graf Eberhard der Erlauchte nimmt die Reichsburg ein.
Pfandschaften und wechselnde Inhaber Reich, Habsburg, Württemberg und Adelsfamilien sind in die komplizierten Besitz- und Verwaltungsverhältnisse eingebunden.
Spätmittelalterlicher Ausbau Der Mannsturm erhält ein Fachwerkgeschoss; weitere Gebäude und Wehrteile werden verändert.
Jörg Staufer übernimmt Burg und Amt Der niederadelige Burgherr ist nicht mit der erloschenen Königsdynastie gleichzusetzen.
Zerstörung im Bauernkrieg Der Gaildorfer Haufen erobert, plündert und verbrennt die schwach besetzte Burg.
Abtrag als Steinbruch Die Ruine verliert große Teile ihrer aufgehenden Mauern.
Geplante Landesfestung Planierungen und Sprengungen beginnen; das Vorhaben bleibt nach Unfall und Tod des Herzogs unvollendet.
Frühe Ausgrabungsversuche Grundmauern werden freigelegt, aber nicht ausreichend dokumentiert.
Große Grabungskampagne Mauerring, Tor, Trennmauer, Keller und Turmfundamente werden untersucht.
Sicherung und erneute Erschließung Stadt, Landkreis und Denkmalpflege bemühen sich um Erhalt und Vermittlung der Befunde.
Stauferstele Die moderne Gedenksäule wird auf dem Gipfel errichtet.
Neue archäologische Beobachtungen Radar, Sanierungsbegleitung und Fundauswertung erweitern das Wissen über frühe Nutzung und Burgentwicklung.
Häufig gestellte Fragen zur Burgruine Hohenstaufen
Was ist von der Burg Hohenstaufen heute noch erhalten?
Heute sind vor allem konservierte und teilweise ergänzte Grundmauern sichtbar. Sie lassen Ringmauer, Torbereich, Trennmauer, Bergfried, Wohnbauten und weitere Teile des Burggrundrisses erkennen. Eine vollständig erhaltene Burg steht auf dem Gipfel nicht mehr.
Wann wurde die Burg Hohenstaufen erbaut?
Die traditionelle Datierung nennt die Zeit um 1070 und verbindet den Bau mit Friedrich I. von Schwaben. Neuere Forschung weist jedoch darauf hin, dass die genaue Gründungszeit nicht mit letzter Sicherheit feststeht. Archäologische Funde belegen eine ältere Nutzung des Gipfelplateaus, beweisen aber nicht automatisch eine frühere Steinburg.
Warum heißt die Burg Hohenstaufen?
Der Name geht wahrscheinlich auf das mittelalterliche Wort Stauf für einen becherartigen Gegenstand zurück. Die kegelförmige Gestalt des Berges erinnerte an einen umgedrehten Becher. Der Berg und die Burg gaben später der Stauferdynastie ihren heute gebräuchlichen Namen.
Hat Kaiser Barbarossa auf der Burg Hohenstaufen gelebt?
Ein Aufenthalt Friedrichs I. Barbarossa auf der Burg ist für das Jahr 1181 urkundlich belegt. Die Burg war jedoch keine dauerhafte kaiserliche Hauptstadt. Barbarossa herrschte reisend und hielt sich an vielen Pfalzen, Bischofssitzen, Städten und Burgen auf.
Wie wurde die Burg Hohenstaufen zerstört?
Im Bauernkrieg eroberten Angehörige des Gaildorfer Haufens am 29. April 1525 die nur schwach besetzte Burg, plünderten sie und setzten sie in Brand. Die Anlage wurde anschließend nicht wieder als Burg aufgebaut.
Warum wurde die Burg nach 1525 nicht wieder aufgebaut?
Die politischen und rechtlichen Verhältnisse waren kompliziert, die militärischen Anforderungen hatten sich verändert und die ausgebrannte Anlage wurde über lange Zeit als Steinbruch genutzt. Ein 1736 begonnener Plan für eine moderne Landesfestung blieb unvollendet.
Sind die sichtbaren Mauern vollständig mittelalterlich?
Nein. Die heute sichtbaren Mauerzüge beruhen auf mittelalterlichen Fundamenten und archäologischen Befunden, wurden aber im 20. Jahrhundert freigelegt, gesichert und teilweise ergänzt. Sie sind daher zugleich Originalbefund, Konservierung und moderne Vermittlung des Grundrisses.
Kann man die Burgruine kostenlos besuchen?
Nach dem gegenwärtigen offiziellen Stand ist die Burgruine tagsüber kostenlos zugänglich. Da sich Besuchsbedingungen, Veranstaltungen oder vorübergehende Sperrungen ändern können, sollten aktuelle Hinweise vor der Anreise geprüft werden.
Ist der Weg zur Burgruine barrierefrei?
Der Gipfel liegt auf 684 Metern Höhe. Die Wege sind teilweise steil, uneben und witterungsabhängig. Der eigentliche Aufstieg und das Ruinengelände sind nicht durchgehend barrierefrei und nicht für jeden Kinderwagen geeignet.
Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch einplanen?
Für Aufstieg, Rundgang und Abstieg sollte mindestens eine Stunde eingeplant werden. Mit Staufer-Ausstellung, Kirchen, ausführlicher Betrachtung der Mauerreste, Aussicht und Spielburg sind zwei bis vier Stunden sinnvoll.
Was ist die Stauferstele auf dem Gipfel?
Die 2002 errichtete Stauferstele erinnert an die europäische Bedeutung des Herrschergeschlechts. Sie steht am Ostgipfel und ergänzt die archäologischen Mauerreste um einen modernen Erinnerungsort.
Welche Ziele lassen sich mit der Burgruine verbinden?
Naheliegend sind der Dokumentationsraum für staufische Geschichte, die Barbarossakirche, die Spielburg, Wanderwege rund um den Hohenstaufen sowie weitere Stauferorte wie Burg Wäscherschloss und Kloster Lorch.
Übernachten am Fuß des Hohenstaufens
Das Hotel Goldener Ochsen liegt im Göppinger Stadtbezirk Hohenstaufen. Von unserem Haus aus können Sie den historischen Ortskern und die Wege zum Berg zu Fuß erreichen. Damit lässt sich der Besuch der Burgruine ohne zusätzliche Autofahrt beginnen.
Der traditionsreiche Ochsen in Göppingen-Hohenstaufen wurde erstmals 1785 urkundlich erwähnt. Unser kleines Hotel wird seit Generationen familiengeführt. Wir vermieten acht Nichtraucherzimmer mit Dusche und WC. Haustiere sind in den Hotelzimmern nicht gestattet; ein Aufzug ist nicht vorhanden, die Zimmer sind nur über Treppen erreichbar.
Zimmeranfragen, Reservierungen und Absprachen zur Anreise sind ausschließlich telefonisch und auf Deutsch möglich. Die Anreise erfolgt nach vorheriger telefonischer Vereinbarung, damit wir unsere Gäste persönlich empfangen können.