Wo heute Gäste die Schwäbische Alb genießen, kehrten bereits vor über 241 Jahren Dorfbewohner, Kutscher und Reisende ein. Der Goldene Ochsen ist ein lebendiges Stück Zeitgeschichte am Fuße des geschichtsträchtigen Hohenstaufen.
- Belegte Geschichte seit 1785
- Historische Bilder
- Inhaberfolge
- Baugeschichte
- Archivhinweise
Worum es auf dieser Seite geht
Diese Seite bündelt historische Bilder, Inhaber, Baugeschichte, alte Dokumente und wichtige Eckdaten zur Entwicklung des Goldenen Ochsen in Göppingen-Hohenstaufen.
- 1785 ist der belegte bauliche Ankerpunkt der Hausgeschichte.
- Seit dem 19. Jahrhundert ist der Betrieb archivalisch gut greifbar.
- Die eigene Landwirtschaft wurde 1960 aufgegeben; Wald, Wiesen und Äcker wurden ab dann verpachtet oder verkauft.
- Ab 1965 erscheint der Name „Goldener Ochsen“.
Schneller Zugriff
Tradition, die man spürt
Der Goldene Ochsen ist seit Generationen Familienbetrieb. Viele Details aus Urkunden, Protokollen und Archivalien zeigen: Hier war immer ein Ort zum Ankommen, Essen und Austausch. Diese Haltung prägt das Haus bis heute.
Kurzüberblick (Zeitleiste):
- um 1785: dokumentierte Bauepoche / belegter baulicher Ankerpunkt in den Protokollen
- 1804: erste bekannte Nennung „Ochsenwirt“ Georg Dannenmann
- 1894: frühe Telefonie – der „Ochsen“ erscheint in überlieferten Verzeichnissen mit dem Hinweis „Telefon Nr. 2“
- 1960: Aufgabe der eigenen Landwirtschaft; Wald, Wiesen und Äcker werden ab dann verpachtet oder verkauft
- 1965: Namensänderung von „Ochsen“ zu „Goldener Ochsen“
- 1977: Neubau / Erweiterungen Metzgerei und Schlachthaus
- 1995–heute: aktuelle Generation im Familienbetrieb
1. Historische Bilder und Infos
Die Nachforschungen in den Quellen des Hohenstaufener Ortsarchivbestands und anderen Materialien lassen erkennen, dass der Ochsen auf eine rund 241 Jahre währende, gut greifbare Bau- und Betriebsgeschichte zurückblicken kann.
Ein Haus mit langer Chronik
Viele Details werden in Urkunden, Protokollen und Archivalien greifbar – und erzählen von Metzgerei, Gasthof und Dorfleben als sozialem Mittelpunkt.
2. Inhaber (soweit bekannt)
- Vor 1804: Wilhelm Dannenmann
- 1804 bis 1826: Georg Dannenmann
- 1826 bis 1830: Johann Jakob Dannenmann
- 1830 bis 1839: Johannes Walter
- 1839 bis 1866: Christian Seiz
- 1866 bis 1894: Gottlieb Seiz
- 1894 bis 1909: Jung Christian Seiz
- 1909 bis 1919: Karl Mayer (Metzgerei, Gasthof und Landwirtschaft)
- 1919 bis 1964: Hermann Mayer I, Metzgermeister (1917), und Katharina Mayer (Metzgerei, Gasthof und anfangs Landwirtschaft)
- 1964 bis 1995: Hermann Mayer II, Metzgermeister (1955), und Elfriede Mayer, Fleischereiverkäuferin und Köchin
- 1995 bis heute: Hermann Mayer III, Metzgermeister (1990), und Sonja Mayer, Fleischereiverkaufsleiterin und Köchin
3. Gebäudebeschreibungen
- Eine ganze Reihe von Gebäudebeschreibungen über den Ochsen liegen aus dem 19. Jahrhundert vor.
- 1826 ist das Gebäude als „ein zweistöckiges Wohnhaus und die Hälfte an der Scheuer nebst Anbau unter einem Dach, mitten im Dorf … samt Wasch- und Ofenhäusle hinterm Haus“ genannt.
- Bauliche Verbesserungen und Erweiterungen sind für die Jahre 1843, 1857 und 1868 dokumentiert.
- 1882 wurde eine Kegelbahn eingerichtet, die 1897 wieder entfernt wurde.
- 1897 ist ein Neubau amtlich erfasst.
- Anlässlich der Einstufung in die württembergische Gebäudebrandversicherung wird in einer Gaststättenerlaubnis sowie einem Gebäudekataster aus dem Zeitraum 1902–1903 im Hohenstaufener Archiv das „Ochsen-Areal“ ausgeführt: „2 a 33 qm Wohn- und Wirtschaftsgebäude …“
- 1965 Änderung des Namens von „Ochsen“ zu „Goldener Ochsen“.
- 1965–1966 räumliche Erweiterungen: Umbauten Gaststätte, Ausbau auf sechs Fremdenzimmer und Neubau Metzgerei-Laden mit Kühlräumen.
- 1976 Einbau einer zusätzlichen Getränketheke mit Zapfanlage in den Saal im 1. Stock.
- 1977 Neubau Schlachthaus mit Hochbahn für Rinder, Wurstküche, Ausbeinraum, mehreren Kühlräumen und Nebenräumen sowie vollautomatischer Rauchanlage.
- 1982 Neubau und Erweiterung des Metzgerei-Ladens mit automatischer elektrischer Eingangstür, Kühlräumen, Fleischfenster, Klimaanlage und Theken.
- 1992 Neubau Darmraum (Kuttelei) der Metzgerei mit Darmputzmaschine und Kuttelputzmaschine.
- 1999 Neubau von Kühlräumen der Metzgerei für Schlachtabfälle sowie Lagerräumen für Räuchermaterial.
- 2000 Umbau der Schankanlage mit Begleitkühlung: sieben Leitungen vom Fass bis einschließlich Zapfhahn.
- 2001 Umbau der Kühlung von 18 einzelnen Kühlaggregaten zur Verbundanlage mit Wärmerückgewinnung und Einbau einer Strom-Maximum-Überwachungsanlage.
- 2009 EU-Zulassung der Metzgerei für Schlachtung.
- 1984–2014 Kauf zahlreicher Geräte (z. B. Palux Rotimat, Wiesheu Kombidämpfer, Frey Kompakta) sowie zahlreiche Umbauten und Renovierungen von Gaststätte, Küche, Fremdenzimmern, Laden und Schlachthaus.
4. Die Geschichte des Goldenen Ochsen: Metzgerei, Gasthof und Treffpunkt seit Jahrhunderten
Die Anfänge unseres traditionsreichen Hauses „Goldener Ochsen“ in Göppingen-Hohenstaufen faszinieren bis heute.
Eine exakte Datierung der allerersten Wirtschaft an genau dieser Stelle lässt sich bislang nicht endgültig festhalten – doch alte Urkunden und Protokolle bilden ein dichtes Netz an Hinweisen, das die Entstehung des Gebäudes, der Metzgerei und des Gasthofs zeitlich gut einordnet.
Ein Gebäudeschätzungsprotokoll aus dem Jahr 1865 beschreibt das damalige Wohn- und Wirtschaftsgebäude wörtlich als „alt Ochsen 80 Jahre“.
Zieht man diese acht Jahrzehnte ab, lässt sich die Errichtung des dort beschriebenen Gebäudes auf etwa 1785 datieren. Historisch sauber formuliert markiert dieses Jahr damit einen belegten baulichen Ankerpunkt beziehungsweise einen wichtigen Meilenstein der Baugeschichte – nicht zwingend jedoch die allererste Stunde von Gastlichkeit an genau diesem Ort.
Gerade die Lage des Hauses spricht für eine längere Tradition: Der „Ochsen“ liegt unmittelbar an der früheren Durchgangsstraße des Ortes und am Weg hinauf zur Burg Hohenstaufen. Solche Knotenpunkte waren über Jahrhunderte bevorzugte Rast- und Versorgungsorte für Reisende, Fuhrleute, Händler und Besucher der Burg.
Das Jahr 1785 ist damit ein stolzer und verlässlicher Ausgangspunkt der belegbaren Baugeschichte, der die Tradition des Hauses heute auf über 241 Jahre nachvollziehbar macht – während die Wurzeln der Gastlichkeit an dieser Stelle durchaus noch weiter zurückreichen können.
Pioniergeist am Berg: der Hinweis „Telefon Nr. 2“
Wenn neue Technik Einzug hält, wird sie in Werbung und Verzeichnissen oft besonders hervorgehoben – und genau das lässt sich auch für unser Haus historisch beobachten: In überlieferten Teilnehmer- und Adressverzeichnissen sowie auf zeittypischen Werbeträgern erscheint der Eintrag „Gasthaus und Metzgerei z. Ochsen“ in Hohenstaufen mit dem Hinweis „Telefon Nr. 2“.
Das ist ein starkes Indiz dafür, dass die telefonische Erreichbarkeit damals als Besonderheit galt und bewusst herausgestellt wurde. Historisch wichtig ist dabei eine vorsichtige Einordnung: Solche knappen Rufnummern waren häufig orts- oder netzbezogen, also an den jeweiligen Ortseintrag oder das damalige Ortsnetz gebunden.
Dass ähnliche kurze Rufnummern auch anderswo vorkommen konnten, ist deshalb kein Widerspruch. Für Hohenstaufen bleibt der Kernpunkt deutlich: Der „Ochsen“ ist dort mit einer sehr frühen, knappen Rufnummer überliefert und beworben.
Ebenso anschaulich ist, wie sich eine Telefonnummer im Lauf der Jahrzehnte mit der Technik verändert: Überliefert sind spätere Formen wie „262“ bis hin zur heutigen „8062“. Unter der 07165 8062 ist unser Haus bis heute persönlich erreichbar – ganz im Sinne jener frühen telefonischen Präsenz, auf die man schon damals sichtbar hinwies.
Eine weitere bekannte Notiz, die den Namen „Ochsen“ ausdrücklich erwähnt, stammt vom 15. September 1804. An diesem Tag verkaufte der Hohenstaufener Bürger Mateus Bidlingmaier Äcker an den damaligen „Ochsenwirt“ Georg Dannenmann.
Autarke Versorgung & Handwerk
Vom Acker direkt auf den Teller: Über lange Zeit gehörten Landwirtschaft, Viehhaltung, Metzgerei, Gastwirtschaft und handwerkliche Eigenversorgung eng zusammen – ein Bild, das den Goldenen Ochsen über Generationen prägte.
Schon früh war der „Ochsen“ ein vielseitiger Betrieb und Treffpunkt für Reisende, Kutscher und Einheimische.
Zum Anwesen gehörten seinerzeit nicht nur ein hofeigener Brunnen, ein Schweine-, Kuh- und Hühnerstall und eine geräumige Scheune, sondern auch Wälder und Felder, die das Haus mit Erzeugnissen aus eigener Bewirtschaftung versorgten.
Es wurden Schweine, Ochsen, Rinder, Kälber und Schafe im Haus geschlachtet, Wurstwaren gefertigt und unmittelbar vor Ort angeboten.
Ergänzt wurde das Angebot durch Milch und selbstgemachte Butter von eigenen Kühen, frische Eier von eigenen Hühnern, selbstgebackenes Brot, eine eigene Brennerei, in der Destillate entstanden, und hausgemachten Most, der aus den Obstwiesen des Anwesens gepresst wurde.
Zur Geschichte des Hauses gehört aber auch der Wandel: Die eigene Landwirtschaft wurde 1960 aufgegeben; Wald, Wiesen und Äcker wurden ab diesem Zeitpunkt verpachtet oder verkauft. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des Betriebs im Lauf der Zeit stärker auf Gastwirtschaft, Hotel und Metzgerei.
Strategische Lage am Hohenstaufen
Unmittelbar daran vorbei führte einst eine bedeutende Handels- und Durchgangsstraße, und noch heute leitet der alte Weg Gäste hinauf zur geschichtsträchtigen Burgruine der Staufer.
Die historische Bedeutung des Ochsen als Rastplatz am Fuße des Hohenstaufen spiegelt sich auch in der Literatur wider:
Literaturhinweis (1873)
Im Jahr 1873 erwähnte der Schriftsteller Wilhelm Raabe das Gasthaus „Ochsen“ in seinem Roman „Christoph Pechlin“.
Ihr nächster Schritt
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5. Quellenangaben
Quellen (Auswahl / Übersicht):
- Dokumente: Steuerbüchlein Gaststätte „Ochsen“ Hermann Mayer I (1919); Wandergewerbeschein Hermann Mayer I (1927); Gaststättenerlaubnisse (1903, 1919, 1937); Quittung (1909) über Bierlieferung an Carl Mayer.
- Archive: Bestand Ortsarchiv Hohenstaufen des Stadtarchivs Göppingen (u. a. B 503, B 504, B 505, B 506, B 507; B 540–B 547; B 561; B 563–B 569; B 629–B 634; A 239; A 451).
- Hinweis: Recherche basierend auf historischen Teilnehmer- und Adressverzeichnissen sowie Archivmaterial.
- Hinweis: Die Darstellung stützt sich auf Archivmaterial (Ortsarchiv- und Stadtarchivbestand) sowie überlieferte Druckwerke und Dokumente (u. a. Teilnehmer- und Adressverzeichnisse, Werbemittel, Fotografien). Einzelne Angaben können je nach Quellenlage zeitlich nur näherungsweise eingeordnet sein.
- Dank: Freundliche Mithilfe / Auskunft Martin Mundorff (Stadtarchiv Göppingen).