Friedrich II. der Einäugige – Herzog von Schwaben, Burgenbauer und Vater Barbarossas
Vom jugendlichen Herzog des Jahres 1105 über die Reichsvertretung für Heinrich V. und die Burgengründungen im Elsass bis zur verlorenen Königswahl von 1125: eine superausführliche, quellenkritische Biografie über salisches Erbe, Thronkampf, Hagenau, Konrad III. und den Aufstieg Barbarossas.
1090–1147Lebenszeit mit unsicherer Tagesdatierung des Todes.
1105Übernahme des Herzogtums Schwaben.
1125Gescheiterte Bewerbung um die Königskrone.
BurgenbauerPolitischer Schwerpunkt an Rhein und im Elsass.
Friedrich der Einäugige: Warum der Vater Barbarossas mehr als eine Vorstufe ist
Herzog Friedrich II. von Schwaben, meist „Friedrich der Einäugige“ genannt, steht im Schatten seines Sohnes Kaiser Friedrich I. Barbarossa und seines jüngeren Bruders König Konrad III. Gerade diese Stellung zwischen salischer Kaiserfamilie, frühem staufischem Herzogtum und späterem Königtum macht ihn jedoch zu einer Schlüsselfigur. Er erbte 1105 als etwa Fünfzehnjähriger das Herzogtum Schwaben, führte das staufische Haus über vier Jahrzehnte, vertrat zeitweise die königliche Gewalt und organisierte Besitz, Burgen, Vogteien und Bündnisse in einem Raum, der vom schwäbischen Kernland bis an Rhein und Elsass reichte.
Seine Laufbahn zeigt, dass der Aufstieg der Staufer nicht mit der Königswahl Konrads III. 1138 oder mit Barbarossas Wahl 1152 begann. Er beruhte auf einer langen Phase territorialer Verdichtung, militärischer Behauptung und dynastischer Vernetzung. Friedrich gewann selbst nie die Krone, hielt aber nach der Niederlage von 1125 den Anspruch seines Hauses auf das salische Erbe aufrecht. Seine Politik bereitete damit den Boden, auf dem Bruder und Sohn später Könige wurden.
Die Quellenlage ist ungleichmäßig. Einzelne politische Stationen sind durch Urkunden, Chroniken und Reichsgeschichte gut fassbar; persönliche Motive, die Ursache seiner Einäugigkeit, genaue Aufenthaltsfolgen und die Zuschreibung einzelner Burgen bleiben unsicher. Die Seite trennt deshalb sichere Eckdaten, plausible Forschungsrekonstruktionen, ältere Erzähltraditionen und moderne touristische Kurzfassungen konsequent voneinander.
Name, Zählung und Verwechslungsgefahr
Der Herzog wird in moderner Literatur als Friedrich II. von Schwaben gezählt, weil sein Vater Friedrich I. seit 1079 Herzog von Schwaben gewesen war. Diese Zählung bezieht sich auf die Herzöge von Schwaben und darf nicht mit Kaiser Friedrich II. verwechselt werden, der 1194 geboren wurde und 1250 starb. Zwischen beiden lagen mehrere Generationen.
Zeitgenössische Urkunden nennen einen Fürsten gewöhnlich nach Rang, Verwandtschaft oder Herrschaftsraum, nicht nach der späteren dynastischen Nummerierung. Auch die Bezeichnung „von Hohenstaufen“ ist als moderne Identifikation hilfreich, kann aber den Eindruck erwecken, die Familie habe bereits durchgehend einen festen, amtlichen Familiennamen im heutigen Sinn geführt. Sachlich genauer ist häufig: Friedrich II., Herzog von Schwaben, aus dem später staufisch genannten Haus.
Die lateinische Bezeichnung „monocolus“ und der deutsche Beiname „der Einäugige“ verweisen auf den Verlust oder die Gebrauchsunfähigkeit eines Auges. Wann und wodurch dies geschah, ist nicht sicher überliefert. Kampfverletzung und Unfall sind Möglichkeiten, aber keine nachweisbaren Tatsachen.
Salische Kaisertochter als Mutter: Friedrichs dynastischer Ausgangspunkt
Friedrich wurde 1090 als Sohn Herzog Friedrichs I. von Schwaben und Agnes von Waiblingen geboren. Seine Mutter war eine Tochter Kaiser Heinrichs IV. Damit war Friedrich Enkel eines salischen Kaisers und Neffe Heinrichs V. Diese Nähe zum Königshaus schuf politische Chancen, aber auch Erwartungen und Gegner.
Die Verbindung war 1079 im Investiturstreit entstanden. Heinrich IV. hatte Friedrichs Vater mit dem Herzogtum Schwaben belehnt und die noch junge Agnes mit ihm verbunden. Die Ehe verknüpfte staufischen Hausbesitz, Herzogswürde und salische Verwandtschaft. Friedrich II. erbte deshalb nicht nur Güter und einen Titel, sondern eine politische Position, die eng mit dem Schicksal der Salier verbunden war.
Nach Heinrichs V. kinderlosem Tod 1125 konnten die Staufer ihre Verwandtschaft als Argument für Ansprüche auf salisches Hausgut und königsnahe Rechte verwenden. Verwandtschaft allein bedeutete jedoch kein automatisches Thronfolgerecht. Das Reich war ein Wahlreich, und die Zustimmung der Großen blieb entscheidend.
1105: Ein jugendlicher Herzog übernimmt Schwaben
Als Friedrichs Vater 1105 starb, war der Sohn ungefähr fünfzehn Jahre alt. Noch im selben Jahr erscheint er als Herzog der Schwaben. Dass der Übergang offenbar ohne offenen Streit gelang, zeigt, wie fest die staufische Stellung im Herzogtum bereits geworden war. Dennoch war das Herzogtum kein geschlossenes Territorium mit moderner Verwaltung. Es bestand aus Rechten, Besitzkomplexen, Gerichts- und Schutzfunktionen, Lehensbeziehungen und dem Anspruch, unter den schwäbischen Großen eine führende Rolle auszuüben.
Friedrich führte das Haus nicht allein. Sein jüngerer Bruder Konrad erhielt eigene Besitz- und Herrschaftsbereiche, besonders in fränkischen Räumen. Die Brüder verwalteten ihre Interessen lange koordiniert. Diese Zusammenarbeit war für den Aufstieg entscheidend: Friedrich blieb der ranghöhere Herzog, während Konrad flexibel in Franken und später in Italien eingesetzt werden konnte.
Eine zentrale Quelle für Friedrichs Stellung sind die Orte, an denen er im Gefolge des Königs, als Zeuge oder als handelnder Fürst erscheint. Aus solchen Nennungen lässt sich politische Nähe erkennen; sie ergeben jedoch keine lückenlose Biografie und erlauben nicht, jeden Aufenthalt mit einem konkreten Bau- oder Regierungsakt zu verbinden.
Treue zu Heinrich V. und frühe Reichspolitik
Friedrich und Konrad schlossen sich ihrem Onkel Heinrich V. an. Friedrich nahm 1108 am Ungarnzug teil und begleitete den König 1110/1111 nach Italien. Der Romzug führte in den schweren Konflikt Heinrichs V. mit Papst Paschalis II. über Investitur, Kaiserkrönung und kirchliche Rechte.
Die ältere Forschung erzählt, Friedrich sei nach dem Vertrag von Sutri zeitweise als Geisel gestellt worden. Sicher ist seine Nähe zum königlichen Unternehmen; die genaue persönliche Rolle muss jedoch aus einer komplexen und parteiisch gefärbten Überlieferung rekonstruiert werden. Solche Einzelheiten dürfen nicht stärker behauptet werden, als die Quellen tragen.
Politisch wichtig ist die Konsequenz: Friedrich sammelte früh Erfahrung in einem Königshof, der zwischen Fürstenkonsens, militärischer Gewalt und Konflikt mit dem Papsttum agierte. Er war damit kein ausschließlich regionaler Herzog, sondern Teil der Reichsführung.
1116 bis 1118: Reichsvertretung während des Italienzugs
Als Heinrich V. 1116 erneut nach Italien zog, übertrug er Friedrich und Konrad Aufgaben zur Wahrung der königlichen Interessen nördlich der Alpen. In der Forschung wird dies häufig als Reichsregentschaft oder Reichsvertretung bezeichnet. Der moderne Begriff darf nicht mit einem genau abgegrenzten Amt nach späterem Verfassungsrecht verwechselt werden. Gemeint ist eine weitreichende politische Beauftragung in einer Krisensituation.
Friedrich wirkte besonders in den linksrheinischen Teilen Schwabens und am Mittelrhein. Gegner war unter anderem Erzbischof Adalbert von Mainz, ein früherer Kanzler Heinrichs V., der zum führenden Kopf der Opposition geworden war. Der Konflikt verband lokale Besitzfragen, Kirchenpolitik, königliche Autorität und die Konkurrenz großer Fürstenhäuser.
Diese Jahre stärkten Friedrichs Eigenständigkeit. Wer königliche Interessen verteidigte, verfügte über Truppen, Burgen, Gefolgsleute und regionale Stützpunkte. Zugleich machte diese Tätigkeit die Staufer zu persönlichen Gegnern jener Fürsten, die Heinrich V. bekämpften. Die späteren Spannungen von 1125 hatten hier einen wichtigen Vorlauf.
„Am Schweif seines Pferdes eine Burg“: Aussage und Deutung
Otto von Freising, Bischof und späterer Geschichtsschreiber aus staufisch-babenbergischer Verwandtschaft, prägte das berühmte Bild, Friedrich habe am Schweif seines Pferdes stets eine Burg hinter sich hergezogen. Die Formulierung ist keine wörtliche Bauabrechnung, sondern eine zugespitzte Charakterisierung seiner Politik.
Der Beiname „Burgenbauer“ trifft einen realen Schwerpunkt: Burgen sicherten Wege, Besitzräume, Vogteien und königliches Gut. Sie waren militärische Stützpunkte, Verwaltungsorte und sichtbare Zeichen von Herrschaft. Doch aus der allgemeinen Aussage darf nicht folgen, jede spätere Burg im Elsass oder am Rhein sei von Friedrich persönlich gegründet worden.
Für eine konkrete Zuschreibung sind Bauarchäologie, schriftliche Erstnennungen, Besitzgeschichte und regionale Forschung zusammenzuführen. Manche Anlagen können in Friedrichs Herrschaftsnetz gehört haben, ohne dass er ihr Bauherr war; andere wurden später ausgebaut und touristisch vereinfachend vollständig mit ihm verbunden.
Elsass, Rhein und Hagenauer Wald als staufischer Schwerpunkt
Friedrichs territoriale Politik konzentrierte sich stark auf den Oberrhein und das Elsass. Dort lagen salische und staufische Rechte, Waldgebiete, Klostervogteien und Verkehrsachsen. Der Raum verband Schwaben, Lothringen, Burgund und die Wege nach Italien. Wer ihn kontrollierte, verfügte über mehr als regionale Macht.
Im Hagenauer Wald ließ Friedrich wahrscheinlich um die 1110er Jahre eine Burg auf einer Insel der Moder errichten. Um diesen Herrschaftsmittelpunkt entwickelte sich Hagenau. Sein Sohn Barbarossa baute den Ort später zur besonders bedeutenden Kaiserpfalz aus. Deshalb müssen die Gründungsphase unter Friedrich und die repräsentative Pfalzentwicklung unter Barbarossa auseinandergehalten werden.
Vom frühen Bau ist oberirdisch kaum etwas erhalten. Spätere Umbauten, Abbruch und Überbauung erschweren Rekonstruktionen. Moderne Darstellungen zeigen häufig eine geschlossene Kaiserpfalz; sie beruhen auf archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Überlegungen und sind keine fotografisch genaue Wiedergabe des Zustands um 1120.
Burgenpolitik statt Burgenliste: Was sich tatsächlich sagen lässt
Friedrichs Herrschaft beruhte auf einem Netz, nicht auf einer einzelnen Stammburg. Der Hohenstaufen blieb Symbol und Bezugspunkt des schwäbischen Hauses, während Burgen und Vogteien am Rhein und im Elsass die westliche Flanke absicherten. Hinzu kamen städtische Plätze, Klöster und königliche Güter.
In populären Listen werden Friedrich unter anderem Hagenau, Trifels, Hohkönigsburg und weitere Anlagen zugeschrieben. Bei jeder Burg ist gesondert zu fragen: Ist ein Bauakt belegt? Hielt Friedrich dort nur Rechte? Wurde eine ältere Anlage erneuert? Oder entstand die Zuschreibung erst aus späterer staufischer Nutzung?
Gerade Trifels zeigt die Gefahr einfacher Aussagen. Die Burg wurde zu einem zentralen Ort der Reichsburg- und Insigniengeschichte, doch ihre Entwicklung erstreckte sich über mehrere Herrschaften und Bauphasen. Friedrichs Politik gehört zum Kontext, ersetzt aber keine präzise Baugeschichte.
1122: Friedrich und das Wormser Konkordat
Das Wormser Konkordat beendete 1122 einen zentralen Abschnitt des Investiturstreits zwischen Heinrich V. und Papst Calixt II. Friedrich erscheint unter den weltlichen Fürsten, die den Ausgleich bezeugten. Damit wird seine Stellung im engeren Kreis der Reichspolitik sichtbar.
Das Konkordat trennte geistliche Einsetzung und weltliche Regalien nicht in einer modernen, vollständig klaren Weise, sondern schuf ein Verfahren des Ausgleichs. Bischofswahlen, königliche Anwesenheit und die Übertragung weltlicher Rechte blieben politisch bedeutsam.
Für Friedrich war der Friede ambivalent. Er stärkte den Kaiser kurzfristig, beseitigte aber nicht die Fürstenkonkurrenz. Als Heinrich V. drei Jahre später starb, fehlte ein direkter Sohn, und die Frage nach Königswahl und salischem Erbe brach offen auf.
Judith Welf und Agnes von Saarbrücken: Ehen als politische Verbindungen
Friedrich heiratete um 1120 Judith, eine Tochter Herzog Heinrichs des Schwarzen aus dem welfischen Haus. Die Verbindung vereinte zwei mächtige Fürstenfamilien. Sie war politisch besonders wertvoll, weil die Welfen im süddeutschen Raum und in Bayern über große Macht verfügten.
Aus dieser Ehe gingen Friedrich Barbarossa und eine Tochter hervor, die in der Forschung meist Judith oder Bertha genannt und mit Herzog Matthäus I. von Lothringen verbunden wird. Namensformen und einzelne Lebensdaten schwanken in der genealogischen Überlieferung.
Nach Judiths Tod heiratete Friedrich Agnes von Saarbrücken. Diese Ehe stärkte Verbindungen in den westlichen und lothringischen Raum. Zu ihren Kindern gehörten Konrad, der spätere Pfalzgraf bei Rhein, und Jutta, die Landgraf Ludwig II. von Thüringen heiratete. Ältere Kinderlisten sind nicht in allen Einzelheiten zuverlässig.
Die Königswahl von 1125: Friedrichs größte Chance
Nach Heinrichs V. Tod galt Friedrich als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Er war Kaiserneffe, Herzog von Schwaben, politisch erfahren und verfügte über bedeutende Machtmittel. Dennoch wurde Ende August 1125 Lothar von Sachsen zum König gewählt.
Ältere Darstellungen erklären das Scheitern gern mit einer ungeschickten Antwort Friedrichs auf die Frage, ob er jeden Gewählten anerkennen werde. Diese Episode ist Teil der Überlieferung, darf aber nicht als alleinige Ursache behandelt werden. Wichtiger waren die Furcht vor einer erbähnlichen Fortsetzung salischer Herrschaft, persönliche Gegnerschaften, die Wahlleitung Erzbischof Adalberts von Mainz und das Interesse der Fürsten an einem Kandidaten, der ihre Mitwirkung stärker berücksichtigen musste.
Ob Friedrich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Auge verloren hatte und ob eine körperliche Beeinträchtigung seine Wählbarkeit beeinflusste, bleibt unsicher. Die Forschung kann den Augenverlust nicht sicher datieren. Eine einfache Formel „einäugig, deshalb nicht König“ ist daher nicht haltbar.
Hausgut oder Reichsgut? Der Streit um das salische Erbe
Der Konflikt nach 1125 entzündete sich nicht nur an verletztem Ehrgeiz. Heinrich V. hatte Besitz und Rechte hinterlassen, bei denen umstritten war, ob sie persönliches Hausgut der Salier oder unveräußerliches Reichsgut waren. Friedrich nahm wichtige Positionen als Verwandter und Erbe in Anspruch; König Lothar betrachtete Teile davon als der Krone zugehörig.
Die Unterscheidung war im Mittelalter nicht immer eindeutig dokumentiert. Königsfamilie, Reichsgewalt und persönlicher Besitz waren eng verflochten. Wer Güter kontrollierte, gewann Burgen, Einkünfte, Vogteien und Gefolgschaft. Deshalb war die juristische Frage zugleich eine Machtfrage.
Friedrichs Festhalten an diesen Gütern schuf die materielle Grundlage des staufischen Widerstands. Zugleich ermöglichte es seinen Gegnern, ihn als ungehorsamen Fürsten darzustellen. Beide Seiten verbanden Rechtssprache und militärische Politik.
Reichsacht und jahrelanger Krieg gegen Lothar III.
Ende 1125 beziehungsweise Anfang 1126 wurde Friedrich wegen seines Widerstands verurteilt und mit der Reichsacht belegt. Der folgende Krieg zog sich über Jahre. Lothar und seine Verbündeten versuchten, staufische Besitzräume in Oberlothringen, im Elsass, in Rheinfranken und später in Schwaben zurückzudrängen.
Die Staufer waren zunächst widerstandsfähig. Burgen, Städte und lokale Gefolgschaften erschwerten eine schnelle Entscheidung. Lothar konnte nicht einfach eine zentrale Hauptstadt besetzen; Herrschaft war räumlich verteilt. Gerade dies bestätigt den strategischen Wert der vorausgegangenen staufischen Territorialpolitik.
Der Krieg war kein geschlossener „Staufer-Welfen-Krieg“ im späteren Sinn. Bündnisse wechselten, Verwandtschaften überschnitten sich, Bischöfe und weltliche Fürsten verfolgten eigene Interessen. Die bekannte Gegenüberstellung von Staufern und Welfen erklärt einen Teil, aber nicht die gesamte Konfliktstruktur.
1127: Konrad wird Gegenkönig – Friedrich bleibt Schlüsselfigur
Im Dezember 1127 wurde Friedrichs Bruder Konrad von staufischen Anhängern zum Gegenkönig erhoben. Die Quellen bezeichnen ihn teilweise als Bruder des Herzogs Friedrich und machen damit sichtbar, dass Friedrich weiterhin als zentrale Kraft des Hauses wahrgenommen wurde.
Warum Friedrich nicht selbst Gegenkönig wurde, ist nicht sicher. Möglich sind taktische Überlegungen, der ungeklärte Zeitpunkt seiner Augenverletzung, die Belastung durch die vorausgegangene Wahl und die unterschiedliche regionale Stellung der Brüder. Keine dieser Erklärungen kann allein als erwiesen gelten.
Konrad versuchte in Italien, eine eigene Königsherrschaft aufzubauen, und wurde in Monza zum König von Italien gekrönt. Währenddessen musste Friedrich die staufische Stellung nördlich der Alpen halten. Die Arbeitsteilung war riskant: Sie verteilte Kräfte über weite Räume, ohne die Anerkennung des Gegenkönigs dauerhaft zu sichern.
Speyer, Nürnberg und Ulm: Der staufische Rückzug
Ab 1129 verschlechterte sich Friedrichs Lage. Speyer, ein wichtiger salischer und staufischer Stützpunkt, ging nach Belagerungen an Lothar verloren. 1130 folgte Nürnberg, später wurde die staufische Position im Elsass zurückgedrängt. 1134 fiel mit Ulm ein weiterer bedeutender Platz.
Ältere Erzählungen heben die Rolle Judiths bei der Verteidigung Speyers hervor. Sie soll den Mut der Bevölkerung gestärkt und Entbehrungen geteilt haben. Diese Darstellung stammt aus einer erzählerisch ausgestalteten Überlieferung und ist als Hinweis auf weibliche Präsenz im Konflikt wichtig, aber nicht in allen Details überprüfbar.
Die Verluste zeigen, dass auch ein dichtes Herrschaftsnetz militärisch überwunden werden konnte. Friedrich blieb jedoch Herzog und verlor nicht seine gesamte materielle Basis. Die spätere Aussöhnung verhinderte die vollständige Ausschaltung der Staufer.
1135: Unterwerfung ohne dynastischen Untergang
Ende 1134 und im Frühjahr 1135 suchten die Brüder die Aussöhnung. Friedrich unterwarf sich auf dem Bamberger Hoftag öffentlich König Lothar. Solche Demutsgesten waren keine private Erniedrigung im modernen Sinn, sondern ein ritualisiertes Mittel zur Wiederherstellung von Rangordnung und Frieden.
Friedrich behielt Herzogtum, wichtige Güter und Lehen. Damit war die militärische Niederlage politisch begrenzt. Lothar benötigte vor seinem zweiten Italienzug Stabilität im Reich und hatte ein Interesse daran, die Staufer einzubinden, statt sie in dauerhaften Aufruhr zu treiben.
Die Unterwerfung war daher gleichzeitig Niederlage und Überlebensstrategie. Friedrich verzichtete vorläufig auf offenen Widerstand, rettete aber die Grundlage seines Hauses. Ohne diesen Kompromiss wäre die spätere Königswahl Konrads III. schwer vorstellbar.
Vom Gegner zum Teilnehmer an Lothars Italienzug
Nach der Aussöhnung begleiteten Friedrich und Konrad Lothar auf dessen Italienzug von 1136/37. Die Beteiligung verdeutlicht, wie schnell sich mittelalterliche Konfliktlagen verändern konnten. Ein geächteter Gegner konnte nach Wiederaufnahme in die Huld wieder Teil des königlichen Heeres werden.
Dabei verschwanden frühere Gegensätze nicht vollständig. Die Brüder gewannen jedoch Gelegenheit, ihre Loyalität öffentlich zu zeigen, Kontakte zu erneuern und ihren Rang zu behaupten. Die Reichspolitik beruhte weniger auf dauerhaften Parteien als auf immer neu ausgehandelten Bindungen.
Lothars Tod im Dezember 1137 öffnete die Nachfolgefrage erneut. Diesmal war Friedrichs Bruder Konrad politisch verfügbar und wurde rasch gewählt, bevor Heinrich der Stolze seine überragenden Machtmittel vollständig einsetzen konnte.
1138: Der Bruder wird König
Konrad III. wurde im März 1138 zum König gewählt. Damit erreichte das staufische Haus erstmals die Königswürde. Friedrich blieb Herzog von Schwaben und wichtigster dynastischer Partner seines Bruders. Seine jahrzehntelange Sicherung von Hausgut, Gefolgschaft und regionalen Stützpunkten war eine materielle Voraussetzung dieses Erfolgs.
Das Verhältnis der Brüder wird in den Quellen überwiegend als eng dargestellt. Dennoch waren ihre Rollen verschieden: Konrad musste als König mit Fürsten des ganzen Reiches verhandeln, während Friedrich die schwäbischen und westlichen Hausinteressen konzentrierter vertreten konnte.
Die Wahl Konrads beweist zugleich, dass Friedrichs Niederlage von 1125 keine endgültige Ablehnung der Stauferdynastie bedeutete. Wahlkonstellationen, Kandidaten und politische Dringlichkeiten hatten sich verändert.
Welfischer Konflikt und die Erzählung von den treuen Weibern
Konrads Königtum führte zum Konflikt mit Heinrich dem Stolzen und dessen welfischem Umfeld. Friedrich war durch seine erste Ehe selbst mit den Welfen verschwägert. Der Gegensatz verlief daher mitten durch dynastische Verwandtschaft und lässt sich nicht als einfacher Kampf zweier geschlossener „Familienblöcke“ darstellen.
Die Belagerung Weinsbergs 1140 wurde später mit der Geschichte der „treuen Weiber“ verbunden: Frauen hätten die Erlaubnis erhalten, ihr Liebstes aus der Burg zu tragen, und daraufhin ihre Männer auf den Rücken genommen. Der König habe das Wort gelten lassen. Die Erzählung ist berühmt, aber ihre konkrete historische Ausgestaltung ist nicht zeitgenössisch gesichert.
Friedrich wird in älteren Fassungen bisweilen als derjenige genannt, der gegen die List Einspruch erhob. Gerade solche Rollenverteilungen gehören zur späteren moralischen Ausschmückung. Sicher ist der politische und militärische Konflikt; die dramatische Szene ist Erinnerungskultur.
Herzogliche Herrschaft: Vogtei, Kloster, Burg und persönliche Bindung
Friedrich regierte ohne zentrale Behörde im modernen Sinn. Herrschaft entstand aus persönlicher Anwesenheit, Gericht, Schutz, Lehensvergabe, Klostervogtei, Heiraten und der Fähigkeit, bewaffnete Gefolgschaft zu mobilisieren. Urkunden waren wichtig, aber nicht jede Entscheidung wurde schriftlich festgehalten oder überliefert.
Klöster konnten Gebetsgemeinschaften, Grablegen und wirtschaftliche Partner sein. Vogteirechte verschafften weltlichen Schutzherren Einfluss, waren aber zugleich konfliktanfällig. Friedrichs Beziehungen zu Sankt Walburga bei Hagenau, Neuburg, Königsbrück, Münsterdreisen und weiteren Stiften gehören in diesen Zusammenhang.
Moderne Begriffe wie „Territorialstaat“ oder „Verwaltungsnetz“ helfen bei der Orientierung, dürfen aber nicht zu frühstaatlichen Vorstellungen führen. Friedrichs Macht war stark, blieb jedoch von Konsens, Gefolgschaft und persönlicher Durchsetzung abhängig.
Klostergründungen und religiöse Memoria
In Friedrichs späteren Jahren treten Klostergründungen und Restitutionen deutlicher hervor. Dazu zählen Neuburg und das Frauenkloster Königsbrück im Hagenauer Raum sowie Unterstützungen beziehungsweise Wiederherstellungen anderer Stifte. Einzelne Gründungsanteile sind in der regionalen Überlieferung unterschiedlich gewichtet.
Religiöse Förderung hatte mehrere Ebenen. Sie galt dem Seelenheil, schuf Gebetsgedächtnis für die Familie, ordnete Besitz, erschloss Landschaft und stärkte Beziehungen zu geistlichen Gemeinschaften. Eine Stiftung war deshalb weder nur Frömmigkeit noch nur Machtpolitik.
Die spätere Grablege Friedrichs in Sankt Walburga bei Hagenau verband Tod, Erinnerung und den elsässischen Herrschaftsschwerpunkt. Die mittelalterlichen Gräber sind heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten.
Kinder und dynastische Weiterführung
Aus Friedrichs erster Ehe mit Judith stammte sein Sohn Friedrich, der spätere Kaiser Barbarossa. Eine Tochter wurde mit Matthäus von Lothringen verheiratet und verband die Familie mit dem lothringischen Herzogshaus. Die Überlieferung schwankt bei ihrem Namen zwischen Judith und Bertha.
Aus der zweiten Ehe mit Agnes von Saarbrücken stammte Konrad, der Pfalzgraf bei Rhein wurde, sowie Jutta, die den thüringischen Landgrafen Ludwig II. heiratete. Weitere Zuordnungen sind in älterer genealogischer Literatur nicht immer sicher.
Die Kinder zeigen Friedrichs weite politische Horizonte: Schwaben, Lothringen, Rheinpfalz und Thüringen wurden durch Erbe, Amt oder Ehe miteinander verbunden. Dynastische Politik war räumliche Politik.
Vater Barbarossas – aber nicht nur Vater Barbarossas
Barbarossa wurde 1122 geboren. Durch seinen Vater gehörte er zum staufischen Herzogshaus, durch seine Mutter Judith zugleich zum welfischen Verwandtschaftsnetz. Diese doppelte Herkunft half 1152 bei seiner Königswahl, weil er zwischen lange verfeindeten Gruppen vermitteln konnte.
Friedrich übertrug seinem Sohn bereits vor dem eigenen Tod Verantwortung im Herzogtum. Der genaue Umfang und Zeitpunkt müssen vorsichtig formuliert werden; die Quellen zeigen jedoch, dass der junge Friedrich 1147 als handlungsfähiger Herzog auftrat und sich dem Kreuzzug Konrads III. anschloss.
Die spätere Größe Barbarossas darf nicht rückwirkend jedes Handeln des Vaters als bewussten Plan auf ein Kaisertum deuten. Friedrich konnte die Wahl von 1152 nicht vorhersehen. Er hinterließ seinem Sohn aber Rang, Besitz, Verbindungen und die Erinnerung an einen fortbestehenden königlichen Anspruch.
Tod 1147: Datum, Ort und Begräbnis
Friedrich starb Anfang April 1147, wahrscheinlich in Alzey. Als Todestag werden in der Überlieferung der 4. oder häufiger der 6. April genannt. Die unterschiedliche Datierung sollte nicht künstlich vereinheitlicht werden.
Sein Tod fiel in die Vorbereitungszeit des Zweiten Kreuzzugs. Ältere Darstellungen berichten, er habe den Aufbruch seines Sohnes mit Sorge gesehen. Ob sich daraus ein dramatischer letzter Familienkonflikt rekonstruieren lässt, ist fraglich.
Beigesetzt wurde Friedrich in der Abtei Sankt Walburga bei Hagenau. Die Wahl des Ortes unterstreicht die Bedeutung des elsässischen Herrschaftsraums. Von der ursprünglichen Grablege ist heute kein unmittelbar erlebbarer mittelalterlicher Befund erhalten.
Was wissen wir über das verlorene Auge?
Der Beiname gehört fest zur späteren Identifikation Friedrichs, doch die Ursache des Augenverlusts bleibt unbekannt. Eine Verletzung in den Kämpfen gegen Lothar wird oft angenommen, weil diese Jahre militärisch besonders intensiv waren. Ein direkter zeitgenössischer Beleg für Zeitpunkt und Umstände fehlt.
Im mittelalterlichen Denken konnte körperliche Unversehrtheit mit Herrschereignung verbunden werden. Daraus entstand die These, Friedrich sei wegen seiner Einäugigkeit als König ausgeschieden. Sie ist möglich, aber nicht beweisbar, solange nicht feststeht, wann er das Auge verlor und wie stark dieser Umstand 1125 politisch gewichtet wurde.
Quellenkritisch korrekt ist daher eine doppelte Aussage: Friedrich war einäugig; die Entstehung der Verletzung und ihre konkrete Wirkung auf Königswahlen sind unsicher.
Spätere Bilder, Beinamen und historische Projektionen
Zeitgenössische Porträts, die Friedrichs Aussehen zuverlässig wiedergeben, sind nicht erhalten. Spätere Handschriften, Chroniken und Historienbilder zeigen einen Herzog nach den Vorstellungen ihrer eigenen Zeit. Augenklappe, Rüstung und Burgkulisse können symbolische Zutaten sein.
Auch die Bezeichnungen „Burgenbauer“, „gescheiterter König“ und „Vater des Kaisers“ setzen jeweils einen Schwerpunkt. Sie sind nützlich, wenn erklärt wird, was sie leisten und was sie verdecken. Friedrich war Heerführer und Bauherr, aber ebenso Herzog, Vogt, Erbe, Bruder, Ehemann und politischer Vermittler.
Im 19. Jahrhundert wurde der staufische Aufstieg häufig als nationaler Weg zu einem starken Kaisertum erzählt. Moderne Forschung fragt stärker nach Wahlverfahren, Fürstenkonsens, regionalen Herrschaftsnetzen und der Unsicherheit genealogischer sowie erzählender Quellen.
Orte seines Lebens: keine feste Hauptstadt
Friedrich regierte reisend. Hohenstaufen, Schwaben, Speyer, Worms, Mainz, Nürnberg, Ulm, Hagenau, Alzey und italienische Etappen gehören in unterschiedlicher Intensität zu seinem politischen Raum. Kein einzelner Ort war eine dauerhafte Hauptstadt.
Urkunden- und Chroniknennungen zeigen Aufenthalte oder Handlungen, bilden aber nur Ausschnitte. Fehlende Nennung beweist nicht, dass Friedrich einen Ort nie besuchte; umgekehrt beweist ein Aufenthalt nicht, dass er dort eine Burg gründete oder dauerhaft Hof hielt.
Für heutige Besucher lassen sich besonders Hohenstaufen und Hagenau sinnvoll verbinden: Der Hohenstaufen erklärt die schwäbische Herkunft und Stammburg, Hagenau die westliche Territorialpolitik und die Entwicklung vom frühen Burgplatz zur Kaiserpfalz.
Nicht verwechseln: Herzog Friedrich II. und Kaiser Friedrich II.
Der Einäugige lebte von 1090 bis 1147 und war Herzog von Schwaben. Kaiser Friedrich II. lebte von 1194 bis 1250, war König von Sizilien, römisch-deutscher König und Kaiser. Der Herzog war der Vater Barbarossas; der Kaiser war Barbarossas Enkel Heinrichs VI. Sohn und damit ein Urenkel Barbarossas.
Beide heißen in ihren jeweiligen Zählreihen Friedrich II. Der eine ist der zweite staufische Herzog dieses Namens in Schwaben, der andere der zweite römisch-deutsche Kaiser namens Friedrich. Ein Dateiname oder Seitentitel sollte deshalb immer den Beinamen oder die Funktion ergänzen.
Auch politische Räume unterscheiden sich: Friedrich der Einäugige konzentrierte sich auf Schwaben, Rhein, Elsass und das Reich unter Heinrich V. und Lothar III.; Kaiser Friedrich II. regierte schwerpunktmäßig Sizilien und Italien und prägte das 13. Jahrhundert.
Forschungsfragen und Grenzen des Wissens
Offen bleiben insbesondere der genaue Zeitpunkt des Augenverlusts, seine Wirkung auf die Königswahl, die präzise Abgrenzung salischen Haus- und Reichsguts, die sichere Zuschreibung einzelner Burgen und manche genealogische Einzelheit. Auch Friedrichs persönliche Motive sind nur indirekt erschließbar.
Die Forschung arbeitet mit Urkunden, erzählenden Quellen wie Otto von Freising, Klosterüberlieferungen, Besitzgeschichte, Ortsnamen, Bauarchäologie und späteren Abschriften. Jede Quellengattung beantwortet andere Fragen und besitzt eigene Verzerrungen.
Eine sachliche Biografie muss deshalb häufiger „wahrscheinlich“, „möglicherweise“ oder „nicht sicher belegt“ sagen. Diese Vorsicht macht die Geschichte nicht schwächer, sondern zeigt, wie historische Erkenntnis entsteht.
Historische Bedeutung in sieben Punkten
Erstens sicherte Friedrich den Übergang des schwäbischen Herzogtums nach 1105. Zweitens machte ihn die salische Abstammung zum zentralen Erben und Thronkandidaten. Drittens sammelte er als Gefolgsmann und Vertreter Heinrichs V. reichspolitische Erfahrung.
Viertens verdichtete er staufische Herrschaft durch Burgen, Vogteien und Besitzräume besonders am Oberrhein und im Elsass. Fünftens hielt er trotz der Niederlage von 1125 den dynastischen Anspruch aufrecht. Sechstens rettete die Aussöhnung von 1135 die Grundlage des Hauses.
Siebtens hinterließ er mit Konrad III. als Bruder und Barbarossa als Sohn zwei Träger des staufischen Königtums. Seine Leistung lag nicht in einer Kaiserkrone, sondern in der politischen Kontinuität zwischen salischem Erbe und staufischer Königsherrschaft.
Spuren heute: Hohenstaufen, Hagenau und verwandte Ziele
Auf dem Hohenstaufen sind die konservierten Grundmauern der Stammburg sichtbar. Sie dürfen nicht als unveränderter Wohnort Friedrichs II. gelesen werden; die Anlage besaß mehrere Bauphasen und wurde im 20. Jahrhundert archäologisch freigelegt sowie ergänzt.
In Hagenau erinnert der Bereich der verschwundenen Pfalz an die Burggründung Friedrichs und den späteren Ausbau unter Barbarossa. Das Historische Museum und der Stadtraum helfen, die heute weitgehend verlorene Anlage zu verstehen. Aktuelle Öffnungszeiten und Zugänglichkeit sollten vor einer Reise geprüft werden.
Weitere passende Vertiefungen sind die Seiten zu Agnes von Waiblingen, König Konrad III., Kaiser Barbarossa, Hagenau als Stauferpfalz, staufischen Pfalzen und der Baugeschichte der Burg Hohenstaufen.
Friedrich der Einäugige im dynastischen Zusammenhang
Person
Verhältnis zu Friedrich
Politische Bedeutung
Nicht verwechseln
Friedrich I. von Schwaben
Vater
Erster staufischer Herzog von Schwaben und Erbauer der Stammburg nach traditioneller Einordnung.
Nicht Kaiser Barbarossa.
Agnes von Waiblingen
Mutter
Salische Kaisertochter; vermittelte die Nähe zu Heinrich IV. und Heinrich V.
Nicht Agnes von Saarbrücken, Friedrichs zweite Frau.
Konrad III.
Bruder
1127 Gegenkönig, 1138 erster staufischer König.
Konrad wurde König, aber nie Kaiser.
Friedrich I. Barbarossa
Sohn
Herzog von Schwaben, König seit 1152, Kaiser seit 1155.
Barbarossa ist Friedrich I. als Kaiser, aber Friedrich III. in der schwäbischen Herzogszählung.
Kaiser Friedrich II.
Später Nachkomme
König von Sizilien und Kaiser des 13. Jahrhunderts.
Nicht der Einäugige; geboren erst 1194.
Große Zeittafel: Friedrich II. der Einäugige
Geburt als Sohn Herzog Friedrichs I. und Agnes von Waiblingen.
Tod des Vaters; Friedrich wird als Herzog von Schwaben bezeugt.
Teilnahme am Ungarnzug Heinrichs V.
Begleitung Heinrichs V. auf dem Romzug.
Wahrnehmung königlicher Interessen nördlich der Alpen gemeinsam mit Konrad.
Ehe mit Judith aus dem welfischen Haus.
Friedrich gehört zu den weltlichen Zeugen des Wormser Konkordats.
Tod Heinrichs V.; Friedrich unterliegt bei der Königswahl Lothar von Sachsen.
Reichsacht und Beginn des offenen Konflikts um Erbe und Königsherrschaft.
Konrad wird staufischer Gegenkönig.
Verlust Speyers und Nürnbergs; Tod Judiths um diese Zeit.
Zweite Ehe mit Agnes von Saarbrücken.
Weitere militärische Rückschläge, darunter der Verlust Ulms.
Öffentliche Unterwerfung und Aussöhnung mit Lothar III.
Teilnahme der staufischen Brüder an Lothars Italienzug.
Konrad III. wird erster staufischer König.
Konflikt um Weinsberg; spätere Entstehung der Weibertreu-Erzählung.
Tod Anfang April in Alzey; Bestattung in Sankt Walburga bei Hagenau.
Datierungsregel: Die Zeittafel nennt gesicherte Jahresrahmen und markiert unsichere Zeiträume. Sie darf nicht als lückenloses Itinerar gelesen werden.
Agnes, Judith und weitere Frauen in Politik und Memoria.
Häufige Fragen zu Friedrich dem Einäugigen
Wer war Friedrich der Einäugige?
Friedrich II. der Einäugige war von 1105 bis 1147 Herzog von Schwaben. Er war ein Sohn Herzog Friedrichs I. und der salischen Kaisertochter Agnes, Bruder König Konrads III. und Vater Kaiser Friedrichs I. Barbarossa.
Warum heißt er Friedrich II.?
Die Zählung bezieht sich auf die Herzöge von Schwaben namens Friedrich. Sein Vater war Friedrich I. von Schwaben. Der Herzog darf nicht mit Kaiser Friedrich II. von 1194 bis 1250 verwechselt werden.
Warum wurde er der Einäugige genannt?
Der Beiname verweist auf den Verlust oder die Funktionsunfähigkeit eines Auges. Zeitpunkt und Ursache sind nicht sicher überliefert; Kampfverletzung und Unfall bleiben Vermutungen.
War Friedrich der Einäugige König?
Nein. Er galt 1125 als aussichtsreicher Kandidat, gewählt wurde jedoch Lothar von Sachsen. Friedrichs Bruder Konrad wurde 1127 Gegenkönig und 1138 rechtmäßig gewählter König.
Scheiterte seine Königswahl wegen des verlorenen Auges?
Das ist nicht beweisbar. Es ist nicht sicher, wann Friedrich das Auge verlor. Für die Wahl von 1125 waren außerdem Fürsteninteressen, Gegnerschaften, die salische Erbfrage und die Furcht vor einer erbähnlichen Thronfolge entscheidend.
Was erbte Friedrich von den Saliern?
Als Enkel Heinrichs IV. und Neffe Heinrichs V. beanspruchte Friedrich Teile salischen Hausguts und königsnahe Rechte. Welche Güter Hausgut und welche Reichsgut waren, wurde nach 1125 zum Kern eines langjährigen Konflikts.
Warum wird Friedrich Burgenbauer genannt?
Otto von Freising charakterisierte seine Politik mit dem Bild, Friedrich ziehe am Schweif seines Pferdes stets eine Burg hinter sich her. Gemeint ist seine intensive Sicherung von Herrschaftsräumen durch Burgen, nicht eine exakt belegte persönliche Gründung jeder ihm zugeschriebenen Anlage.
Hat Friedrich Hagenau gegründet?
Friedrich ließ wahrscheinlich um die 1110er Jahre eine Burg auf einer Moderinsel errichten, um die sich der Ort Hagenau entwickelte. Barbarossa baute den Platz später zur Kaiserpfalz und bedeutenden Stadt aus.
Hat Friedrich die Burg Hohenstaufen gebaut?
Die Stammburg wird gewöhnlich seinem Vater Friedrich I. zugeschrieben. Friedrich II. erbte und nutzte den staufischen Herrschaftszusammenhang; einzelne Baumaßnahmen seiner Zeit sind nicht ohne Weiteres eindeutig zuzuordnen.
Was bedeutete seine Reichsvertretung?
Während Heinrich V. 1116 nach Italien zog, nahmen Friedrich und Konrad königliche Interessen nördlich der Alpen wahr. Der moderne Begriff Reichsregentschaft beschreibt eine weitreichende Beauftragung, kein später exakt geregeltes Staatsamt.
Warum kämpfte Friedrich gegen Lothar III.?
Der Streit verband die verlorene Königswahl mit der Frage, ob salische Güter Friedrich als Familienerbe oder dem neu gewählten König als Reichsgut zustanden. Daraus entstand ein mehrjähriger militärischer und rechtlicher Konflikt.
Warum wurde Konrad und nicht Friedrich Gegenkönig?
Die Gründe sind nicht sicher. Taktik, regionale Aufgabenverteilung, Friedrichs Belastung durch die Wahl von 1125 und möglicherweise seine Augenverletzung werden diskutiert. Keine Erklärung ist allein bewiesen.
Verlor Friedrich nach 1135 alles?
Nein. Er unterwarf sich Lothar III., behielt aber Herzogtum, wichtige Güter und Lehen. Die Aussöhnung bewahrte die materielle Grundlage für den späteren Aufstieg der Staufer.
War Friedrich mit den Welfen verwandt?
Ja. Seine erste Frau Judith war eine Tochter Heinrichs des Schwarzen aus dem welfischen Haus. Der spätere staufisch-welfische Konflikt verlief daher durch enge Verwandtschaftsbeziehungen.
Ist die Geschichte der Weiber von Weinsberg wahr?
Der Konflikt um Weinsberg ist historisch. Die berühmte Erzählung, Frauen hätten ihre Männer auf dem Rücken aus der Burg getragen, ist jedoch in ihrer dramatischen Form später überliefert und nicht als zeitgenössischer Tatsachenbericht gesichert.
Welche Kinder hatte Friedrich?
Aus der Ehe mit Judith stammten Friedrich Barbarossa und eine Tochter, meist Judith oder Bertha genannt. Aus der zweiten Ehe mit Agnes von Saarbrücken stammten unter anderem Konrad, Pfalzgraf bei Rhein, und Jutta von Thüringen.
Wann starb Friedrich der Einäugige?
Er starb Anfang April 1147, wahrscheinlich in Alzey. Als Todestag werden der 4. und der 6. April genannt; die Deutsche Biographie führt den 6. April.
Wo wurde Friedrich begraben?
Seine Grablege befand sich in der Abtei Sankt Walburga bei Hagenau. Die ursprünglichen mittelalterlichen Gräber sind heute nicht mehr erhalten.
Warum ist Friedrich für Barbarossa wichtig?
Er hinterließ seinem Sohn Herzogswürde, Besitz, politische Verbindungen und ein dynastisches Anspruchsbewusstsein. Barbarossas spätere Königswahl war nicht vorprogrammiert, beruhte aber auch auf dieser Grundlage.
Welche Seiten passen als Ergänzung?
Besonders passend sind Agnes von Waiblingen, König Konrad III., Kaiser Barbarossa, Hagenau als Stauferpfalz, die Burg Hohenstaufen und die allgemeine Seite über die Staufer.
Quellen, Forschung und redaktionelle Arbeitsweise
Die Darstellung verbindet biografische Lexika, wissenschaftliche Spezialforschung, Regesten, mittelalterliche Geschichtsschreibung sowie regionale Bau- und Ortsgeschichte. Widersprüche werden nicht verdeckt, sondern im Text als unterschiedliche Überlieferungs- oder Forschungsstände ausgewiesen.
Letzte redaktionelle Prüfung: 6. August 2026. Historische Öffnungs- und Besuchsangaben können sich ändern; aktuelle Bedingungen sind bei den jeweiligen Einrichtungen zu prüfen.
Übernachten am Fuß des Hohenstaufen
Das Hotel Goldener Ochsen liegt in Göppingen-Hohenstaufen. Von hier lassen sich Stammburg, Berg, Spielburg und weitere Ziele im Stauferland erkunden. Reservierungen und Anreiseabsprachen erfolgen ausschließlich telefonisch und auf Deutsch.