Kaiser Barbarossa – Leben, Herrschaft, Staufer und Mythos
Friedrich I. Barbarossa war Herzog von Schwaben, römisch-deutscher König, Kaiser, Heerführer, Vermittler und Gegner mächtiger Fürsten, Päpste und oberitalienischer Städte. Kaum ein mittelalterlicher Herrscher wurde später so stark bewundert, verklärt und politisch vereinnahmt. Diese ausführliche Seite trennt die historische Person von der Sage und erklärt zugleich ihre Verbindung zum Hohenstaufen.
Friedrich I. · wahrscheinlich um 1122–1190Redaktion: Familie Mayer
Friedrich I.Als König und Kaiser trug er den Namen Friedrich I.; als Herzog von Schwaben wurde er als Friedrich III. gezählt.
BarbarossaDer italienische Beiname bedeutet „Rotbart“ und wurde später zum bekanntesten Namen des Kaisers.
38 JahreVon 1152 bis zu seinem Tod 1190 stand Friedrich an der Spitze des römisch-deutschen Reiches.
HohenstaufenDie Stammburg seiner Familie gab der später so genannten Stauferdynastie ihren Namen.
Der historische Kaiser hinter dem berühmten Namen
Der Name Barbarossa ist bis heute bekannter als der eigentliche Herrschername Friedrich I. Viele Menschen verbinden ihn zunächst mit einem roten Bart, dem Kyffhäuser, einem schlafenden Kaiser oder einer romantischen Vorstellung vom Mittelalter. Die historische Gestalt war jedoch wesentlich vielschichtiger. Friedrich regierte in einer Welt, in der Herrschaft nicht von einer festen Hauptstadt und einer modernen Verwaltung ausging. Ein König oder Kaiser musste reisen, persönlich verhandeln, Bündnisse pflegen, Gericht halten, Rechte bestätigen, Gefolgschaft organisieren und seine Stellung immer wieder öffentlich sichtbar machen.
Barbarossas langes Königtum von 1152 bis 1190 war von großen Erfolgen, schweren Niederlagen und bemerkenswerten politischen Kurswechseln geprägt. Er konnte Fürsten zusammenführen, Konflikte schlichten und die staufische Stellung im Reich ausbauen. Zugleich führte sein Anspruch auf kaiserliche Rechte in Oberitalien zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit Städten und Papsttum. Die Zerstörung Mailands, die Unterstützung von Gegenpäpsten und die Niederlage bei Legnano gehören ebenso zu seiner Geschichte wie der spätere Frieden von Venedig und der Ausgleich mit dem Lombardenbund im Frieden von Konstanz.
Auch das Bild vom „deutschen Kaiser“ muss erklärt werden. Im 12. Jahrhundert existierte kein deutscher Nationalstaat im modernen Sinn. Friedrich war König in einem aus vielen Herzogtümern, Bistümern, Grafschaften und Herrschaftsräumen bestehenden Reich und beanspruchte als Kaiser die Fortsetzung des römischen Kaisertums im Westen. Der später geläufige Name „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ gehört in dieser vollständigen Form erst in eine spätere Epoche.
Historische Vorsicht: Bei Barbarossa sind nicht alle Angaben gleich sicher. Sein genaues Geburtsdatum und sein Geburtsort sind unbekannt. Auch manche berühmten Bilder, Anekdoten und angeblichen Aussprüche entstanden erst lange nach seinem Tod. Diese Seite kennzeichnet solche Unsicherheiten ausdrücklich.
Herkunft, Familie und Jugend
Friedrich wurde wahrscheinlich um das Jahr 1122 geboren. Ein genauer Tag und ein sicherer Geburtsort sind nicht überliefert. In populären Darstellungen wird gelegentlich der Hohenstaufen als Geburtsort genannt, doch dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Gesichert ist seine Zugehörigkeit zur hochrangigen staufischen Familie, deren Stammburg auf dem Hohenstaufen stand.
Der staufische Vater
Friedrichs Vater war Herzog Friedrich II. von Schwaben. Dieser gehörte zu jener Familie, die seit dem späten 11. Jahrhundert das schwäbische Herzogtum innehatte und durch ihre Verbindung mit den Saliern in die oberste Fürstenschicht des Reiches aufgestiegen war. Die frühen Staufer verstanden sich dabei nicht unbedingt unter dem heute selbstverständlichen Dynastienamen „Hohenstaufen“. Für ihre eigene politische Legitimation war die Verwandtschaft mit den salischen Kaisern besonders wichtig.
Die welfische Mutter
Friedrichs Mutter Judith entstammte dem welfischen Haus. Dadurch vereinigte Friedrich in seiner Person Verbindungen zu zwei der mächtigsten Adelsgruppen des Reiches: den Staufern und den Welfen. Spätere Geschichtsschreibung hat daraus häufig das Bild eines geborenen Vermittlers zwischen verfeindeten Familien gemacht. Diese Verbindung war tatsächlich politisch wertvoll, sie bedeutete aber nicht, dass alle staufisch-welfischen Konflikte automatisch gelöst waren.
Ausbildung eines Fürstensohnes
Über Barbarossas Kindheit und persönliche Erziehung wissen wir deutlich weniger, als spätere Biografien manchmal vermuten lassen. Ein hochadliger Sohn wurde auf seine Aufgaben in Krieg, Recht, Hofleben, Frömmigkeit und Herrschaft vorbereitet. Lesen und Schreiben waren für einen weltlichen Fürsten nützlich, doch Urkunden und Briefe wurden von Geistlichen und Kanzleipersonal angefertigt. Entscheidender waren persönliche Präsenz, Gedächtnis, Kenntnis von Rangordnungen, militärische Erfahrung und die Fähigkeit, Gefolgsleute an sich zu binden.
Teilnahme am Zweiten Kreuzzug
Friedrich nahm als junger Herzog am Zweiten Kreuzzug teil, den sein Onkel König Konrad III. anführte. Der Zug von 1147 bis 1149 endete militärisch enttäuschend. Für Friedrich war er dennoch eine prägende Erfahrung: Er lernte weite Teile Südosteuropas und des östlichen Mittelmeerraumes kennen, erlebte die Schwierigkeiten eines großen Kreuzfahrerheeres und bewegte sich im Umfeld von Königen, Fürsten und hohen Geistlichen. Jahrzehnte später sollte er selbst einen noch größeren Kreuzzug anführen.
Herzog von Schwaben
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1147 übernahm Friedrich das Herzogtum Schwaben. In der herzoglichen Zählung wird er daher als Friedrich III. bezeichnet. Das schwäbische Herzogtum war kein geschlossenes Territorium wie ein moderner Staat. Rechte, Besitzungen, Vogteien, Burgen und Beziehungen lagen über verschiedene Regionen verteilt. Die Stellung eines Herzogs beruhte auf königlicher Belehnung, eigener Hausmacht und der Anerkennung durch andere Große.
Warum heißt Friedrich „Barbarossa“?
„Barbarossa“ ist italienisch und bedeutet „Rotbart“. Der Beiname verweist wahrscheinlich auf Friedrichs rötlichen oder rötlich-blonden Bart. Italienische Chronisten verwendeten Bezeichnungen wie barba rossa oder entsprechende lateinische Formen. Der Name setzte sich im Laufe der Zeit so stark durch, dass er Friedrichs eigentlichen Herrschernamen im allgemeinen Gedächtnis fast verdrängte.
Der Beiname war nicht zwingend als Spott gemeint. Auffällige körperliche Merkmale dienten im Mittelalter häufig zur Unterscheidung gleichnamiger Personen. Gleichzeitig konnte ein roter Bart in literarischen Darstellungen mit Kraft, Temperament und besonderer Erscheinung verbunden werden. Wie intensiv die Farbe tatsächlich war, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Friedrich I.
So wird er als römisch-deutscher König und Kaiser gezählt. Die römische Zählung folgt früheren Kaisern und Königen namens Friedrich.
Friedrich III. von Schwaben
So erscheint er in der Zählung der schwäbischen Herzöge. Unterschiedliche Ämter konnten im Mittelalter unterschiedliche Ordnungszahlen erzeugen.
Nicht verwechseln: Kaiser Friedrich I. Barbarossa ist der Großvater Kaiser Friedrichs II., der 1194 geboren wurde und ebenfalls zu den bekanntesten Staufern gehört. Beide Herrscher werden in populären Darstellungen manchmal miteinander vermischt.
Die Königswahl von 1152
König Konrad III., der erste staufische König, starb im Februar 1152. Die Nachfolge war nicht automatisch erblich. Zwar spielte die Abstammung eine große Rolle, doch der neue König musste von den maßgeblichen Fürsten gewählt und anschließend gekrönt werden. Konrad hinterließ einen noch jungen Sohn. Dennoch fiel die Wahl auf seinen erwachsenen Neffen Friedrich, den Herzog von Schwaben.
Wahl in Frankfurt
Friedrich wurde Anfang März 1152 in Frankfurt am Main zum König gewählt. In der heutigen Forschung und in offiziellen Chronologien wird meist der 4. März genannt; ältere Überlieferungen und Darstellungen können bei der Tagesangabe abweichen. Nur wenige Tage später, am 9. März, wurde er in Aachen gekrönt.
Warum Friedrich gewählt wurde
Für seine Wahl sprachen mehrere Faktoren. Er war erwachsen, militärisch erfahren, stammte aus dem königlichen Haus und war über seine Mutter mit den Welfen verwandt. Er besaß als Herzog von Schwaben eine eigene Machtbasis und konnte verschiedenen Fürstengruppen als akzeptabler Kandidat erscheinen. Die oft erzählte Vorstellung, alle Konflikte seien durch seine Person sofort versöhnt worden, wäre jedoch zu einfach. Königsherrschaft blieb von fortlaufender Zustimmung abhängig.
Der Königsumritt
Nach Wahl und Krönung zog Friedrich durch wichtige Regionen des Reiches. Ein solcher Umritt war keine feierliche Reise ohne politischen Zweck. Der neue König musste sich zeigen, Huldigungen entgegennehmen, Rechte bestätigen, Streitfälle entscheiden und persönliche Beziehungen aufbauen. Herrschaft entstand durch Begegnung. Wer den König sah, mit ihm verhandelte oder von ihm eine Urkunde erhielt, wurde in die neue Ordnung eingebunden.
Keine Hauptstadt: Friedrich regierte nicht dauerhaft von einer Stadt aus. Sein Hof wanderte zwischen Pfalzen, Bischofsstädten, Burgen, Klöstern und Reichsversammlungen. Deshalb lässt sich seine Herrschaft am besten als Reisekönigtum verstehen.
Wie Barbarossa im Reich herrschte
Die Macht eines mittelalterlichen Königs beruhte nicht auf einem flächendeckenden Behördenapparat. Friedrich war auf Fürsten, Bischöfe, Äbte, Grafen, Ministeriale, Städte und persönliche Gefolgsleute angewiesen. Er konnte Befehle nicht überall allein durchsetzen. Erfolgreiche Herrschaft bedeutete daher, Interessen zu verbinden, Rangfragen zu beachten, Gegner zu isolieren und Entscheidungen als gemeinsames Ergebnis erscheinen zu lassen.
Hoftage und öffentliche Entscheidungen
Zentrale Entscheidungen wurden häufig auf Hoftagen getroffen. Dort versammelten sich geistliche und weltliche Große. Es wurde beraten, Gericht gehalten, belehnt, geheiratet, gefeiert und politisch inszeniert. Die Anwesenheit vieler Fürsten verlieh Entscheidungen Gewicht. Zugleich bot ein Hoftag Gelegenheit, Rang und Nähe zum Herrscher sichtbar zu machen.
Ehre des Reiches
In Barbarossas Politik spielte die Vorstellung vom honor imperii, der Ehre und Würde des Reiches, eine wichtige Rolle. Damit war kein modernes Staatsinteresse gemeint. Gemeint waren Rang, Rechte, Ansehen und Handlungsfähigkeit von König und Reich. Wenn Friedrich glaubte, diese Würde werde verletzt, konnte daraus ein harter politischer Konflikt entstehen. Gleichzeitig war der Begriff dehnbar und musste in konkreten Situationen ausgelegt werden.
Reichsgut und staufische Hausmacht
Friedrich versuchte, königliche Rechte und Besitzungen zu sichern und die staufische Hausmacht auszubauen. Reichsgut und Familienbesitz waren nicht immer klar voneinander getrennt. Burgen, Vogteien, Märkte, Münzrechte und Verwaltung durch Ministeriale stärkten die königliche Präsenz. Besonders in Südwestdeutschland, Franken und angrenzenden Räumen entstand ein Netz staufischer Stützpunkte.
Ministeriale
Ministeriale waren ursprünglich unfreie Dienstleute, die jedoch hochrangige militärische, administrative und höfische Aufgaben übernehmen konnten. Viele von ihnen stiegen gesellschaftlich auf und bildeten einen wichtigen Teil des ritterlichen Adels. Für Barbarossa waren sie wertvoll, weil sie eng an den Herrscher und seine Besitzungen gebunden waren.
Verhältnis zu den Fürsten
Barbarossa war kein absoluter Monarch. Mächtige Fürsten besaßen eigene Herrschaftsräume und Interessen. Der König konnte ihre Rechte bestätigen, Streit entscheiden und Lehen vergeben, musste aber zugleich ihre Unterstützung gewinnen. Friedrichs Herrschaft war deshalb besonders stark, wenn er breite Zustimmung organisieren konnte. Sie geriet in Schwierigkeiten, wenn wichtige Fürsten ihre Mitwirkung verweigerten.
Italienpolitik: Kaiserkrone, Reichsrechte und Widerstand
Italien war für Friedrich nicht ein entferntes Nebenland. Die Kaiserwürde, die Krönung in Rom, die Rechte des Reiches in Oberitalien und das Verhältnis zum Papsttum machten die Region zu einem Kernbereich seiner Politik. Gleichzeitig hatten sich viele oberitalienische Städte wirtschaftlich und politisch stark entwickelt. Sie verfügten über eigene Führungsgruppen, Milizen, Bündnisse und ein wachsendes Selbstbewusstsein.
Der erste Italienzug
1154 zog Friedrich erstmals als König nach Italien. Er wollte königliche Rechte geltend machen, Konflikte ordnen und die Kaiserkrönung vorbereiten. In Pavia empfing er die italienische Königskrone. Der Zug zeigte jedoch früh, wie schwierig die Lage war. Städte konkurrierten miteinander, päpstliche Interessen standen neben normannischer Macht in Süditalien, und die kaiserlichen Truppen konnten nicht unbegrenzt im Land bleiben.
Kaiserkrönung in Rom
Am 18. Juni 1155 wurde Friedrich in Rom von Papst Hadrian IV. zum Kaiser gekrönt. Die Krönung war ein Höhepunkt, löste aber die grundsätzlichen Spannungen zwischen Kaiser und Papst nicht. Beide Seiten beanspruchten universalen Rang. Der Papst war nicht bloß ein Geistlicher im Reich, und der Kaiser war nicht bloß ein weltlicher Beschützer der Kirche. Schon kleine Fragen des Zeremoniells konnten deshalb politische Bedeutung erhalten.
Roncaglia und die Frage der Regalien
Auf dem Hoftag von Roncaglia 1158 ließ Friedrich untersuchen, welche Hoheitsrechte dem Kaiser in Oberitalien zustanden. Zu diesen sogenannten Regalien konnten Abgaben, Zölle, Münzrechte, Markt- und Gerichtsrechte gehören. Gelehrte Juristen aus Bologna wirkten an der rechtlichen Formulierung mit. Für den Kaiser bedeutete dies eine systematische Begründung seiner Ansprüche. Für viele Städte bedeutete es eine Bedrohung ihrer gewachsenen Selbstverwaltung und ihrer Einnahmen.
Mailand
Mailand war eine der mächtigsten Kommunen Oberitaliens und geriet besonders hart mit Friedrich in Konflikt. Nach längeren Kämpfen musste sich die Stadt 1162 ergeben. Die anschließende Zerstörung und Aufteilung Mailands wurde zum Symbol kaiserlicher Härte. Sie schüchterte Gegner kurzfristig ein, verstärkte langfristig jedoch die Bereitschaft vieler Städte, sich gemeinsam gegen den Kaiser zu organisieren.
Der Lombardenbund
1167 schlossen sich zahlreiche oberitalienische Städte im Lombardenbund zusammen. Ihre Zusammenarbeit war keineswegs selbstverständlich, denn viele Städte waren untereinander verfeindet. Der gemeinsame Widerstand gegen die kaiserliche Politik schuf jedoch ein starkes Bündnis. Mit Alessandria entstand sogar eine neue Stadt, deren Name Papst Alexander III. ehrte und damit die Verbindung zwischen städtischem und päpstlichem Widerstand sichtbar machte.
Kein einfacher Kampf „Deutschland gegen Italien“: Auf beiden Seiten standen wechselnde Bündnisse. Italienische Städte bekämpften einander, deutsche und italienische Fürsten unterstützten den Kaiser, andere wechselten ihre Haltung. Der Konflikt war ein Ringen um konkrete Rechte, politische Ordnung und Rang.
Barbarossa und das Papsttum
Das Verhältnis zwischen Kaiser und Papst war im 12. Jahrhundert durch ältere Konflikte belastet. Der Investiturstreit war formal beigelegt, doch die Frage nach Rang und Zuständigkeit blieb offen. Kaiser und Papst beanspruchten beide eine herausgehobene Stellung innerhalb der christlichen Welt.
Der Streit von Besançon
1157 kam es auf einem Hoftag in Besançon zu einem berühmten Zwischenfall. Ein päpstliches Schreiben verwendete das lateinische Wort beneficium. Dieses konnte allgemein „Wohltat“ bedeuten, im politischen Sprachgebrauch aber auch an ein Lehen erinnern. Am Hof wurde die Formulierung so verstanden, als wolle der Papst die Kaiserwürde als päpstliches Lehen darstellen. Die Empörung zeigte, wie empfindlich Rangfragen behandelt wurden. Später versuchte die Kurie, die Bedeutung zu entschärfen.
Das Papstschisma von 1159
Nach dem Tod Hadrians IV. kam es 1159 zu einer umstrittenen Papstwahl. Die Mehrheit wählte Alexander III., eine Minderheit Viktor IV. Friedrich unterstützte zunächst Viktor und später weitere Gegenpäpste. Damit wurde ein kirchlicher Wahlstreit zu einem europäischen Machtkonflikt. Alexander gewann Unterstützung in Frankreich, England und bei den Gegnern des Kaisers in Italien.
Grenzen kaiserlicher Einflussnahme
Friedrich konnte seine bevorzugten Kandidaten militärisch und politisch stützen, aber nicht dauerhaft als allgemein anerkannte Päpste durchsetzen. Das Schisma schwächte die Einheit der westlichen Kirche und belastete die kaiserliche Politik über viele Jahre. Der Konflikt zeigte, dass selbst ein mächtiger Kaiser die Anerkennung eines Papstes nicht allein bestimmen konnte.
Der Frieden von Venedig
1177 erkannte Friedrich im Frieden von Venedig Papst Alexander III. an. Die Begegnung wurde später in Bildern und Erzählungen dramatisch ausgeschmückt. Historisch entscheidend war der politische Ausgleich: Kaiser und Papst beendeten ihren offenen Konflikt, ohne dass damit alle Streitfragen zwischen Reich, Kirche und Städten verschwanden.
Legnano, Venedig und der Frieden von Konstanz
Die Niederlage bei Legnano
Am 29. Mai 1176 traf Barbarossas Heer bei Legnano auf Truppen des Lombardenbundes. Die kaiserliche Seite erlitt eine schwere Niederlage. Zeitgenössische Berichte und spätere Legenden schildern den Kampf unterschiedlich. Sicher ist, dass Friedrich zeitweise als vermisst galt und seine Rückkehr große Erleichterung auslöste.
Legnano war nicht das vollständige Ende kaiserlicher Macht in Italien. Die Niederlage machte aber deutlich, dass der Lombardenbund militärisch nicht einfach zerschlagen werden konnte. Damit wurde ein verhandelter Ausgleich wahrscheinlicher.
Vom Waffenstillstand zum dauerhaften Frieden
Nach dem Frieden von Venedig 1177 folgten weitere Verhandlungen. 1183 wurde in Konstanz ein dauerhafter Ausgleich zwischen dem Kaiser und den Städten des Lombardenbundes geschlossen. Die Städte erkannten die formale Oberhoheit des Kaisers an, behielten aber weitreichende Selbstverwaltungsrechte, die sie vielfach bereits praktisch ausgeübt hatten.
War der Frieden eine Niederlage Barbarossas?
Eine einfache Antwort wäre irreführend. Friedrich musste zentrale Vorstellungen einer unmittelbaren kaiserlichen Kontrolle aufgeben. Zugleich blieb die rechtliche Bindung der Städte an das Reich bestehen. Der Frieden von Konstanz war daher ein Kompromiss, der reale Machtverhältnisse anerkannte und einen jahrzehntelangen Konflikt politisch beendete.
Was die Städte erreichten
Bestätigung wesentlicher kommunaler Rechte
weitgehende Selbstverwaltung
Anerkennung ihres Bündnisses und ihrer politischen Bedeutung
Was dem Kaiser blieb
formale Oberhoheit des Reiches
Treueid und rechtliche Bindungen
bestimmte Abgaben und Rechte nach vertraglicher Ordnung
Barbarossa und Heinrich der Löwe
Heinrich der Löwe war einer der mächtigsten Fürsten des Reiches. Als Herzog von Sachsen und Bayern verfügte er über eine außergewöhnliche Stellung. Er war zugleich Barbarossas Vetter aus dem welfischen Haus. Das Verhältnis zwischen beiden war über lange Zeit von Zusammenarbeit, gegenseitigem Nutzen und wachsender Konkurrenz geprägt.
Frühe Zusammenarbeit
Friedrich unterstützte Heinrich bei der Wiedergewinnung des Herzogtums Bayern. Heinrich wiederum begleitete den Kaiser auf Italienzügen und war ein wichtiger Träger königlicher Politik. Diese Zusammenarbeit zeigt, dass die Geschichte nicht als dauerhafter Erbkampf zwischen Staufern und Welfen verstanden werden darf.
Die verweigerte Unterstützung
Vor dem Feldzug, der 1176 in der Niederlage von Legnano endete, konnte Friedrich Heinrich nicht zur gewünschten militärischen Hilfe bewegen. Die berühmte Erzählung von einer persönlichen Begegnung in Chiavenna, bei der der Kaiser vor dem Herzog gekniet habe, ist in ihrer dramatischen Form quellenkritisch umstritten. Sicher ist, dass der Konflikt über Unterstützung und Verpflichtungen das Verhältnis schwer belastete.
Gerichtsverfahren und Sturz
Heinrich wurde später vor ein Fürstengericht geladen. Weil er den Ladungen nicht in der geforderten Weise folgte und Gegner zahlreiche Beschwerden vorbrachten, verlor er 1180 seine Herzogtümer. Sachsen und Bayern wurden neu geordnet und an andere Fürsten vergeben. Heinrich musste zeitweise ins Exil gehen.
Persönliche Rache oder Reichsrecht?
Die Entmachtung Heinrichs war nicht lediglich private Rache Barbarossas. Mehrere Fürsten hatten eigene Interessen an der Begrenzung welfischer Macht. Das Verfahren wurde in Formen des Reichsrechts geführt. Dennoch spielte der politische Bruch zwischen Kaiser und Herzog selbstverständlich eine entscheidende Rolle. Recht und Machtpolitik waren im Mittelalter eng miteinander verbunden.
Ehen, Kaiserin Beatrix und die staufische Familie
Die erste Ehe mit Adela von Vohburg
Friedrich war zunächst mit Adela beziehungsweise Adelheid von Vohburg verheiratet. Die Ehe wurde 1153 kirchenrechtlich getrennt. Als Begründung wurde zu nahe Verwandtschaft angegeben. Solche Gründe spielten bei hochadligen Eheauflösungen häufig eine Rolle, konnten aber zugleich politische Interessen verdecken. Aus der Ehe gingen keine überlebenden Kinder hervor.
Beatrix von Burgund
1156 heiratete Friedrich Beatrix, die Erbin der Freigrafschaft Burgund. Die Ehe war dynastisch und politisch außerordentlich bedeutsam. Durch Beatrix erhielt Friedrich Zugang zu burgundischen Rechten und Besitzungen. Sie war nicht nur die Mutter seiner Kinder, sondern trat als Kaiserin in Urkunden, Repräsentation und Herrschaftszusammenhängen hervor.
König von Burgund
Friedrich ließ sich 1178 in Arles zum König von Burgund krönen. Das Königreich Burgund gehörte zum Reich, doch die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse waren regional sehr unterschiedlich. Die Verbindung mit Beatrix stärkte Friedrichs Stellung dort, ohne eine gleichmäßige Kontrolle des gesamten Raumes zu schaffen.
Kinder und dynastische Zukunft
Friedrich und Beatrix hatten zahlreiche Kinder. Besonders wichtig war der älteste überlebende Sohn Heinrich VI., der bereits zu Lebzeiten des Vaters zum König gewählt wurde und später Kaiser wurde. Weitere Söhne erhielten Herzogtümer, Pfalzgrafschaften oder geistliche Aufgaben. Töchter wurden in dynastische Heiratspläne einbezogen.
Die staufische Familienpolitik zielte darauf, Nachfolge, Bündnisse und territoriale Positionen zu sichern. Der spätere Erwerb des Königreichs Sizilien durch Heinrich VI. und seine Gemahlin Konstanze veränderte die europäische Stellung der Staufer grundlegend. Barbarossa selbst erlebte den endgültigen Erfolg dieser südlichen Expansion nicht mehr.
Beatrix nicht übersehen: In älteren populären Erzählungen erscheint die Kaiserin oft nur als Ehefrau und Mutter. Ihre Erbrechte in Burgund und ihre Rolle in der kaiserlichen Repräsentation waren jedoch ein wichtiger Bestandteil von Barbarossas Herrschaft.
Hof, Recht, Ritterschaft und Repräsentation
Barbarossas Hof war kein fester Palastbetrieb. Er bestand aus Menschen, die den Herrscher auf Reisen begleiteten oder ihn an bestimmten Orten aufsuchten: Fürsten, Bischöfe, Kapläne, Notare, Ministeriale, Ritter, Gesandte und Bittsteller. Je nach Anlass konnte der Hof klein oder sehr groß sein.
Die Kanzlei und Urkunden
Herrscherurkunden bestätigten Rechte, Besitz, Privilegien und Entscheidungen. Ihre feierliche Sprache stellte den Kaiser als Wahrer von Recht und Ordnung dar. Die Kanzlei war zugleich ein praktisches Instrument und ein Ort politischer Selbstbeschreibung. Moderne Historiker können aus den Urkunden Reisewege, Zeugenlisten und politische Netzwerke rekonstruieren.
Römisches Recht und gelehrte Juristen
Im 12. Jahrhundert gewann die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem römischen Recht an Bedeutung, besonders in Bologna. Barbarossas Regierung nutzte juristische Begriffe, um kaiserliche Rechte zu ordnen und zu begründen. Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, Friedrich habe einen modernen zentralisierten Staat schaffen wollen. Gelehrtes Recht ergänzte traditionelle Formen von Gewohnheit, Lehen, Privileg und Fürstenurteil.
Die Erhebung Karls des Großen zum Heiligen
1165 ließ Friedrich in Aachen die Gebeine Karls des Großen feierlich erheben. Die Heiligsprechung erfolgte durch den von Friedrich unterstützten Gegenpapst Paschalis III. und wurde von der Gesamtkirche nicht allgemein anerkannt. Politisch war die Handlung dennoch bedeutend: Barbarossa knüpfte seine Kaiserherrschaft sichtbar an Karl den Großen und an Aachen als Krönungsort an. Die Erinnerung an den karolingischen Kaiser sollte die Würde und geschichtliche Tiefe des eigenen Kaisertums stärken.
Das Mainzer Hoffest von 1184
Zu Pfingsten 1184 veranstaltete Barbarossa bei Mainz ein außergewöhnlich großes Hoffest. Anlass war unter anderem die Schwertleite seiner Söhne Heinrich und Friedrich. Zeitgenössische Berichte schildern eine riesige Versammlung von Fürsten, Rittern und Gästen. Turniere, Festmähler und zeremonielle Handlungen demonstrierten Reichtum, dynastische Zukunft und die Fähigkeit des Kaisers, den Hochadel des Reiches um sich zu versammeln.
Das Fest wurde später zu einem Höhepunkt staufischer Ritterkultur stilisiert. Hinter der glänzenden Inszenierung stand ein politisches Programm: Die Nachfolge Heinrichs sollte sichtbar gefestigt und die Eintracht des Reiches dargestellt werden.
Persönliche Herrscherbilder
Zeitgenössische Autoren beschrieben Friedrich als entschlossen, ehrbewusst, körperlich eindrucksvoll und in seinem Auftreten kontrolliert. Solche Beschreibungen sind keine neutralen Fotografien in Worten. Sie folgten literarischen Erwartungen an einen guten Herrscher. Dennoch zeigen sie, welche Eigenschaften am Hof als wichtig galten: Maß, Tapferkeit, Freigebigkeit, Gerechtigkeit und Wahrung der Würde.
Der Dritte Kreuzzug und Barbarossas Tod
1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem. Die Nachricht löste im lateinischen Westen große Bestürzung aus. Friedrich nahm 1188 das Kreuz und bereitete einen umfangreichen Heerzug vor. Anders als die Könige von Frankreich und England wählte er überwiegend den Landweg über Ungarn, den Balkan, das Byzantinische Reich und Kleinasien.
Vorbereitung und Ordnung
Ein Kreuzzug dieser Größenordnung erforderte Verträge, Versorgung, Transport, Disziplin und diplomatische Absprachen. Friedrich verfügte über Erfahrungen aus seinem ersten Kreuzzug und seinen Italienzügen. Er bemühte sich, das Heer zu ordnen und Konflikte mit durchquerten Herrschaftsgebieten zu vermeiden. Dennoch kam es besonders im Verhältnis zum byzantinischen Kaiserhof zu Spannungen und gegenseitigem Misstrauen.
Durch Kleinasien
Der Marsch durch Kleinasien war von Hitze, Nahrungsmangel, Angriffen und schwierigen Wegen geprägt. Im Mai 1190 errang das Heer bei Iconium einen wichtigen Erfolg. Die Kreuzfahrer erreichten anschließend Kilikien. Trotz aller Verluste war Barbarossas Heer zu diesem Zeitpunkt weiterhin eine bedeutende militärische Kraft.
Tod im Saleph
Am 10. Juni 1190 kam Friedrich im Fluss Saleph, dem heutigen Göksu, ums Leben. Die Quellen stimmen nicht in allen Einzelheiten überein. Manche Berichte sprechen von einem Badeversuch, andere von einer Flussüberquerung, einem Sturz oder einem körperlichen Zusammenbruch. Deshalb sollte nicht mit Sicherheit behauptet werden, der Kaiser sei in voller Rüstung vom Pferd gefallen. Sicher ist, dass er im oder am Fluss starb und sein Tod das Heer unerwartet traf.
Folgen für das Kreuzfahrerheer
Barbarossas persönliche Autorität hatte das große Heer zusammengehalten. Nach seinem Tod zerfiel ein erheblicher Teil des Verbandes. Viele Teilnehmer kehrten um, starben an Krankheiten oder schlossen sich kleineren Gruppen an. Sein Sohn Friedrich von Schwaben führte einen Rest weiter, starb jedoch 1191 vor Akkon.
Was geschah mit dem Leichnam?
Wegen der Hitze und der langen Entfernung war eine unveränderte Überführung nach Europa nicht möglich. Mittelalterliche Berichte nennen eine Behandlung und Aufteilung der sterblichen Überreste sowie Bestattungen an verschiedenen Orten. Die Einzelheiten sind nicht völlig widerspruchsfrei. Ein eindeutig gesichertes, vollständiges Kaisergrab Barbarossas existiert nicht.
Historie und Sage: Barbarossa starb nach zeitgenössischer Überlieferung 1190 in Kilikien. Die spätere Sage, er sei nicht gestorben, sondern schlafe im Kyffhäuser, gehört nicht zur historischen Ereignisgeschichte.
Kaiser Barbarossa und der Hohenstaufen
Der Hohenstaufen bei Göppingen war die Stammburg jener Familie, die wir heute als Staufer bezeichnen. Von diesem Berg ging der Dynastiename aus, der in der modernen Geschichtsschreibung für Friedrich Barbarossa, Heinrich VI., Friedrich II. und ihre Verwandten verwendet wird.
War Barbarossa häufig auf der Burg?
Eine enge dynastische Verbindung bedeutet nicht automatisch, dass Barbarossa dort geboren wurde oder einen großen Teil seines Lebens auf der Burg verbrachte. Das mittelalterliche Königtum war reisend, und Friedrich hielt sich an zahlreichen Orten im Reich und in Italien auf. Für einen dauerhaften Wohnsitz auf dem Hohenstaufen gibt es keinen Beleg. Die Burg war vor allem ein Symbol und Bestandteil der familiären Herkunft.
Die Burg auf dem Gipfel
Von der mittelalterlichen Anlage sind heute freigelegte Grundmauern erhalten. Die Burg wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört. Besucher sollten deshalb keine erhaltenen Wohnräume oder Türme erwarten. Der historische Wert des Ortes liegt in seiner Lage, seiner dynastischen Bedeutung und der Verbindung von Landschaft und Erinnerung.
Staufer-Ausstellung und Barbarossakirche
Im Göppinger Stadtbezirk Hohenstaufen vermittelt die Staufer-Ausstellung die Geschichte der Dynastie. Themen sind unter anderem Herkunft, Ritter und Ministeriale, Barbarossa auf dem Kaiserthron, das staufische Südreich und die Kreuzzüge. In unmittelbarer Nähe steht die katholische Pfarrkirche St. Jakobus, die häufig Barbarossakirche genannt wird.
Ein historischer Besuch vom Hotel aus
Das Hotel Goldener Ochsen liegt im Ortskern von Hohenstaufen. Von hier können Gäste den Weg zur Staufer-Ausstellung, zur Barbarossakirche und zu den Aufstiegswegen auf den Berg zu Fuß beginnen. Damit lässt sich die Beschäftigung mit Barbarossa unmittelbar mit dem historischen Landschaftsraum seiner Familie verbinden.
Wichtig für eine ehrliche Darstellung: Der Hohenstaufen ist der Stammsitz der staufischen Familie, aber nicht nachweislich Barbarossas Geburtsort. Gerade diese Unterscheidung macht die Geschichte glaubwürdig.
Wie sah Barbarossa aus?
Es gibt kein sicher identifiziertes Porträt, das Barbarossa wie eine moderne, naturgetreue Aufnahme zeigt. Mittelalterliche Herrscherbilder sollten vor allem Rang, Amt und religiöse Bedeutung ausdrücken. Krone, Zepter, Reichsapfel, Thron und Kleidung waren oft wichtiger als individuelle Gesichtszüge.
Der sogenannte Cappenberger Kopf
Der vergoldete Bronzekopf aus Cappenberg wurde lange als besonders wirklichkeitsnahes Bildnis Barbarossas berühmt. Er steht in engem Zusammenhang mit Otto von Cappenberg, der als Taufpate Friedrichs galt, und mit kostbaren Stiftungen aus dem Umfeld des Kaisers. Neuere Forschung deutet das Kunstwerk jedoch eher als Reliquienbehälter des Evangelisten Johannes. Der vertraute Name „Barbarossakopf“ bleibt gebräuchlich, darf aber nicht als Beweis für ein authentisches Porträt missverstanden werden.
Die Taufschale
Ebenfalls mit Cappenberg und Barbarossas Tauftradition verbunden ist eine kunstvolle Schale, die heute in Berlin aufbewahrt wird. Kopf und Schale wurden in Ausstellungen häufig gemeinsam präsentiert. Ihre Geschichte zeigt, wie mittelalterliche Kunst, Erinnerung an den Kaiser und spätere Forschung ineinandergreifen.
Spätere Historienbilder
Viele heute bekannte Darstellungen entstanden im 19. Jahrhundert. Maler zeigten Barbarossa als mächtigen Ritterkaiser, bei der Kaiserkrönung, im Kampf, beim Tod im Saleph oder schlafend im Kyffhäuser. Solche Bilder verraten häufig mehr über die politischen und romantischen Vorstellungen ihrer Entstehungszeit als über Barbarossas tatsächliches Aussehen.
Vom mittelalterlichen Kaiser zum Barbarossa-Mythos
Barbarossa wurde nach seinem Tod nicht sofort in genau der Form verehrt, die heute bekannt ist. Erinnerung verändert sich. Chronisten, Dichter, Gelehrte, Künstler und Politiker griffen unterschiedliche Seiten seines Lebens auf. Aus dem historischen Herrscher wurde schrittweise eine Symbolfigur.
Der schlafende Kaiser
Sagen von einem nicht endgültig gestorbenen, in einem Berg wartenden Herrscher gab es in unterschiedlichen Regionen und wurden nicht immer von Anfang an eindeutig mit Friedrich I. verbunden. Später setzte sich besonders der Kyffhäuser als Ort des schlafenden Barbarossa durch. In der bekannten Erzählung sitzt der Kaiser an einem steinernen Tisch, sein roter Bart wächst hindurch oder um den Tisch, und Raben zeigen an, ob die Zeit seiner Rückkehr gekommen ist.
Friedrich Rückert und die Romantik
Das 1817 veröffentlichte Gedicht „Barbarossa“ von Friedrich Rückert machte die Sage im 19. Jahrhundert besonders populär. In einer Zeit ohne deutschen Nationalstaat wurde der wartende Kaiser zum Sinnbild der Hoffnung auf Einheit und Wiederherstellung vergangener Größe.
Barbarossa und Kaiser Wilhelm I.
Nach der Reichsgründung von 1871 wurde Wilhelm I. als „Weißbart“ in eine symbolische Nachfolge des „Rotbarts“ gestellt. Das Kyffhäuserdenkmal verband die Figur des erwachenden Barbarossa mit dem neuen Hohenzollernkaiser. Damit wurde mittelalterliche Geschichte für die Selbstdarstellung des modernen Kaiserreichs genutzt.
Nationalistische und nationalsozialistische Vereinnahmung
Barbarossas Name wurde auch in nationalistischen und militaristischen Zusammenhängen verwendet. Besonders belastet ist die Bezeichnung „Unternehmen Barbarossa“ für den deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Jahr 1941. Diese Namenswahl hatte mit einer sachlichen Würdigung des mittelalterlichen Kaisers nichts zu tun. Sie instrumentalisierte seinen Mythos für einen verbrecherischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg.
Warum eine Trennung wichtig ist
Historische Beschäftigung sollte weder den Kaiser zum makellosen Helden machen noch ihn nur durch spätere Missbräuche betrachten. Friedrich I. war ein Herrscher des 12. Jahrhunderts mit den politischen, religiösen und gewaltsamen Handlungsmustern seiner Zeit. Der Mythos ist ein eigenes historisches Thema: Er zeigt, wie spätere Generationen das Mittelalter für ihre Gegenwart umdeuteten.
Historischer Barbarossa
staufischer Fürst und gewählter König
Kaiser mit reisendem Hof
Konflikte mit Städten, Fürsten und Päpsten
Tod 1190 auf dem Kreuzzug
Barbarossa der Sage
schläft im Kyffhäuser
Bart wächst durch den Tisch
Raben umkreisen den Berg
kehrt in einer künftigen Notzeit zurück
Ausführlicher Zeitstrahl zu Friedrich I. Barbarossa
Geburt Friedrichs. Genaues Datum und Geburtsort sind nicht sicher überliefert.
Herzog von Schwaben. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Friedrich das Herzogtum und nimmt am Zweiten Kreuzzug teil.
Königswahl in Frankfurt. Friedrich wird Anfang März zum römisch-deutschen König gewählt und am 9. März in Aachen gekrönt.
Konstanzer Vertrag. Friedrich trifft Vereinbarungen mit Papst Eugen III. als Grundlage gemeinsamer Interessen in Italien.
Erster Italienzug. Der König zieht über die Alpen und macht Reichsrechte geltend.
Kaiserkrönung in Rom. Papst Hadrian IV. krönt Friedrich am 18. Juni zum Kaiser.
Heirat mit Beatrix von Burgund. Die Ehe erweitert die dynastische und politische Stellung Friedrichs.
Hoftag von Besançon. Ein Streit um die Bedeutung des Wortes beneficium verschärft den Rangkonflikt mit dem Papsttum.
Roncaglia. Kaiserliche Rechte in Oberitalien werden systematisch formuliert.
Beginn des Papstschismas. Friedrich unterstützt Gegenpäpste gegen Alexander III.
Unterwerfung und Zerstörung Mailands. Der kaiserliche Sieg wird zum Symbol harter Italienpolitik.
Lombardenbund. Oberitalienische Städte schließen sich gegen den Kaiser zusammen.
Schlacht bei Legnano. Das kaiserliche Heer erleidet eine schwere Niederlage.
Frieden von Venedig. Friedrich erkennt Papst Alexander III. an.
Krönung in Arles. Friedrich wird als König von Burgund gekrönt.
Sturz Heinrichs des Löwen. Der Welfe verliert seine Herzogtümer; die politische Ordnung im Reich wird neu verteilt.
Frieden von Konstanz. Kaiser und Lombardenbund schließen einen dauerhaften Kompromiss.
Mainzer Hoffest. Ein großes Pfingstfest inszeniert die Macht und Zukunft der staufischen Dynastie.
Kreuznahme. Friedrich verpflichtet sich zur Teilnahme am Dritten Kreuzzug.
Aufbruch. Das große Kreuzfahrerheer zieht auf dem Landweg nach Südosten.
Sieg bei Iconium. Das Heer setzt sich in Kleinasien militärisch durch.
Tod im Saleph. Barbarossa kommt in Kilikien ums Leben; sein Kreuzzugsheer zerfällt weitgehend.
Wie ist Barbarossas Herrschaft heute zu bewerten?
Historische Bewertung hängt davon ab, welche Ziele und Maßstäbe betrachtet werden. Barbarossa herrschte fast vier Jahrzehnte und bewahrte über lange Zeit eine hohe persönliche Autorität. Er stabilisierte Beziehungen zu zahlreichen Fürsten, erweiterte staufische Machtpositionen und sorgte für eine wirkungsvolle dynastische Nachfolge. Seine Hoftage und Urkunden zeigen einen Herrscher, der politische Kommunikation und Repräsentation meisterhaft nutzte.
Gleichzeitig überschätzte er zeitweise die Möglichkeit, oberitalienische Städte dauerhaft enger zu kontrollieren. Die Zerstörung Mailands und die lange Unterstützung von Gegenpäpsten verschärften Konflikte, die schließlich nur durch Kompromisse gelöst werden konnten. Legnano war eine deutliche militärische Grenze seiner Politik.
Der Frieden von Konstanz zeigt jedoch auch Lernfähigkeit. Friedrich war nicht nur ein kriegerischer Herrscher, sondern konnte nach Niederlagen zu dauerhaften vertraglichen Lösungen finden. Gerade die Verbindung von Härte, Ehrbewusstsein, diplomatischem Geschick und Anpassung macht ihn zu einer bedeutenden, aber keineswegs einfachen Gestalt des Mittelalters.
Seine spätere Berühmtheit beruht nicht ausschließlich auf seinen tatsächlichen Erfolgen. Der dramatische Tod auf dem Kreuzzug, der klangvolle Beiname, die staufische Erinnerung und der Kyffhäusermythos machten aus ihm eine Projektionsfläche. Der historische Friedrich I. und der nationale Mythos Barbarossa müssen deshalb getrennt und zugleich gemeinsam untersucht werden.
Barbarossa-Geschichte in Göppingen-Hohenstaufen erleben
Das Hotel Goldener Ochsen liegt im Göppinger Stadtbezirk Hohenstaufen, am Fuß des Berges mit den Grundmauern der staufischen Stammburg. Von unserem Haus erreichen Sie den Ortskern, die Staufer-Ausstellung, die Barbarossakirche und die Wege zum Gipfel zu Fuß.
Der traditionsreiche Ochsen wurde erstmals 1785 urkundlich erwähnt. Unser kleines Hotel wird seit Generationen familiengeführt. Wir vermieten acht Nichtraucherzimmer mit Dusche und WC. Haustiere sind in den Hotelzimmern nicht gestattet; ein Aufzug ist nicht vorhanden, die Zimmer sind nur über Treppen erreichbar.
Zimmeranfragen, Reservierungen und Absprachen zur Anreise sind ausschließlich telefonisch und auf Deutsch möglich. Die Anreise erfolgt nach vorheriger telefonischer Absprache, damit wir unsere Gäste persönlich empfangen können.
Hohenstaufen, Staufer-Ausstellung und Bergwege direkt im Stadtbezirk
Entfernung zur Innenstadt
rund sieben Kilometer
Öffentlicher Verkehr
Buslinie 933; Haltestelle Rathaus/Dorfplatz unmittelbar beim Hotel
Häufig gestellte Fragen zu Kaiser Barbarossa
Wann lebte Kaiser Barbarossa?
Friedrich I. wurde wahrscheinlich um 1122 geboren. Er starb am 10. Juni 1190 während des Dritten Kreuzzugs in Kilikien.
Warum heißt Friedrich I. Barbarossa?
„Barbarossa“ ist italienisch und bedeutet „Rotbart“. Der Beiname bezog sich wahrscheinlich auf die Farbe seines Bartes und wurde besonders durch italienische Überlieferung bekannt.
War Barbarossa Deutscher Kaiser?
Er war römisch-deutscher König und seit 1155 Kaiser. Ein deutscher Nationalstaat im heutigen Sinn existierte nicht. Die Bezeichnung „deutscher Kaiser“ ist daher nur als vereinfachte moderne Kurzform verständlich.
Wurde Barbarossa auf dem Hohenstaufen geboren?
Das ist nicht belegt. Sein genauer Geburtsort ist unbekannt. Der Hohenstaufen war die Stammburg seiner Familie und ist deshalb eng mit der staufischen Herkunft verbunden.
Wann wurde Barbarossa König und Kaiser?
Friedrich wurde Anfang März 1152 in Frankfurt zum König gewählt und am 9. März in Aachen gekrönt. Die Kaiserkrönung erfolgte am 18. Juni 1155 in Rom durch Papst Hadrian IV.
Warum kämpfte Barbarossa gegen Mailand?
Der Kaiser wollte Reichsrechte in Oberitalien durchsetzen. Mailand war eine mächtige Kommune mit eigenen Interessen und stand zugleich in Konflikten mit Nachbarstädten. Der Streit eskalierte und führte 1162 zur Unterwerfung und Zerstörung Mailands.
Was war der Lombardenbund?
Der Lombardenbund war ein Zusammenschluss oberitalienischer Städte gegen Barbarossas Politik. Er wurde zu einem starken militärischen und politischen Gegner des Kaisers.
Was geschah bei Legnano?
Am 29. Mai 1176 wurde das kaiserliche Heer bei Legnano vom Lombardenbund geschlagen. Die Niederlage beschleunigte den Weg zu Verhandlungen und politischen Kompromissen.
War Heinrich der Löwe Barbarossas Feind?
Nicht von Anfang an. Beide arbeiteten lange eng zusammen. Erst politische Gegensätze, verweigerte Unterstützung und die Interessen anderer Fürsten führten zum Bruch und zur Entmachtung Heinrichs.
Wie starb Kaiser Barbarossa?
Er kam am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph ums Leben. Ob er badete, den Fluss durchquerte, stürzte oder einen körperlichen Zusammenbruch erlitt, wird in den Quellen unterschiedlich dargestellt.
Wo ist Barbarossa begraben?
Ein eindeutig gesichertes vollständiges Grab existiert nicht. Wegen der Bedingungen des Kreuzzugs wurden seine sterblichen Überreste behandelt und nach mittelalterlichen Berichten auf verschiedene Orte verteilt.
Schläft Barbarossa im Kyffhäuser?
Nein. Das ist eine Sage. Die Erzählung vom im Berg schlafenden Kaiser wurde besonders im 19. Jahrhundert populär und mit Hoffnungen auf nationale Einheit verbunden.
Ist der Cappenberger Kopf ein echtes Porträt?
Der Kopf wurde lange als individuelles Bildnis Barbarossas verstanden. Neuere Forschung deutet ihn eher als Reliquienbehälter des Evangelisten Johannes. Seine Verbindung zum Umfeld des Kaisers bleibt dennoch historisch wichtig.