Die Spielburg am Hohenstaufen – Rutschscholle, Naturschutzgebiet und einzigartige Kulturlandschaft
Die Spielburg ist eine der ungewöhnlichsten Landschaften im Göppinger Albvorland. Ihre Felsen gehörten einst zum wesentlich höheren Hohenstaufen, glitten vor ungefähr zweieinhalb Millionen Jahren ab und bilden heute zusammen mit Kalk-Magerrasen, Blockhalden, Hecken und Streuobstwiesen einen außergewöhnlich artenreichen Lebensraum.
ca. 2,5 Mio. JahreUngefähres Alter des Abgleitens der Spielburgscholle.
600 × 130 mUngefähre Ausdehnung des geologischen Schollenkomplexes.
rund 31 haGröße des seit 1994 geschützten Naturschutzgebiets.
320+ PflanzenartenAußergewöhnliche Vielfalt auf kleinem Raum.
Eine Landschaft, die zugleich Erdgeschichte, Kulturgeschichte und Naturschutz erzählt
Wer vom Dorf Hohenstaufen nach Westen oder Südwesten blickt, erkennt unterhalb des Bergkegels eine zweite, niedrigere Felslandschaft. Ihre hellen Kalkwände, offenen Wiesen, Hecken und Obstbäume wirken aus der Ferne fast wie die Reste einer gewaltigen Ruine. Der Name „Spielburg“ verstärkt diesen Eindruck. Tatsächlich stand hier jedoch keine zweite staufische Burg. Die Felsen sind viel älter als jede mittelalterliche Befestigung.
Die Spielburg ist ein geologischer Körper, der ursprünglich zum Hohenstaufen gehörte. Als der Berg noch höher und seine Oberjurakappe größer war, löste sich an seiner Südwestseite eine mächtige Gesteinsscholle. Sie glitt über weichere Untergrundschichten talwärts und blieb unterhalb des Berges liegen. Dieser Vorgang schuf eine ungewöhnliche Insel aus hellen Oberjurakalken mitten in einer Umgebung, in der an der Oberfläche überwiegend ältere Mitteljuragesteine auftreten.
Aus der geologischen Besonderheit entwickelte sich im Laufe der Zeit ein kleinteiliges Mosaik aus Felsen, Schutthalden, trockenen Kalkrasen, mageren Wiesen, Hecken, Feldgehölzen und Streuobstwiesen. Teile der Kalkfelsen wurden seit dem 19. Jahrhundert in Steinbrüchen abgebaut. Die aufgelassenen Brüche sind heute keine bloßen Industriebrachen, sondern wertvolle, von Menschen mitgeschaffene Lebensräume.
Die heutige Spielburg ist deshalb weder reine Wildnis noch bloßes Ausflugsziel. Sie ist eine über Jahrhunderte genutzte Kulturlandschaft, deren Artenvielfalt nur durch sorgfältige Pflege erhalten bleibt. Schafe und Ziegen, Mahd, Gehölzrückschnitt, Obstbaumpflege und Schutzmaßnahmen verhindern, dass die offenen Flächen verbuschen oder empfindliche Lebensräume durch intensive Freizeitnutzung geschädigt werden.
Die wichtigste Unterscheidung: Der Hohenstaufen ist der 684 Meter hohe Zeugenberg. Die Burgruine liegt auf seinem Gipfel. Die Spielburg ist eine tiefer gelegene, natürliche Rutschscholle am Südwesthang und zugleich der Name des dortigen Naturschutzgebiets.
Was genau ist die Spielburg?
Der Begriff „Spielburg“ bezeichnet mehrere miteinander verbundene Dinge: die auffällige Felsformation, den geologischen Schollenkomplex, die umgebende historische Kulturlandschaft und das heutige Naturschutzgebiet. Im Alltag werden diese Bedeutungen meist zusammengefasst. Für ein genaues Verständnis lohnt es sich jedoch, sie auseinanderzuhalten.
Die Spielburgscholle
Geologisch ist die Spielburg eine große, gegenüber ihrer ursprünglichen Lage verschobene Gesteinsscholle. Sie besteht aus Oberjuragesteinen, die einst höher am Hohenstaufen lagen. Der ungefähr 600 Meter lange und 130 Meter breite Komplex ruht heute auf älteren Gesteinen des Mitteljuras. Diese ungewöhnliche Lagerung ist der deutlichste Hinweis darauf, dass die Scholle nicht an ihrem ursprünglichen Bildungsort liegt.
Die sichtbaren Felsen
Besucher nehmen vor allem die hellen Kalkfelsen wahr. Ein Teil dieser Wände wurde durch natürliche Abtragung freigelegt, ein weiterer Teil durch den früheren Steinbruchbetrieb angeschnitten. Die heutige Erscheinung ist deshalb ein Zusammenspiel aus Naturvorgängen und menschlicher Nutzung. Gerade diese Kombination macht die Spielburg landschaftlich so markant.
Das Naturschutzgebiet
Das Naturschutzgebiet umfasst nicht nur die eigentliche Felsenscholle. Geschützt ist ein größeres Gebiet aus Felsen, Steinbruchwänden, Blockhalden, Kalk-Magerrasen, mageren Wiesen, Hecken, Feldgehölzen, Streuobstwiesen und weiteren Kleinlebensräumen. Das Gebiet wurde 1994 ausgewiesen und besitzt wegen seines Biotopmosaiks eine weit über die Felsen hinausgehende Bedeutung.
Eine kleine Alb-Heidelandschaft im Albvorland
Die kalkreichen, trockenen Standorte erinnern an typische Landschaften auf der Schwäbischen Alb. Weil die Spielburgscholle Oberjurakalk weit vor dem heutigen Albtrauf bewahrt hat, konnte sich hier gewissermaßen ein kleiner Ausschnitt einer Alb-Heide im Vorland entwickeln. Diese geologische Insel wirkt sich unmittelbar auf Boden, Vegetation und Tierwelt aus.
Die Spielburg ist
eine abgeglittene Oberjurascholle
ein geologisch bedeutender Aufschluss
eine historische Steinbruchlandschaft
ein artenreiches Naturschutzgebiet
ein beliebter Aussichtspunkt und Naherholungsraum
Die Spielburg ist nicht
keine zweite Stauferburg
kein Vulkankegel
kein künstlich aufgeschütteter Hügel
kein frei nutzbarer Kletter- oder Mountainbikepark
keine Landschaft, die ohne Pflege unverändert bestehen bleibt
Lage am Südwesthang des Hohenstaufens
Die Spielburg liegt unmittelbar westlich bis südwestlich des Dorfes Hohenstaufen und unterhalb des Bergkegels. Vom Ort aus ist sie in kurzer Zeit zu Fuß erreichbar. Ihre Position ist landschaftlich besonders wirkungsvoll: Im Rücken erhebt sich der Hohenstaufen, nach Süden und Südwesten öffnet sich der Blick über das Filstal und das Albvorland.
Der Hohenstaufen selbst ist ein Zeugenberg der Schwäbischen Alb. Seine harte Oberjurakappe blieb erhalten, während die umgebenden weicheren Schichten stärker abgetragen wurden. Die Spielburgscholle ist ein abgelöster Teil dieses ehemals größeren Bergkörpers. Berg und Scholle gehören geologisch zusammen, besitzen heute aber unterschiedliche Höhen, Formen und Lebensräume.
Übergang zwischen Dorf, Feldflur und Felslandschaft
Die Spielburg beginnt nicht mit einer scharfen, für Besucher sofort sichtbaren Grenze. Vom Ortsrand führen Wege durch Wiesen, Obstbestände und Hecken in das Schutzgebiet. Erst allmählich treten die offenen Kalkrasen, Schuttbereiche und Felsen stärker hervor. Dieser Übergang ist Teil des besonderen Landschaftserlebnisses.
Die Umgebung zeigt zugleich, wie eng Natur- und Nutzungsgeschichte miteinander verbunden sind. Streuobstwiesen, Feldhecken und Magerwiesen sind keine rein natürlichen Urlandschaften. Sie entstanden durch Mähen, Beweiden, Schneiden, Holznutzung und Obstbau. Ohne diese Nutzung würden sich viele Flächen in Richtung Gebüsch und Wald entwickeln.
Ein Aussichtsbalkon über dem Filstal
Die erhöhte Lage und die offenen Flächen ermöglichen weite Blicke. Nach amtlichen Angaben reicht die Aussicht über das Filstal zur Schwäbischen Alb, entlang des Albtraufs von der Geislinger Gegend bis in Richtung Rossberg, außerdem über Rehgebirge und Schurwald. Bei sehr klarer Sicht kann auch der Stuttgarter Fernsehturm erkennbar sein. Dunst, Bewölkung und Vegetation verändern die Fernsicht erheblich.
Orientierung vor Ort: Informationstafeln an den Zugängen erläutern Karte, Lebensräume und Schutzregeln. Die ausgeschilderten Wege sind zugleich die naturverträgliche und sicherste Möglichkeit, die Spielburg kennenzulernen.
Die geologische Entstehung – als ein Teil des Hohenstaufens talwärts glitt
Die Entstehung der Spielburg lässt sich nur verstehen, wenn man den früheren Hohenstaufen größer denkt als den heutigen Berg. Vor Millionen Jahren reichten die widerstandsfähigen Oberjuragesteine weiter nach Norden und lagen auch am Hohenstaufen höher und flächenmäßig ausgedehnter. Die Schwäbische Alb hatte ihren Nordrand damals noch nicht am heutigen Albtrauf.
Flüsse und Bäche trugen die Landschaft allmählich ab. Fils, Rems und ihre Zuflüsse schnitten sich tiefer ein. Der Schwäbische Albtrauf verlagerte sich schrittweise nach Südosten. Der Hohenstaufen wurde als isolierter Zeugenberg herauspräpariert. Seine Hänge bestanden aus unterschiedlich widerstandsfähigen Schichten: oben harte Kalke und Mergel, darunter weichere Ton- und Mergelgesteine.
Eine instabile Kombination
Harte, schwere Gesteinspakete können auf weicherem, bei Feuchtigkeit gleitfähigem Untergrund instabil werden. Klüfte zerlegen den Kalkkörper, Wasser dringt ein, der Untergrund wird aufgeweicht und der Hang verliert Halt. Wahrscheinlich wirkten über längere Zeit mehrere Faktoren zusammen, bis sich ein großer Schollenkomplex vom Südwestbereich des damaligen Hohenstaufens löste.
Der Vorgang war kein gewöhnlicher Steinschlag, bei dem einzelne Blöcke herabfallen. Eine große Gesteinsmasse bewegte sich als zusammenhängende oder teilweise zerbrochene Scholle talwärts. Teile blieben im Gesteinsverband, andere wurden gekippt, zerlegt oder als Blockschutt vor der Scholle abgelagert.
Zeitliche Einordnung
Amtliche Darstellungen datieren das Abgleiten auf ungefähr zweieinhalb Millionen Jahre vor heute. Solche Altersangaben sind geologische Näherungen und keine auf ein bestimmtes Jahr festlegbaren Ereignisdaten. Sie ordnen den Vorgang in die jüngere Erdgeschichte ein, lange vor der Entstehung des Menschen, des Dorfes Hohenstaufen oder der mittelalterlichen Burg.
Warum die Scholle nicht einfach verschwand
Die harte Kalkmasse war widerstandsfähiger als viele umgebende Gesteine. Obwohl sie zerbrach und später teilweise abgebaut wurde, blieb ein großer Rest erhalten. Die fortgesetzte Erosion legte Felsen frei und formte die heutige Silhouette. Die Spielburg ist somit zugleich Ergebnis eines alten Massenbewegungsereignisses und der danach über Millionen Jahre fortwirkenden Verwitterung.
Kein Bergsturz vom heutigen Gipfelrand
Man sollte sich nicht vorstellen, dass die heutige Gipfelkante exakt die Abbruchstelle war und die Scholle von dort in ihrer heutigen Form herunterfiel. Der Berg war damals höher und anders geformt. Seitdem wurden sowohl am Hohenstaufen als auch an der Spielburg große Gesteinsmengen abgetragen. Rekonstruktionen zeigen deshalb einen früheren Hang, der deutlich über dem heutigen Gelände lag.
Geologischer Kern: Oberjuragesteine der Spielburg liegen heute auf älteren Mitteljuragesteinen. Diese ungewöhnliche Lagerung erklärt sich durch das Abgleiten der Scholle und macht die Spielburg zu einem besonders anschaulichen Zeugnis der Landschaftsentwicklung.
Gesteine, Dolomit und die Formen der Felsen
Die Spielburgscholle besteht vor allem aus Gesteinen des Oberjuras. Amtlich genannt werden Lacunosamergel sowie Untere Felsenkalke beziehungsweise Unterer Massenkalk. Diese Gesteine entstanden im Jurameer aus Kalkschlamm, Schalenresten und anderen karbonatischen Ablagerungen. Über sehr lange Zeiträume verfestigten sie sich zu Mergel- und Kalkgestein.
Bankkalke und Massenkalke
Geschichtete Kalke zeigen deutliche Bänke und Zwischenlagen. Massenkalke wirken dagegen kompakter und weniger regelmäßig geschichtet. Sie entstanden häufig in Bereichen mit besonders starker Kalkproduktion, etwa durch Schwammriffe und andere Organismengemeinschaften des Jurameeres. An der Spielburg treten verschiedene Strukturen nebeneinander auf.
Dolomitisierung und gelber Sand
Ein Teil des Massenkalks wurde durch Aufnahme von Magnesium in Dolomit umgewandelt. Dolomitisches Gestein kann anders verwittern als reiner Kalk. An der Spielburg zerfällt es stellenweise zu auffällig gelblichem Sand. Dieser Sand ist kein Hinweis auf Sandstein und auch kein vulkanisches Material, sondern ein Verwitterungsprodukt des dolomitisierten Kalkgesteins.
Klüfte, Kanten und kleine Hohlräume
Kalkgestein ist häufig von Klüften durchzogen. Wasser dringt ein, löst kleinste Mengen Kalk und erweitert über lange Zeit Spalten. Frost kann Wasser in den Klüften gefrieren lassen und Gesteinsstücke absprengen. So entstehen Kanten, Blöcke, Nischen und raue Oberflächen. Die Formen sind ständigem Wandel unterworfen, auch wenn dieser im menschlichen Alltag meist kaum wahrnehmbar ist.
Felswände als Natur- und Kulturprodukt
Einige der heute besonders eindrucksvollen Wände wurden durch Steinbrüche freigelegt. Der Abbau schnitt in die Scholle ein und schuf steile, teilweise bis zu etwa 20 Meter hohe Aufschlüsse. Nach dem Ende des Abbaus besiedelten spezialisierte Pflanzen, Flechten, Insekten und andere Tiere die offenen Flächen. Aus einer wirtschaftlichen Eingriffsfläche entwickelte sich ein wertvoller Sekundärlebensraum.
Beobachtung
Geologische Bedeutung
Hinweis
Helle Kalkfelsen
Oberjuragesteine der abgeglittenen Scholle
Nicht mit Mauerwerk verwechseln
Gelblicher, sandiger Zerfall
Verwitterung dolomitisierten Kalks
Kein Vulkansand
Große lose Blöcke
Schollenzerfall, Frostverwitterung und Blockschutt
Nicht betreten oder bewegen
Steile, geradlinige Wände
Teilweise ehemalige Steinbruchflächen
Abstand halten und Wege beachten
Karge Vegetation auf Fels
Flachgründige, trockene und nährstoffarme Standorte
Empfindliche Spezialflora
Blockschutt, Frostverwitterung und die Spuren der Eiszeiten
Vor den Felsen liegen große Mengen von Weißjura-Blockschutt. Ein Teil entstand bereits beim Abgleiten und Zerbrechen der Scholle. Weitere Blöcke lösten sich später aus den Felswänden. Besonders während der Eiszeiten waren Frostwechsel sehr wirksam.
In den Kaltzeiten war das Klima im Albvorland deutlich rauer. Der Untergrund war zeitweise tief gefroren, während die oberste Bodenschicht im Sommer auftaute. Wasser drang in Klüfte ein, gefror und dehnte sich aus. Wiederholtes Gefrieren und Auftauen sprengte Gestein aus den Wänden. An Hängen bewegte sich wassergesättigtes Material langsam talwärts.
Blockhalden als eigener Lebensraum
Eine Blockhalde wirkt auf den ersten Blick lebensfeindlich. Zwischen den Steinen entstehen jedoch Hohlräume mit besonderen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. Moose, Flechten, spezialisierte Pflanzen, Spinnen, Insekten und kleine Wirbeltiere können solche Bereiche nutzen. Sonnige Oberflächen erwärmen sich stark, während tiefere Spalten kühl bleiben.
Warum Blockschutt nicht „aufgeräumt“ wird
Lose Steine sind kein Abfall. Sie gehören zur geologischen und ökologischen Struktur des Gebiets. Ein Entfernen würde Kleinlebensräume zerstören, die natürliche Entwicklung verfälschen und möglicherweise Hänge destabilisieren. Auch das private Sammeln von Steinen ist in einem Naturschutzgebiet nicht angebracht.
Sicherheitsaspekt
Blockschutt kann kippen, rollen oder zwischen den Steinen tiefe Spalten aufweisen. Bewuchs verdeckt Unebenheiten. Das Wegegebot schützt deshalb nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch Besucher. Besonders Kinder sollten an Felsen und Halden eng begleitet werden.
Der Name „Spielburg“, sein Bild und alte Erzählungen
Die Bezeichnung „Spielburg“ klingt nach einer Befestigung, einem Adelssitz oder einer romantischen Ruine. Die Felsformation unterstützt diese Vorstellung, weil sie aus der Entfernung wie zerfallenes Mauerwerk wirken kann. Eine tatsächlich dort errichtete mittelalterliche Burg ist jedoch nicht belegt.
Die sichere sprachgeschichtliche Herleitung des Namens ist in den heute leicht zugänglichen amtlichen Quellen nicht eindeutig erklärt. Deshalb sollten scheinbar präzise Deutungen vorsichtig behandelt werden. Flurnamen können sehr alt sein, ihre Bedeutung verändern und später durch Sagen neu erklärt werden.
Die Wirkung einer „natürlichen Ruine“
Schon ältere Beschreibungen betonten, dass die zerklüfteten Dolomit- und Kalkfelsen aus der Ferne einer großen Burgruine ähneln. In einer Landschaft, die ohnehin stark mit der Geschichte der Staufer verbunden ist, lag es nahe, die Felsen in Erzählungen einzubeziehen. Solche Geschichten sind kulturhistorisch interessant, dürfen aber nicht mit geologischen oder archäologischen Nachweisen verwechselt werden.
Sagen als Teil der Wahrnehmungsgeschichte
Über Generationen entstanden Vorstellungen von Übungsplätzen, Aufenthaltsorten junger Burgherren oder anderen Verbindungen zur Gipfelburg. Derartige Erzählungen zeigen, wie Menschen auffällige Naturformen mit bekannten historischen Figuren und Orten verknüpfen. Sie sagen viel über Erinnerungskultur aus, aber nicht zwingend über die tatsächliche Nutzung der Spielburg.
Saubere Trennung: Die geologische Entstehung der Spielburg ist fachlich gut erklärt. Die genaue Herkunft ihres Namens und einzelne Sagen sind dagegen nicht in gleicher Weise gesichert. Auf dieser Seite werden sie deshalb nicht als historische Tatsachen dargestellt.
Steinbruchgeschichte – vom Straßenschotter zum Lebensraum
Die Kalkgesteine der Spielburg wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in mehreren Steinbrüchen abgebaut. Der Stein eignete sich nach amtlicher Darstellung vor allem als Material für Straßen und Schotter, weniger als hochwertiger Bau- oder Werkstein. Der Abbau veränderte die natürliche Form der Scholle erheblich.
Arbeit in den Brüchen
Der Stein musste gelöst, zerkleinert, sortiert und abtransportiert werden. Je nach Zeit kamen Handwerkzeuge, Bohrungen, Sprengungen und mechanische Brecher zum Einsatz. Staub, Lärm, schwere körperliche Arbeit und Unfallgefahren gehörten zum Steinbruchalltag. Die Wege und Anlagen wurden an die Bedürfnisse des Abbaus angepasst.
Konkrete tägliche Arbeitsabläufe und Beschäftigtenzahlen wechselten im Laufe der Jahrzehnte. Ohne örtliche Betriebsakten sollte man sie nicht zu genau rekonstruieren. Sicher ist jedoch, dass der Steinbruch Teil der regionalen Rohstoffversorgung und zugleich ein weithin sichtbarer Eingriff in die Landschaft war.
Frühe Kritik am Landschaftsverlust
Bereits 1906 machte der Schwäbische Albverein auf die starken Eingriffe aufmerksam. Das ist bemerkenswert, weil Landschaftsschutz damals noch nicht in der heutigen Form gesetzlich verankert war. Die Kritik zeigt, dass die Spielburg schon früh als besonders prägendes und schützenswertes Landschaftselement wahrgenommen wurde.
Stilllegung und erneuter Betrieb
1923 wurde der Abbau zunächst eingestellt. Während des Zweiten Weltkriegs nahm man den westlichen Steinbruch nochmals in Betrieb, um den örtlichen Bedarf an Kalkschotter zu decken. 1965 endete der Steinbruchbetrieb endgültig; das Schotterwerk wurde abgerissen.
Vom Eingriff zum Sekundärbiotop
Nach der Stilllegung blieben offene Felswände, Sohlen, Schutthalden und Rohbodenflächen zurück. Solche Standorte sind nährstoffarm, sonnig und trocken. Konkurrenzstarke Pflanzen wachsen dort zunächst schlecht, während spezialisierte Fels- und Magerrasenarten Chancen erhalten. Die Steinbrüche wurden dadurch zu wertvollen Lebensräumen aus Menschenhand.
Das bedeutet nicht, dass der historische Abbau aus Naturschutzsicht unproblematisch gewesen wäre. Er zerstörte Teile der ursprünglichen Formation. Gleichzeitig besitzen die zurückgelassenen Strukturen heute einen hohen ökologischen Wert. Die Spielburg zeigt damit anschaulich, wie sich die Bewertung einer Landschaft im Laufe der Zeit verändern kann.
Folgen des Abbaus
Verlust ursprünglicher Gesteinsmassen
Veränderung der Silhouette
Entstehung steiler Felswände
Blockschutt und Rohbodenflächen
Wege und technische Eingriffe
Heutige Bedeutung
gut sichtbare geologische Aufschlüsse
warme Fels- und Schuttbiotope
Lebensraum für Spezialisten
Zeugnis regionaler Rohstoffgeschichte
Teil des geschützten Landschaftsbildes
Vom bedrohten Landschaftsbild zum Naturschutzgebiet
Am 23. September 1994 erließ das Regierungspräsidium Stuttgart die Verordnung über das Naturschutzgebiet Spielburg. Geschützt wurde nicht nur eine einzelne Felswand, sondern das gesamte geologisch, biologisch und landschaftlich bedeutende Umfeld. Das Gebiet umfasst rund 31 Hektar.
Warum die Spielburg geschützt wurde
Die amtlichen Schutzgründe verbinden mehrere Ebenen: Die Spielburg ist geologisch und landschaftsgeschichtlich bedeutend. Sie besitzt ein seltenes Biotopmosaik. Sie beherbergt eine außergewöhnlich reiche Tier- und Pflanzenwelt mit gefährdeten Arten. Zudem prägt sie ein einmaliges Landschaftsbild.
Besonders hervorgehoben wird der größere zusammenhängende Kalk-Magerrasen, der im Bereich der Stadt Göppingen eine Besonderheit darstellt. Solche Flächen sind in vielen Regionen durch Düngung, Nutzungsaufgabe, Aufforstung, Bebauung oder Verbuschung stark zurückgegangen.
Natura 2000
Seit 2005 gehört das Gebiet wegen seiner seltenen Lebensräume zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Dieses Netz soll bedeutende Lebensraumtypen und Arten über Ländergrenzen hinweg erhalten. Der europäische Schutz ergänzt die nationale beziehungsweise landesrechtliche Ausweisung als Naturschutzgebiet.
Schutz bedeutet nicht Stillstand
Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Naturschutz bedeute, ein Gebiet vollständig sich selbst zu überlassen. An der Spielburg würde dies viele offene Lebensräume gefährden. Kalk-Magerrasen, Heiden, magere Wiesen und Streuobstbestände sind auf Nutzung oder Pflege angewiesen. Ohne Beweidung, Mahd und Gehölzmanagement würden Gebüsche und Wald die offenen Flächen zunehmend verdrängen.
Zusammenarbeit vieler Beteiligter
Nach Angaben des Regierungspräsidiums arbeiten Land, Stadt Göppingen, örtliche Bewirtschafter, Schäferei, Landschaftspflegebetriebe und NABU zusammen. Diese Arbeit umfasst Beweidung, Nachpflege, Gehölzrückschnitt, Obstbaumpflege, die Anlage und Betreuung von Eidechsen- und Wildbienenbiotopen sowie die Besucherlenkung.
Hoher Besucherdruck: Die Beliebtheit der Spielburg ist zugleich eine Belastung. Querfeldeinlaufen, freilaufende Hunde, Drohnen, Mountainbikes außerhalb geeigneter Wege und das Betreten empfindlicher Fels- und Magerrasenflächen können jahrzehntelange Pflegeerfolge in kurzer Zeit beeinträchtigen.
Das Lebensraummosaik – Vielfalt durch kleinräumige Unterschiede
Der außergewöhnliche Artenreichtum der Spielburg beruht nicht auf einem einzigen Lebensraum. Entscheidend ist das enge Nebeneinander sehr verschiedener Standorte. Sonnenexponierte Felsen liegen neben schattigen Gehölzen, trockene Magerrasen neben Obstwiesen, offene Steinbruchflächen neben Hecken und kleinen feuchteren Bereichen.
Kalkfelsen
Felsen bieten wenig Boden, starke Temperaturschwankungen und begrenzte Wasserversorgung. Pflanzen müssen in Ritzen wurzeln, Trockenheit ertragen und mit sehr wenigen Nährstoffen auskommen. Gerade diese Härte verhindert, dass gewöhnliche, schnell wachsende Arten alles überwuchern.
Schutthalden und Rohboden
Lockere Steine und offene Böden verändern sich ständig. Pflanzen können verschüttet oder entwurzelt werden. Gleichzeitig entstehen warme, unbewachsene Stellen für Insekten, Reptilien und Pionierpflanzen. Kleine Störungen gehören hier zur natürlichen Dynamik; großflächiges Betreten wäre jedoch schädlich.
Kalk-Magerrasen und Heideflächen
Magerrasen sind nährstoffarme, meist trockene Grasflächen. Ihre Artenvielfalt ist gerade deshalb hoch, weil keine wenigen, starkwüchsigen Arten durch Düngung alles dominieren. Zahlreiche Kräuter, Gräser und Orchideen können nebeneinander wachsen. Diese Flächen benötigen Licht und regelmäßige Pflege.
Magere Mähwiesen
Wiesen, die nur begrenzt gedüngt und nicht zu häufig gemäht werden, können sehr blütenreich sein. Der Zeitpunkt der Mahd beeinflusst, ob Pflanzen Samen bilden und Insekten Nahrung finden. Das Schnittgut muss abgeräumt werden, damit die Fläche nicht schleichend mit Nährstoffen angereichert wird.
Hecken und Feldgehölze
Dornige Sträucher, Feld-Ahorne und andere Gehölze schaffen Nistplätze, Deckung, Früchte und Jagdwarten. Hecken verbinden verschiedene Teilflächen und dienen Tieren als Wanderkorridore. Überaltern sie vollständig, verlieren sie jedoch einen Teil ihrer Strukturvielfalt.
Streuobstwiesen
Hochstämmige Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenbäume stehen über Wiesen. Alte Bäume besitzen Höhlen, Rindenspalten und Totholz, junge Nachpflanzungen sichern die Zukunft des Bestands. Blüten, Früchte und Wiesenpflanzen bieten über viele Monate Nahrung.
Kleine Feuchtbereiche
Obwohl die Spielburg vor allem als trockene Kalklandschaft bekannt ist, können an Schichtgrenzen, in Senken und an verdichteten Stellen zeitweise feuchtere Bereiche entstehen. Sie erhöhen die Standortvielfalt, dürfen aber nicht mit großen Gewässerlebensräumen verwechselt werden.
Heiß und trocken
Felsköpfe, südexponierte Wände, Kalkrasen und Rohboden.
Strukturreich
Hecken, Feldgehölze, Obstbäume, Säume und Gebüschränder.
Wechselhaft
Steinbruchsohlen, Schutthalden, Senken und Übergangsbereiche.
Die Pflanzenwelt – mehr als 320 Arten auf engem Raum
Nach Angaben des Regierungspräsidiums wurden im Naturschutzgebiet mehr als 320 Pflanzenarten festgestellt. Diese Zahl verdeutlicht die biologische Vielfalt, bedeutet aber nicht, dass alle Arten gleichzeitig, überall oder jedes Jahr gleich gut sichtbar sind. Blütezeit, Witterung, Pflege und natürliche Bestandsentwicklung beeinflussen das Erscheinungsbild.
Pflanzen der Felsen
Weißer Mauerpfeffer beziehungsweise Weiße Fetthenne kann Wasser in fleischigen Blättern speichern. Kalk-Blaugras ist an kalkreiche, trockene Standorte angepasst. Solche Arten kommen mit wenig Boden aus und ertragen intensive Sonneneinstrahlung.
Pflanzen der Magerrasen
Frühlings-Fingerkraut, Weiße Brunelle und Deutscher Ziest gehören zu den amtlich genannten Arten. Dazu kommen mehrere Enzianarten, Flockenblumen, Dost sowie Gold- und Silberdistel. Viele dieser Pflanzen bleiben niedrig, besitzen tiefe Wurzeln oder sind an eine begrenzte Nährstoffversorgung angepasst.
Orchideen
Besonders bekannt ist die Bienen-Ragwurz. Ihre Blüten ahmen in Form, Farbe und Duft bestimmte Insektenweibchen nach und locken dadurch Bestäuber an. Orchideen reagieren empfindlich auf Veränderungen des Standorts. Sie dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Auch das Verlassen der Wege für ein Foto kann Pflanzen und Boden schädigen.
Disteln und spät blühende Pflanzen
Silberdistel, Golddistel, Flockenblumen und Dost sind im Spätsommer wichtige Nahrungsquellen. Wenn andere Flächen bereits gemäht oder verblüht sind, finden Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten hier noch Nektar und Pollen.
Warum Nährstoffarmut wertvoll ist
In der Landwirtschaft gilt ein nährstoffreicher Boden häufig als Vorteil. Für Magerrasen wäre zusätzliche Düngung jedoch schädlich. Schnellwüchsige Gräser und Kräuter würden zunehmen und kleinere Spezialisten verdrängen. Deshalb wird Mähgut abtransportiert, statt es auf der Fläche verrotten zu lassen.
Beobachten ohne Beeinträchtigen
Viele Pflanzen sind klein und wachsen direkt am Wegrand. Ein Fernglas oder eine Kamera mit Zoom ermöglicht genaue Beobachtungen, ohne die Fläche zu betreten. Pflanzenbestimmungs-Apps können helfen, ersetzen aber keine fachliche Bestimmung und sollten nicht dazu verleiten, geschützte Bereiche zu verlassen.
Bitte stehen lassen: Auch scheinbar häufige Blumen gehören zum Lebensraum. Pflücken entzieht Insekten Nahrung und verhindert Samenbildung. Ausgraben schädigt zusätzlich Boden und Wurzelsysteme.
Vögel, Schmetterlinge, Wildbienen und weitere Tiere
Die Tierwelt profitiert von der Vielfalt der Strukturen. Offene Flächen dienen als Jagd- und Nahrungsraum, Hecken als Brutplatz und Deckung, Obstbäume als Höhlenstandort, Blüten als Insektennahrung und Steinbereiche als warme Rückzugsorte.
Mehr als 50 Vogelarten
Amtlich genannt werden Neuntöter und Dorngrasmücke in dornigen Hecken sowie Grün- und Kleinspecht in den Obstwiesen. Der Rotmilan kreist häufig über der Landschaft und sucht nach kleinen Säugetieren und anderer Beute. Das Regierungspräsidium hebt außerdem das in Baden-Württemberg stark bedrohte Rebhuhn hervor.
Goldammer und Feldlerche gehören zu den Arten, die durch Störungen auf oder nahe am Boden gefährdet werden können. Nester sind oft unscheinbar und für Besucher kaum zu erkennen. Gerade deshalb ist das Wegegebot wichtig.
Schmetterlinge
Schachbrettfalter, Schwalbenschwanz, Großes Ochsenauge, Hauhechel-Bläuling und Tagpfauenauge gehören zu den genannten Arten. Ihre Anwesenheit hängt eng mit den Pflanzen zusammen. Erwachsene Falter benötigen Nektar, Raupen oft ganz bestimmte Futterpflanzen.
Der Schwalbenschwanz legt seine Eier unter anderem an Doldengewächsen ab. Seine Raupen nutzen Pflanzen wie Wilde Möhre oder Wiesen-Kümmel. Verschwinden diese durch zu häufige Mahd oder intensive Nutzung, kann der Falter seinen Lebenszyklus nicht vollenden.
Wildbienen und Heuschrecken
Offene Bodenstellen, trockene Hänge und Blütenreichtum bieten Wildbienen Nist- und Nahrungsmöglichkeiten. Viele Arten leben einzeln und benötigen kleine, sonnige Bodenflächen oder vorhandene Hohlräume. Heuschrecken profitieren von warmen, strukturreichen Grasflächen. Ihr Zirpen gehört besonders im Sommer zur typischen Geräuschkulisse.
Reptilien und Kleinsäuger
Wärmebegünstigte Stein- und Saumbereiche können Reptilien Lebensraum bieten. Das Regierungspräsidium berichtet zudem von betreuten Eidechsenbiotopen. Feldmäuse und Maulwürfe sind Teil der Nahrungskette und werden beispielsweise vom Rotmilan erbeutet.
Warum Hunde und Drohnen problematisch sind
Ein freilaufender Hund muss ein Tier nicht fangen, um Schaden anzurichten. Schon die Verfolgung zwingt Wildtiere zur Flucht, trennt Jungtiere von ihren Verstecken oder vertreibt brütende Vögel. Drohnen lösen aus der Luft Fluchtreaktionen aus. Verlassen Altvögel ihre Nester zu lange, können Eier auskühlen oder Jungvögel gefährdet werden.
Typische Vogelstrukturen
Dornhecken für Neuntöter und Dorngrasmücke
alte Obstbäume für Spechte und Höhlenbrüter
offene Jagdflächen für Rotmilan
bodennahe Vegetation für Feldvögel
Typische Insektenstrukturen
Blütenwiesen für Nektar und Pollen
Rohboden für bodennistende Wildbienen
warme Steine und Säume
ungemähte Teilflächen für Raupen und Puppen
Streuobstwiesen und Hecken – von Menschen geschaffen, für die Natur unverzichtbar
Streuobst als mehrschichtiger Lebensraum
Streuobstwiesen verbinden Obstbäume und Grünland. In der oberen Schicht blühen und fruchten Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenbäume. Darunter wächst eine Wiese aus Gräsern und Kräutern. Baumhöhlen, Rindenspalten, Totholz, Blüten, Früchte und die Wiesenvegetation bieten sehr unterschiedliche Nischen.
Alte Bäume sind ökologisch besonders wertvoll, können aber nicht unbegrenzt erhalten bleiben. Nachpflanzungen sind notwendig, damit auch künftige Generationen höhlenreiche Altbäume besitzen. Junge Bäume benötigen Schutz, Schnitt und Pflege; alte Bäume müssen auf Verkehrssicherheit und Erhaltungsfähigkeit beurteilt werden.
Hecken als grüne Netzwerke
Die langgezogenen Feldhecken gliedern die Landschaft in kammerartige Räume. Sie bieten Schutz vor Wind, Nistplätze, Früchte und Wanderwege. Feld-Ahorne können zu mächtigen Einzelbäumen heranwachsen. Dornsträucher sind besonders für bestimmte Vogelarten wichtig.
Warum Hecken zurückgeschnitten werden
Eine Hecke ist nicht automatisch umso wertvoller, je älter und dichter sie wird. Ohne frühere Brennholznutzung überaltern viele Bestände. Im Inneren verkahlen sie, die Struktur wird eintöniger und offene Säume verschwinden. Deshalb werden Abschnitte „auf den Stock gesetzt“: Gehölze werden niedrig abgesägt und treiben neu aus.
Die Pflege erfolgt abschnittsweise, damit nicht gleichzeitig alle Deckungs- und Nahrungsräume verloren gehen. Bäume und Sträucher werden bevorzugt im Herbst oder Winter bei geeigneten Bodenbedingungen bearbeitet. Das Holz kann als Brennholz oder Hackschnitzel genutzt werden.
Ein historisches Nutzungssystem
Streuobst, Hecken, Wiesen und Weiden entstanden nicht nach einem modernen Naturschutzplan. Sie waren Bestandteile der bäuerlichen Wirtschaft: Obst lieferte Nahrung und Getränke, Wiesen Heu, Weiden Futter, Hecken Brennholz, Werkmaterial und Abgrenzung. Der heutige Naturschutz ahmt Teile dieser Nutzung nach, weil viele Arten genau an solche Strukturen angepasst sind.
Beweidung und Landschaftspflege – warum die Spielburg Arbeit braucht
Die offene Heidelandschaft wirkt natürlich, ist aber ohne regelmäßige Pflege nicht dauerhaft stabil. Schlehen, Brombeeren, junge Bäume und andere Gehölze würden sich ausbreiten. Schatten und Laub würden die Bedingungen verändern; licht- und wärmeliebende Pflanzen gingen zurück.
Schafe und Ziegen
Eine örtliche Schäferei beweidet die Magerrasen mit Schafen und Ziegen. Schafe fressen vor allem Gras und viele Kräuter. Ziegen nehmen stärker Gehölze, Blätter und Triebe an. Gemeinsam können sie die Verbuschung bremsen. Ein Schafstall unterstützt die Beweidung; er besteht nach amtlichen Angaben seit 1989.
Warum Tiere allein nicht genügen
Weidetiere fressen selektiv. Stachelige, dornige oder wenig schmackhafte Pflanzen bleiben stehen. Schwer zugängliche Bereiche werden nicht gleichmäßig genutzt. Deshalb folgt häufig eine Nachpflege von Hand oder mit Maschinen. Schlehen, Brombeeren und Gehölzsäume werden zurückgenommen, damit offene Flächen nicht schleichend kleiner werden.
Mahd und Abtransport
Ein Teil der Wiesen wird gemäht. Entscheidend ist, das Schnittgut abzuräumen. Bliebe es liegen, würden beim Verrotten Nährstoffe in den Boden zurückkehren. Für einen Magerrasen käme das einer langsamen Düngung gleich.
Pflege als Abwägung
Nicht jede Fläche soll vollkommen offen sein. Hecken, Gebüsche und Gehölze sind ebenfalls wertvoll. Ziel ist ein ausgewogenes Mosaik. Pflegeplanung muss entscheiden, wo Offenland erhalten, wo eine Hecke verjüngt und wo ein alter Baum geschützt werden soll.
Finanzierung und Verantwortung
Die Pflege wird durch öffentliche Mittel unterstützt. Stadt, Land, Bewirtschafter und Naturschutzverbände übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Besucher sehen meist nur das Ergebnis, nicht die regelmäßige Arbeit, die hinter blütenreichen Wiesen und freien Felsen steht.
Naturschutz ist hier Nutzung mit Ziel: Die Spielburg bleibt artenreich, weil traditionelle Nutzungsformen fachlich angepasst fortgeführt und durch moderne Landschaftspflege ergänzt werden.
Die Spielburg im Jahreslauf
Frühling
Im Frühling erwärmen sich südexponierte Felsen schnell. Erste Blüten erscheinen auf Magerrasen und Säumen. Frühlings-Fingerkraut und frühe Enziane können sichtbar werden. Gleichzeitig beginnt die Obstbaumblüte. Die Landschaft wirkt hell und offen, doch Boden und Wege können nach Regen weich oder rutschig sein.
Für Vögel beginnt die Brutzeit. Hecken und bodennahe Vegetation sind dann besonders störungsempfindlich. Hunde müssen konsequent an der Leine bleiben. Fotografen sollten keine Abkürzungen zu Blüten oder Nestbereichen nehmen.
Frühsommer
Der Blütenreichtum erreicht häufig einen Höhepunkt. Orchideen, Kräuter und Gräser prägen die Magerrasen. Schmetterlinge und Wildbienen werden auffälliger. Bei sonnigem Wetter können Fels- und Rohbodenflächen sehr warm werden.
Hoch- und Spätsommer
Trockenheit lässt manche Gräser gelb werden, während Flockenblumen, Dost und Disteln weiterhin Nahrung bieten. Heuschrecken sind deutlich zu hören. Silberdisteln öffnen ihre Hüllblätter bei trockener Witterung und schließen sie bei Feuchtigkeit teilweise.
Hitze und starke Sonneneinstrahlung sollten nicht unterschätzt werden. Auf offenen Flächen gibt es wenig Schatten. Getränke, Kopfbedeckung und Sonnenschutz sind sinnvoll.
Herbst
Obstbäume tragen Früchte, Hecken bieten Hagebutten, Schlehen und Weißdornbeeren. Zugvögel und überwinternde Arten nutzen das Nahrungsangebot. Nebel kann das Filstal füllen, während höhere Bereiche zeitweise frei bleiben. Nasse Blätter machen Wege rutschig.
Winter
Ohne Laub werden Felsformen, Heckenstrukturen und der Aufbau der Landschaft besonders deutlich. Schnee betont die Kanten, kann aber Spalten und unebenen Boden verdecken. Eis und gefrorener Boden erhöhen die Unfallgefahr. Wildtiere benötigen im Winter Ruhe und sollten nicht zu unnötiger Flucht gezwungen werden.
Jahreszeit
Besonderheit
Worauf achten?
Frühling
Obstblüte, frühe Magerrasenblumen
Brutzeit, nasse Wege
Sommer
Insektenreichtum, warme Felsen
Hitze, Sonne, Trockenheit
Herbst
Früchte, Farben, klare Fernsicht
Nässe, Laub, Nebel
Winter
freie Sicht auf Strukturen
Eis, Schnee, Ruhebedürfnis der Tiere
Aussicht, Licht und die besondere Wahrnehmung der Landschaft
Die Spielburg ist nicht nur wegen ihrer Arten und Gesteine beliebt. Der Aussichtspunkt verbindet den Blick über das Filstal mit der unmittelbaren Nähe zu Felsen, Wiesen und dem Hohenstaufen. Anders als auf dem Gipfel steht man nicht über allen Landschaftselementen, sondern mitten in einem gegliederten Hangraum.
Blick nach Süden und Südwesten
Das Filstal mit seinen Siedlungen, Verkehrswegen und Industrieflächen bildet einen deutlichen Kontrast zur offenen Spielburglandschaft. Dahinter erhebt sich die Schwäbische Alb. Bei guter Sicht lassen sich lange Abschnitte des Albtraufs verfolgen.
Rehgebirge und Schurwald
Nach Westen und Nordwesten prägen bewaldete Höhen den Horizont. Je nach Sichtbedingungen kann der Stuttgarter Fernsehturm erkennbar sein. Solche Fernziele sind jedoch nicht an jedem Tag sichtbar; Luftfeuchtigkeit und Dunst können die Reichweite stark begrenzen.
Morgen, Mittag und Abend
Morgens liegt häufig ein klareres, kühleres Licht über der Landschaft. Mittags sind Kontraste an sonnigen Tagen hart, und die Felsen erwärmen sich stark. Abends betont flaches Licht die Geländeformen. Rückweg, Schutzregeln und Dunkelheit müssen jedoch berücksichtigt werden; das Naturschutzgebiet ist kein Veranstaltungs- oder Feuerplatz.
Fotografieren ohne Schäden
Die besten Motive liegen nicht zwingend außerhalb der Wege. Felsen, Hohenstaufen, Wiesen, Hecken und Fernsicht lassen sich von zugelassenen Standorten fotografieren. Drohnen sind im Naturschutzgebiet verboten. Pflanzen sollten nicht freigelegt, gebogen oder betreten werden, um ein Bild zu verbessern.
Zeittafel der Spielburg – von der Jurazeit bis zum Naturschutz
Vor rund 160 bis 150 Millionen Jahren: Im Jurameer lagern sich Kalkschlämme, Mergel und Riffkalke ab, aus denen später die Oberjuragesteine der Spielburg werden.
Nach dem Jura: Die Sedimente verfestigen sich, die Region wird gehoben und die Schichtlandschaft beginnt sich herauszubilden.
Vor mehr als 15 Millionen Jahren: Der Albtrauf liegt weiter nördlich; der Bereich des Hohenstaufens gehört noch zu einer größeren Hochfläche.
Über Millionen Jahre: Fils, Rems und ihre Zuflüsse tragen die Landschaft ab. Der Hohenstaufen wird als Zeugenberg isoliert.
Vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren: Eine große Oberjurascholle gleitet am Südwesthang des damals höheren Hohenstaufens talwärts.
Eiszeiten: Frostverwitterung zerlegt Felsen; Blockschutt und Hangdecken entstehen und werden umgelagert.
Historische Zeit: Wiesen, Weiden, Hecken und Obstbestände werden Teil der bäuerlichen Kulturlandschaft.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts: Weißjurakalk wird in mehreren Steinbrüchen vor allem für Straßenschotter gewonnen.
1906: Der Schwäbische Albverein kritisiert den starken landschaftlichen Eingriff des Steinabbaus.
1923: Der Abbau wird zunächst eingestellt.
Zweiter Weltkrieg: Der westliche Steinbruch wird zur örtlichen Schotterversorgung erneut betrieben.
1965: Der Steinbruchbetrieb endet endgültig; das Schotterwerk wird abgerissen.
1989: Ein Schafstall unterstützt die regelmäßige Beweidung und Offenhaltung.
23. September 1994: Das Regierungspräsidium Stuttgart weist die Spielburg als Naturschutzgebiet aus.
Seit 2005: Das Gebiet ist wegen seiner seltenen Lebensräume Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Gegenwart: Beweidung, Mahd, Hecken- und Obstbaumpflege, Artenschutz und Besucherlenkung erhalten die geologische und biologische Vielfalt.
Wege, Rundgänge und Besuchsplanung
Die Spielburg ist vom westlichen Ortsrand Hohenstaufens in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Vom Hotel Goldener Ochsen im Ortskern lässt sich der Weg durch das Dorf und die Feldflur verlängern. Wer mehr Zeit hat, kann die Spielburg mit dem Berg Hohenstaufen, der Burgruine und der Staufer-Ausstellung verbinden.
Kurzer Besuch
Für einen ersten Eindruck genügen je nach Ausgangspunkt ungefähr 45 bis 90 Minuten. Dabei können Aussichtspunkt, Felslandschaft und Informationstafeln betrachtet werden. Die tatsächliche Dauer hängt von Gehgeschwindigkeit, Fotostopps und Wegzustand ab.
Spielburg-Runde
Die als Löwenpfad bekannte Spielburg-Runde verbindet die Spielburg mit dem Hohenstaufen. Sie wird als kurze, etwa 3,5 Kilometer lange und vergleichsweise leicht zu gehende Runde beschrieben. „Leicht“ bedeutet jedoch nicht barrierefrei: Naturwege, Steigungen, Nässe und unebene Stellen müssen berücksichtigt werden.
Verbindung mit dem Gipfel
Wer zusätzlich zur Burgruine aufsteigt, sollte mehr Zeit, geeignetes Schuhwerk und ausreichende Kondition einplanen. Der direkte Gipfelweg ist deutlich steiler als die flacheren Abschnitte der Spielburg-Runde. Bei Schnee, Eis oder starkem Regen kann eine kürzere Route vernünftiger sein.
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Die Buslinie 933 verbindet den Göppinger ZOB mit Hohenstaufen. Die Haltestelle Rathaus/Dorfplatz liegt unmittelbar beim Hotel Goldener Ochsen. Fahrpläne, Abfahrtssteige und mögliche Änderungen sollten vor der Fahrt aktuell beim VVS geprüft werden.
Ausrüstung
feste, profilierte Schuhe
dem Wetter entsprechende Kleidung
Sonnen- und Regenschutz
ausreichend Getränke
bei längeren Touren aktuelle Karte oder Navigation
Fernglas für Vogel- und Landschaftsbeobachtung
Kamera mit Zoom statt Betreten geschützter Flächen
Barrierefreiheit und Kinderwagen
Nicht alle Wege sind für Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen geeignet. Naturwege können schmal, steinig, geneigt oder nach Regen aufgeweicht sein. Eine pauschale Barrierefreiheit sollte deshalb nicht versprochen werden. Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten die konkrete Strecke und die aktuellen Bedingungen vor Ort prüfen.
Versorgung: Im Stadtbezirk gibt es keinen Geldautomaten. Getränke, Verpflegung und Bargeld sollten insbesondere für längere Touren rechtzeitig organisiert werden.
Schutzregeln und Sicherheit – Natur hat Vorrang
Die Regeln im Naturschutzgebiet sind keine unverbindlichen Empfehlungen. Sie schützen empfindliche Lebensräume und vermindern Gefahren. Hinweise und Sperrungen vor Ort haben immer Vorrang.
Auf den Wegen bleiben
Querfeldeinlaufen verdichtet Boden, zertritt Pflanzen und kann Nester oder Insektenstadien zerstören. An Felsen und Schutthalden erhöht es zusätzlich das Unfallrisiko. Auch für ein Foto oder eine Abkürzung darf der Weg nicht verlassen werden.
Hunde an die Leine
Hunde müssen angeleint sein; Hinterlassenschaften sind zu entfernen. Wildtiere unterscheiden nicht zwischen spielerischem und jagendem Verhalten. Schon kurze Verfolgungen können junge Feldhasen, Bodenbrüter und andere Tiere gefährden.
Keine Drohnen und Flugmodelle
Luftfahrzeuge können brütende Vögel aufscheuchen. Drohnen sind im Naturschutzgebiet verboten. Das gilt unabhängig davon, ob der Flug nur kurz dauert oder Aufnahmen privaten Zwecken dienen.
Radfahren nur auf geeigneten Feldwegen
Nach aktuellem amtlichem Hinweis ist Radfahren nur auf mindestens zwei Meter breiten Feldwegen zulässig. Querfeldein fahrende Mountainbikes beschädigen die Pflanzendecke und können Insekten, Eier und Larven zerstören.
Kein Feuer, kein Grillen, nichts zurücklassen
Offenes Feuer gefährdet trockene Vegetation und Tiere. Abfälle können Wildtiere verletzen, anlocken oder vergiften. Auch biologisch abbaubare Reste gehören nicht in das Gebiet.
Nichts entnehmen
Pflanzen, Tiere, Fossilien und Gesteine bleiben an ihrem Standort. Das gilt auch für lose Steine, Blüten oder vermeintlich leere Schneckenhäuser. Jeder Bestandteil kann eine ökologische Funktion besitzen.
Nicht reiten
Reiten ist im Naturschutzgebiet nicht gestattet. Der Tritt großer Tiere kann empfindliche Böden und Vegetationsflächen stark belasten.
Allgemeine Gefahren
Absturz- und Rutschgefahr an Felskanten
lose Steine und unebener Blockschutt
glatte Wege bei Nässe, Laub, Schnee oder Eis
Hitze und starke Sonne auf offenen Flächen
Gewitter und Sturm
Zecken in Gras- und Saumbereichen
eingeschränkte Sicht bei Nebel oder Dunkelheit
Häufige Irrtümer über die Spielburg
„Die Spielburg war eine zweite Burg der Staufer.“
Nein. Die Felsen sind eine natürliche, Millionen Jahre alte Gesteinsscholle. Die staufische Burg lag auf dem Gipfel des Hohenstaufens.
„Die Spielburg ist ein kleiner Vulkan.“
Nein. Sie besteht aus Sedimentgesteinen des Oberjuras, nicht aus Lava, Tuff oder vulkanischem Gestein.
„Die Scholle brach vom heutigen Gipfel ab.“
Zu einfach. Der Hohenstaufen war beim Abgleiten höher und anders geformt. Die heutige Landschaft entstand erst durch weitere Abtragung.
„Naturschutz bedeutet, dass dort nichts gemacht wird.“
Falsch. Beweidung, Mahd, Gehölzrückschnitt und Obstbaumpflege sind notwendig, um die offenen Lebensräume zu erhalten.
„Die Steinbrüche sind rein natürliche Felswände.“
Ein Teil der heutigen Wände und Sohlen wurde durch den früheren Abbau geschaffen. Sie besitzen heute dennoch hohen ökologischen Wert.
„Ein gepflücktes Blümchen schadet nicht.“
In einem stark besuchten Gebiet summieren sich viele kleine Eingriffe. Blüten fehlen dann Insekten und können keine Samen bilden.
„Hunde stören nur, wenn sie Tiere fangen.“
Schon Annäherung und Verfolgung lösen Flucht aus. Bodenbrüter können Nester verlassen, Jungtiere von ihren Verstecken getrennt werden.
„Drohnen fliegen so hoch, dass Tiere sie nicht bemerken.“
Vögel reagieren auf Luftobjekte häufig sehr empfindlich. Im Naturschutzgebiet sind Drohnen deshalb verboten.
„Die Spielburg bleibt ohne Pflege immer so offen.“
Nein. Ohne Beweidung und Rückschnitt würden Gehölze zunehmen und Kalk-Magerrasen sowie Heideflächen allmählich verschwinden.
Vom Hotel Goldener Ochsen zu Fuß zur Spielburg
Das Hotel Goldener Ochsen liegt im Göppinger Stadtbezirk Hohenstaufen. Vom Ortskern sind die Wege zur Spielburg zu Fuß erreichbar. So lassen sich Naturbeobachtung, Aussicht und ein Besuch des Berges ohne zusätzliche Autofahrt verbinden.
Der traditionsreiche Ochsen in Göppingen-Hohenstaufen wurde erstmals 1785 urkundlich erwähnt. Unser kleines Hotel wird seit Generationen familiengeführt. Wir vermieten acht Nichtraucherzimmer mit Dusche und WC.
Zimmeranfragen, Reservierungen und Anreiseabsprachen sind ausschließlich telefonisch und nur auf Deutsch möglich. Die Anreise erfolgt nach vorheriger telefonischer Absprache.
Die Spielburg ist keine zweite Burganlage, sondern eine große, vor ungefähr zweieinhalb Millionen Jahren vom damals höheren Hohenstaufen abgeglittene Scholle aus Oberjuragesteinen. Die Felsen, früheren Steinbrüche, Kalk-Magerrasen, Hecken und Streuobstwiesen bilden heute ein Naturschutzgebiet.
Ist die Spielburg eine mittelalterliche Burg?
Nein. Der Name kann leicht täuschen, doch die auffälligen Felsen sind eine natürliche geologische Formation. Die mittelalterliche Stammburg der Staufer lag auf dem Gipfel des Hohenstaufens.
Wie groß ist das Naturschutzgebiet Spielburg?
Das Schutzgebiet umfasst rund 31 Hektar. Es wurde 1994 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und gehört wegen seiner seltenen Lebensräume seit 2005 zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.
Wann entstand die Spielburgscholle?
Nach amtlichen geologischen Darstellungen glitt die Scholle vor ungefähr zweieinhalb Millionen Jahren vom Südwestbereich des damals noch höheren Hohenstaufens ab.
Aus welchen Gesteinen besteht die Spielburg?
Die Scholle besteht vor allem aus Oberjuragesteinen, darunter Lacunosamergel sowie Untere Felsenkalke beziehungsweise Unterer Massenkalk. Teile des Kalkgesteins wurden zu Dolomit umgewandelt und verwittern zu auffällig gelblichem Sand.
Warum gibt es an der Spielburg so viele seltene Arten?
Auf engem Raum wechseln trockene Kalkfelsen, Blockschutt, Kalk-Magerrasen, magere Wiesen, Hecken, Feldgehölze und Streuobstwiesen. Dieses Biotopmosaik bietet Pflanzen und Tieren sehr unterschiedliche Lebensbedingungen.
Welche Pflanzen kann man an der Spielburg beobachten?
Amtlich genannt werden unter anderem Weißer Mauerpfeffer beziehungsweise Weiße Fetthenne, Kalk-Blaugras, Frühlings-Fingerkraut, Weiße Brunelle, Deutscher Ziest, Bienen-Ragwurz, Enzianarten sowie Gold- und Silberdistel. Pflanzen dürfen nicht gepflückt oder ausgegraben werden.
Welche Tiere leben im Naturschutzgebiet?
Nach Angaben des Regierungspräsidiums kommen mehr als 50 Vogelarten vor. Genannt werden unter anderem Neuntöter, Dorngrasmücke, Grünspecht, Kleinspecht, Rotmilan und Rebhuhn. Hinzu kommen zahlreiche Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken und andere Insekten.
Warum werden Schafe und Ziegen eingesetzt?
Die Beweidung hält Kalk-Magerrasen und Heideflächen offen. Ohne Pflege würden Schlehen, Brombeeren und andere Gehölze die licht- und wärmebedürftigen Pflanzen verdrängen. Nach der Beweidung ist häufig zusätzliche Hand- oder Maschinenpflege erforderlich.
Darf man die Felsen besteigen oder die Wege verlassen?
Nein. Im Naturschutzgebiet müssen Besucher auf den ausgewiesenen Wegen bleiben. Das schützt empfindliche Pflanzen, Tiere, Boden und Felsbereiche und vermindert außerdem Unfallgefahren an steilen oder lockeren Stellen.
Sind Hunde an der Spielburg erlaubt?
Hunde müssen im Naturschutzgebiet an der Leine geführt werden. Ihre Hinterlassenschaften sind zu entfernen. Freilaufende Hunde können Bodenbrüter, junge Feldhasen und andere Wildtiere erheblich gefährden.
Wie erreicht man die Spielburg vom Hotel Goldener Ochsen?
Das Hotel liegt im Ortskern von Göppingen-Hohenstaufen. Die Zugänge zur Spielburg sind von dort zu Fuß erreichbar. Für längere Rundgänge lassen sich Spielburg, Berg Hohenstaufen und Burgruine miteinander verbinden. Wege und Bodenverhältnisse sollten vor Ort beachtet werden.
Quellen und weiterführende Informationen
Die geologischen, naturschutzfachlichen und historischen Aussagen dieser Seite wurden insbesondere anhand amtlicher und fachlicher Informationsangebote geprüft: