Kaiser, Kommunen und Königreiche im 12. und 13. Jahrhundert

Staufer in Italien – Reichsrechte, Städte, Sizilien und der Kampf um Herrschaft

Von Konrad III. und Barbarossas ersten Alpenzügen über Roncaglia, Mailands Zerstörung, Lombardenbund und Legnano bis zu Heinrichs VI. Eroberung Siziliens, Friedrichs II. Herrschaft im Süden, Cortenuova, Parma, Manfred und Konradin: eine superausführliche, sachliche und quellenkritische Gesamtdarstellung der staufischen Italienpolitik.

Historische VertiefungRedaktion: Familie Mayer
1158Roncaglia und die systematische Formulierung kaiserlicher Regalien.
1183Frieden von Konstanz mit weitgehender kommunaler Autonomie.
1194Heinrich VI. gewinnt das Königreich Sizilien.
1237Friedrich II. siegt bei Cortenuova, erreicht aber keinen dauerhaften Frieden.

Staufer in Italien: keine deutsche Fremdherrschaft über ein fertiges Italien

Die staufische Italienpolitik gehört zu den bekanntesten und zugleich am stärksten vereinfachten Kapiteln des Hochmittelalters. In national geprägten Erzählungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde Friedrich Barbarossa wahlweise zum deutschen Reichshelden oder zum fremden Unterdrücker italienischer Freiheit. Friedrich II. erschien später entweder als nahezu moderner Herrscher eines fortschrittlichen Staates oder als machtbesessener Gegner von Städten und Kirche. Solche Bilder greifen einzelne Züge auf, übertragen aber moderne Nationen, Staatsgrenzen und politische Begriffe auf eine völlig andere Ordnung.

Im 12. und 13. Jahrhundert existierte kein italienischer Nationalstaat. Der Norden und große Teile Mittelitaliens gehörten rechtlich zum Regnum Italiae, dem Königreich Italien innerhalb des römisch-deutschen Herrschaftsverbandes. Daneben standen der römische Kirchenstaat mit sehr ungleichmäßig durchgesetzter päpstlicher Herrschaft, das normannische und später staufische Königreich Sizilien, zahlreiche kommunale Stadtstaaten, weltliche und geistliche Fürstentümer sowie die Seerepubliken Venedig, Genua und Pisa. Sardinien war in Judikate und konkurrierende Einflussräume gegliedert. Selbst innerhalb einer Stadt konnten Bischof, Konsuln, Adelsgruppen, Kaufleute, Zünfte und ländliche Grundherren unterschiedliche politische Ziele verfolgen.

„Die Staufer in Italien“ meint deshalb nicht einen einzigen Feldzug und auch keine einheitliche Herrschaftsform. Barbarossa versuchte im Norden, königliche Rechte und Einkünfte wieder sichtbar zu machen. Heinrich VI. verband die Kaiserherrschaft mit einem erblichen Anspruch auf Sizilien. Friedrich II. war im Süden bereits seit seiner Kindheit König und regierte dort über eine ausgebaute Monarchie, während er in der Lombardei auf selbstbewusste Kommunen und Bündnisse traf. Konrad IV., Manfred und Konradin kämpften schließlich weniger um eine abstrakte Kaiseridee als um das konkrete Erbe des sizilischen Königreichs und um Verbündete in den italienischen Städten.

Arbeitsregel dieser Seite: Gesicherte Ereignisse, zeitgenössische Rechtsansprüche, wahrscheinliche Rekonstruktionen, parteiliche Chroniken, spätere Legenden und moderne Erinnerungskultur werden ausdrücklich getrennt. Begriffe wie „Italien“, „Reich“, „Freiheit“, „Staat“ und „Nationalkrieg“ werden nur mit ihrer jeweiligen historischen Bedeutung verwendet.

Welche politischen Räume „Italien“ bildeten

Regnum Italiae

Der nördliche und mittlere Reichsteil mit traditionsreichen Königsorten wie Pavia, großen Bischofsstädten, Markgrafschaften und zunehmend autonomen Kommunen. Der römisch-deutsche König beanspruchte hier Herrschaftsrechte, war aber auf persönliche Anwesenheit, Bündnisse und lokale Amtsträger angewiesen.

Kirchenstaat und Rom

Der Papst beanspruchte weltliche Herrschaft über Patrimonien und Territorien in Mittelitalien. Rom selbst war politisch unruhig und besaß kommunale Organe. Kaiserkrönung, römische Stadtpolitik und die Sicherheit der päpstlichen Gebiete verbanden Italien- und Kirchenpolitik untrennbar.

Königreich Sizilien

Das 1130 geschaffene normannische Königreich umfasste die Insel Sizilien und den größten Teil Süditaliens. Es verfügte über eine vergleichsweise dichte königliche Verwaltung, hohe Einkünfte, Häfen, Burgen und eine lateinische, griechische, jüdische und muslimische Bevölkerung.

Daneben handelten Venedig, Genua und Pisa als maritime Mächte mit eigenen Flotten, Handelsnetzen und kolonialen Stützpunkten. Die Markgrafen von Montferrat, Este und Malaspina, die Grafen von Savoyen, die Herren von Romano, die Bischöfe und Domkapitel sowie die großen Adelsfamilien der Städte bildeten weitere Machtzentren. Eine staufische Politik, die nur „Kaiser gegen Städte“ sieht, blendet dieses Geflecht aus.

Auch die geographischen Bedingungen prägten Herrschaft. Der Zugang über Alpenpässe war jahreszeitlich und militärisch anspruchsvoll. Die Poebene bot reiche Städte, Flüsse, Straßen und Versorgungsmöglichkeiten, aber auch befestigte Zentren, die ein Heer aufhalten konnten. Mittelitalien war von Apenninübergängen, päpstlichen Besitzkomplexen und kommunalen Landschaften geprägt. Im Süden lagen königliche Verwaltungszentren, Kastelle, Domänen und Häfen weit auseinander. Italienpolitik war deshalb immer auch Logistik: Marschrouten, Brücken, Futter, Geld, Geiseln, Schiffe und sichere Verbindungslinien entschieden über Erfolge.

Regnum, Imperium, regalia und libertas: die Sprache des Konflikts

Die Kaiser des 12. Jahrhunderts verstanden das Königreich Italien als Teil ihrer legitimen Herrschaft. Ihre Rechte bestanden nicht nur aus einem abstrakten Vorrang. Sie beanspruchten konkrete regalia: Zölle, Münzen, Markt- und Geleitrechte, Gerichtsbarkeit, Straßen, Flüsse, bestimmte Abgaben, die Einsetzung oder Bestätigung von Amtsträgern sowie Einkünfte aus Reichsgut. Viele dieser Rechte waren während langer Abwesenheiten früherer Herrscher von Städten, Bischöfen und Adligen ausgeübt worden. Der Streit drehte sich daher häufig darum, ob Kommunen Rechte unrechtmäßig an sich gezogen, durch Gewohnheit erworben oder durch frühere Privilegien erhalten hatten.

Die Kommunen verteidigten ihre libertas. Das bedeutete nicht moderne Demokratie oder nationale Unabhängigkeit. Gemeint waren vor allem eigene Konsuln oder Podestà, lokale Gerichtsbarkeit, Steuer- und Militärhoheit, Kontrolle des Umlands, Bündnisfreiheit und die Bewahrung erworbener Gewohnheiten. Eine Stadt konnte den Kaiser als Oberherrn anerkennen und dennoch energisch gegen dessen konkrete Amtsträger oder Forderungen kämpfen.

Auch „Reich“ war kein zentral verwalteter Flächenstaat. Herrschaft entstand durch persönliche Bindungen, Eide, Hoftage, Privilegien, Lehen, Gerichtsurteile und militärische Macht. Der Kaiser konnte Rechte feierlich verkünden, musste sie aber vor Ort durchsetzen. Umgekehrt konnten Städte faktisch selbstständig handeln, ohne die monarchische Oberhoheit grundsätzlich zu leugnen. Gerade diese Überlagerung von formaler Anerkennung und praktischer Autonomie erklärt, warum Friedensverträge oft beiden Seiten ermöglichten, ihr Gesicht zu wahren.

Nicht „Deutsche gegen Italiener“: Städte, Fürsten und wechselnde Lager

Barbarossas Feldzüge wären ohne italienische Verbündete nicht möglich gewesen. Pavia, Cremona, Lodi und Como unterstützten ihn zeitweise gegen das mächtige Mailand. Die Zerstörung Mailands 1162 wurde nicht nur von Männern aus dem Reich nördlich der Alpen, sondern in erheblichem Maß von lombardischen Gegnern der Stadt vollzogen. Umgekehrt standen auch Bischöfe, Adlige und Ritter aus dem Reich auf Seiten des Papstes oder verweigerten weitere Italienhilfe.

Städte wechselten ihre Bündnisse, weil lokale Rivalitäten oft stärker wirkten als eine dauerhafte „kaiserliche“ oder „päpstliche“ Ideologie. Cremona war lange eine Hauptstütze Barbarossas und gehörte später zu den Kräften, die die Wiederherstellung Mailands ermöglichten. Lodi verdankte dem Kaiser Schutz vor Mailand, trat aber 1167 dem Städtebund bei. Im 13. Jahrhundert verbanden sich in der Lombardei kaiserfreundliche Städte mit Friedrich II., während andere Kommunen die Liga erneuerten. Innerhalb derselben Stadt konnten Adelsfamilien, Volksbewegungen und Exilgruppen verschiedene Lager bilden.

Die Begriffe Guelfen und Ghibellinen wurden erst allmählich zu italienischen Parteibezeichnungen. Sie beschreiben keine über zwei Jahrhunderte unveränderten Blöcke. Ein „ghibellinisches“ Geschlecht konnte mit dem Papst verhandeln, eine „guelfische“ Kommune mit dem Kaiser Frieden schließen. Wer die Italienpolitik verstehen will, muss daher stets fragen: Welche Stadt? Welche Familie? Welcher Zeitraum? Welches konkrete Interesse?

Venedig, Genua und Pisa: Seemächte mit eigener Italienpolitik

Die großen Seestädte lassen sich nicht dauerhaft einem staufischen oder antistaufischen Lager zuordnen. Ihre Politik richtete sich auf Handelsprivilegien, Häfen, Inseln, Flottenstützpunkte und Konkurrenz im Mittelmeer. Kaiser, Päpste, Könige von Sizilien und byzantinische Herrscher warben um ihre Schiffe und Kredite.

Pisa stand häufig auf kaiserlicher Seite und wurde im 13. Jahrhundert zu einer wichtigen Stütze Friedrichs II. in der Toskana und auf See. Genuesische Hilfe trug 1194 zur Eroberung Siziliens durch Heinrich VI. bei, doch Streit über versprochene Gegenleistungen belastete das Verhältnis. Genua konnte ebenso mit päpstlichen oder kommunalen Gegnern der Staufer kooperieren. Venedig förderte seine besondere Stellung zwischen Reich, Byzanz und Adriahandel und wurde 1177 zum neutral inszenierten Ort des großen Friedens.

Flottenmacht entschied darüber, ob ein Herrscher Truppen, Pferde und Vorräte entlang der Küsten bewegen konnte. Die Seeschlacht bei Giglio 1241 zeigt die Reichweite kaiserlich-pisanischer Zusammenarbeit. Zugleich beweisen die wechselnden Bündnisse, dass wirtschaftliche Interessen nicht mechanisch eine politische Partei erzeugten.

Kein festes Schema: „Pisa ghibellinisch, Genua guelfisch, Venedig neutral“ kann höchstens einzelne Phasen grob beschreiben. Jede Stadt verfolgte über Jahrzehnte wechselnde, intern umstrittene Strategien.

Konrad III.: begrenzte Präsenz und unerfüllte Kaiserpläne

Konrad III., seit 1138 erster anerkannter staufischer König, erreichte keine Kaiserkrönung. Seine Herrschaft war im Reich nördlich der Alpen durch den Konflikt mit den Welfen gebunden. Zugleich prägten der Zweite Kreuzzug von 1147 bis 1149 und die Zusammenarbeit mit Papst Eugen III. seine internationale Politik. Ein umfassender Italienzug, der die königlichen Rechte im Regnum erneuert und zur Kaiserkrönung geführt hätte, kam nicht zustande.

Das bedeutet nicht, dass Italien für Konrad bedeutungslos war. Italienische Bischöfe, Adlige und Städte beobachteten den Thronwechsel, und die Reichsrechte bestanden formal fort. Doch die lange schwache persönliche Präsenz der Könige förderte die kommunale Selbstorganisation. Mailand dehnte seine Macht auf Kosten von Lodi und Como aus. Pavia und andere Städte suchten Gegengewichte. Als Barbarossa 1152 gewählt wurde, traf er daher nicht auf eine herrschaftslose Landschaft, sondern auf ein dynamisches System städtischer Bündnisse und Feindschaften.

Spätere Erzählungen lassen Barbarossas Italienpolitik gelegentlich wie den plötzlichen Beginn eines Eroberungsprogramms erscheinen. Tatsächlich knüpfte er an ältere königliche Ansprüche an. Neu waren die Intensität, die juristische Ausformung und der Versuch, Rechte systematischer einzuziehen.

Alpenwege, Itinerare und die praktische Reichweite des Kaisers

Ein Italienzug begann lange vor der Poebene. Der Herrscher musste Fürstenkontingente sammeln, Pässe sichern und mit Bischöfen, Grafen und Talschaften verhandeln. Brenner, Reschen, Septimer, Splügen und andere Routen hatten unterschiedliche politische und jahreszeitliche Bedingungen. Ein blockierter Engpass konnte eine Reichsversammlung oder einen Feldzug vereiteln.

Die Herrscher regierten auf Reisen. Urkundenorte zeigen, wie sich der Hof zwischen Pavia, Cremona, Lodi, Piacenza, Bologna, Ravenna, Ancona, Rom, Foggia, Melfi, Palermo und vielen kleineren Plätzen bewegte. Ein Itinerar beweist Anwesenheit, aber nicht automatisch dauerhafte Kontrolle des Umlands. Umgekehrt konnte ein Herrscher durch Legaten, Briefe und privilegierte Verbündete wirken, ohne selbst vor Ort zu sein.

Entfernung erzeugte Informationsprobleme. Nachrichten über Aufstände, Papstwahlen oder Bündnisse benötigten Tage oder Wochen. Entscheidungen trafen auf eine Lage, die sich bereits verändert haben konnte. Die staufische Italienpolitik war deshalb immer auch eine Politik begrenzter Zeit, unsicherer Meldungen und saisonaler Handlungsfenster.

Barbarossas erster Italienzug 1154/55: Schiedsrichter, Kriegsherr und Kaiserkandidat

Im Herbst 1154 überschritt Friedrich I. die Alpen. Sein Heer war nicht groß genug, um Norditalien flächendeckend zu besetzen. Der König trat vielmehr als oberster Richter auf, nahm Beschwerden entgegen und verlangte Gehorsam. Lodi, Como und weitere Gegner Mailands hofften auf seinen Schutz. Auf einer Versammlung bei Roncaglia wurden Rechte und Konflikte verhandelt. Mailand widersetzte sich königlichen Forderungen, vermied zunächst aber eine Entscheidungsschlacht.

Besonders hart traf es Tortona, eine Verbündete Mailands. Nach längerer Belagerung musste die Stadt 1155 kapitulieren und wurde zerstört. Auch hier wirkten lokale Rivalitäten: Pavia und andere Gegner Tortonas hatten ein eigenes Interesse an der Ausschaltung der Stadt. Die Episode zeigt das typische Muster: Der König stellte den Konflikt als Durchsetzung von Recht und Acht dar, während italienische Verbündete ihre regionalen Rechnungen beglichen.

In Pavia empfing Friedrich die italienische Königskrönung. Die spätere Vorstellung, er habe dabei sicher die heute in Monza verwahrte Eiserne Krone getragen, lässt sich nicht ohne Weiteres beweisen; Krönungstradition und konkrete Objektgeschichte müssen getrennt werden. Anschließend zog er nach Rom. Die Kaiserkrönung erforderte eine Verständigung mit Papst Hadrian IV. und berührte zugleich den Konflikt um die römische Kommune und Arnold von Brescia.

Rom 1155: Arnold von Brescia und die Kaiserkrönung

Arnold von Brescia hatte kirchlichen Besitz kritisiert und war mit der römischen Kommune verbunden. Seine genaue Rolle schwankte, doch für Papst Hadrian IV. war er ein gefährlicher Gegner. Friedrich ließ Arnold festnehmen oder übergeben; Arnold wurde der päpstlichen Gewalt ausgeliefert, hingerichtet und sein Leichnam verbrannt. Die Quellen verteilen Verantwortung unterschiedlich. Sicher ist, dass Friedrichs Weg zur Kaiserkrönung mit der Ausschaltung Arnolds verknüpft war.

Am 18. Juni 1155 krönte Hadrian IV. Friedrich in der Peterskirche zum Kaiser. Teile der römischen Bevölkerung reagierten gewaltsam, und das kaiserliche Heer musste kämpfen. Die Krönung war daher kein ruhiges Staatszeremoniell. Sie zeigte zugleich Kooperation und Misstrauen: Der Papst benötigte militärischen Schutz, der König die Krönung; beide verfolgten in Italien jedoch eigene Ziele.

Ein gemeinsamer Angriff auf das normannische Königreich Sizilien, wie er in früheren Absprachen erwogen worden war, wurde nicht ausgeführt. Das Heer drängte zur Heimkehr, Krankheiten und Versorgungsprobleme wirkten, und die politische Lage blieb unsicher. Friedrich verließ Italien mit der Kaiserkrone, aber ohne dauerhafte Neuordnung des Nordens und ohne Eroberung des Südens.

Der zweite Italienzug und Roncaglia 1158

1158 kehrte Barbarossa mit einem wesentlich stärkeren Heer zurück. Mailand musste sich nach einer Belagerung unterwerfen, behielt zunächst aber beträchtliche Handlungsspielräume. Im November versammelte der Kaiser bei Roncaglia Bischöfe, Fürsten, Stadtvertreter und Rechtsgelehrte. Diese Versammlung wurde zur berühmtesten Dieta di Roncaglia.

Vier mit der Rechtsschule von Bologna verbundene Juristen – Bulgarus, Martinus, Jacobus und Hugo – werden in den Quellen als Gutachter genannt. Ihre Rolle darf weder unterschätzt noch überhöht werden. Sie „erfanden“ nicht aus dem Nichts einen absolutistischen Staat. Das wiederentdeckte römische Recht bot jedoch Begriffe, mit denen königliche Hoheitsrechte präziser formuliert werden konnten. Die Constitutio de regalibus stellte eine Liste beanspruchter Regalien zusammen. Weitere Bestimmungen betrafen Landfrieden, Lehensrecht und das Verbot eigenmächtiger Bündnisse.

Roncaglia war ein machtvoll inszenierter Rechtsakt. Stadtvertreter erkannten Grundsätze an, doch die anschließende Anwendung wurde zum Konflikt. Kaiserliche Beauftragte sollten Einkünfte feststellen, Amtsträger einsetzen und Rechte einziehen. Für manche Kommunen bedeutete dies nicht bloß die Wiederherstellung begrenzter Oberhoheit, sondern einen tiefen Eingriff in ihre politische Praxis und Finanzen.

Quellenkritischer Punkt: Die juristischen Texte zeigen, welche Rechte die kaiserliche Seite beanspruchte. Sie beweisen nicht automatisch, dass diese Rechte überall zuvor tatsächlich ausgeübt worden waren oder von allen Städten dauerhaft akzeptiert wurden.

Regalien, kaiserliche Podestà und die Frage der Belastung

Nach Roncaglia setzte die kaiserliche Verwaltung in mehreren Städten eigene oder genehmigte Amtsträger ein. Der Begriff Podestà bezeichnete einen mit umfassenden Vollmachten ausgestatteten Stadtleiter; später wurde er auch von Kommunen selbst genutzt, häufig für auswärtige Amtsträger. In der frühen kaiserlichen Phase empfanden Gegner diese Funktion als Zeichen fremder Kontrolle, während Anhänger sie als rechtmäßige Ordnung darstellten.

Chronisten berichten von hohen Abgaben, harten Eingriffen und Übergriffen kaiserlicher Legaten. Solche Berichte stammen oft aus betroffenen Städten oder papstnahen Milieus und sind parteilich. Dennoch ist plausibel, dass langwierige Feldzüge, Besatzungen und Söldner erhebliche Mittel verlangten. Auch loyale Städte konnten sich durch Forderungen belastet fühlen. Die spätere Abkehr Cremonas zeigt, dass das Bündnissystem nicht nur durch Ideologie, sondern auch durch konkrete Regierungspraxis zerbrach.

Der Kaiser musste zudem zwischen widersprüchlichen Erwartungen vermitteln. Wer Mailands Macht begrenzen wollte, unterstützte ihn; wer nach dem Sieg selbst kaiserliche Kontrolle erlebte, konnte die Seite wechseln. Die Politik von Roncaglia erzeugte daher kurzfristig beeindruckende Herrschaft, langfristig aber eine breite Koalition gegen ihre Durchführung.

Crema und Mailand: Belagerung, Kapitulation und Zerstörung

Crema, mit Mailand verbündet und im Konflikt mit Cremona, wurde 1159/60 belagert. Die Belagerung ist durch drastische Erzählungen bekannt, darunter Berichte über Geiseln an Belagerungsmaschinen. Einzelheiten stammen aus emotionalen, parteilichen Quellen und müssen vorsichtig gelesen werden. Gesichert ist die lange, gewaltsame Auseinandersetzung und die Zerstörung der Stadt nach ihrer Kapitulation.

Mailand widersetzte sich erneut der kaiserlichen Ordnung. Nach militärischem Druck und Versorgungskrise kapitulierte die Stadt im März 1162. Die Einwohner mussten die Stadt verlassen, die Befestigungen und große Teile der Bebauung wurden systematisch zerstört. Die anti-mailändischen Städte Cremona, Lodi, Pavia und Como beteiligten sich an der Durchführung. Das Ereignis war daher kein einfacher Akt „deutscher“ Gewalt gegen „Italien“, sondern ein kaiserlich legitimierter und von lombardischen Rivalen mitgetragener Vernichtungsschlag.

Die Zerstörung war dennoch ein Wendepunkt. Sie demonstrierte die Macht des Kaisers, schuf aber zugleich ein dauerhaftes Symbol städtischen Leidens. Die vertriebenen Mailänder lebten in Siedlungen außerhalb der zerstörten Mauern. Als sich das Bündnissystem gegen den Kaiser wandelte, wurde ihre Rückkehr und der Wiederaufbau Mailands zu einem sichtbaren Akt gemeinsamer Opposition.

Papstschisma und Städtepolitik: zwei Konflikte verschmelzen

Nach dem Tod Hadrians IV. 1159 wählten unterschiedliche Kardinalsgruppen Alexander III. und Viktor IV. Barbarossa unterstützte Viktor und versuchte, dessen Anerkennung politisch und synodal durchzusetzen. Alexander gewann dagegen breite Anerkennung in Westeuropa und fand Verbündete unter italienischen Städten. Das Schisma verband kirchliche Legitimität mit der Frage, wer in Italien politische Ordnung bestimmen dürfe.

Alexander III. war nicht der militärische Oberbefehlshaber der Kommunen. Dennoch gab seine Anerkennung dem Widerstand eine kirchenpolitische Dimension, und der Papst unterstützte Kontakte und Bündnisse. Umgekehrt nutzte die kaiserliche Seite Bischöfe, Gegenpäpste und Synoden. Kirchenpolitik und kommunale Freiheit lassen sich für diese Jahre nicht voneinander trennen.

Die berühmte Stadt Alessandria entstand seit etwa 1168 aus mehreren Siedlungen und wurde nach Alexander III. benannt. Sie lag strategisch gegen den kaisertreuen Markgrafen von Montferrat. Ihre Gründung war sowohl militärische Maßnahme als auch symbolische Provokation.

Vom Veroneser Bund zur Lombardischen Liga

1164 verbanden sich mehrere Städte des nordöstlichen Italiens im Veroneser Bund. 1167 schlossen sich weitere lombardische Städte zusammen; im Dezember verbanden sich die Bündnisse zur Societas Lombardiae. Die Liga war kein moderner Bundesstaat. Sie beruhte auf Eiden, gegenseitiger Militärhilfe, gemeinsamen Verhandlungen und der Sicherung kommunaler Rechte. Ihre Mitglieder blieben rivalisierende Städte mit eigenen Zielen.

Die populäre Erzählung vom feierlichen „Schwur von Pontida“ am 7. April 1167 ist quellenkritisch problematisch. Die Bildung und eidliche Bindung der Liga sind historisch. Ein einzelner Gründungsakt im Kloster Pontida wird jedoch von zeitgenössischen Quellen nicht sicher belegt und erscheint erst sehr viel später in der Überlieferung. Die politische Realität war ein mehrstufiger Bündnisprozess.

Im Frühjahr 1167 führten Truppen aus Bergamo, Brescia und Cremona die Mailänder in ihre Stadt zurück. Der Wiederaufbau wurde zu einem Gegenbild der Zerstörung von 1162. Selbst Cremona, zuvor tragende kaiserliche Verbündete, beteiligte sich. Lodi und andere Städte traten der Liga bei. Das kaiserliche Verwaltungssystem in der Lombardei brach in kurzer Zeit weitgehend zusammen.

Rom 1167 und die große Epidemie

Während sich im Norden die Liga formierte, richtete Barbarossa seinen Feldzug auf Rom. Kaiserliche Truppen siegten bei Monte Porzio über ein römisches Heer. Friedrich zog in die Stadt ein, und der Gegenpapst Paschalis III. konnte sich zeitweise behaupten. Der militärische Erfolg wurde jedoch durch eine verheerende Epidemie zunichtegemacht.

Zahlreiche hochrangige Männer starben, darunter Rainald von Dassel. In älterer Literatur wird häufig Malaria genannt. Die genaue Diagnose lässt sich aus den mittelalterlichen Beschreibungen nicht sicher bestimmen; möglich sind mehrere fieberhafte Infektionen. Sicher ist die enorme Sterblichkeit und der erzwungene Rückzug.

Der Kaiser musste unter schwierigen Bedingungen nach Norden und über die Alpen entkommen. Der Verlust von Menschen, Prestige und militärischer Präsenz stärkte die Liga. Natur- und Krankheitsereignisse wirkten hier unmittelbar auf die politische Geschichte.

Alessandria, Legnano und die Grenzen militärischer Entscheidung

1174 begann Barbarossa einen neuen Italienzug. Die Belagerung Alessandrias von Herbst 1174 bis Frühjahr 1175 scheiterte. Spätere Geschichten von der „Strohstadt“ und listigen Rettung verdichten reale Widerstandskraft zu anschaulichen Legenden. Nach abgebrochenen Verhandlungen kam es am 29. Mai 1176 bei Legnano zur Schlacht.

Das kaiserliche Heer griff die Kräfte der Liga an. Friedrich wurde zeitweise vermisst, was Gerüchte über seinen Tod auslöste. Die lombardische Infanterie behauptete sich um den Carroccio, den religiös und politisch aufgeladenen Fahnenwagen. Die kaiserliche Seite erlitt eine klare Niederlage. Legnano war wichtig, aber nicht allein der Grund für den Frieden: gescheiterte Belagerungen, begrenzte Verstärkungen, finanzielle Belastungen, das Papstschisma und die Dauer des Konflikts wirkten zusammen.

Alberto da Giussano und die „Kompanie des Todes“ gehören nicht zum gesicherten zeitgenössischen Bericht. Die Figur erscheint erst in spätmittelalterlichen Chroniken, besonders bei Galvano Fiamma, und wurde im Risorgimento zum nationalen Freiheitshelden. Die Schlacht selbst ist historisch; ihre populärsten Heldenbilder sind spätere Konstruktionen.

Venedig 1177 und der Frieden von Konstanz 1183

Nach Legnano suchte Barbarossa zunächst die Verständigung mit Alexander III. Im Frieden von Venedig 1177 erkannte er den Papst an und löste sich vom Gegenpapst. Mit den lombardischen Städten wurde eine sechsjährige Waffenruhe geschlossen. Die feierlichen Begegnungen in Venedig wurden später als persönliche Unterwerfung des Kaisers ausgeschmückt. Tatsächlich handelte es sich um einen sorgfältig ausgehandelten Ausgleich, der Rangfragen symbolisch ordnete, ohne die Kaiserwürde aufzuheben.

Am 25. Juni 1183 schloss Barbarossa den Frieden von Konstanz mit der Liga. Die Städte erkannten die kaiserliche Oberhoheit an, erhielten aber umfassende Nutzungsrechte an Regalien, eigene Konsuln, Gerichtsbarkeit und das Recht, ihre Liga fortzuführen. Bestimmte Abgaben und Formen der Bestätigung blieben dem Kaiser vorbehalten. Streitfälle sollten in geregelten Verfahren entschieden werden.

Der Frieden war weder die vollständige Kapitulation Barbarossas noch die moderne Unabhängigkeit Norditaliens. Er übersetzte ein militärisches Patt und eine veränderte politische Wirklichkeit in Recht. Die Kommunen erhielten ihre Autonomie in einer Form, die formal aus kaiserlicher Gewährung abgeleitet werden konnte. Der Kaiser behielt Oberhoheit und Einkünfte, verzichtete aber auf die direkte Kontrolle, die nach Roncaglia versucht worden war.

FrageRoncaglia 1158Konstanz 1183
Grundrichtungsystematische Feststellung und Einziehung kaiserlicher RegalienBestätigung kommunaler Nutzung vieler Rechte unter formaler Oberhoheit
Amtsträgerstarker kaiserlicher Einfluss und eingesetzte Podestàkommunale Wahl der Konsuln mit geregelter kaiserlicher Bestätigung
Bündnisseeigenmächtige Zusammenschlüsse eingeschränktLiga und gegenseitige Hilfe rechtlich anerkannt
Politische Wirkungkurzfristige Verdichtung, langfristig breite Oppositiondauerhafter Kompromiss zwischen Reichsrecht und kommunaler Autonomie

Toskana und Rom: mehr als ein Durchgang zwischen Lombardei und Sizilien

Die Toskana war für die Verbindung zwischen Norditalien, Rom und dem Königreich Sizilien strategisch entscheidend. Pisa stand häufig kaisernah, während Florenz im 13. Jahrhundert zu einem Zentrum guelfischer Bündnisse wurde. Siena, Arezzo, Lucca und kleinere Kommunen wechselten nach lokaler Lage ihre Partner. Die Schlacht von Montaperti 1260 war daher nicht einfach „Staufer gegen Florenz“, sondern ein toskanischer Parteienkrieg mit Truppenhilfe Manfreds.

Friedrich II. setzte in der Toskana Reichsvikare ein und förderte loyale Städte. Das Kastell von Prato und andere Bauten markierten kaiserliche Präsenz, ohne eine lückenlose Territorialherrschaft zu schaffen. Adelsfamilien, Bischöfe und Kommunen bewahrten eigene Machtbasen.

Rom war zugleich Krönungsort, päpstliche Residenz und Kommune. Römische Senatoren, Adelsgeschlechter und Volksbewegungen handelten eigenständig. Kaiserliche Briefe an den Senat, die demonstrative Übersendung des Mailänder Carroccio nach Cortenuova und Karls von Anjou späteres Senatorenamt zeigen, wie sehr die symbolische Herrschaft über Rom Teil italienischer Politik war.

Nach 1183: Barbarossa hatte Italien nicht „verloren“

Nach dem Frieden konnte Barbarossa erneut mit italienischen Städten und Eliten kooperieren. Er reiste 1184/85 durch Italien, wurde feierlich empfangen und schloss Bündnisse. Die Kommunen waren nicht aus dem Reich ausgeschieden. Vielmehr bestand ein System gegenseitiger Anerkennung, in dem kaiserliche Oberhoheit, Privilegien und städtische Selbstregierung nebeneinanderstanden.

Der wichtigste dynastische Schritt war die Ehe seines Sohnes Heinrich VI. mit Konstanze von Hauteville. Die Hochzeit fand am 27. Januar 1186 in Sant’Ambrogio in Mailand statt. Gerade Mailand, einst zerstört, wurde damit Bühne staufischer Dynastiepolitik. Das zeigt, wie stark sich Bündnisse innerhalb einer Generation verändern konnten.

Die Ehe eröffnete einen möglichen Erbanspruch auf das Königreich Sizilien. Für Barbarossa war dies zunächst eine dynastische Chance, nicht die sichere Vorstufe einer Eroberung. König Wilhelm II. von Sizilien lebte noch, und die Nachfolge blieb politisch offen. Nach seinem kinderlosen Tod 1189 wurde sie zum entscheidenden Konflikt.

Heinrich VI. und Konstanze: vom Eheprojekt zum sizilischen Erbanspruch

Konstanze war eine Tochter König Rogers II. und Tante Wilhelms II. Durch ihre Ehe mit Heinrich besaß das Paar einen starken dynastischen Anspruch. Ein automatisches Erbrecht nach modernen Regeln gab es jedoch nicht. In Sizilien erhob Tancred von Lecce, ein illegitimer Enkel Rogers II., Anspruch und wurde von einem Teil des Adels zum König gewählt. Papst Cölestin III. unterstützte Tancred zeitweise, weil die Verbindung von Kaiserreich und Sizilien den Kirchenstaat strategisch bedrohte.

Heinrich wurde 1191 in Rom zum Kaiser gekrönt und zog gegen das Königreich. Neapel widerstand, Krankheit schwächte das Heer, und der Feldzug brach zusammen. Konstanze geriet in Salerno in die Gewalt von Tancreds Anhängern. Sie wurde später freigelassen. Die Episode belegt die Unsicherheit des staufischen Anspruchs: Die lokale Unterstützung war begrenzt, und militärische Macht konnte nicht beliebig über die Halbinsel getragen werden.

Erst Tancreds Tod 1194 und die Minderjährigkeit seines Sohnes Wilhelm III. veränderten die Lage. Heinrich verfügte außerdem über erhebliche Mittel, unter anderem aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz, und erhielt maritime Unterstützung von Genua und Pisa.

Die Eroberung des Königreichs Sizilien 1194

Heinrichs zweiter Feldzug verlief rasch. Die kontinentalen Gebiete fielen, und Ende November zog er in Palermo ein. Am 25. Dezember 1194 wurde er zum König von Sizilien gekrönt. Einen Tag später gebar Konstanze in Jesi den späteren Friedrich II. Die zeitliche Nähe von Krönung und Geburt wurde schon von Zeitgenossen als dynastisch bedeutsam wahrgenommen.

Die Übernahme war nicht nur ein Austausch an der Spitze. Heinrich ließ Gegner verhaften und ging hart gegen tatsächliche oder vermeintliche Verschwörungen vor. Berichte über grausame Strafen stammen teils aus feindlicher Überlieferung, doch eine scharfe Repression ist unbestreitbar. Der Kaiser übernahm zugleich die normannischen Verwaltungsstrukturen, den Schatz, die Flotte und die wirtschaftlichen Ressourcen des Königreichs.

Damit entstand eine außergewöhnliche Machtverbindung: Der staufische Herrscher war gewählter König im Reich, Kaiser und erblicher König von Sizilien. Der Kirchenstaat lag geographisch zwischen Nord- und Südherrschaft. Für das Papsttum war dies ein Sicherheitsproblem; für Heinrich eine Grundlage weitreichender Mittelmeer- und Kreuzzugspläne.

Heinrichs Pläne, Widerstand und früher Tod

Heinrich versuchte, die Nachfolge im Reich stärker erblich zu gestalten und die verschiedenen Herrschaftsräume dynastisch zu sichern. Der sogenannte Erbreichsplan scheiterte am Widerstand der Fürsten und an der Komplexität der Verhandlungen. Zugleich plante der Kaiser einen Kreuzzug und pflegte Beziehungen bis in den östlichen Mittelmeerraum.

In Sizilien blieb die Herrschaft umstritten. 1197 kam es zu einer Verschwörung oder Rebellion, deren Ursachen und Reichweite nicht vollständig geklärt sind. Heinrich reagierte hart. Am 28. September 1197 starb er in Messina, vermutlich an einer Krankheit. Spekulationen über Vergiftung sind nicht beweisbar.

Sein Tod ließ die Verbindung der Herrschaftsräume auseinanderbrechen. Der kleine Friedrich war in Sizilien, während im Reich 1198 Philipp von Schwaben und Otto IV. konkurrierend gewählt wurden. In Mittel- und Süditalien kämpften deutsche Militärführer, päpstliche Beauftragte, normannische Adlige und lokale Städte um Einfluss.

1197 bis 1212: Herrschaftszerfall, Thronstreit und italienische Eigenpolitik

Konstanze übernahm die Regierung für Friedrich und löste sich von vielen deutschen Amtsträgern. Sie ließ ihren Sohn 1198 zum König von Sizilien krönen und erkannte eine päpstliche Lehnshoheit an, um das Königreich zu sichern. Nach ihrem Tod im November 1198 übernahm Innozenz III. eine Schutz- und Vormundschaftsrolle. Seine tatsächliche Kontrolle blieb begrenzt.

Markward von Annweiler, Diepold von Schweinspeunt, Walter von Brienne und verschiedene Adelsgruppen kämpften im Süden. Palermo, Messina und andere Städte verfolgten eigene Interessen. Die Minderjährigkeit Friedrichs war keine ruhige päpstliche Verwaltung, sondern eine Phase wechselnder Gewalten.

Im Norden wirkte der deutsche Thronstreit auf Italien zurück. Philipp von Schwaben verfügte über Anhänger, Otto IV. gewann päpstliche Unterstützung und wurde 1209 Kaiser. Als Otto in Mittelitalien und gegen Sizilien vorging, brach er mit Innozenz III. Der Papst förderte nun Friedrich. Italien war nicht bloß Schauplatz des Thronstreits; italienische Städte, Fürsten und die Kurie bestimmten seine Richtung mit.

Friedrich II.: ein in Italien aufgewachsener Staufer

Friedrich II. wurde in Jesi geboren, wuchs aber vor allem in Palermo auf. Die ältere romantische Vorstellung eines frei durch die Straßen ziehenden, von allen Kulturen geprägten Wunderkindes ist quellenarm und stark ausgeschmückt. Sicher ist, dass seine sizilische Umwelt lateinische, griechische, arabische und jüdische Traditionen verband und dass die königliche Herrschaft während seiner Minderjährigkeit stark geschwächt war.

Als Friedrich 1212 nach Norden aufbrach, war er bereits König von Sizilien. Seine Wahl und Krönung im Reich verdankte er auch päpstlicher Unterstützung. Er versprach, Sizilien und das Reich nicht dauerhaft in einer Hand zu vereinigen, und bestätigte in der Goldbulle von Eger 1213 umfangreiche kirchliche Rechte. Diese Zusagen wurden später unterschiedlich ausgelegt und teilweise nicht verwirklicht.

Friedrich blieb politisch stärker auf Italien ausgerichtet als die meisten seiner Vorgänger. Nach der Kaiserkrönung 1220 verbrachte er den überwiegenden Teil seiner verbleibenden Regierungszeit südlich der Alpen. Das bedeutet nicht, dass er „italienischer“ Nationalherrscher gewesen wäre. Seine Herrschaft verband das universale Kaisertum mit dem erblichen sizilischen Königtum und mit Ansprüchen im Regnum Italiae.

Capua 1220 und Melfi 1231: Wiederaufbau der sizilischen Monarchie

Unmittelbar nach seiner Kaiserkrönung in Rom am 22. November 1220 zog Friedrich in das Königreich Sizilien. Auf der Reichsversammlung von Capua ordnete er die Rücknahme von Rechten und Burgen an, die während seiner Minderjährigkeit entfremdet worden waren. Adlige, Städte und kirchliche Herren mussten Privilegien nachweisen. Das Ziel war die Wiederherstellung der königlichen Gewalt auf der Grundlage normannischer Traditionen.

1231 promulgierte Friedrich in Melfi die Konstitutionen des Königreichs Sizilien, häufig Liber Augustalis genannt. Das Gesetzbuch ordnete Gerichtsbarkeit, Amtsträger, Strafrecht, Verwaltung, öffentliche Ordnung und königliche Rechte. Es war keine moderne Verfassung und schuf den Staat nicht aus dem Nichts. Es bündelte ältere normannische Normen, neue Gesetze und römisch-kanonische Einflüsse zu einer demonstrativen Herrschaftsordnung.

Die Krone beanspruchte ein Gewalt- und Gesetzgebungsmonopol, kontrollierte Amtsträger und begrenzte Fehden. Zugleich blieben soziale Ungleichheit, privilegierte Stände, lokale Gewohnheiten und praktische Vollzugsprobleme bestehen. Die berühmte „Modernität“ der Konstitutionen liegt in ihrer systematischen Form und königlichen Programmatik, nicht in Gleichheit oder demokratischer Teilhabe.

Verwaltung, Wirtschaft, Kastelle und königliche Präsenz im Süden

Das Königreich war in Justiziarate gegliedert. Justitiare, Kämmerer, Richter, Notare und andere Amtsträger übermittelten königliche Befehle, zogen Abgaben ein und führten Verfahren. Das erhaltene Register von 1239/40 gewährt einen außergewöhnlichen Einblick in die dichte schriftliche Kommunikation der Kurie. Es zeigt zugleich, wie viel Nachsteuerung nötig war: Befehle wurden wiederholt, Missstände gerügt und lokale Widerstände bearbeitet.

Friedrich griff in Handel, Häfen, Salz, Metall, Färbemittel und andere wirtschaftliche Bereiche ein. Manche Tätigkeiten wurden durch Monopole oder Genehmigungen gelenkt. Die Krone benötigte Einnahmen für Hof, Verwaltung, Burgen, Flotte und Kriege. Für Untertanen konnte diese Politik Ordnung und Schutz, aber auch hohe Belastung bedeuten.

Ein Netz königlicher Kastelle sicherte Straßen, Küsten und Provinzen. Castel del Monte ist heute das berühmteste Bauwerk, war aber nur ein Teil eines viel größeren Systems. Foggia entwickelte sich zu einem bevorzugten Aufenthaltsort; vom dortigen Palast ist wenig erhalten. Melfi, Lucera, Bari, Trani, Brindisi, Catania, Syrakus und weitere Orte bewahren unterschiedliche Spuren staufischer Bautätigkeit, häufig verändert durch spätere Herrscher.

Die Architektur darf nicht pauschal einer einzigen „staufischen Stilrichtung“ zugeschrieben werden. Bauhütten, lokale Materialien, normannische Vorgänger, antike Spolien, islamische Formen und französische sowie zisterziensische Einflüsse wirkten zusammen. Auch Datierungen und persönliche Entwurfsanteile Friedrichs bleiben bei einzelnen Bauten umstritten.

Städte im Königreich Sizilien: weniger autonom, aber keineswegs bedeutungslos

Die Städte Süditaliens und Siziliens besaßen nicht dieselbe politische Selbstständigkeit wie viele Kommunen der Lombardei. Könige kontrollierten Amtsträger, Befestigungen, Steuern und Gerichtsbarkeit stärker. Dennoch waren Palermo, Messina, Neapel, Capua, Salerno, Bari, Trani und andere Zentren wirtschaftlich, militärisch und administrativ unverzichtbar.

Während königlicher Minderjährigkeiten oder Krisen erweiterten Städte ihre Handlungsspielräume. Messina konnte aufgrund seiner Lage an der Meerenge besonderen Druck ausüben; Neapel widerstand Heinrich VI. 1191 und Konrad IV. bis 1253. Städtische Eliten verhandelten Privilegien, stellten Flotten oder Truppen und beteiligten sich an Aufständen.

Friedrich II. begrenzte autonome Zusammenschlüsse und zog Burgen an die Krone. Das bedeutete keine völlige Passivität der Bürger, sondern eine andere Verfassungsordnung: politische Einflussnahme erfolgte häufiger durch Hofkontakte, Privilegien, Ämter und lokale Verhandlungen als durch souveräne kommunale Bündnisse.

Geld, Kredit und Kriegskosten

Italienpolitik war teuer. Heere mussten über Monate versorgt, Söldner bezahlt, Belagerungsmaschinen gebaut und Gesandte unterhalten werden. Die traditionelle Heerfolge der Fürsten reichte für lange Feldzüge nicht aus. Mit zunehmender Dauer wurden Geldzahlungen und angeworbene Kontingente wichtiger.

Barbarossas Regalienpolitik zielte daher auch auf Einnahmen. Heinrich VI. konnte 1194 Mittel aus dem Lösegeld Richards Löwenherz einsetzen. Friedrich II. stützte sich auf die fiskalischen Ressourcen Siziliens, königliche Monopole, Zölle und Abgaben. Diese Stärke ermöglichte lange Kriege, belastete aber das Königreich und machte den Kaiser von funktionierender Verwaltung abhängig.

Auch die Gegner finanzierten Krieg nicht allein aus Begeisterung. Kommunen erhoben Sondersteuern, nahmen Kredite auf und teilten Kosten innerhalb der Liga. Die angevinische Eroberung wurde durch päpstliche Diplomatie und Bankiersnetzwerke unterstützt. Militärische Entscheidungen wie Benevent waren deshalb Endpunkte längerer finanzieller Mobilisierung.

Universität Neapel, Hofkultur und die Grenzen des „Wunderkaisers“

1224 gründete Friedrich die Universität Neapel, um Juristen und Verwaltungsfachleute im eigenen Königreich auszubilden. Die Gründung war ein herrschaftspolitisches Projekt und sollte die Abwanderung nach Bologna begrenzen. Sie steht für die Bedeutung von Recht, Schrift und gelehrtem Personal in der Monarchie.

Der Hof förderte lateinische Literatur, Naturkunde, Übersetzungen und Dichtung. Die sizilianische Dichterschule gilt als wichtiger Schritt in der Geschichte der italienischen Volkssprache. Friedrichs Falkenbuch De arte venandi cum avibus zeigt genaue Beobachtung und gelehrten Anspruch. Dennoch war der Hof kein moderner Forschungsstaat. Wissen diente auch Repräsentation, Jagd, Verwaltung und dynastischem Prestige.

Der Beiname stupor mundi, „Staunen der Welt“, wurde in verschiedenen Kontexten verwendet und später zu einem umfassenden Geniekult ausgebaut. Friedrich war außergewöhnlich gebildet und neugierig, zugleich ein mittelalterlicher Herrscher, der Kriege führte, Gegner bestrafte, Zwangsmaßnahmen anordnete und auf ständische Hierarchien baute.

Muslime in Sizilien und Lucera: Zwangsumsiedlung statt Toleranzidylle

Auf Sizilien bestanden seit der islamischen Herrschaft bedeutende muslimische Gemeinschaften. Unter den Normannen waren sie in die Monarchie eingebunden, verloren jedoch schrittweise politische und soziale Positionen. Während Friedrichs Minderjährigkeit entstanden in Westsizilien autonome oder aufständische muslimische Herrschaftsbereiche.

Friedrich führte mehrjährige Feldzüge und ließ seit den 1220er Jahren große Teile der muslimischen Bevölkerung nach Lucera in Apulien deportieren. Die Umsiedlung war eine gewaltsame Herrschaftsmaßnahme, die Widerstand auf der Insel brechen sollte. In Lucera erhielten die Bewohner religiöse und wirtschaftliche Handlungsspielräume und stellten zuverlässige Soldaten, Bogenschützen, Handwerker und Abgabenzahler für den Kaiser.

Die Kombination von Zwangsdeportation und späterer begrenzter Schutzstellung lässt sich nicht mit dem einfachen Etikett „religiöse Toleranz“ erfassen. Friedrich nutzte eine entwurzelte Gemeinschaft als königsunmittelbare Ressource. Dass muslimische Religionsausübung in Lucera möglich war, ist historisch bedeutsam; es macht die vorausgehende Gewalt nicht ungeschehen.

Friedrich II. und die zweite Lombardische Liga

Nach dem Frieden von Konstanz hatten sich die kommunalen Institutionen weiterentwickelt. Konsularische Regierungen wurden vielerorts durch Podestà-Systeme ergänzt; „Volks“-Organisationen und Zünfte gewannen Einfluss. Städte kontrollierten große Territorien und führten untereinander Kriege. Als Friedrich II. seine Rechte im Norden erneuern wollte, traf er auf politisch und militärisch erfahrene Kommunen.

1226 erneuerten zahlreiche Städte ihre Liga. Anlass war unter anderem eine für Cremona geplante Reichsversammlung, auf der Friedrich über Reichsrechte, Kreuzzug und Häresiebekämpfung beraten wollte. Die Liga blockierte Wege und verhinderte die Anreise. Papst Honorius III. vermittelte, weil er zugleich den Kreuzzug sichern wollte. Der Konflikt wurde vorläufig beigelegt, aber nicht gelöst.

Wieder standen nicht alle Städte gegen den Kaiser. Cremona, Pavia, Modena, Reggio und weitere Orte waren zeitweise wichtige Verbündete. Friedrich stützte sich auf italienische Adlige und Stadtherren wie Ezzelino III. da Romano. Die Liga wiederum verband Kommunen mit sehr unterschiedlichen Verfassungen und Rivalitäten.

Cortenuova 1237: großer Sieg ohne politischen Abschluss

Am 27. November 1237 besiegte Friedrich II. das Heer der Liga bei Cortenuova. Der Mailänder Carroccio fiel in seine Hände. Friedrich inszenierte den Sieg europaweit in Briefen und ließ den Fahnenwagen nach Rom bringen. Die Propaganda stellte Cortenuova als Wiederherstellung der kaiserlichen Majestät dar.

Der Sieg war militärisch bedeutend, zerstörte die Liga aber nicht. Friedrich verlangte eine weitgehende Unterwerfung; Mailand und andere Städte lehnten ab. Historiker diskutieren, ob der Kaiser eine günstige Verhandlungschance verspielte. Sicher ist, dass die kompromisslose Siegespolitik den Krieg verlängerte.

Cortenuova zeigt die Grenzen symbolischer Überhöhung. Ein erbeuteter Carroccio und triumphale Briefe konnten fehlende Kapitulationen nicht ersetzen. Belagerungskrieg, Versorgung und lokale Bündnisse blieben entscheidend.

Der Krieg seit 1239: Lombardei, Papsttum und ein italienisches Herrschaftssystem

1239 bannte Gregor IX. Friedrich erneut. Der Konflikt mit der Liga verschmolz nun vollständig mit dem Papstkrieg. Friedrich setzte Generalvikare und Legaten ein, band Städte durch Privilegien und drohte Gegnern mit Acht und Rechtsverlust. Sein Sohn Enzio erhielt militärische Aufgaben und führte den Titel eines Königs von Sardinien, obwohl seine tatsächliche Herrschaft auf der Insel begrenzt blieb.

Die kaiserliche Partei gewann zeitweise große Teile Nord- und Mittelitaliens. Doch sie war kein zentral gesteuerter Block. Ezzelino verfolgte in der Mark Verona eigene Herrschaftsziele; Adelsfamilien nutzten den Kaiser für lokale Konflikte. Päpstliche und kommunale Gegner taten dasselbe. Der Begriff „staufisches Italien“ bezeichnet daher ein Netzwerk aus direkten Herrschaftsräumen, Amtsträgern, Verbündeten und abhängigen Städten – keine geschlossene Provinz.

1241 fingen kaiserlich-pisanische Kräfte bei Giglio zahlreiche Prälaten ab, die zu einem päpstlichen Konzil reisten. Die Gefangennahme war ein schwerer propagandistischer Schaden und verschärfte die Feindschaft. Nach Gregors Tod und kurzen Pontifikaten wurde Innozenz IV. gewählt. Friedensgespräche scheiterten; der Papst floh nach Lyon und erklärte Friedrich 1245 für abgesetzt.

Sardinien, Enzio und ein umstrittener Königstitel

Sardinien gehörte nicht einfach zum Königreich Sizilien. Die Insel war in Judikate gegliedert und stand unter konkurrierendem Einfluss lokaler Familien, Pisas, Genuas und des Papsttums. Herrschaftsansprüche waren durch Ehen, Lehnsbeziehungen und militärische Präsenz miteinander verschränkt.

Enzio heiratete Adelasia, die Erbin von Torres und Gallura, und führte seit 1239 den Titel eines Königs von Sardinien. Der Titel unterstützte Friedrichs II. Anspruch, im westlichen Mittelmeer politisch zu handeln, provozierte aber die Kurie. Die Ehe zerbrach, und Enzios reale Herrschaft auf der Insel blieb kurz und begrenzt.

Seine spätere Bedeutung lag vor allem in Norditalien als kaiserlicher Generallegat. Sardinien zeigt besonders deutlich, dass ein mittelalterlicher Königstitel nicht mit flächendeckender Verwaltung gleichgesetzt werden darf.

Parma 1247/48 und der Untergang der Stadt Vittoria

Parma galt als kaiserfreundlich, wechselte 1247 jedoch durch einen innerstädtischen Umsturz die Seite. Friedrich begann die Belagerung und ließ eine befestigte Lagerstadt errichten, die programmatisch Vittoria hieß. Sie sollte nicht nur militärische Basis, sondern sichtbares Zeichen des erwarteten Sieges sein.

Am 18. Februar 1248 griffen die Parmesen das unzureichend gesicherte Lager an, eroberten und zerstörten Vittoria. Der Kaiser verlor Ausrüstung, Schatz- und Herrschaftszeichen sowie erhebliches Prestige. Die genaue Zusammensetzung der Beute wird in den Quellen unterschiedlich geschildert.

Parma war kein endgültiger militärischer Zusammenbruch, aber ein Wendepunkt. Die kaiserliche Unbesiegbarkeit war widerlegt, Gegner schöpften Mut, und die Ressourcen des langjährigen Krieges wurden knapper. Die symbolisch überladene Lagerstadt machte die Niederlage besonders sichtbar.

Enzio und Fossalta 1249

Enzio, ein außerehelicher Sohn Friedrichs II., war einer der wichtigsten militärischen Vertreter des Kaisers in Norditalien. 1249 geriet er nach der Schlacht bei Fossalta gegen Bologna in Gefangenschaft. Obwohl Friedrich und andere Mächte seine Freilassung anstrebten, blieb Enzio bis zu seinem Tod 1272 in Bologna.

Die spätere Überlieferung romantisierte seine Gefangenschaft, seine Dichtung und Liebesgeschichten. Gesichert ist seine jahrzehntelange Haft im kommunalen Palazzo, die Bologna als politisches Prestigeobjekt nutzte. Seine Gefangennahme schwächte die kaiserliche Führung, beendete den Krieg aber nicht unmittelbar.

Friedrichs Tod 1250 und die Frage eines gescheiterten Italienprojekts

Friedrich II. starb am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino in Apulien. Er hinterließ seinem Sohn Konrad IV. das Königreich Sizilien und den Anspruch auf die Kaiserherrschaft. Im Norden bestanden weiterhin kaiserliche Parteien, doch das Netz war stark an Friedrichs Person und Ressourcen gebunden.

War seine Italienpolitik gescheitert? Im Süden hinterließ er eine funktionsfähige Monarchie, Gesetze, Amtsträger und Burgen. Im Norden konnte er die Liga trotz Cortenuova nicht dauerhaft unterwerfen. Seine Politik verstärkte jedoch die Ausbildung städtischer Parteien, regionaler Signorien und des Guelfen-Ghibellinen-Gegensatzes. Erfolg und Scheitern unterschieden sich nach Raum und Ziel.

Die Vorstellung eines einheitlichen Plans, ganz Italien in einen zentralen staufischen Staat zu verwandeln, ist zu glatt. Friedrich wollte kaiserliche Rechte, sichere Verkehrswege, loyale Städte und Schutz für sein sizilisches Königreich. Diese Ziele entwickelten sich im Konflikt und wurden durch Papstkrieg, lokale Bündnisse und dynastische Notwendigkeiten verschärft.

Konrad IV.: Rückkehr in das sizilische Erbreich

Konrad IV. konnte sich im Reich gegen Wilhelm von Holland nicht vollständig durchsetzen. 1251 zog er nach Italien und erreichte 1252 das Königreich Sizilien. Dort stand Manfred zunächst als Vertreter staufischer Interessen. Konrad gewann wichtige Positionen zurück und eroberte 1253 Neapel.

Das Verhältnis zwischen den Halbbrüdern Konrad und Manfred war von Zusammenarbeit und Misstrauen geprägt. Konrad ordnete die Herrschaft neu und begrenzte Manfreds Stellung. Er starb jedoch bereits am 21. Mai 1254 in einem Lager bei Lavello. Gerüchte über Vergiftung durch Manfred entstanden früh, sind aber nicht beweisbar.

Konrads Sohn Konradin war erst zwei Jahre alt. Damit entstand erneut eine Minderjährigenherrschaft, in der päpstliche Ansprüche, staufische Amtsträger, Barone und Städte konkurrierten.

Manfred: Regent, König und Führungsfigur der Ghibellinen

Manfred übernahm nach Konrads Tod eine zentrale Rolle. Zunächst handelte er nominell für Konradin, geriet aber in Konflikt mit Papst Innozenz IV. Nach wechselnden Kämpfen gewann er das Königreich weitgehend zurück. 1258 ließ er sich in Palermo zum König krönen, nachdem sich ein falsches Gerücht vom Tod Konradins verbreitet hatte. Die Krönung überging die dynastischen Rechte des Neffen.

Manfred knüpfte ein weites Bündnissystem in Italien. Seine Truppen unterstützten die sienesisch-ghibellinische Seite, die am 4. September 1260 bei Montaperti über Florenz und dessen Verbündete siegte. Dieser Erfolg machte Manfred zu einer dominierenden Figur der kaiserfreundlichen Parteien, obwohl er keine anerkannte Kaiserwürde besaß.

Seine Herrschaft war kulturell und administrativ eine Fortsetzung staufisch-sizilischer Traditionen, blieb aber kirchenrechtlich und international angreifbar. Die Päpste suchten einen auswärtigen Fürsten, der Sizilien als päpstliches Lehen übernehmen und Manfred militärisch beseitigen konnte.

Karl von Anjou und die päpstlich legitimierte Eroberung

Urban IV. und Klemens IV. verhandelten mit Karl von Anjou, dem Bruder des französischen Königs Ludwig IX. Karl erhielt das Königreich unter päpstlichen Lehnsbedingungen. Die Unternehmung wurde finanziell durch Kredite und politische Netzwerke unterstützt, darunter italienische Bankiers und guelfische Städte.

Am 26. Februar 1266 trafen die Heere bei Benevent aufeinander. Manfred fiel in der Schlacht. Karl übernahm das Königreich, ersetzte Personal und verteilte Besitz an Anhänger. Die neue Herrschaft war nicht bloß „französisch“: Sie stützte sich auch auf italienische Guelfen, päpstliche Legitimation und lokale Gegner der Staufer.

Für viele frühere staufische Anhänger blieben Enteignungen, Abgaben und politische Zurücksetzung Anlass zum Widerstand. Dadurch erhielt Konradins Anspruch neue Attraktivität.

Konradin 1267/68: letzter Versuch und Ende der staufischen Herrschaft

Konradin wuchs in Bayern auf und verfügte nur über begrenzte Mittel. Ghibellinische Gesandte und Vertriebene aus dem Königreich ermutigten ihn zum Italienzug. 1267 überschritt er die Alpen. In Pisa und Rom wurde er von Anhängern empfangen; die Unterstützung war jedoch regional und politisch uneinheitlich.

Am 23. August 1268 unterlag Konradin Karl von Anjou bei Tagliacozzo. Die Schlacht wurde durch taktische Reservekräfte entschieden, nachdem Konradins Heer den Sieg bereits sicher glaubte. Konradin floh, wurde gefangen und in Neapel vor Gericht gestellt.

Am 29. Oktober 1268 wurde der sechzehnjährige Konradin auf dem Marktplatz von Neapel hingerichtet. Der Prozess und die Rechtsgrundlage sind seit langem umstritten. Karl von Anjou trug die unmittelbare politische Verantwortung; die päpstliche Politik hatte seine Herrschaft ermöglicht und Konradins Zug bekämpft, doch ein direkter päpstlicher Hinrichtungsbefehl ist nicht sicher belegt.

Mit Konradins Tod endete die staufische Königsherrschaft in Italien. Dynastische Ansprüche wirkten über weibliche Linien fort und spielten beim Sizilianischen Vesperkrieg seit 1282 eine Rolle, doch das gehört bereits zur angevinisch-aragonesischen Nachgeschichte.

Guelfen und Ghibellinen: nützliche Begriffe mit gefährlichen Vereinfachungen

Die Namen leiten sich entfernt von Welfen und Waiblingen ab, wurden in Italien aber zu eigenständigen Parteibezeichnungen. Im 13. Jahrhundert konnten Guelfen päpstliche oder angevinische Bündnisse vertreten, Ghibellinen kaiserliche oder staufische. Häufig bezeichneten die Wörter zugleich lokale Familienkoalitionen, Verfassungskonflikte und Exilgruppen.

Die Parteien waren nicht sozial einheitlich. Kaufleute, Adlige, Handwerker und Geistliche finden sich in unterschiedlichen Lagern. Auch „Volk“ und „Adel“ lassen sich nicht schlicht Guelfen und Ghibellinen zuordnen. Parteiwechsel, Friedensschlüsse und Rückkehr aus dem Exil waren häufig.

Nach dem Ende der Staufer blieben die Begriffe bestehen und lösten sich weiter von ihrem dynastischen Ursprung. Wer eine Stadt um 1300 als ghibellinisch bezeichnet, beschreibt daher nicht automatisch fortdauernde Treue zu einer staufischen Familie.

Nord, Mitte und Süd: drei sehr verschiedene Formen staufischer Präsenz

RaumHerrschaftsgrundlageTypische KonflikteStaufische Instrumente
NorditalienKönigsrechte des Regnum Italiae, Privilegien, Lehen und Bündnissekommunale Autonomie, Regalien, Stadtfehden, LigaHoftage, Gericht, Podestà, Reichsacht, Privilegien, Heere und Generalvikare
Mittelitalienkaiserliche Rechte, Adels- und Städtebündnisse, umstrittene Grenzen zum KirchenstaatRom, Toskana, päpstliche Territorien, Verkehrswege zwischen Nord und SüdVikare, senatorische Ämter, Bündnisse mit Pisa, Siena und Adelsfamilien
Königreich Sizilienerbliche Königsherrschaft und normannische VerwaltungsgrundlagenBarone, Städte, muslimische Aufstände, päpstliche LehnshoheitGesetzgebung, Justiziarate, Kastelle, Domänen, Flotte, Steuern und schriftliche Verwaltung

Dieser Vergleich erklärt, warum dieselben Herrscher unterschiedlich handelten. Friedrich II. konnte in Melfi Gesetze für sein Erbkönigreich erlassen, in Mailand aber keine vergleichbare Verwaltung ohne Zustimmung oder Unterwerfung der Kommune durchsetzen. Umgekehrt besaßen norditalienische Städte militärische und finanzielle Ressourcen, die süditalienische Städte unter der Monarchie nicht in gleicher Weise entfalten konnten.

Was Italienzüge für Menschen und Landschaften bedeuteten

Große Politik erscheint in Urkunden als Rechte und Eide, traf die Bevölkerung aber als Einquartierung, Abgabe, Transportpflicht, Geiselstellung, Zerstörung von Ernten und Belagerung. Heere lebten teilweise aus mitgeführten Vorräten, vor allem aber aus lokalen Lieferungen und erzwungener Versorgung. Pferde benötigten enorme Mengen Futter. Eine lange Belagerung belastete daher ganze Regionen.

Stadtmauern schützten nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und symbolisch. Ihre Schleifung war eine öffentliche Entmachtung. Der Wiederaufbau Mailands und die Zerstörung Vittorias zeigten umgekehrt, dass Bau und Raum politische Botschaften trugen.

Geiseln dienten als Garantie für Verträge. Verbannungen und Konfiskationen veränderten städtische Gesellschaften; Exilierte suchten Hilfe bei auswärtigen Mächten. Der Guelfen-Ghibellinen-Konflikt war für viele Familien deshalb keine abstrakte Ideologie, sondern eine Frage von Besitz, Rückkehr und Überleben.

Frauen, Ehepolitik und Erbrecht in der italienischen Staufergeschichte

Die Verbindung mit Sizilien beruhte auf Konstanzes Erbrecht. Ohne ihre Stellung im Haus Hauteville hätte Heinrich VI. keinen vergleichbaren dynastischen Anspruch besessen. Konstanze handelte 1197/98 selbstständig, sicherte die Krönung Friedrichs und ordnete das Verhältnis zum Papsttum neu.

Auch weitere Ehen verbanden die Staufer mit italienischen und mediterranen Dynastien. Friedrich II. heiratete Konstanze von Aragón, Isabella von Brienne und Isabella von England. Die Ehe mit Isabella von Brienne vermittelte den Anspruch auf Jerusalem. Manfreds Ehe mit Helena von Epirus verband ihn mit dem Balkanraum; seine Tochter Konstanze heiratete Peter von Aragón und übertrug staufische Erbansprüche in die aragonesische Politik.

Frauen erscheinen in erzählenden Quellen oft nur als Erbinnen, Ehefrauen oder Mütter. Urkunden, Regentschaften und Besitzübertragungen zeigen jedoch eigenständige Handlungsspielräume. Zugleich blieben diese Spielräume durch dynastische Interessen und patriarchale Rechtsordnungen begrenzt.

Quellenkritik: Wer erzählt die staufische Italienpolitik?

Für Barbarossa sind die Gesta Friderici Ottos von Freising und Rahewins zentral, aber hofnah und nur bis 1160 reichend. Otto und Acerbus Morena berichten aus Lodi und bieten wertvolle lokale Perspektiven, stehen dem Kaiser jedoch nahe. Mailändische und päpstliche Quellen setzen andere Akzente. Urkunden dokumentieren Rechtsakte, nicht automatisch ihre vollständige Umsetzung.

Für Friedrich II. sind kaiserliche Briefe, Papstregister, Gesetze, das Register von 1239/40 und zahlreiche Chroniken erhalten. Petrus de Vinea formulierte eine hochentwickelte kaiserliche Publizistik. Salimbene de Adam schrieb anschaulich, war aber ein entschiedener Kritiker Friedrichs und verband Beobachtung mit Gerücht, Moralurteil und Anekdote. Matthäus Paris bietet eine europäische Perspektive, ist aber ebenfalls selektiv.

Für Manfred, Karl von Anjou und Konradin sind Saba Malaspina, päpstliche Register, angevinische Akten und städtische Chroniken wichtig. Jede Quelle hat Standort, Auftrag und Publikum. Zahlen zu Heeren, Toten und Deportierten sind besonders unsicher; mittelalterliche Autoren übertrieben häufig, um Größe, Grausamkeit oder göttliches Eingreifen zu zeigen.

Relativ sicher

  • datierte Urkunden und Verträge
  • Krönungen, große Schlachten und Herrscherwechsel
  • Existenz von Liga, Gesetzen und Verwaltungsämtern
  • grundlegende Abfolge von Feldzügen

Besonders vorsichtig

  • dramatische Reden und Dialoge
  • exakte Heeres- und Opferzahlen
  • Vergiftungsgerüchte
  • späte Heldengeschichten und nationale Deutungen
  • moderne Zuschreibungen geheimer Bauprogramme

Legenden, nationale Geschichtsbilder und touristische Verkürzungen

Im italienischen Risorgimento wurden Legnano und der Lombardenbund zu Vorbildern nationaler Befreiung. Die mittelalterlichen Kommunen kämpften jedoch nicht für einen italienischen Nationalstaat. Viele italienische Städte standen auf kaiserlicher Seite, und die Liga wollte zunächst konkrete Rechte innerhalb der bestehenden Ordnung sichern.

Alberto da Giussano, die Kompanie des Todes und der Schwur von Pontida gehören zu den wirkmächtigsten späteren Bildern. Sie sind als Erinnerungskultur historisch wichtig, dürfen aber nicht wie zeitgenössisch belegte Tatsachen behandelt werden.

Friedrich II. wird touristisch häufig als aufgeklärter, religiös toleranter Universalgelehrter dargestellt. Seine kulturelle Offenheit, Gelehrsamkeit und Verwaltung sind real. Ebenso real sind Zwangsumsiedlungen, harte Strafpolitik und Kriege. Castel del Monte wird mit astronomischen, esoterischen und geheimordenhaften Deutungen überladen; viele davon sind spekulativ und quellenlos.

Auch die Formel vom „Untergang der Staufer in Italien“ kann täuschen. 1268 endete die staufische Königsherrschaft, nicht jede Erinnerung, Verwandtschaft oder politische Tradition. Ghibellinische Parteien, staufische Legenden und dynastische Ansprüche wirkten fort.

Staufische Italienorte heute lesen

Die Geschichte lässt sich an vielen Orten nachvollziehen, doch sichtbare Bauten stammen selten unverändert aus einem einzigen staufischen Moment. In Pavia erinnern Kirchen und Stadtraum an Königskrönungen und kaiserfreundliche Politik. In Mailand verweisen Museen, Porta-Romana-Reliefs und Stadtgeschichte auf Zerstörung und Wiederaufbau. Lodi, Crema, Cremona, Piacenza, Alessandria, Legnano und Konstanz erklären jeweils andere Seiten des kommunalen Konflikts.

Für Friedrich II. sind Melfi, Lucera, Foggia, Castel del Monte, Trani, Bari, Brindisi, Cosenza, Palermo und weitere Orte wichtig. Manche Anlagen wurden unter Anjou, Aragón, spanischer oder neuzeitlicher Herrschaft stark verändert. Eine erhaltene Burg ist daher nicht automatisch vollständig „von Friedrich persönlich gebaut“.

Gute historische Vermittlung sollte vor Ort drei Ebenen unterscheiden: den mittelalterlichen Befund, die spätere Umgestaltung und die moderne Deutung. Öffnungszeiten, Zugänglichkeit und Baustellen ändern sich; diese Seite beschreibt deshalb historische Bedeutung und keine tagesaktuelle Besuchsgarantie.

Bilanz: Italien machte die Staufer groß – und überforderte ihre Herrschaft

Ohne Italien wären die Staufer keine Kaiser- und Mittelmeerdynastie geworden. Die Kaiserkrönung in Rom, die Rechte des Regnum Italiae, die reichen Kommunen und das Königreich Sizilien verliehen ihnen europäisches Gewicht. Italien bot Geld, Häfen, Verwaltung, Kultur und dynastische Möglichkeiten.

Dieselben Räume erzeugten aber strukturelle Überforderung. Norditalienische Kommunen konnten sich dauerhaft verbünden. Das Papsttum fürchtete die Verbindung von Nord und Süd. Alpenübergänge und lange Kommunikationswege erschwerten Kontrolle. Lokale Verbündete verfolgten eigene Ziele, und jeder militärische Erfolg musste in Verträge, Ämter und dauerhafte Loyalität übersetzt werden.

Barbarossa fand 1183 einen tragfähigen Kompromiss. Heinrich VI. gewann Sizilien, starb aber zu früh für eine stabile Verbindung. Friedrich II. baute im Süden eine starke Monarchie auf, radikalisierte im Norden jedoch den Konflikt, ohne die Kommunen endgültig zu unterwerfen. Konrad IV. fehlte Zeit, Manfred fehlte anerkannte Legitimität, Konradin fehlten Ressourcen. Karl von Anjou konnte schließlich mit päpstlicher, finanzieller und italienischer Unterstützung siegen.

Die staufische Italiengeschichte ist deshalb weder die Geschichte einer deutschen Besatzung noch die eines gescheiterten Nationalstaats. Sie ist die Geschichte überlagerter Herrschaftsrechte, urbaner Selbstregierung, dynastischen Erbes, päpstlicher Sicherheitspolitik und regionaler Bündnisse in einer der politisch dichtesten Landschaften des mittelalterlichen Europa.

Große Zeittafel: Staufer in Italien von 1138 bis 1268

  1. Konrad III. wird König; seine Herrschaft im Regnum Italiae bleibt wegen anderer Konflikte und des Kreuzzugs nur begrenzt präsent.
  2. Zweiter Kreuzzug; Konrad III. erreicht keine Kaiserkrönung in Rom.
  3. Friedrich I. Barbarossa wird zum König gewählt.
  4. Beginn des ersten Italienzugs; Versammlung bei Roncaglia und Eingreifen in lombardische Stadtfehden.
  5. Tortona kapituliert; Friedrich wird in Pavia zum König von Italien und am 18. Juni in Rom zum Kaiser gekrönt.
  6. Zweiter Italienzug, Unterwerfung Mailands und große Versammlung von Roncaglia mit Feststellung der Regalien.
  7. Belagerung und Zerstörung Cremas; Beginn des Papstschismas.
  8. Mailand kapituliert; Bevölkerung wird vertrieben, Befestigungen und große Stadtteile werden zerstört.
  9. Veroneser Städtebund gegen die kaiserliche Verwaltung.
  10. Bildung der Lombardischen Liga, Rückkehr der Mailänder und kaiserliche Katastrophe durch die Epidemie bei Rom.
  11. Entstehung Alessandrias als gegen Kaiser und Montferrat gerichtete Bundesstadt.
  12. Vergebliche Belagerung Alessandrias und gescheiterte Friedensverhandlungen.
  13. Niederlage Barbarossas bei Legnano am 29. Mai.
  14. Frieden von Venedig mit Alexander III. und sechsjährige Waffenruhe mit den Kommunen.
  15. Frieden von Konstanz: Anerkennung kommunaler Rechte unter formaler kaiserlicher Oberhoheit.
  16. Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien heiraten in Mailand.
  17. Tod Wilhelms II. von Sizilien; Tancred von Lecce wird Gegenkandidat zum staufischen Erbanspruch.
  18. Kaiserkrönung Heinrichs VI.; erster, gescheiterter Eroberungszug nach Süditalien.
  19. Heinrich VI. erobert das Königreich Sizilien und wird am 25. Dezember in Palermo gekrönt; Friedrich II. wird am Folgetag geboren.
  20. Tod Heinrichs VI. in Messina; Zerfall der unmittelbaren staufischen Kontrolle.
  21. Friedrich wird König von Sizilien; Tod Konstanzes und Beginn päpstlicher Vormundschaft.
  22. Otto IV. wird Kaiser, greift nach Süditalien und bricht mit Innozenz III.
  23. Friedrich II. verlässt Sizilien und zieht zur Königswahl in das Reich.
  24. Goldbulle von Eger mit Zusagen an die Kirche.
  25. Kaiserkrönung Friedrichs II.; anschließend Wiederherstellung königlicher Rechte im Süden auf der Versammlung von Capua.
  26. Gründung der Universität Neapel.
  27. Erneuerung der Lombardischen Liga und Blockade der geplanten Reichsversammlung von Cremona.
  28. Bann, Kreuzzug und anschließende Aussöhnung; Friedrich festigt das Königreich Sizilien.
  29. Verkündung der Konstitutionen von Melfi.
  30. Niederwerfung Heinrichs (VII.) und erneute Vorbereitung des norditalienischen Kriegs.
  31. Sieg Friedrichs II. bei Cortenuova am 27. November.
  32. Erneuter Bann; der Krieg in Nord- und Mittelitalien verbindet sich mit dem Papstkonflikt.
  33. Seeschlacht bei Giglio und Gefangennahme zahlreicher Konzilsteilnehmer.
  34. Innozenz IV. erklärt Friedrich auf dem Konzil von Lyon für abgesetzt.
  35. Abfall Parmas, Belagerung und Zerstörung des kaiserlichen Lagers Vittoria.
  36. Enzio gerät bei Fossalta in bolognesische Gefangenschaft.
  37. Tod Friedrichs II. in Castel Fiorentino.
  38. Konrad IV. gewinnt im Königreich Sizilien Boden und erobert Neapel.
  39. Tod Konrads IV.; Manfred übernimmt eine führende Rolle.
  40. Manfred lässt sich in Palermo zum König krönen.
  41. Sieg der ghibellinischen Seite bei Montaperti mit Unterstützung Manfreds.
  42. Manfred fällt am 26. Februar bei Benevent gegen Karl von Anjou.
  43. Konradins Italienzug, Niederlage bei Tagliacozzo und Hinrichtung am 29. Oktober 1268 in Neapel.

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Häufige Fragen zu den Staufern in Italien

War Italien im Mittelalter ein einheitliches Land?

Nein. Der Norden und Teile Mittelitaliens bildeten das Regnum Italiae im Reich, daneben bestanden der Kirchenstaat, das Königreich Sizilien, kommunale Stadtstaaten, Fürstentümer und Seemächte. Gemeinsame Sprache oder Kultur bedeuteten keine einheitliche Staatlichkeit.

Waren die Staufer deutsche Fremdherrscher in Italien?

Diese moderne Formel ist zu einfach. Die Könige beanspruchten überlieferte Rechte im Regnum Italiae und stützten sich auf zahlreiche italienische Städte und Adlige. Andere Kommunen bekämpften konkrete Eingriffe. Nationale Lager im heutigen Sinn existierten nicht.

Warum zog Barbarossa so oft nach Italien?

Die Kaiserkrönung erfolgte in Rom, das Regnum Italiae gehörte zu seinem Herrschaftsanspruch, und Regalien versprachen Einkünfte. Zugleich baten italienische Verbündete um Hilfe gegen Rivalen. Später kamen Papstschisma, Kommunen und dynastische Ziele hinzu.

Was waren die Regalien von Roncaglia?

Regalien waren königliche Hoheitsrechte und Einkünfte, etwa Zölle, Münzen, Gerichtsbarkeit, Straßen, Märkte und bestimmte Abgaben. 1158 wurden sie systematisch formuliert. Umstritten blieb, welche Rechte der Kaiser tatsächlich überall beanspruchen konnte.

Erfanden die Bologneser Juristen bei Roncaglia den Absolutismus?

Nein. Römisches Recht lieferte Begriffe für Herrschaft und Regalien, doch die Juristen schufen keinen modernen Zentralstaat. Die politische Durchsetzung hing weiterhin von Eiden, Städten, Fürsten und militärischer Macht ab.

Wer zerstörte Mailand 1162?

Barbarossa ordnete nach der Kapitulation die Entfestigung und Zerstörung an. An der Durchführung waren besonders lombardische Gegner Mailands wie Cremona, Lodi, Pavia und Como beteiligt. Das Ereignis war daher ein kaiserlicher Strafakt und zugleich Teil inneritalienischer Stadtfehden.

Gab es den Schwur von Pontida wirklich?

Die Lombardische Liga und eidliche Bündnisse der Städte sind sicher belegt. Ein einzelner feierlicher Gründungsakt am 7. April 1167 in Pontida erscheint jedoch nicht in zeitgenössischen Quellen und ist erst viel später überliefert.

War Alberto da Giussano der Held von Legnano?

Die Figur und die Kompanie des Todes sind in zeitgenössischen Berichten nicht belegt. Sie erscheinen erst in spätmittelalterlicher Überlieferung und wurden im 19. Jahrhundert zum nationalen Symbol. Die Schlacht von Legnano selbst fand am 29. Mai 1176 statt.

Verlor Barbarossa nach Legnano ganz Italien?

Nein. Legnano förderte die Verhandlungen, aber der Frieden von Konstanz 1183 bewahrte die kaiserliche Oberhoheit und bestimmte Einkünfte. Die Städte erhielten weitgehende Autonomie. Barbarossa konnte danach wieder in Italien reisen und Bündnisse schließen.

Was gewährte der Frieden von Konstanz?

Die Städte durften viele Regalien nutzen, ihre Konsuln wählen, Gerichtsbarkeit ausüben und die Liga fortsetzen. Sie erkannten zugleich den Kaiser als Oberherrn an und leisteten geregelte Abgaben und Dienste.

Wie kamen die Staufer an Sizilien?

Durch die Ehe Heinrichs VI. mit Konstanze von Hauteville entstand ein dynastischer Anspruch. Nach dem Tod Wilhelms II. setzte sich zunächst Tancred durch. Heinrich eroberte das Königreich 1194 militärisch und wurde in Palermo gekrönt.

War Friedrich II. eher Deutscher oder Italiener?

Solche nationalen Kategorien passen nur begrenzt. Er wurde in Jesi geboren, wuchs in Sizilien auf, war König von Sizilien, römisch-deutscher König und Kaiser. Seine Identität war dynastisch, christlich und herrschaftlich, nicht nationalstaatlich.

Waren die Konstitutionen von Melfi eine moderne Verfassung?

Nein. Sie waren ein mittelalterliches königliches Gesetzbuch für das Königreich Sizilien. Ihre systematische Ordnung und starke Königsmacht sind bemerkenswert, doch sie schufen weder Demokratie noch rechtliche Gleichheit aller Menschen.

War Friedrich II. religiös tolerant?

Er nutzte Gelehrte und Amtsträger verschiedener Traditionen und ließ muslimische Religionsausübung in Lucera zu. Zugleich ließ er muslimische Gemeinschaften aus Sizilien gewaltsam deportieren und bekämpfte Häresie. „Tolerant“ ist daher nur mit starken Einschränkungen brauchbar.

Warum wurde Lucera muslimisch geprägt?

Friedrich ließ seit den 1220er Jahren besiegte Muslime aus Sizilien nach Lucera umsiedeln. Dort standen sie unter königlichem Schutz, zahlten Abgaben und stellten Soldaten. Die Gemeinschaft entstand aus Zwangsumsiedlung, nicht aus einer freien multikulturellen Gründung.

Was bedeutete Cortenuova 1237?

Friedrich II. errang einen großen Sieg über die Liga und erbeutete den Mailänder Carroccio. Da Mailand und andere Städte nicht kapitulierten und der Kaiser harte Bedingungen verlangte, führte der Sieg nicht zu einem dauerhaften Frieden.

Warum war Parma 1248 so wichtig?

Die Parmesen zerstörten das kaiserliche Belagerungslager Vittoria und erbeuteten bedeutende Ausrüstung. Die Niederlage traf Friedrich militärisch und symbolisch und stärkte seine Gegner.

War Enzio wirklich König von Sardinien?

Er führte den Königstitel aufgrund seiner Ehe und kaiserlicher Politik. Seine tatsächliche Kontrolle über Sardinien blieb begrenzt. In Norditalien war er vor allem Generallegat und Heerführer seines Vaters.

War Manfred rechtmäßiger König von Sizilien?

Manfred ließ sich 1258 krönen, obwohl sein Neffe Konradin lebte und dynastische Rechte besaß. Seine Anhänger erkannten ihn an, die Päpste nicht. Seine Herrschaft war faktisch wirksam, aber rechtlich und dynastisch umstritten.

Warum gewann Karl von Anjou?

Er erhielt päpstliche Belehnung, internationale Unterstützung, Kredite und Hilfe italienischer Guelfen. Manfreds Bündnissystem zerfiel vor Benevent. Karls Erfolg war daher militärisch, finanziell und diplomatisch vorbereitet.

Hat der Papst Konradins Hinrichtung befohlen?

Ein direkter päpstlicher Befehl ist nicht sicher belegt. Karl von Anjou ließ Konradin nach dem Prozess in Neapel hinrichten. Die Kurie hatte Karl legitimiert und Konradins Zug bekämpft, doch unmittelbare und strukturelle Verantwortung müssen getrennt werden.

Welche Orte zeigen staufische Spuren in Italien?

Wichtige Orte sind unter anderem Pavia, Mailand, Lodi, Crema, Alessandria, Legnano, Parma, Melfi, Lucera, Foggia, Castel del Monte, Bari, Trani, Brindisi, Palermo und Neapel. Viele Bauten wurden später stark verändert.

Welche Ergänzungsseiten passen zu diesem Thema?

Besonders passend sind Papsttum und Staufer, Kaiser Barbarossa, Heinrich VI., Friedrich II., Konstanze von Sizilien, Konrad IV., Manfred, Konradin, Enzio sowie die allgemeinen Seiten über Staufer, Reichsstädte und Reisekönigtum.

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Die Darstellung verbindet Herrscherurkunden, kommunale Verträge, Rechtsquellen, Papstregister, Chroniken, archäologische Befunde und moderne Forschung. Hofnahe, kommunale und päpstliche Texte werden nicht als neutrale Berichte behandelt. Späte Legenden werden nur als Erinnerungskultur verwendet.

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