Geschichte des Dorfes Hohenstaufen – Marktort, Bergdorf, Gemeinde und Göppinger Stadtbezirk
Diese Seite erzählt bewusst die Geschichte des Ortes Hohenstaufen und seiner Bewohner – nicht in erster Linie die Geschichte der Stauferdynastie. Hohenstaufen ist mehr als der Berg und mehr als die berühmte Burgruine. Unterhalb des Gipfels entwickelte sich seit dem Hochmittelalter ein privilegierter Burgflecken mit Markt, Handwerk, Kirche, Höfen und eigener Verwaltung. Über Jahrhunderte lebten die Menschen hier von Landwirtschaft, Viehhaltung, Handel, Gewerbe, Gastfreundschaft und der besonderen Lage zwischen Filstal, Remstal und den Drei Kaiserbergen.
Dorf · Markt · Gemeinde · StadtbezirkRedaktion: Familie Mayer
1206Erste erhaltene schriftliche Nennung des Ortes in der Form „Stoffen“.
Spätes 11. JahrhundertWahrscheinliche Entstehung als Markt-, Handwerker- und Versorgungssiedlung der Burg.
1838/39Bau der heutigen evangelischen Pfarrkirche im Ortskern.
1. September 1971Eingliederung der selbstständigen Gemeinde in die Stadt Göppingen.
Die Ortsgeschichte beginnt nicht erst mit einer Urkunde
Eine Ortsgeschichte lässt sich selten auf ein einziges Gründungsjahr reduzieren. Das Jahr 1206 ist für Hohenstaufen wichtig, weil der Ort damals erstmals in einer erhaltenen schriftlichen Quelle als „Stoffen“ erscheint. Diese Nennung beweist jedoch nicht, dass das Dorf erst 1206 entstanden wäre. Zwischen der tatsächlichen Bildung einer Siedlung und ihrer ersten überlieferten Erwähnung können Jahrzehnte liegen.
Die historische Forschung geht davon aus, dass sich der Ort schon im späten 11. Jahrhundert in enger Verbindung mit der Burg entwickelte. Eine Höhenburg benötigte dauerhaft Menschen, die Lebensmittel erzeugten, Tiere hielten, Holz und Baumaterial bereitstellten, Wege unterhielten, Fuhrdienste übernahmen, Waffen und Geräte reparierten und Verwaltungsaufgaben erfüllten. Aus einzelnen Höfen, Werkstätten und Marktbeziehungen konnte so ein Burgflecken entstehen.
Hohenstaufen war deshalb von Anfang an durch zwei Lebenswelten geprägt: oben auf dem Berg die Burg als Zeichen von Herrschaft und Adel, darunter die Siedlung als Ort von Arbeit, Versorgung, Religion und Alltag. Als die Burg ihre politische Bedeutung verlor und 1525 zerstört wurde, blieb das Dorf bestehen. Seine Geschichte ging in veränderter Form weiter.
Wichtige Unterscheidung: Berg, Burg und Dorf tragen denselben Namen, sind aber historisch nicht dasselbe. Der Berg ist wesentlich älter als jede menschliche Siedlung, die Burg entstand um 1070 und der Ort ist 1206 erstmals schriftlich belegt.
Schwerpunkt dieser Seite: Hier geht es um Hohenstaufen als bewohnten Ort – um Menschen, Höfe, Märkte, Arbeit, Schule, Kirchen, Gasthäuser, Straßen, Kriegsfolgen und Gemeindegeschichte. Für Burg, Berg und Stauferdynastie gibt es eigene ausführliche Seiten.
Quellenlage und Arbeitsweise: Wie sich die Geschichte des Dorfes rekonstruieren lässt
Die Geschichte Hohenstaufens ist ungewöhnlich gut greifbar, wenn man unterschiedliche Quellengruppen miteinander verbindet.
Keine einzelne Quelle erzählt das Dorf vollständig. Mittelalterliche Urkunden erklären Rechte und Herrschaft, eine amtliche Ortsbeschreibung von 1844 zeigt Wirtschaft und Alltag,
historische Karten machen Fluren und Wege sichtbar, Gaststätten- und Gewerbeakten dokumentieren einzelne Betriebe, und Luftbilder zeigen den Wandel des Ortsbildes.
Gerade bei einem Ort, dessen Name fast automatisch mit der Stauferdynastie verbunden wird, ist diese Trennung wichtig:
Die Geschichte des Dorfes ist nicht identisch mit der Geschichte der Burg und nicht identisch mit der Geschichte der Herrscherfamilie.
Die Burg beeinflusste zwar die Entstehung, Verwaltung und Versorgung des frühen Ortes; nach dem Verlust ihrer politischen Funktion entwickelte sich Hohenstaufen jedoch als Gemeinde, Marktort,
Landwirtschafts- und Handwerksort, Ausflugsziel und späterer Göppinger Stadtbezirk weiter.
1. Direkt belegte Ortsgeschichte
Urkunden, amtliche Ortsbeschreibungen, Kirchen- und Gemeinderegeln, Karten, Findbücher, Bau- und Gewerbeakten sowie datierte Luftbilder.
2. Historische Einordnung
Erklärung der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung belegter Tatsachen, etwa warum Viehmärkte, Allmenden, Gasthäuser oder die Steige für den Alltag wichtig waren.
3. Lokale Überlieferung
Erinnerungen, Hauswissen, alte Fotos und mündliche Ortskenntnis. Sie sind wertvoll, werden aber nicht als amtlicher Beleg ausgegeben, solange eine unabhängige Quelle fehlt.
Besonders ergiebig: die Oberamtsbeschreibung von 1844
Für Hohenstaufen ist die Beschreibung des Oberamts Göppingen von 1844 eine außergewöhnlich dichte Momentaufnahme.
Sie nennt Einwohner- und Gebäudezahlen, beschreibt die schwierige Landwirtschaft an den Hängen, Viehhaltung, Käsereien, Weber und Bandmacher,
Wirtshäuser und Branntweinbrenner, Viehmärkte, Schule, Allmenden, Wasserverhältnisse sowie historische Gemeinderechte.
Die Begriffe und Wertungen des 19. Jahrhunderts werden auf dieser Seite nicht unkritisch übernommen; die darin enthaltenen Sachangaben sind jedoch für die Ortsgeschichte sehr wertvoll.
Leseregel für historische Zahlen: Begriffe wie „Bürger“, „Parzelle“, „Jauchert“, „Schildwirt“ oder „Schenkwirt“ sind historische Verwaltungs- und Wirtschaftsbegriffe. Sie dürfen nicht ohne Erklärung mit heutigen Einwohner-, Flächen- oder Gewerbekategorien gleichgesetzt werden.
Landschaft und Siedlungsplatz: Warum Hohenstaufen genau hier entstand
Der Hohenstaufen ist ein der Schwäbischen Alb vorgelagerter Zeugenberg. Seine weithin sichtbare Kegelform machte ihn zu einem natürlichen Orientierungszeichen. Der Gipfel bot militärisch und repräsentativ einen hervorragenden Standort für eine Burg, war für eine größere dauerhafte Siedlung aber zu steil, zu windoffen und in der Wasserversorgung schwierig.
Der Ort entwickelte sich deshalb am Südhang beziehungsweise am Fuß des Berges auf einer günstigeren Terrasse. Das historische Ortslexikon beschreibt Hohenstaufen als Burgflecken auf einer durch Eisensandstein gebildeten, siedlungsgünstigen Stufe im Braunjurasockel. Hier ließen sich Häuser, Ställe, Gärten und Wege besser anlegen als auf dem Gipfel. Zugleich blieb die Verbindung zur Burg kurz.
Die Lage hatte Vor- und Nachteile. Sie ermöglichte weite Sicht, bot Zugang zu Weideflächen, Wald, Quellen und Ackerland und lag zwischen dem Filstal und den Landschaften in Richtung Remstal. Andererseits erschwerten Höhenlage, Winterwetter, steile Wege und die Entfernung zu größeren Märkten den Alltag.
Der Berg als Schutz, Arbeitsplatz und Symbol
Für die mittelalterlichen Bewohner war der Berg nicht nur eine schöne Kulisse. Er war Herrschaftssitz, Arbeitsplatz, Weidegebiet, Holzlieferant, Wegmarke und möglicher Zufluchtsort. Später wurde er zum Steinbruch, zur Schafweide, zum romantischen Geschichtsdenkmal und zum Ausflugsziel. Jede Epoche sah im Hohenstaufen etwas anderes.
Die Spielburg als Teil der historischen Kulturlandschaft
Am Südwesthang liegt die Spielburg mit Kalkfelsen, Blockhalden, Halbtrockenrasen, Hecken, Gehölzen und Streuobstflächen. Die markante Gesteinsscholle löste sich nach geologischer Deutung vor ungefähr zwei Millionen Jahren vom damaligen Albtrauf. Für die Ortsgeschichte ist die Spielburg auch deshalb wichtig, weil sie zeigt, wie Naturraum und menschliche Nutzung miteinander verflochten sind: Weiden, Wege, Obstbau und spätere Naherholung formten das Erscheinungsbild mit.
Vor 1206: Entstehung im Schatten der Burg
Die Burg Hohenstaufen wurde nach der traditionellen historischen Einordnung um 1070 errichtet. Wenige Jahre später stieg Friedrich von Staufen zum Herzog von Schwaben auf. Mit dieser politischen Aufwertung wuchs auch der Bedarf an einer organisierten Umgebung der Burg.
Burgen waren keine vollständig selbstversorgenden Inseln. Selbst eine vergleichsweise kleine Besatzung benötigte Getreide, Fleisch, Käse, Salz, Brennholz, Bauholz, Eisen, Leder, Textilien, Kerzen, Fässer und Transportleistungen. Pferde mussten gefüttert, Brunnen und Zisternen gepflegt, Mauern repariert und Nachrichten weitergeleitet werden. Ein Teil dieser Aufgaben lag bei abhängigen Höfen und Dörfern, ein anderer bei spezialisierten Handwerkern und Dienstleuten.
Daher nimmt die Forschung an, dass Hohenstaufen bereits im späten 11. Jahrhundert als Marktort und Handwerkersiedlung entstand. Wie groß der frühe Ort war, wie seine ersten Straßen verliefen und welche Gebäude aus Holz oder Stein bestanden, lässt sich aus den allgemein zugänglichen Quellen nicht vollständig rekonstruieren.
Was als wahrscheinlich gilt
enge wirtschaftliche Verbindung zur Burg
Versorgung durch Höfe, Handwerk und Transporte
Entstehung vor der ersten Urkunde von 1206
besondere Stellung gegenüber gewöhnlichen Dörfern
Was offenbleibt
genaues Gründungsjahr des Ortes
Umfang der ersten Siedlung
Lage sämtlicher früher Hofstellen
vollständige soziale Zusammensetzung
Die Namensformen Stoffen und Stophin
1206 erscheint der Ort als „Stoffen“, 1226 als „Stophin“. Schreibweisen waren im Mittelalter nicht normiert. Schreiber übertrugen gesprochene Namen nach eigener Gewohnheit ins Lateinische oder Deutsche. Die Namensformen beziehen sich auf Berg und Burg. Der Begriff „Stauf“ bezeichnete einen steilen oder kegelförmigen Berg und erklärt, weshalb Berg, Burg, Herrscherfamilie und Ort denselben Wortstamm tragen.
Der mittelalterliche Burgflecken: Markt, Handwerk und Versorgung
Das historische Ortslexikon bezeichnet Hohenstaufen als Burgflecken. Damit ist eine Siedlung gemeint, die sich unmittelbar an einer Burg orientierte und Funktionen erfüllte, die über die eines gewöhnlichen Bauerndorfes hinausgingen. Der Ort war Markt- und Handwerkersiedlung, Verwaltungsplatz und Versorgungspunkt.
Ein mittelalterlicher Markt musste nicht jeden Tag stattfinden und war nicht mit einer modernen Einkaufsstraße vergleichbar. Entscheidend war das Recht beziehungsweise die Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten Waren auszutauschen. Bauern konnten Erzeugnisse anbieten, Händler benötigte Güter heranbringen und Handwerker ihre Produkte und Dienste verkaufen.
Welche Berufe und Tätigkeiten notwendig waren
Die Quellen nennen nicht für jedes Jahrhundert eine vollständige Berufsliste. Aus der Funktion eines Burgfleckens lassen sich jedoch typische Tätigkeitsfelder erkennen: Schmiede reparierten Werkzeuge und Beschläge; Zimmerleute und Maurer waren für Bauarbeiten nötig; Müller, Bäcker, Metzger und Wirte sicherten die Versorgung; Fuhrleute transportierten Waren; Schneider, Schuster und Gerber stellten Kleidung und Lederwaren her.
Daneben blieb die Landwirtschaft Grundlage des Lebens. Viele Haushalte kombinierten Ackerbau, Viehhaltung und ein Handwerk. Die heutige Trennung zwischen Landwirt, Handwerker, Händler und Dienstleister war im Dorf weniger streng als in einer größeren Stadt.
Keine „Hauptstadt“ des Stauferreichs
Die Bedeutung Hohenstaufens darf nicht mit einer modernen Hauptstadt verwechselt werden. Die staufischen Könige und Kaiser regierten reisend. Sie hielten sich an vielen Pfalzen, Burgen, Bischofssitzen und Städten auf. Hohenstaufen war ein wichtiger dynastischer Herkunfts- und Verwaltungsort, aber kein dauerhafter Regierungssitz eines zentralisierten Reiches.
Historische Genauigkeit: Der berühmte Name des Berges machte Hohenstaufen später zu einem Symbol von weltgeschichtlicher Größe. Das alltägliche mittelalterliche Leben im Dorf bestand jedoch vor allem aus Arbeit, Abgaben, kirchlichen Pflichten, Familienwirtschaft und lokalen Beziehungen.
Privilegien, Gericht und staufischer Verwaltungsbezirk
Hohenstaufen war ursprünglich Hauptort eines größeren staufischen Verwaltungsbezirks. Zu diesem gehörten neben dem Amtsort verschiedene Weiler, Einzelhöfe und Rechte in umliegenden Orten. Die Burg bildete den sichtbaren Mittelpunkt, während im Dorf Verwaltung, Abgaben, Handwerk und Versorgung organisiert wurden.
Der Ort besaß nach dem historischen Ortslexikon bedeutende Privilegien. Dazu gehörte bis in das späte Mittelalter auch ein Hochgerichtsrecht. Hochgerichtsbarkeit bezeichnete die Zuständigkeit für schwere Straftaten und war ein wichtiges Zeichen von Herrschaft. Sie sagt jedoch nicht, dass im Dorf ständig spektakuläre Gerichtsverfahren stattfanden. Vielmehr zeigte sie, dass Hohenstaufen innerhalb des Herrschaftsraumes eine besondere rechtliche Stellung besaß.
Vom großen Bezirk zum „Ämtlein Staufen“
Nach dem Ende der staufischen Herrschaft zerfielen die früheren Besitz- und Verwaltungszusammenhänge. Übrig blieb ein kleinerer Bezirk, der als „Ämtlein Staufen“ bezeichnet wurde. Nach 1470 wurde dieser Rest dem Amt Göppingen angegliedert. Damit erlosch auch das zuvor ausgeübte Hochgerichtsrecht.
Dieser Vorgang zeigt den langfristigen Bedeutungswandel: Der Schwerpunkt von Verwaltung und Wirtschaft verlagerte sich zunehmend nach Göppingen. Hohenstaufen blieb ein selbstständiger ländlicher Ort, verlor aber die überörtliche Funktion, die Burg und Amt im Hochmittelalter besessen hatten.
Herrschaft war im Alltag spürbar
Verwaltung bedeutete für die Bewohner nicht nur Urkunden und Ämter. Sie zeigte sich in Abgaben, Frondiensten, Nutzungsrechten, Wald- und Weideordnungen, Gerichtsverhandlungen und kirchlichen Verpflichtungen. Wer eine Wiese mähen, Holz schlagen, Tiere auf die Weide treiben oder einen Hof vererben wollte, bewegte sich in einem Geflecht überlieferter Rechte und Pflichten.
Gemarkung, Weiler, Einzelhöfe und die frühere Verbindung zu Maitis
Die Geschichte Hohenstaufens beschränkt sich nicht auf den dicht bebauten Ortskern. Zur früheren Herrschaft, zum Amt und später zur Gemeinde gehörten zeitweise eine weitläufige Gemarkung, kleine Wohnplätze, Weiler und zahlreiche Einzelhöfe. Diese verstreute Siedlungsform war typisch für eine Landschaft, in der Landwirtschaft, Weidewirtschaft und Waldnutzung große Flächen beanspruchten.
Einzelhöfe lagen näher bei ihren Feldern und Wiesen als ein Hof im Dorf. Sie konnten aus Wohnhaus, Stall, Scheune, Garten und Nebengebäuden bestehen und waren dennoch wirtschaftlich, kirchlich und rechtlich mit dem Hauptort verbunden. Wege zu Kirche, Schule, Markt und Amt gehörten zum regelmäßigen Alltag.
Maitis gehörte bis 1826 zu Hohenstaufen
Maitis war herrschaftlich eng mit Burg und Amt Hohenstaufen verbunden und gehörte bis 1826 zur Gemeinde Hohenstaufen. Erst dann wurde Maitis eine selbstständige Gemeinde. Diese Trennung zeigt, dass moderne Gemeindegrenzen nicht einfach aus dem Mittelalter übernommen wurden, sondern sich durch Verwaltungsreformen und lokale Entscheidungen veränderten.
Auch nach der kommunalen Trennung blieben Wege, Familienbeziehungen, kirchliche Kontakte, Landwirtschaft und später die gemeinsame Bahnstation „Maitis-Hohenstaufen“ verbindende Elemente. Die Geschichte beider Orte lässt sich daher nicht vollständig voneinander isolieren.
Hohrein, Gotthardshof, Wannenhof und weitere Wohnplätze
Historische Karten und Ortsbeschreibungen nennen in der Umgebung verschiedene Höfe und Wohnplätze. Namen wie Hohrein, Gotthardshof, Wannenhof, Hirschhof oder Maitishof verweisen auf eine kleinteilige Siedlungslandschaft. Manche Höfe entstanden erst im 19. oder um die Wende zum 20. Jahrhundert, andere reichen in ältere Herrschafts- und Besitzverhältnisse zurück.
Für Ortsfremde wirken solche Höfe heute wie einzelne Punkte in der Landschaft. Historisch bildeten sie jedoch ein Netz aus Wirtschaftsbeziehungen. Vieh wurde über Wege getrieben, Ernte zum Hof gebracht, Holz aus dem Wald geholt und Erzeugnisse in die Dörfer oder Städte transportiert. Kirchgang, Schule, Handwerker und Wirtshaus verbanden die verstreuten Bewohner mit dem Hauptort.
Flurnamen als Gedächtnis der Landschaft
Historische Flurkarten des 19. Jahrhunderts überliefern Namen wie Hofäcker, Roßäcker, Schafhalde, Binsenwiesen oder Ochsenäcker. Solche Namen können auf Bodenbeschaffenheit, frühere Nutzung, Tiere, Besitzer, Wege oder lokale Besonderheiten hinweisen. Ihre genaue Entstehung ist nicht immer sicher zu erklären; dennoch bewahren sie Informationen, die in amtlichen Chroniken oft fehlen.
Flurnamen zeigen außerdem, dass Landschaft kein unveränderter Naturraum ist. Äcker wurden zusammengelegt, Wege verlegt, Wiesen entwässert, Obstbäume gepflanzt, Waldflächen verändert und Baugebiete ausgewiesen. Alte Karten helfen dabei, frühere Strukturen mit dem heutigen Gelände zu vergleichen.
Grenzen und Grenzsteine
Gemeinde-, Wald- und Weidegrenzen waren wirtschaftlich wichtig. Streit um einen schmalen Geländestreifen konnte bedeuten, dass Holz, Gras, Wasser oder Wegerechte verloren gingen. Grenzsteine, Markungsumgänge und schriftliche Beschreibungen sollten solche Konflikte verhindern.
Noch im 20. Jahrhundert änderten sich Grenzen. Kurz vor der Eingemeindung wurden 1971 mehrere bis dahin zu Hohenstaufen gehörende Höfe und Gebiete der Gemeinde Ottenbach zugeordnet. Solche Veränderungen erklären, weshalb historische und heutige Gemarkungen nicht immer deckungsgleich sind.
Kirchen, Pfarrei und religiöses Leben
Kirche und Pfarrei gehörten zu den beständigsten Einrichtungen des mittelalterlichen Dorfes. Ein Dekan zu Staufen wird bereits 1228 erwähnt. Das weist auf eine kirchliche Bedeutung hin, die über eine kleine Kapelle hinausging.
St. Jakob – die heutige Barbarossakirche
Die alte Pfarrkirche trug das Patrozinium des Apostels Jakobus. Graf Ulrich V. von Württemberg schenkte sie 1454 oder bereits kurz zuvor dem Kloster Adelberg; 1454 wurde sie dem Kloster inkorporiert. Damit waren Einkünfte, Besetzungsrechte und kirchliche Aufsicht eng mit Adelberg verbunden.
Der heute erhaltene Bau ist eine spätgotische Chorturmanlage des 15. Jahrhunderts. Wahrscheinlich steht sie am Platz einer älteren romanischen Kirche. Der Turm über dem Chor ist typisch für viele Dorfkirchen der Region. Die heutige Bezeichnung „Barbarossakirche“ entstand erst viel später aus der Erinnerung an Kaiser Friedrich I. Barbarossa und die staufische Vergangenheit.
Im 19. Jahrhundert wurde die kleine mittelalterliche Kirche im Zuge der nationalromantischen Begeisterung für die Staufer historistisch erneuert und als Erinnerungsort aufgewertet. Heute dient sie der katholischen Seelsorge, obwohl sie ursprünglich und über lange Zeit die Pfarrkirche des Ortes war.
Die evangelische Pfarrkirche von 1838/39
Mit dem Bevölkerungs- und Gemeindeleben des 19. Jahrhunderts genügte die alte Kirche den Anforderungen nicht mehr. 1838 und 1839 wurde die heutige evangelische Pfarrkirche errichtet. Sie übernahm die Funktion der Gemeindekirche und prägt seitdem den Ortskern. 1934 wurde sie erweitert und restauriert.
Die beiden Kirchen erzählen deshalb unterschiedliche Kapitel: Die Barbarossakirche bewahrt mittelalterliche Bausubstanz und spätere Stauferromantik; die evangelische Kirche steht für die Entwicklung der württembergisch-evangelischen Dorfgemeinde im 19. und 20. Jahrhundert.
Kirche als Mittelpunkt des Dorfes
Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen strukturierten das Leben. Kirchliche Feste bestimmten den Jahreslauf. Pfarrer und Lehrer gehörten zu den wenigen Personen mit höherer Bildung im Ort. Kirchenbücher wurden später zu zentralen Quellen für Familien- und Bevölkerungsforschung.
1525: Der Bauernkrieg und das Ende der Burg
Am 29. April 1525 erreichte der Bauernkrieg den Hohenstaufen. Ein mehrere tausend Mann starker Bauernhaufen war aus dem Norden in die Region gezogen. Ein zunächst kleinerer Trupp versuchte, die auf der Burg gelagerten Geschütze zu erlangen. Die Verteidiger leisteten Widerstand und beschossen die Angreifer.
Mit größeren Kräften wurde die Burg schließlich erobert. Die Besatzung konnte in einer riskanten Aktion entkommen. Danach wurde die Anlage geplündert und in Brand gesetzt. Die weithin sichtbare Rauchsäule muss sich tief in das Gedächtnis der umliegenden Bevölkerung eingeprägt haben.
Die Zerstörung war sowohl militärisch als auch symbolisch. Die Burg stand für adelige Herrschaft, Abgaben und überkommene Machtverhältnisse. Nach der Niederlage der Bauern wurde sie dennoch nicht wiederaufgebaut. Höhenburgen entsprachen immer weniger den militärischen und wohnlichen Anforderungen der frühen Neuzeit.
Was bedeutete die Zerstörung für das Dorf?
Das Dorf Hohenstaufen verschwand nicht mit der Burg. Landwirtschaft, Pfarrei, Handwerk und lokale Verwaltung bestanden fort. Allerdings verlor der Ort endgültig seinen befestigten Herrschaftsmittelpunkt. Arbeitsplätze und Aufgaben, die unmittelbar mit Burgbesatzung und Bauunterhalt verbunden gewesen waren, fielen weg oder veränderten sich.
Über konkrete Schäden an jedem Haus des Dorfes geben die allgemein zugänglichen Darstellungen keine vollständige Auskunft. Deshalb wäre es falsch, die Zerstörung der Burg automatisch als vollständige Zerstörung des Ortes darzustellen.
Reformation, Kriegszeiten und frühe Neuzeit
Wenige Jahre nach dem Bauernkrieg führte Herzog Ulrich in Württemberg die Reformation ein. Für Hohenstaufen bedeutete dies einen grundlegenden Wandel des kirchlichen Lebens. Gottesdienst, Pfarrorganisation, Bildung und Armenfürsorge wurden neu geordnet. Die bisher katholische Pfarrkirche wurde evangelisch genutzt.
Der Dreißigjährige Krieg belastete das gesamte Gebiet des heutigen Landkreises schwer. Truppendurchzüge, Einquartierungen, Abgaben, Krankheiten und unsichere Ernten trafen besonders ländliche Gemeinden. Für Hohenstaufen ist eine detaillierte Bilanz jedes Kriegsjahres ohne Auswertung lokaler Steuer-, Kirchen- und Lagerbücher nicht seriös zu geben. Sicher ist jedoch, dass der Ort nicht außerhalb der regionalen Krisen stand.
Zur Quellenlage: Je weiter man sich von Burg, Herrschern und großen Ereignissen entfernt und dem Alltag einzelner Dorfbewohner nähert, desto lückenhafter werden die schriftlichen Quellen. Ortsgeschichte muss deshalb kenntlich machen, was belegt, wahrscheinlich oder nur allgemein für die Region anzunehmen ist.
Vom Burgort zum württembergischen Dorf
In der frühen Neuzeit war Hohenstaufen vor allem eine württembergische Landgemeinde. Der Ort gehörte zur Amtsstruktur Göppingens, blieb aber kommunal eigenständig. Gemeindevermögen, Weiderechte, Wege, Feuerlöschwesen, Schule und Armenpflege mussten vor Ort organisiert werden.
Die Ruine auf dem Berg wurde zunehmend als Materialquelle genutzt. Steine konnten für andere Bauten abgetragen werden. Dadurch verschwanden viele sichtbare Reste, die nach dem Brand von 1525 noch vorhanden gewesen waren.
1448 und 1635: Gewalt trifft nicht nur die Burg, sondern das Dorf
Die ältere Ortsbeschreibung nennt für das Dorf zwei besonders harte Einschnitte. 1448 wurde Hohenstaufen von Leuten aus Schwäbisch Gmünd geplündert.
Noch schwerer traf den Ort der Dreißigjährige Krieg: Anfang Juni 1635 plünderte eine starke Dragonertruppe das Dorf,
raubte das noch vorhandene Vieh und brannte nach der Überlieferung der Oberamtsbeschreibung 26 Gebäude nieder.
Viele Einwohner flohen in die Schweiz und nach Oberschwaben; einzelne kehrten erst Jahre später zurück.
Dass dies keine bloße allgemeine Kriegsbeschreibung ist, zeigt eine weitere zeitgenössisch ausgewertete Statistik des Oberamts:
Für Hohenstaufen werden 257 anwesende Bürger im Jahr 1633, aber nur noch 65 im September 1637 genannt.
Diese historische Kategorie „Bürger“ ist nicht mit der Gesamtbevölkerung nach heutigem Verständnis gleichzusetzen, macht den Einbruch aber dennoch drastisch sichtbar.
Warum das für die Dorfgeschichte wichtig ist: Kriegszerstörung bedeutete nicht nur beschädigte Häuser. Fehlende Menschen, unbestellte Äcker, verlorenes Vieh und unterbrochene Handwerks- und Handelsbeziehungen konnten die Struktur eines Dorfes über Jahrzehnte verändern.
Landwirtschaft, Handwerk und Alltag im historischen Dorf
Über viele Jahrhunderte beruhte das Leben in Hohenstaufen auf Landwirtschaft und ergänzendem Handwerk. Die Höhenlage und die gegliederte Landschaft verlangten eine genaue Nutzung der vorhandenen Flächen. Ackerland, Wiesen, Weiden, Wald, Obstgärten und gemeinschaftliche Nutzungsrechte bildeten zusammen die wirtschaftliche Grundlage.
Der gemischte bäuerliche Betrieb
Ein Hof erzeugte nicht nur ein einzelnes Produkt. Getreide und Futterpflanzen, Rinder, Schweine, Geflügel, Obst und Gemüse ergänzten einander. Vieh lieferte Milch, Fleisch, Zugkraft und Dünger. Streuobstwiesen verbanden Obstgewinnung mit Weidenutzung. Holz war Bau- und Brennstoff.
Ernteerfolg hing vom Wetter ab. Spätfrost, Hagel, Trockenheit, lang anhaltender Regen oder Tierseuchen konnten einen Haushalt schwer treffen. Vorratshaltung und gegenseitige Hilfe waren daher lebenswichtig.
Handwerk als notwendige Ergänzung
Schmiede, Schreiner, Maurer, Wagner, Schuster, Schneider, Metzger und weitere Handwerker versorgten den Ort und die umliegenden Höfe. Viele Arbeiten wurden im Nebenerwerb ausgeübt. Reparieren war wichtiger als Wegwerfen: Werkzeuge, Wagen, Schuhe, Fässer und Möbel mussten lange halten.
Wasser, Feuer und Winter
Die Wasserversorgung war in einer Höhenlage anspruchsvoller als in einem Talort. Brunnen, Leitungen und Quellen mussten geschützt werden. Offenes Feuer in Küchen, Öfen, Werkstätten und Scheunen machte Dorfbrände zu einer ständigen Gefahr. Im Winter erschwerten Schnee, Eis und Wind den Verkehr nach Göppingen und in die Nachbarorte.
Frauen, Kinder und unsichtbare Arbeit
Historische Darstellungen nennen häufig Bürgermeister, Pfarrer, Amtleute und Hofbesitzer. Ein großer Teil der täglichen Arbeit blieb dagegen namenlos. Frauen führten Haushalte, arbeiteten in Stall, Garten und Feld, verarbeiteten Lebensmittel und Textilien und pflegten Kinder, Kranke und Alte. Kinder übernahmen früh Aufgaben, besuchten Schule und wuchsen in die Arbeitsgemeinschaft des Hofes hinein.
Gemeinschaft und Konflikte
Nachbarschaft bedeutete Hilfe bei Ernte, Bauarbeiten, Krankheit oder Brand. Zugleich entstanden Konflikte um Grenzen, Wasser, Weide, Erbschaften, Schulden und Wege. Dorfgerichte, Gemeinderat, Kirche und Gasthaus waren Orte, an denen solche Angelegenheiten geregelt oder besprochen wurden.
Hohenstaufen 1844 in Zahlen: eine Momentaufnahme des ganzen Dorfes
Die Oberamtsbeschreibung von 1844 erlaubt einen ungewöhnlich konkreten Blick auf Hohenstaufen kurz vor der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Damals war der Ort keine romantische Kulisse für Ausflügler, sondern ein dichtes Wirtschafts- und Sozialgefüge aus Landwirtschaft, Viehhaltung, Handwerk, Markt, Wirtshäusern, Schule, Kirche und zahlreichen Außenhöfen.
Angabe
Stand laut Ortsbeschreibung von 1844
Was sie erkennen lässt
Gemeindegliederung
15 „Parzellen“
Die damalige Gemeinde war weit größer als der geschlossene Dorfkern und umfasste zahlreiche Höfe und Wohnplätze.
Einwohner Gesamtgemeinde
1.362
Die Zahl umfasst Hauptort und zugehörige Parzellen nach damaliger kommunaler Gliederung.
Einwohner Hauptort
1.153, darunter 11 katholisch
Der überwiegende Teil der Gemeinde lebte im eigentlichen Dorf; konfessionell war es stark evangelisch geprägt.
Gebäude Gesamtgemeinde
190, darunter 52 Nebengebäude
Scheunen, Ställe und andere Wirtschaftsgebäude gehörten wesentlich zur Siedlungsstruktur.
Weberei
32 Weber im Jahr 1835
Neben der Landwirtschaft bestand ein beachtliches ländliches Textilgewerbe.
Bandmacherei
5 Bandmacher
Die Ortsbeschreibung vermerkt bereits Konkurrenzdruck durch die Göppinger Fabriken.
Milchverarbeitung
5 Käsereien
Rindviehhaltung war nicht nur Zugkraft und Fleischversorgung, sondern auch Grundlage gewerblicher Milchverarbeitung.
Gastgewerbe
4 Schildwirte und 6 Schenkwirte; außerdem 1 Bierbrauer und Wirt
Für ein Dorf dieser Größe war die Zahl der bewirtenden Betriebe bemerkenswert und passt zur Markt- und Verkehrsfunktion.
Branntwein
11 Branntweinbrenner
Obstbau und Verarbeitung waren ein Teil der lokalen Wirtschaft.
Schule
1 Schulmeister, 1 Unterlehrer, 1 Lehrgehilfe
Die zentrale Schule versorgte nicht nur den Hauptort, sondern auch Teile des weiten Kirch- und Gemeindegebiets.
Das Dorf als langgestreckte Siedlung am Berg
Die Beschreibung schildert Hohenstaufen als langgestreckten Ort am Bergrücken. Die Bebauung zog sich von der Kirche hangabwärts;
im unteren Dorf wurde das Gelände flacher. Durch den Ort führte die damals stark benutzte Verbindung von Göppingen nach Gmünd.
Die Hohenstaufen-Steige galt zugleich als schwierig und gefährlich. Damit lagen Verkehrschance und topographische Belastung unmittelbar nebeneinander.
Wasser war keine Selbstverständlichkeit
Mehrere Brunnen lieferten gutes Wasser, doch die Ortsbeschreibung berichtet, dass viele in trockenen Sommern versiegten.
Für Menschen, Vieh, Gastwirtschaften, Handwerk und Brandbekämpfung war die Wasserversorgung deshalb nicht nur Komfortfrage, sondern ein zentrales Element kommunaler Vorsorge.
Arbeit an den Hängen
Die Quellen betonen die Mühsal des Ackerbaus. Viele Flächen waren steil und für Fuhrwerke schlecht erreichbar.
Dünger und Erde mussten teilweise hangaufwärts, Ernte und Futter hangabwärts bewegt werden. Wo anderswo der Pflug arbeitete, waren hier öfter Hacke, Spaten und Handarbeit nötig.
Angebaut wurden insbesondere Hafer, Roggen und Gerste; auf günstigeren Lagen spielten außerdem Obstbäume eine wichtige Rolle.
Ein Dorf mit mehreren Gesichtern: Hohenstaufen war 1844 gleichzeitig Bergdorf, Marktort, Landwirtschaftsgemeinde, Viehhandelsplatz, Handwerkerort und Verkehrsstation zwischen Göppingen und dem Raum Schwäbisch Gmünd.
Viehmarkt, Rinderhaltung und regionale Wirtschaft: Hohenstaufen als Handelsplatz
Einer der stärksten Belege dafür, dass Hohenstaufen wirtschaftlich über den eigenen Dorfbedarf hinausreichte, sind die Viehmärkte.
Die Oberamtsbeschreibung zählt die Hohenstaufener Märkte zu den bedeutenderen des Bezirks und erwähnt Käufer, die auch aus dem Unterland kamen.
Mit den Viehmärkten waren Krammärkte verbunden: Handel brachte also nicht nur Tiere, sondern auch Menschen, Waren, Nachrichten und Geld in den Ort.
Der Viehmarkt von 1838 – konkrete Zahlen
Tiergruppe
1838 in Hohenstaufen verkauft
Ochsen und Stiere
558
Kühe
126
Jungvieh („Schmalvieh“)
52
Gesamterlös laut damaliger Statistik
44.486 Gulden 53 Kreuzer
Solche Zahlen machen den Marktcharakter greifbar. Mehr als 700 Stück Rindvieh wechselten allein in dieser erfassten Marktstatistik den Besitzer.
Die Summe lässt sich nicht sinnvoll eins zu eins in einen heutigen Eurobetrag umrechnen; aussagekräftiger ist die Größenordnung im Vergleich mit anderen damaligen Märkten des Oberamts.
Warum Rinder am Hohenstaufen so wichtig waren
Die steilen und ungleichmäßigen Flächen waren für Pferde und schwere Ackergeräte nicht überall ideal. Die Ortsbeschreibung hebt hervor,
dass Rindvieh in Hohenstaufen auch als Zugtier gut geeignet war. Gleichzeitig lieferte es Milch, Nachwuchs, Fleisch und Handelswert.
Fünf Käsereien zeigen, dass die Viehwirtschaft eine Verarbeitungskette im Ort trug.
Markttage waren Dorfereignisse
Ein großer Viehmarkt beanspruchte Wege, Plätze, Ställe, Tränken und Verpflegung. Bauern und Händler mussten Tiere treiben, prüfen, handeln und wieder abtransportieren.
Wirtshäuser profitierten von Besuchern, Handwerker konnten Geschäfte anbahnen, und der Krammarkt ergänzte das Angebot für Haushalte und Höfe.
Für die Ortsgeschichte erklärt dies, warum Gastwirtschaft, Metzgerei, Viehhaltung und Handel in Hohenstaufen so eng zusammengehören.
Wichtige Einordnung: Der Viehmarkt von 1838 ist amtlich statistisch überliefert. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, welche einzelnen Hohenstaufener Gaststätten oder Metzgereien an diesem konkreten Markttag welche Umsätze erzielten.
Gemeinde, Schule, Armenfürsorge, Wasser und Feuerschutz
Eine selbstständige Landgemeinde musste weit mehr organisieren als politische Beschlüsse. Sie war für Wege, Brunnen, Gemeindewald, Schule, Armenunterstützung, Feuerlöschwesen, örtliche Abgaben und die Verwaltung gemeinsamen Eigentums verantwortlich. Viele dieser Aufgaben wurden ehrenamtlich oder neben einer landwirtschaftlichen Tätigkeit übernommen.
Schultheiß, Bürgermeister und Gemeinderat
An der Spitze ländlicher Gemeinden stand früher der Schultheiß, später der Bürgermeister. Zusammen mit Gemeinderäten und Gemeindepfleger kümmerte er sich um Finanzen, Bauvorhaben, Verträge, Wege und die Umsetzung staatlicher Vorgaben. Die kommunale Selbstverwaltung war begrenzt, aber für den Alltag außerordentlich wichtig.
Gemeinderatsprotokolle enthalten deshalb oft keine weltpolitischen Ereignisse, sondern Entscheidungen über Brunnenreparaturen, Schulräume, Holzverkäufe, Armenunterstützung, Feldwege oder die Anschaffung von Geräten. Gerade solche Einträge machen sichtbar, wie ein Dorf praktisch funktionierte.
Schule und Bildung
Schule war lange eng mit der Kirche verbunden. Lehrer konnten zugleich kirchliche Aufgaben übernehmen, und der Pfarrer beaufsichtigte häufig den Unterricht. Lesen, Schreiben, Rechnen und religiöse Unterweisung standen im Mittelpunkt. Der regelmäßige Schulbesuch musste sich jedoch mit der Arbeit in Haus, Stall und Feld vereinbaren lassen.
Mit der württembergischen Schulpflicht und den Reformen des 19. Jahrhunderts nahm die staatliche Organisation zu. Bildung eröffnete neue berufliche Möglichkeiten, auch wenn viele Kinder weiterhin in landwirtschaftlichen Betrieben mithalfen. Später erleichterten Verkehrsverbindungen den Besuch weiterführender Schulen in Göppingen oder anderen Orten.
Armut und Hilfe vor dem Sozialstaat
Krankheit, Alter, Tod eines Ernährers, Missernte oder Brand konnten eine Familie schnell in Not bringen. Bevor moderne Versicherungen und Sozialleistungen entstanden, trugen Familie, Nachbarschaft, Kirche und Gemeinde die Unterstützung. Armenkassen, Naturalien, Brennholz oder die Unterbringung Bedürftiger gehörten zu den örtlichen Aufgaben.
Diese Hilfe war nicht immer großzügig und konnte mit Kontrolle verbunden sein. Gemeinden achteten darauf, wer als unterstützungsberechtigt galt, weil die Kosten aus örtlichen Mitteln getragen werden mussten.
Wasser als Gemeinschaftsaufgabe
Wasser wurde für Menschen, Tiere, Haushalt, Handwerk und Brandbekämpfung benötigt. In der Höhenlage waren sichere Brunnen und Leitungen besonders wichtig. Verunreinigungen oder Trockenperioden konnten die gesamte Gemeinde betreffen. Ausbau und Modernisierung der Wasserversorgung gehören deshalb zu den bedeutenden, wenn auch selten spektakulär erzählten Kapiteln der Ortsgeschichte.
Feuerwehr und Brandgefahr
Dicht stehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Holz, Stroh, Heu und offene Feuerstellen machten Brände gefährlich. Jeder Haushalt musste bei der Brandbekämpfung helfen. Später wurden organisierte Feuerwehren, Löschgeräte und verbindliche Übungen eingeführt. Ein Dorfbrand bedrohte nicht nur einzelne Häuser, sondern Erntevorräte, Vieh und die wirtschaftliche Existenz vieler Familien.
Vereine als neue Form der Gemeinschaft
Im 19. und 20. Jahrhundert übernahmen Vereine immer mehr kulturelle, sportliche und soziale Aufgaben. Musik, Gesang, Wandern, Sport und Feste schufen Gemeinschaft über Familie und Nachbarschaft hinaus. Das bis heute ausgeprägte Vereinsleben Hohenstaufens steht in dieser Entwicklung.
Wege, Fuhrwerke, Eisenbahn, Bus und Motorisierung
Verkehr bestimmte, wie schnell Menschen, Waren und Nachrichten Hohenstaufen erreichten. Die Lage am Berg bot Aussicht, bedeutete aber auch Steigungen und längere Wege. Vor dem Ausbau moderner Straßen wurden Lasten zu Fuß, mit Tragtieren, Wagen und Schlitten bewegt.
Historische Wege zwischen Filstal und Remstal
Hohenstaufen lag nicht an einer großen schiffbaren Wasserstraße oder einer bedeutenden Fernbahn. Seine Wege verbanden den Ort mit Göppingen, Ottenbach, Wäschenbeuren, Maitis und den Höfen der Umgebung. Für Marktbesuche, Amtsgeschäfte, Handwerker, Arzt oder Kirche mussten Höhenunterschiede überwunden werden.
Der Zustand eines Weges war für die Wirtschaft entscheidend. Schlamm, Schnee, ausgewaschene Spuren oder beschädigte Brücken verzögerten Transporte. Wegeunterhalt gehörte daher zu den klassischen Gemeindeaufgaben und konnte als gemeinschaftliche Arbeitsleistung organisiert werden.
Post, Nachrichten und Fremdenverkehr
Nachrichten reisten zunächst mit Boten, Reisenden und Fuhrleuten. Später beschleunigten Postwesen, Telegraphie und Telefon die Kommunikation. Für Gasthäuser und Ausflugsbetriebe war es wichtig, Reservierungen, Lieferungen und Reiseinformationen verlässlich austauschen zu können.
Die Bahnstation Maitis-Hohenstaufen
Die Hohenstaufenbahn eröffnete der Hochfläche im frühen 20. Jahrhundert neue Möglichkeiten. Der gemeinsame Bahnhof Maitis-Hohenstaufen lag nicht im Dorfkern am Südhang, stellte aber eine Verbindung zu Göppingen und Schwäbisch Gmünd her. Pendler, Schüler, Händler und Ausflügler profitierten von planbaren Fahrzeiten.
Die Bahn veränderte nicht jeden Weg über Nacht. Vom Bahnhof mussten Menschen und Güter weiterhin in die einzelnen Orte gelangen. Dennoch verringerte sie die Abhängigkeit von Fuhrwerken und machte weitere Arbeits- und Absatzmärkte erreichbar.
Auto, Bus und Pendlergemeinde
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Motorisierung stark zu. Traktoren veränderten die Landwirtschaft, Lastwagen den Warenverkehr und private Autos den Alltag. Immer mehr Bewohner konnten außerhalb des Dorfes arbeiten, ohne ihren Wohnort aufzugeben.
Nach der Einstellung des Bahnverkehrs übernahmen Buslinien die öffentliche Verbindung. Heute liegt die Haltestelle Rathaus/Dorfplatz unmittelbar beim Hotel Goldener Ochsen. Damit setzt der Bus in moderner Form eine alte Aufgabe fort: den Bergort mit Göppingen und den Nachbarorten zu verbinden.
Straßen, Steige, Hausnummern und Adressen: das Dorf wird neu geordnet
Ortsgeschichte steckt nicht nur in Gebäuden, sondern auch in Straßenbezeichnungen und Hausnummern. Hohenstaufen wuchs über Jahrhunderte aus einer älteren,
unregelmäßigen Siedlungsstruktur. Erst moderne Verwaltung, Post, Telefon, Rettungswesen und zunehmender Straßenverkehr machten eindeutigere Adressen immer wichtiger.
Die Steige als alte Lebensader
Schon die Ortsbeschreibung von 1844 nennt die durch Hohenstaufen führende Verbindung zwischen Göppingen und Gmünd als lebhaft genutzt,
beschreibt die Auffahrt aber gleichzeitig als gefährliche Steige. Für Fuhrwerke, Viehtrieb, Händler und Reisende war der Höhenunterschied Alltag.
Mit Straßenverbesserungen und Motorisierung änderte sich diese Erfahrung grundlegend: Aus einer mühsamen Bergverbindung wurde nach und nach eine alltagstaugliche Verkehrsachse.
Historische Karte von 1828
Die württembergische Landesvermessung überliefert für Hohenstaufen und Maitis ein detailliertes Kartenblatt von 1828 im Maßstab 1:2500.
Darin erscheinen Flur- und Gewannnamen wie Binsenwiesen, Hofäcker und -wiesen, Ochsenäcker, Roßäcker oder Schafhalde.
Solche Karten sind besonders wertvoll, weil sie Wege, Fluren und Nutzungsgrenzen lange vor modernen Luftbildern dokumentieren.
Vom alten Adresssystem zu heutigen Straßennamen
Ein konkretes Beispiel liefert der Goldene Ochsen: In älteren Gaststättenunterlagen wird das Haus noch unter Hauptstraße 37 geführt;
in amtlichen Unterlagen von 1965 erscheint bereits Ailstraße 1. Damit ist belegt, dass die Adressumstellung noch in der Zeit der selbstständigen Gemeinde Hohenstaufen und vor der Eingemeindung 1971 erfolgte.
Das genaue Datum und der vollständige Ablauf der Straßen- und Hausnummernänderung sind bislang jedoch nicht eindeutig nachgewiesen.
Wo die weitere Forschung ansetzen kann
Das Kreisarchiv Göppingen verzeichnet im Bestand C 6 unter der Signatur C 6-855 Akten zur „Straßenbezeichnung und Hausnummernbeschilderung“ aus den Jahren 1963–1965.
Aus dem Titel allein folgt noch nicht, dass diese Akte Hohenstaufen im Einzelnen behandelt. Besonders interessant ist außerdem C 6-883 zu Gemeindestraßen und Gemeindewegen;
der Bestand enthält mehrere farbige Pläne und Skizzen zu Hohenstaufen aus den Jahren 1959–1964.
Noch offen: Wann genau wurden in Hohenstaufen die heute gebräuchlichen Straßennamen und Hausnummern eingeführt beziehungsweise neu geordnet? Diese Frage sollte erst nach Einsicht in die einschlägigen Gemeinde- und Kreisarchivakten abschließend beantwortet werden.
Gasthäuser, Reisende und der Ochsen in Hohenstaufen
Gasthäuser waren in ländlichen Orten weit mehr als Speisebetriebe. Sie boten Reisenden Unterkunft, versorgten Fuhrleute und Händler, dienten Einheimischen als Treffpunkt und waren Räume für Versammlungen, Geschäfte, Kredite, Feste, Musik und später Vereinsaktivitäten.
Mit dem wachsenden Ausflugsverkehr zum Hohenstaufen gewann die Bewirtung zusätzliche Bedeutung. Wanderer und Geschichtsreisende benötigten Speisen, Getränke, Orientierung und gelegentlich ein Nachtlager. Das Zusammenspiel aus Dorfwirtschaft und Aussichtstourismus prägte den Ort besonders seit dem 19. Jahrhundert.
Der Ochsen und die örtliche Familiengeschichte
Nach den im Hausarchiv der Familie Mayer ausgewerteten Unterlagen ist der Ochsen in Hohenstaufen im Jahr 1785 urkundlich belegt. Diese Überlieferung verbindet die allgemeine Ortsgeschichte mit einem bis heute bestehenden Haus im historischen Dorfkern.
Bis 1964 wurde der Betrieb als „Ochsen“ bezeichnet. Seit 1965 trägt er den Namen „Goldener Ochsen“. Über Generationen verband das Haus Gastwirtschaft, Metzgerei, Landwirtschaft und später Hotelbetrieb. Dadurch spiegelt seine Geschichte typische Veränderungen ländlicher Familienbetriebe: vom vielseitigen Versorgungsbetrieb zur stärker spezialisierten Beherbergung.
Quellenhinweis: Die Angabe von 1785 beruht auf neu ausgewerteten Unterlagen im Hausarchiv der Familie Mayer. Sie ist eine eigenständige lokale Quelle und wird deshalb ausdrücklich als Hausüberlieferung gekennzeichnet.
Wirtshaus als öffentliches Gedächtnis
In Gasträumen wurden Neuigkeiten weitergegeben, Geschichten erzählt und Ereignisse erinnert. Wirtshäuser bewahrten Ortsgeschichte nicht nur in Akten, sondern auch mündlich: in Familienerzählungen, Stammtischen, Festen, Fotografien und Gegenständen des täglichen Betriebs.
Gaststätten und Metzgereien im Archiv: Hohenstaufens Wirtschaftsleben wird konkret
Für die Geschichte der Hohenstaufener Gastwirtschaften ist das Findbuch des ehemaligen Oberamts Göppingen besonders ergiebig.
Es beweist nicht automatisch jede spätere Familienerzählung oder jede auf Postkarten genannte Betriebsphase, zeigt aber sehr konkret,
welche Gasthäuser, Wirte und Schlachtereianlagen in amtlichen Akten vorkommen.
Archivsignatur
Laufzeit
Was ausdrücklich verzeichnet ist
Quellenwert
B 2/228
1822, 1839–1899, 1928
Gast- und Schankwirtschaften in Hohenstaufen; enthalten ist unter anderem ein farbiger Plan von 1879.
Grundbestand für die allgemeine Hohenstaufener Gaststättengeschichte des 19. Jahrhunderts.
B 2/229
1879–1891
Gast- und Schankwirtschaften in Hohenstaufen; ausdrücklich genannt wird die Schankwirtschaft zum Barbarossa; farbiger Plan von 1879.
Direkter amtlicher Nachweis eines benannten Hohenstaufener Betriebs.
B 2/907
1891–1893
Schlächtereianlagen in Hohenstaufen: Karl Mayer, Metzger und Wirt zum Waldhorn, sowie Michael Böhringer, Metzger und Wirt zum Löwen; vier farbige Pläne.
Belegt die enge Verbindung von Metzgerhandwerk und Gastwirtschaft bei zwei Häusern.
B 2/908
1897–1907
Schlächtereianlagen in Hohenstaufen: Christian Seitz jg., Wirt zum Ochsen, sowie Karl Hommel, Metzger und Wirt zum Lamm; vier farbige Pläne.
Direkter Archivanker für Ochsen und Lamm an der Wende zum 20. Jahrhundert.
B 2/2642
1931
Gast- und Schankwirtschaften in Hohenstaufen; ausdrücklich die Schankwirtschaft zum Forsthaus; zwei farbige Skizzen.
Belegt einen weiteren benannten Betrieb in der Zwischenkriegszeit.
Was diese Akten über das Dorf erzählen
Die Namen Waldhorn, Löwen, Ochsen, Lamm, Barbarossa und Forsthaus zeigen, dass Hohenstaufen über längere Zeit eine bemerkenswerte Dichte an bewirtenden Betrieben besaß.
Das passt zu mehreren Funktionen des Ortes: Marktgeschehen, Viehhandel, Durchgangsverkehr, kirchliches und gemeindliches Leben sowie später der Ausflugstourismus.
Besonders aussagekräftig ist die wiederkehrende Kombination Metzger und Wirt. In einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde mit starkem Rinderhandel war die Verbindung von Tierhaltung,
Schlachtung, Fleischverarbeitung und Gastwirtschaft wirtschaftlich naheliegend – ohne dass daraus für jeden einzelnen Betrieb dieselbe Organisationsform angenommen werden darf.
Postkarten, Zeitungen und Pläne als nächste Ebene
Das Findbuch nennt zu mehreren Akten konkrete Ausgaben des Göppinger Wochenblatts oder der Göppinger Zeitung sowie farbige Bau- und Lagepläne.
Wer die Hohenstaufener Wirtschaftsgeschichte weiter vertiefen will, kann deshalb nicht nur nach Gaststättennamen suchen,
sondern gezielt die zugehörigen Zeitungsnummern und Planbeilagen auswerten.
Quellenkritik: Ein Findbucheintrag beweist, dass eine Akte mit dem genannten Gegenstand existiert. Für Grundrisse, genaue Betriebszeiten, Besitzerwechsel oder bauliche Details muss die betreffende Akte selbst eingesehen werden.
Das 18. Jahrhundert: Festungsplan, Schafweide und dörfliche Kontinuität
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren noch erhebliche Reste der Burg sichtbar. Unter Herzog Karl Alexander entstand der Plan, auf dem Gipfel eine moderne Landesfestung zu errichten. Dafür wurde die Gipfelfläche teilweise eingeebnet. Nach dem Tod des Herzogs 1737 gab man das Vorhaben auf.
Der Berg blieb danach weitgehend kahl und wurde vor allem als Schafweide genutzt. Nur geringe Mauerreste erinnerten an die Burg. Für die Bewohner war der Gipfel damit zunächst weniger ein romantisches Denkmal als ein Teil der nutzbaren Gemeindelandschaft.
Das Dorf selbst lebte weiter von Landwirtschaft, Handwerk und lokalen Dienstleistungen. Die Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen waren nun fest in das württembergische Amt Göppingen eingebunden. 1785 ist nach dem Hausarchiv der Familie Mayer der Ochsen belegt – ein Hinweis auf die Bedeutung von Bewirtung und Beherbergung im Ort.
Das 19. Jahrhundert: Kirche, Romantik, Nationalgefühl und Ausflugstourismus
Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Wahrnehmung des Hohenstaufens grundlegend. Romantik und Nationalbewegung suchten in mittelalterlichen Burgen, Kaisern und Landschaften nach historischen Bildern für eine gemeinsame deutsche Vergangenheit. Der fast verschwundene Burgberg wurde nun als „Kaiserberg“ gefeiert.
Neue Bilder einer alten Burg
Lithografien, Reiseführer, Gedichte und landeskundliche Werke verbreiteten den Hohenstaufen als geschichtliches Symbol. Künstler stellten häufig eine prächtige Burg dar, obwohl die tatsächliche Anlage längst zerstört war. Viele dieser Bilder waren stärker von Fantasie und romantischer Erwartung als von archäologischen Befunden geprägt.
Für die Ortsgeschichte sind solche Darstellungen dennoch wichtig. Sie zeigen, wie sich das öffentliche Bild Hohenstaufens veränderte. Aus dem landwirtschaftlich genutzten Berg wurde ein nationales Erinnerungszeichen und attraktives Reiseziel.
Der Bau der evangelischen Kirche
1838 und 1839 entstand die neue evangelische Pfarrkirche. Dieser Neubau veränderte den Ortskern und trennte die alltägliche Gemeindekirche räumlich von der alten St.-Jakobs-Kirche. Die mittelalterliche Kirche wurde später stärker als historischer Erinnerungsort wahrgenommen.
Wanderbewegung und Schutzhütte
Mit bürgerlicher Wanderkultur und regionalen Geschichtsvereinen kamen mehr Besucher. Gelder und ehrenamtliches Engagement flossen in Wege, Aussichtspunkte, eine Schutzhütte des Schwäbischen Albvereins und die historistische Erneuerung der nun „Barbarossakirche“ genannten Dorfkirche.
Aufforstung verändert die Silhouette
Um 1900 begann eine stärkere Aufforstung des Berges. Frühere Darstellungen zeigen einen deutlich kahleren und optisch steileren Gipfel. Der spätere Baumbestand ließ den Berg aus der Ferne breiter und weniger scharf konturiert erscheinen. Auch Landschaftsbilder sind daher historische Quellen.
Auswirkungen auf das Dorf
Besucher brachten Nachfrage nach Bewirtung, Übernachtung, Führungen, Postkarten und Transport. Landwirtschaft blieb wichtig, doch der Ort erhielt eine zweite wirtschaftliche und kulturelle Funktion als Ziel des Geschichts- und Aussichtstourismus.
Das 20. Jahrhundert: Verkehr, Archäologie, Kriege und dörflicher Wandel
Die Hohenstaufenbahn
1911 und 1912 wurde die Nebenbahn zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen eröffnet. Der Bahnhof „Maitis-Hohenstaufen“ lag auf der Hochfläche nördlich des Berges. Die Bahn erschloss ländliche Gemeinden, erleichterte Fahrten zu Arbeitsplätzen und Märkten und förderte den Ausflugsverkehr.
Die Bahn trug offiziell den Namen Hohenstaufenbahn und wurde auf Göppinger Seite volkstümlich „Josefle“ genannt. Der Personenverkehr endete 1984; große Teile der Strecke wurden anschließend zu einem Rad- und Wanderweg umgestaltet. Damit wurde aus einer Verkehrsverbindung erneut eine Freizeitachse.
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit
Wie andere württembergische Gemeinden war Hohenstaufen vom Ersten Weltkrieg durch Einberufungen, Gefallene, Versorgungsschwierigkeiten und wirtschaftliche Belastungen betroffen. Eine vollständige lokale Darstellung müsste Gefallenenlisten, Gemeinderatsprotokolle, Kirchenbücher und Familienarchive systematisch auswerten.
In der Zwischenkriegszeit trafen Inflation, politische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit auch ländliche Haushalte. Zugleich blieb Hohenstaufen als historischer Symbolort öffentlich präsent.
Archäologie und Inszenierung in den 1930er-Jahren
Von 1935 bis 1938 wurden auf dem Gipfel umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt. Mauerzüge wurden freigelegt, ergänzt und für Besucher sichtbar gemacht. Diese Arbeiten vergrößerten das Wissen über die Burg, müssen aber zugleich im politischen Umfeld des Nationalsozialismus betrachtet werden, der mittelalterliche Herrschaftsgeschichte gern für eigene Ideologien vereinnahmte.
Nicht jede heute sichtbare Mauer ist deshalb unverändert mittelalterlich. Ein Teil wurde im Zuge von Grabung, Sicherung und Präsentation ergänzt. Die Ruine ist zugleich archäologischer Befund und Denkmalgestaltung des 20. Jahrhunderts.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Der Zweite Weltkrieg brachte erneut Einberufungen, Verluste, Mangelwirtschaft und Unsicherheit. Nach 1945 mussten Rückkehrer, Vertriebene und Flüchtlinge aufgenommen und Wohnraum geschaffen werden. Landwirtschaftliche Betriebe modernisierten sich, Maschinen ersetzten einen Teil der Handarbeit und immer mehr Einwohner arbeiteten außerhalb des Dorfes.
Straßenverkehr, Busverbindungen, Motorisierung und neue Wohngebiete veränderten Hohenstaufen vom weitgehend landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer Wohngemeinde mit Pendlerbeziehungen nach Göppingen und in die Region.
Ausstellung und Erinnerungsarbeit
1977 wurde im Ort ein Dokumentationsraum zur staufischen Geschichte eingerichtet. Die Ausstellung wurde später neu gestaltet und macht die europäische Bedeutung der Dynastie dort verständlich, wo Berg, Burg und Dorf ihren Namen tragen.
Die Hohenstaufenbahn – nach dem Berg benannt, aber nicht durch den Dorfkern
Die Bahnstrecke Göppingen–Schwäbisch Gmünd trug den Namen Hohenstaufenbahn und führte nördlich von Göppingen über Rechberghausen,
Birenbach und Wäschenbeuren am namensgebenden Berg vorbei. Für Hohenstaufen war besonders der Bahnhof Maitis-Hohenstaufen wichtig.
Die Bahn lief also nicht durch den Dorfkern selbst. Der Personenverkehr endete 1984; der letzte Güterzug fuhr 1994.
Heute wird ein großer Teil der ehemaligen Trasse als Radweg genutzt.
Luftbilder als Quelle für den Strukturwandel
LEO-BW erschließt unter anderem ein Luftbild Hohenstaufens von 1937 sowie Landesbefliegungen aus späteren Jahrzehnten.
Solche Aufnahmen sind für die Dorfgeschichte besonders nützlich: Sie zeigen Siedlungsgrenzen, Garten- und Obstflächen, Straßen, Höfe und spätere Neubauentwicklung,
ohne dass man allein aus dem heutigen Ortsbild auf frühere Zustände schließen muss.
1977: Geschichtserinnerung wird institutionell sichtbar
Auf Initiative der Stadt Göppingen wurde 1977 im damaligen „Stauferjahr“ ein Dokumentationsraum für staufische Geschichte eingerichtet.
Die heutige Staufer-Ausstellung gehört damit selbst zur jüngeren Ortsgeschichte: Sie zeigt, wie Hohenstaufen im 20. Jahrhundert nicht nur Wohn- und Ausflugsort blieb,
sondern auch bewusst als Geschichtsort gestaltet wurde.
1971: Von der selbstständigen Gemeinde zum Stadtbezirk Göppingens
Bis 1971 war Hohenstaufen eine selbstständige Gemeinde. Im Zuge der kommunalen Neuordnung Baden-Württembergs wurde sie am 1. September 1971 in die Stadt Göppingen eingegliedert. Damit endete die politische Selbstständigkeit, nicht aber die örtliche Identität.
Aufgaben, die zuvor von einer eigenen Gemeindeverwaltung wahrgenommen wurden, gingen auf die Stadt Göppingen über. Als Stadtbezirk behielt Hohenstaufen jedoch ein Bezirksamt, lokale Einrichtungen und ein ausgeprägtes Vereins- und Gemeinschaftsleben.
Warum Eingemeindungen stattfanden
Kleine Gemeinden standen im 20. Jahrhundert vor wachsenden Aufgaben: Schulen, Wasser- und Abwassernetze, Straßen, Bauleitplanung, Verwaltung, Feuerwehr und soziale Infrastruktur wurden komplexer und teurer. Zusammenschlüsse sollten leistungsfähigere Verwaltungseinheiten schaffen.
Identität zwischen Dorf und Stadt
Hohenstaufen ist seitdem rechtlich Teil Göppingens und zugleich ein Dorf mit eigenem historischen Kern. Diese doppelte Zugehörigkeit prägt die Gegenwart: Bewohner können sich als Hohenstaufener und als Göppinger verstehen. Der Berg wurde zum Wahrzeichen der gesamten Stadt, während der Ort seine lokalen Traditionen bewahrt.
Zwei Schritte im Jahr 1971
Die Gebietsveränderung vollzog sich nicht in einem einzigen Moment. Nach LEO-BW gehörten mehrere bis dahin Hohenstaufen zugeordnete Wohnplätze
– Cyriakushof, Geyrenwald, Herbenhof, Holzhäuser Hof, Jackenhof, Lochhof, Saurenhof, Schurrhof, Sonnental (Fuchshof) und Strudelhof –
bis zum 1. August 1971 zur Gemeinde Hohenstaufen und wurden anschließend Ottenbach zugeordnet.
Einen Monat später, zum 1. September 1971, endete die kommunale Selbstständigkeit Hohenstaufens mit der Eingliederung in Göppingen.
Für historische Recherchen ist diese Unterscheidung wichtig. Ein Hof kann in einer älteren Quelle als „Hohenstaufen“ erscheinen,
obwohl er heute kommunal zu Ottenbach gehört. Moderne Adressen dürfen daher nicht rückwirkend auf ältere Akten übertragen werden.
Was nach der Eingemeindung blieb
Der politische Rahmen änderte sich, die örtliche Identität aber nicht. Die Stadt Göppingen führt Hohenstaufen heute als einen ihrer sieben Stadtbezirke.
Bezirksamt, örtliche Einrichtungen und ein ausgeprägtes Vereinsleben setzen die lokale Ebene fort, nun innerhalb der Gesamtstadt.
Gerade diese doppelte Identität – Dorf und Göppinger Stadtbezirk – gehört zur jüngeren Ortsgeschichte.
Historische Orte, Gebäude und Landschaften heute
Burgruine
Grundmauern, Stauferstele und Aussicht erinnern an Burg, Dynastie, Zerstörung und spätere Denkmalpflege.
Barbarossakirche
Die spätgotische ehemalige Pfarrkirche St. Jakob verbindet mittelalterliche Ortskirche und spätere Stauferromantik.
Evangelische Kirche
Der Bau von 1838/39 steht für die Entwicklung der württembergischen Dorfgemeinde im 19. Jahrhundert.
Staufer-Ausstellung
Der Dokumentationsraum erklärt Dynastie und Burg am historischen Ort und ordnet Mythen ein.
Spielburg
Fels, Trockenrasen, Streuobst und Weidelandschaft machen Natur- und Nutzungsgeschichte sichtbar.
Historischer Ortskern
Straßen, Hofstellen, Kirchen, Gasthäuser und Blickbeziehungen zum Berg bewahren die Struktur des Dorfes.
Warum historische Ortsbilder nie unverändert bleiben
Häuser werden erweitert, Scheunen umgenutzt, Straßen verbreitert und Gärten neu angelegt. Historische Substanz besteht deshalb nicht nur aus einzelnen denkmalgeschützten Gebäuden. Auch Parzellen, Wege, Mauern, Brunnenstandorte, Sichtachsen und Flurnamen können Geschichte bewahren.
Das ehemalige Gemeindewappen und die Stauferlöwen
Vor der Eingemeindung führte Hohenstaufen ein eigenes Gemeindewappen mit Bezug zur staufischen Tradition. Solche Wappen sind keine mittelalterlichen Originalzeichen des Dorfes, sondern moderne kommunale Symbole, die historische Motive aufnehmen und lokale Identität ausdrücken.
Zwischen belegter Ortsgeschichte und Staufermythos
Kaum ein Dorf dieser Größe ist mit einer so großen historischen Erzählung verbunden. Könige, Kaiser, Kreuzzüge, Italien und Sizilien überlagern leicht die Geschichte der Menschen, die dauerhaft am Berg lebten. Eine gute Ortsgeschichte muss beide Ebenen zusammenführen, ohne sie zu vermischen.
Barbarossa wurde nicht nachweislich hier geboren
Kaiser Friedrich I. Barbarossa ist eng mit der staufischen Dynastie und der Burg verbunden. Ein Aufenthalt auf dem Hohenstaufen ist für 1181 urkundlich belegt. Sein genauer Geburtsort ist dagegen nicht gesichert. Hohenstaufen sollte deshalb nicht ohne Beleg als Geburtsort Barbarossas bezeichnet werden.
Romantische Burgbilder sind keine Baupläne
Viele Darstellungen des 19. Jahrhunderts zeigen eine eindrucksvolle, vollständig erhaltene Kaiserburg. Sie spiegeln historische Sehnsucht, nicht den gesicherten Baubestand. Für Rekonstruktionen sind archäologische Befunde, frühe Ansichten und schriftliche Quellen wichtiger als romantische Lithografien.
Der Begriff „Kaiserberge“ ist eine spätere Erinnerung
Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen werden heute als Drei Kaiserberge bezeichnet. Die staufische Kaisertradition ist konkret mit dem Hohenstaufen verbunden. Die Zusammenfassung aller drei Berge unter diesem Namen verbreitete sich erst im 19. Jahrhundert.
Ortsgeschichte ist mehr als Herrschergeschichte
Die Staufer erklären den Ursprung des Namens und die frühe Bedeutung des Ortes. Die folgenden acht Jahrhunderte wurden jedoch ebenso von Bauernfamilien, Handwerkern, Pfarrern, Lehrern, Wirten, Gemeinderäten, Vereinen, Pendlern und Gästen gestaltet.
Ausführliche Zeitleiste zur Geschichte Hohenstaufens
Zeit
Ereignis und Bedeutung
vor dem Mittelalter
Der Zeugenberg und die Spielburg entstehen durch geologische Prozesse lange vor der menschlichen Besiedlung.
um 1070
Traditionelle Datierung des Baus der Burg Hohenstaufen auf dem Gipfel.
spätes 11. Jahrhundert
Wahrscheinliche Entstehung einer Markt-, Handwerker- und Versorgungssiedlung unterhalb der Burg.
1079
Friedrich von Staufen wird Herzog von Schwaben; Burg und Umgebung gewinnen politische Bedeutung.
1206
Erste erhaltene schriftliche Nennung des Ortes als „Stoffen“.
1226
Überlieferte Namensform „Stophin“.
1228
Ein Dekan zu Staufen wird erwähnt; Hinweis auf die kirchliche Bedeutung des Ortes.
13. Jahrhundert
Hohenstaufen ist Hauptort eines staufischen Verwaltungsbezirks und besitzt besondere Rechte.
1448
Das Dorf wird nach der Oberamtsbeschreibung von Leuten aus Schwäbisch Gmünd geplündert.
1454
Die Pfarrkirche St. Jakob wird dem Kloster Adelberg inkorporiert.
15. Jahrhundert
Bau beziehungsweise Ausbau der heute als Barbarossakirche bekannten spätgotischen Chorturmkirche.
nach 1470
Das verbliebene „Ämtlein Staufen“ wird dem Amt Göppingen angegliedert; das Hochgerichtsrecht erlischt.
29. April 1525
Die Burg wird im Bauernkrieg erobert, geplündert und in Brand gesetzt.
1534
Einführung der Reformation in Württemberg; das kirchliche Leben Hohenstaufens wird evangelisch geprägt.
Anfang Juni 1635
Dragoner plündern Hohenstaufen; 26 Gebäude werden niedergebrannt, nachdem zuvor das verbliebene Vieh geraubt wurde.
September 1637
Eine historische Statistik nennt nur noch 65 anwesende Bürger gegenüber 257 im Jahr 1633 – ein drastischer Hinweis auf die Kriegsfolgen.
1618–1648
Der Dreißigjährige Krieg belastet die Region durch Truppen, Abgaben, Krankheit und wirtschaftliche Not.
1730er-Jahre
Planung einer württembergischen Landesfestung auf dem Gipfel; Teile der Fläche werden eingeebnet.
1737
Nach dem Tod Herzog Karl Alexanders werden die Festungspläne aufgegeben.
1785
Der Ochsen ist nach Unterlagen im Hausarchiv der Familie Mayer urkundlich belegt.
frühes 19. Jahrhundert
Romantik und Nationalbewegung entdecken den Hohenstaufen als Kaiserberg und Geschichtssymbol.
1838
Auf dem Hohenstaufener Viehmarkt werden 558 Ochsen und Stiere, 126 Kühe und 52 Stück Jungvieh verkauft; er gehört zu den bedeutenderen Märkten des Oberamts.
1838/39
Bau der heutigen evangelischen Pfarrkirche.
1844
Die Oberamtsbeschreibung dokumentiert 15 Parzellen, 1.362 Einwohner in der Gesamtgemeinde, 190 Gebäude, zahlreiche Handwerke, Gaststätten, fünf Käsereien und bedeutenden Viehhandel.
zweite Hälfte 19. Jahrhundert
Wanderer, Reiseführer, Lithografien und Geschichtsvereine verstärken den Ausflugstourismus.
1891–1907
Oberamtsakten dokumentieren mehrere Hohenstaufener Schlächtereien in Verbindung mit Gasthäusern, darunter Waldhorn, Löwen, Ochsen und Lamm.
um 1900
Aufforstung verändert das Aussehen des zuvor weitgehend kahlen Berges.
1901
Gründung der Sektion Hohenstaufen-Göppingen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.
1911/12
Eröffnung der Hohenstaufenbahn zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen; Bahnhof Maitis-Hohenstaufen.
1914–1918
Erster Weltkrieg mit Verlusten, Einberufungen und Versorgungsproblemen.
1934
Erweiterung und Restaurierung der evangelischen Kirche.
1935–1938
Große Ausgrabungen und Freilegung der Burggrundmauern auf dem Gipfel.
1939–1945
Zweiter Weltkrieg; anschließend Aufnahme von Rückkehrern, Flüchtlingen und Vertriebenen.
1950er–1960er
Motorisierung, technische Modernisierung der Landwirtschaft und zunehmendes Pendeln verändern das Dorfleben.
1965
Aus dem traditionellen Namen „Ochsen“ wird „Goldener Ochsen“.
1. August 1971
Mehrere bisher zur Gemeinde Hohenstaufen gehörende Höfe und Wohnplätze werden Ottenbach zugeordnet.
1. September 1971
Hohenstaufen wird in die Stadt Göppingen eingegliedert.
1977
Einrichtung des Dokumentationsraums für staufische Geschichte.
1984
Einstellung des Personenverkehrs auf der Hohenstaufenbahn.
ab 1990
Große Teile der ehemaligen Bahntrasse werden als Rad- und Wanderweg genutzt.
2002
Aufstellung der Stauferstele auf dem Gipfel.
heute
Hohenstaufen ist Göppinger Stadtbezirk, Wohnort, Geschichtsort und Ausgangspunkt für Wanderungen im Stauferland.
Ein historischer Rundgang durch Hohenstaufen
Die Ortsgeschichte lässt sich am besten zu Fuß erleben. Für den Rundgang sollten je nach Aufenthaltsdauer, Ausstellung und Gipfelbesuch zwei bis vier Stunden eingeplant werden.
Start im historischen Ortskern: Auf Straßenverlauf, Hofstellen, ältere Gebäude und Blickachsen zum Berg achten.
Evangelische Pfarrkirche: Den Bau von 1838/39 als Zeichen des dörflichen Wandels im 19. Jahrhundert betrachten.
Barbarossakirche: Die frühere Pfarrkirche St. Jakob und ihren spätgotischen Chorturm kennenlernen.
Staufer-Ausstellung: Herkunft, Herrschaft und europäische Bedeutung der Dynastie einordnen.
Weg zum Berg: Den Übergang vom Dorf zur historischen Burglandschaft nachvollziehen.
Burgruine: Grundmauern, Ergänzungen des 20. Jahrhunderts und Aussicht unterscheiden.
Spielburg oder Rundweg: Natur-, Weide- und Kulturlandschaft als Teil der Ortsgeschichte erleben.
Rückkehr in den Ort: In Gasthäusern, Höfen und Wohnhäusern die Fortsetzung der Geschichte nach dem Ende der Burg erkennen.
Hinweis: Der Gipfelweg ist steil und nicht durchgehend barrierefrei. Festes Schuhwerk ist bei Nässe, Schnee und Laub besonders wichtig.
Übernachten mitten in der Ortsgeschichte
Das Hotel Goldener Ochsen liegt im Göppinger Stadtbezirk Hohenstaufen, wenige Gehminuten von Kirchen, Staufer-Ausstellung und den Wegen zum Berg entfernt. Der traditionsreiche Ochsen ist nach Unterlagen unseres Hausarchivs seit 1785 belegt und wird seit Generationen von unserer Familie geführt.
Unser Haus verbindet damit die große Geschichte des Ortes mit einer eigenen lokalen Familien- und Betriebsgeschichte. Heute vermieten wir acht Hotelzimmer mit Dusche und WC. Anreise, Zimmeranfragen und Reservierungen erfolgen nach Verfügbarkeit und vorheriger telefonischer Absprache.
Der Ort ist 1206 in der Namensform Stoffen erstmals schriftlich belegt. Die Siedlung dürfte jedoch schon im späten 11. Jahrhundert im Zusammenhang mit Burg, Markt, Handwerk und Verwaltung entstanden sein.
Ist Hohenstaufen älter als die erste Urkunde von 1206?
Wahrscheinlich ja. Die erste erhaltene schriftliche Nennung ist nicht mit der Gründung gleichzusetzen. Historische Forschung nimmt an, dass sich der Burgflecken bereits im späten 11. Jahrhundert entwickelte.
Warum entstand das Dorf direkt unterhalb des Berges?
Die Burg benötigte Versorgung, Handwerker, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Transporte und Verwaltungsdienste. Die Terrasse am Südhang bot zugleich günstigere Bedingungen für Siedlung und Wege als der steile Gipfel.
War Hohenstaufen im Mittelalter eine Stadt?
Hohenstaufen war keine Stadt im modernen Sinn. Der Ort wird als privilegierter Burgflecken, Markt- und Handwerkersiedlung beschrieben und war Mittelpunkt eines staufischen Verwaltungsbezirks.
Was geschah 1525 mit Hohenstaufen?
Am 29. April 1525 wurde die Burg im Bauernkrieg erobert, geplündert und in Brand gesetzt. Das Dorf bestand weiter; die Zerstörung der Burg beendete jedoch endgültig ihre Rolle als befestigter Herrschaftsmittelpunkt.
Welche Kirche ist die Barbarossakirche?
Die heutige Barbarossakirche ist die spätgotische ehemalige Pfarrkirche St. Jakob aus dem 15. Jahrhundert, vermutlich am Standort eines romanischen Vorgängerbaus. Der Name Barbarossakirche ist eine spätere Erinnerungsbezeichnung.
Wann wurde die evangelische Kirche erbaut?
Die heutige evangelische Pfarrkirche wurde 1838 und 1839 errichtet. Sie wurde 1934 erweitert und restauriert.
Warum wurde Hohenstaufen im 19. Jahrhundert zu einem Ausflugsziel?
Romantik, Nationalbewegung und das wachsende Interesse am Mittelalter machten den Berg zum Kaiserberg und beliebten Bildmotiv. Wanderbewegung, Aussichtstourismus und Geschichtsvereine verstärkten diesen Wandel.
Seit wann gehört Hohenstaufen zu Göppingen?
Die bis dahin selbstständige Gemeinde wurde am 1. September 1971 in die Stadt Göppingen eingegliedert und ist seither ein Göppinger Stadtbezirk.
Was hat die Hohenstaufenbahn mit dem Ort zu tun?
Die Nebenbahn zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd trug den Namen des Berges. Der Bahnhof Maitis-Hohenstaufen erschloss die Hochfläche nördlich des Berges und erleichterte im 20. Jahrhundert den Verkehr in der ländlichen Region.
Welche Rolle spielten Gasthäuser in Hohenstaufen?
Gasthäuser waren nicht nur Orte für Speisen und Übernachtung. In ländlichen Gemeinden dienten sie auch dem Informationsaustausch, Versammlungen, Geschäften, Vereinsleben und der Aufnahme von Wanderern und Ausflüglern.
Wo kann man die Geschichte Hohenstaufens heute erleben?
Wichtige Orte sind die Staufer-Ausstellung, die Barbarossakirche, die evangelische Kirche, der historische Ortskern, die Wege zur Spielburg und die Grundmauern der Burgruine auf dem Gipfel.
Forschungswerkstatt Hohenstaufen: Was sich noch genauer klären lässt
Eine gute Ortsgeschichte darf auch zeigen, was noch nicht abschließend geklärt ist. Gerade Hohenstaufen bietet dafür ungewöhnlich viele Ansatzpunkte,
weil Kreisarchiv, Stadtarchiv, Landesarchiv, historische Zeitungen, Flurkarten, Bauakten und private Sammlungen einander ergänzen können.
Straßennamen und Hausnummern
Wann wurde aus älteren Adressen wie Hauptstraße 37 das heutige System mit Ailstraße, Reichsdorfstraße, Kaiserbergsteige und weiteren Straßennamen? Die Akten C 6-855 und C 6-883 sind dafür besonders interessant.
Altes Rathaus und Dorfplatz
Nach örtlicher Überlieferung stand das frühere Rathaus gegenüber dem Ochsen im Bereich des heutigen Dorfplatzes. Für eine veröffentlichte Detailrekonstruktion wären Bauakten, Lagepläne oder historische Fotografien der nächste Schritt.
Vollständige Gaststättenliste
Die Archive belegen mehrere Häuser sicher. Postkarten, Adressbücher, Zeitungsanzeigen und Konzessionsakten könnten daraus eine chronologische Liste mit Eröffnungen, Besitzerwechseln und Schließungen machen.
Läden und Handwerk
Welche Bäcker, Metzger, Schmiede, Wagner, Schneider, Schreiner, Lebensmittel- und Kolonialwarenläden gab es in den einzelnen Jahrzehnten? Adressbücher und Gewerberegister könnten die Dorfökonomie viel genauer sichtbar machen.
Schule und Kinderalltag
Die Oberamtsbeschreibung nennt bereits mehrere Lehrkräfte sowie Industrie- und Kleinkinderschule. Schulakten, Klassenfotos und Erinnerungen könnten die Entwicklung bis zur heutigen Grundschule dokumentieren.
Ortsbild im Vergleich
Die Flurkarte von 1828, Luftbilder von 1937 und 1968 sowie heutige Aufnahmen erlauben einen direkten Vergleich von Siedlungswachstum, Obstwiesen, Straßen und Freiflächen.
Welche Archive besonders nützlich sind
Kreisarchiv Göppingen: Oberamtsakten, Gaststätten- und Gewerbeakten, Baukonzessionen, Straßen- und Verwaltungsakten sowie historische Zeitungen.
Stadtarchiv Göppingen: Gemeindegeschichte nach der Eingemeindung, Karten, Fotografien, Verwaltungsunterlagen und lokale Presse.
Landesarchiv Baden-Württemberg / LEO-BW: historische Flurkarten, Luftbilder, Ortslexikon und digital erschlossene Archivalien.
Kirchliche Archive: Kirchenbücher, Visitations- und Pfarrunterlagen für Bevölkerung, Schule und religiöses Leben.
Private Sammlungen: Familienfotos, Rechnungen, Briefköpfe, Speisekarten, Vereinsunterlagen, Postkarten und Erinnerungen.
Zeitungen als noch wenig ausgeschöpfter Schatz
Das Kreisarchiv verwahrt unter anderem das Göppinger Intelligenzblatt / Wochenblatt / Zeitung für 1827–1937,
Der Hohenstaufen für 1880–1946 mit Lücken, die Staufenpost 1933–1943 sowie die Neue Württembergische Zeitung ab 1946.
Für Märkte, Vereinsfeste, Gaststätten, Brände, Bauvorhaben, Unfälle, Wahlen und Personen lassen sich dort oft Details finden,
die in allgemeinen Ortschroniken fehlen.
Grundsatz dieser Seite: Offene Fragen bleiben offen, bis eine belastbare Quelle gefunden ist. Eine gute Ortsgeschichte wird durch Unsicherheit nicht schwächer – im Gegenteil: Sie wird nachvollziehbarer.
Quellen, Literatur und Hinweise zur weiteren Recherche
Diese Seite verbindet amtliche und landesgeschichtliche Quellen mit vorsichtig gekennzeichneter historischer Einordnung.
Wo Angaben aus lokaler oder familiärer Überlieferung stammen, werden sie nicht als amtlicher Archivbefund ausgegeben.
Historische Forschung bleibt fortschreibbar: Neue Aktenfunde, Fotos oder Karten können einzelne Details präzisieren.
Wolfgang Rapp (Hrsg.):Unser Dorf Hohenstaufen – eine lebendige Heimatgeschichte, Manuela Kinzel Verlag, 2009, 140 Seiten, ISBN 978-3-937367-28-6. Das Werk ist ausdrücklich als Natur- und Sozialgeschichte des Dorfes angelegt und gehört zu den wichtigsten neueren Ausgangspunkten für vertiefende Ortsforschung.
Haus- und Lokalquellen des Goldenen Ochsen
Historische Gaststättenerlaubnisse und Gewerbeunterlagen des „Ochsen“ beziehungsweise Goldenen Ochsen.
Familien- und Hausüberlieferung der Familie Mayer, unter anderem zur Nutzung und Modernisierung des Hauses.
Historische Fotos, Postkarten, Prospekte und Anzeigen, soweit zeitlich und inhaltlich einordenbar.
Adressbelege: ältere Unterlagen mit Hauptstraße 37, 1965 bereits Ailstraße 1; genaues Datum der Umstellung weiterhin offen.
Redaktioneller Stand: 26. September 2026. Historische Forschung kann durch neue Quellenfunde, Archivbesuche und private Bild- oder Dokumentfunde ergänzt oder präzisiert werden.